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Ein Amulett zerbricht, ein alter Uhrturm gibt seine Geheimnisse frei und binnen Sekunden wimmelt es in der Kleinstadt von unsichtbaren Gespenstern. Mit einer Kamera ziehen Geisterjäger*innen in Spooky Tower los, um die entflohenen Geister aufzuspüren, zu fotografieren und so einzufangen. Oder sie versuchen, die Bruchstücke des schützenden Amuletts wieder zusammenzutragen.

Für die Entwicklung von Spooky Tower, das bei Repos Production/Asmodee erschienen ist, haben sich zwei durchaus renommierte Autoren zusammengetan. Zum einen Corentin Lebrat, der durch Erfolgstitel wie Dead Cells und Tag Team auf sich aufmerksam gemacht hat, und zum anderen Jonathan Favre-Godal. Dieser hat es mit dem charmanten Reaktionsspiel Krasse Kacke immerhin auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2019 geschafft. Hier haben sich also keine Anfänger, sondern durchaus erfahrene Spieldesigner zusammengerauft, um ein neues Spiel zu entwerfen.

Die Geschichte, die rund um das Spiel erzählt wird, klingt mysteriös: Ein Amulett hält einen Schutzzauber aufrecht, der Gespenster in einem alten Glockenturm festhält. Die Spielenden schlüpfen in die Rollen von Geisterjäger*innen. Sie sind jedoch nicht mit Protonenstrahlern, sondern mit Kameras ausgestattet und sollen Bilder der entfleuchten Spukgestalten schießen. So können diese wieder eingefangen werden. Alternativ kann versucht werden, das Amulett wieder zusammenzusetzen.

Spooky Tower klingt nach einer stimmungsvollen Halloween-Geschichte, ist aber im Kern etwas ganz anderes – ein schlankes, schnelles Set-Collection-Spiel mit einer ordentlichen Prise Push-your-luck.

Doch hält das Spiel, was die liebevoll gestaltete Box verspricht? Ist es nur ein flüchtiger Spaß für zwischendurch oder ein echter Dauerbrenner auf dem Spieltisch? Unsere Rezension beleuchtet die Spielmechaniken, den Spielablauf, das Material sowie die Stärken und Schwächen des taktischen Würfelabenteuers.

Triggerwarnungen

keine besonderen Trigger

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Spielablauf

Spielaufbau
Spielaufbau

Der Spielaufbau gestaltet sich, auch aufgrund der gut durchdachten Verpackung, recht schnell. Bemerkenswert ist dabei der mitgelieferte Würfelturm, der mit der Anzeige für diverse Boni, gleichzeitig ein aktives Spielelement ist.

Ziel der Spielenden ist es, entweder fünf Gespenster zu fotografieren und so einzufangen oder das Schutzamulett aus drei Amulett-Stücken wieder zusammenzusetzen.

Die Gespenster, die aus dem Turm entkommen sind, haben sich in der gesamten Stadt versteckt. Diese wird durch Gebäudekarten dargestellt, die mit unterschiedlichen Werten versehen sind.

Die Spielenden-Häuser und die Neuwurf-Plättchen
Die Spielenden-Häuser und die Neuwurf-Plättchen

Zu Beginn des eigenen Zuges wird zunächst gewürfelt. Nun hat man zwei Optionen.

Zum einen kann man eines der ausliegenden Häuser entsprechend dem Würfelergebnis nehmen. Dazu kann entweder nur ein Würfel verwendet werden oder die Augenzahl beider Würfel. Das so erhaltene Gebäude wird zur weiteren Verwendung verdeckt gesammelt. Soforteffekte können beim Sammeln ausgelöst werden. Diese ermöglichen beispielsweise, das Neuwurf-Plättchen zu reaktivieren, mit dem Würfelwürfe wiederholt werden können. Wenn der Zeiger danach auf dem entsprechenden Symbol steht, darf man je nach Symbol entweder sein Neuwurf-Plättchen auf die aktive Seite drehen oder eines der begehrten Amulett-Stücke beziehungsweise eines der drei Geistertierchen erhalten. Im Gegensatz zu allen anderen gefangenen Spukgestalten kann man diese den anderen Spielenden wieder abluchsen. Das gegenseitige Wegschnappen der Geistertierchen sorgt für spielerische Reibung am Tisch, ohne dass daraus echte Häme oder Frust entsteht. Im Vergleich zu vielen anderen Push-your-luck-Titeln wirkt Spooky Tower durch diese Interaktion angenehm sozial. Ein feiner Spielmechanismus, der dem Spiel merklich zugutekommt.

Geisterkarten und die Geistertierchen
Geisterkarten und die Geistertierchen

Zum anderen kann man bereits gesammelte Gebäude umdrehen. Auf den verschiedenen Gebäudekarten ist die Verteilung der auf den Rückseiten befindlichen Boni oder Gespenster angegeben. So kann man im Vorfeld abschätzen, welche möglichen Resultate man durch die Wertung erzielen kann. Hier kommt ein wenig Taktik ins Spiel, denn von Zug zu Zug muss abgewogen werden, ob man neue Gebäudekarten nimmt oder die bereits erhaltenen aufdeckt. Die eigentliche Spannung entsteht aus Wahrscheinlichkeitsabschätzung und Timing. Wann lohnt sich das Weitersammeln noch, und wann sollte man lieber aufdecken, bevor jemand anderes einem die Beute streitig macht?

Wichtig sind auch die sogenannten Hinweise, die durch das Aufdecken von Karten gesammelt werden. Sie können jederzeit genutzt werden, um im Park auf Gespensterjagd zu gehen. Ist es gelungen, genügend Hinweise in Form von Taschenlampensymbolen zu sammeln, kann eine Geisterkarte aus dem Park genommen werden. Diese zählt dann zu den gefangenen Spukgestalten. Ein weiterer Effekt, den man auf den Gebäudekarten findet, sind die Zauberbücher. Für jedes aufgedeckte Symbol dürfen Zauberbuch-Karten gezogen werden. Diese geben zusätzliche Boni.

Wem es als Erstes gelingt, fünf Geister zu fangen oder das Schutzamulett wieder zusammenzusetzen, gewinnt.

Der Würfelturm
Der Würfelturm

Was Spooky Tower besonders macht, ist sein flotter Spielablauf. Eine Partie ist in gut einer Viertelstunde durchgespielt, einzelne Züge dauern oft nur Sekunden. Die Downtime zwischen den Zügen ist gering, und das Aufdeck-Moment sorgt für Spannung am Tisch. Man fiebert förmlich mit, wenn die eigenen gesammelten Karten endlich umgedreht werden.

Das Spiel eignet sich damit hervorragend als Absacker vor oder nach einem längeren Spieleabend oder als kurze Auflockerung zwischendurch. Es dürfte besonders bei Familien mit Kindern gut ankommen, ebenso bei Gelegenheitsspielenden, die ein kurzes, auflockerndes Spiel für zwischendurch suchen. Auch für gemischte Spielrunden mit unterschiedlicher Erfahrung ist es gut geeignet, da der Einstieg niedrigschwellig ist und niemand durch komplizierte Regelwerke abgeschreckt wird. Vielspielende, die regelmäßig anspruchsvollere Titel auf den Tisch bringen, werden Spooky Tower eher als charmante Nebenbeschäftigung betrachten. Spooky Tower ist kein taktisches Schwergewicht und der hohe Glücksfaktor könnte abschreckend wirken.

Wer auf tiefgreifende strategische Planung, komplexe Interaktion oder eine wirklich immersive Grusel-Erzählung hofft, wird hier nicht fündig. Das Thema ist hübsch anzusehen, aber eben nur aufgesetzt.

Fans von taktischen Push-your-luck-Spielen werden sich jedoch schnell zurechtfinden. Denn bei allem Glück, das benötigt wird, können doch taktische Abwägungen getroffen werden, die zum Sieg führen. Dass sich das Würfelergebnis nie vollständig planen lässt, ist bei diesem Spiel ein Segen, denn so kann keine dominante Strategie zum sicheren Sieg führen. Dies wiederum erhöht den Wiederspielwert.

Die Würfel und die Amulett-Stücke
Die Würfel und die Amulett-Stücke

Insgesamt gefällt uns das Spiel gut, da es viele Spielende aufgrund seines einfachen Einstiegs und zügigen Spielverlaufes überzeugen kann.

Ausstattung

Die Regeln sind, wie es sich für ein Spiel, das sich in 15 Minuten spielen lässt, wunderbar kurzgehalten und dennoch leicht verständlich. Das gelingt durchaus nicht immer, hier jedoch einwandfrei.

Die Ausstattung des Spiels ist rundum gelungen. Besonders die milchig weißen Würfel haben uns gut gefallen – wie passend beim Thema Geister! Auch der im Thema genannte Uhrenturm, der als Würfelturm genutzt wird, sticht ins Auge. Er sieht nicht nur schön aus, sondern dient zugleich durch die Uhrenanzeige als Spielelement. Hier wurden ein Spielinhalt und eine Komfortfunktion elegant miteinander verbunden, was aus unserer Sicht vorbildlich ist. Zudem sind die Illustrationen von Apolline Etienne, die unter anderem das Artwork von Living Forest gestaltet hat, wirklich sehenswert. Die Ikonografie ist, obwohl sie für ein so kleines Spiel recht umfangreich ist, durchweg gut umgesetzt. Dass gezielt auf Farbfehlsichtigkeit geachtet wurde, ist zudem lobenswert.

Die Truhe – hier passen alle Spielmaterialien hinein
Die Truhe – hier passen alle Spielmaterialien hinein

Nicht nur optisch, auch praktisch konnte uns Spooky Tower überzeugen. Die Verpackung ist sehr gut gelungen. Denn alles kann in einer gesonderten Schachtel, der sogenannten Truhe, verstaut werden. Dadurch kann das Spiel sehr schnell auf- und ordentlich wieder abgebaut werden. Ein Merkmal, das, ähnlich wie bei dem von uns getesteten Paleolino, nicht zu unterschätzen ist.

Auch das übrige Material kann auf ganzer Linie überzeugen. Die insgesamt 58 Gebäudekarten, fünf Parkkarten, drei Geistertierchen-Karten und zehn Zauberbuch-Karten sind angenehm robust. Die neun Amulett-Stücke sowie die vier Neuwurf-Plättchen sind aus stabilem Karton gefertigt und fühlen sich hochwertiger an, als man es in diesem Preissegment erwarten würde. Auch die vier Spielertableaus in Häuserform aus dicker Pappe sind ein liebevolles Detail.

Insgesamt zeigt sich: Bei Spooky Tower wurde an keiner Stelle gespart, was der Gesamtwertigkeit des Spiels deutlich zugutekommt.

ST - Box

Die harten Fakten:

  • Verlag: Repos Production / Asmodee
  • Autor*in(nen): Corentin Lebrat / Jonathan Favre-Godal
  • Illustrator*in(nen): Apolline Etienne
  • Erscheinungsjahr: 2026
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 15 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 2 – 4, am besten drei Spielende
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Preis: ca. 25 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Das Spiel kann auf Board Game Arena gespielt werden.

Fazit

Insgesamt überzeugt Spooky Tower als kurzweiliges, hübsch gestaltetes Spiel, das genau weiß, was es sein will.

Die erfahrenen Spieldesigner Corentin Lebrat und Jonathan Favre-Godal haben mit dem Würfeln, Sammeln und dem spannungsgeladenen Aufdecken der Gebäudekarten ein kompaktes Push-your-luck-Spiel geschaffen, das in rund 15 Minuten durchgespielt ist und dabei durchgehend Entscheidungen verlangt.

Besonders positiv fallen die durchdachte Ausstattung und die schnelle Auf- und Abbauzeit auf. Der Würfelturm als gleichzeitiges Spielelement und die stimmungsvollen Illustrationen von Apolline Etienne runden den positiven Eindruck ab. Auch die klaren, leicht verständlichen Regeln machen das Spiel zu einem idealen Absacker oder einer Auflockerung zwischendurch, besonders für Familien und gemischte Spielrunden.

Wer jedoch taktische Tiefe oder eine wirklich immersive Grusel-Erzählung erwartet, wird enttäuscht. Das Thema bleibt bloße Kulisse, und der hohe Glücksfaktor kann für strategieorientierte Spielende frustrierend wirken. Gleichzeitig verhindert genau dieser Zufallsfaktor eine dominante Gewinnstrategie und sorgt für Wiederspielwert.

Vielspielende, die regelmäßig komplexere Titel spielen, werden es tendenziell als zu glückslastig empfinden. Für Familien, Gelegenheitsspieler und alle, die ein schnelles Spiel für zwischendurch suchen, ist es aber eine klare Empfehlung.

Wir vergeben 4 von 5 Geisterfotos.

  • schneller Spielablauf
  • taktische Entscheidungen
  • hoher Wiederspielwert
 

  • glückslastig
  • Thema aufgesetzt

 

Artikelbilder: © Repos Production / Asmodee
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Lidia Strauch
Fotografien: Andreas Memmert
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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