Katzen haben die Erde erobert – aber sie wollen mehr. Sie begeben sich auf Expeditionen ins Weltall, um Monde und Planeten zu erobern. Um Erfolg zu haben, muss eine Portion Glück in der Rakete mit an Bord sein. MLEM: Die Astrokatzen ist ein zugängliches, niedliches Push-your-luck-Spiel in einer samtig-weichen Box.
Das neuste Werk von Reiner Knizia, dem Autor von My Island und vielen weiteren Brettspielen, hat einen unaussprechlichen Namen: MLEM: Die Astrokatzen heißt es. Der Ausdruck MLEM soll das Geräusch bezeichnen, wenn eine Katze etwas ableckt. Abgeleckt wird im Spiel zwar nichts, aber ordentlich gewürfelt. Von einigen Content-Kreatoren wird das familienfreundliche Push-your-luck-Spiel MLEM: Die Astrokatzen bereits als Kandidat für das Spiel des Jahres 2024 gehandelt. Berechtigt?
Abbildung von Katzenqualzucht
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Sobald die hochwertige Neoprenmatte als Spielfeld ausgerollt ist, kann die Rakete starten in 3 … 2 … 1! Eine Partie MLEM: Die Astrokatzen besteht aus mehreren Expeditionen ins Weltall, bei denen die Spielenden mit Glück versuchen, so weit wie möglich in den Kosmos vorzudringen, um die meisten Punkte zu erlangen. Jede Expedition endet, wenn die Rakete abstürzt oder alle Astrokatzen der Spielenden ausgestiegen sind. Es folgen so lange weitere Expeditionen ins Weltall, bis ein*e Spieler*in keine Astrokatze mehr auf dem eigenen Tableau besitzt oder die Rakete elfmal abgestürzt ist.

Alle Spieler*innen übernehmen die Rolle einer Leitkatze mit einem Team aus acht Astrokatzen, die sich ins Weltall begeben wollen. Die Start-Leitkatze hat außerdem die Raketentafel vor sich liegen. In der Startphase wählen die Spielenden reihum, beginnend bei der Start-Leitkatze als Captain, ein Astrokatzenplättchen von ihrem Tableau, das sie von oben nach unten auf der Raketentafel als Besatzung platzieren. Jedes Astrokatzenplättchen hat eine Spezialfähigkeit, die taktisch klug eingesetzt werden kann. Dazu später mehr.

Ist die Rakete voll besetzt, beginnt die Reisephase, in der der Captain alle sechs Würfel wirft. Die Würfelergebnisse werden gruppiert. Neben dem Raketenmarker auf der Weltallmatte ist zu sehen, mit welchen Würfelergebnissen sich die Rakete fortbewegen kann. Die zulässigen Würfelgruppen können alle verwendet werden oder nur eine einzelne Würfelgruppe. Alle Würfel, die tatsächlich verwendet wurden, werden für diese Expedition aus dem Würfelpool entfernt – mit einer Ausnahme: Würfel, die das Nachbrennersymbol zeigen und verwendet wurden, bleiben im Würfelpool. Außerdem hat der Captain immer mindestens einen Würfel zur Verfügung. Der Raketenmarker rückt anschließend so viele Felder vor, wie die Summe der ausgewählten Würfelergebnisse ergibt.

Passt keines der Würfelergebnisse, stürzt die Rakete ab. Alle nehmen ihre Astrokatzenplättchen zurück, die für künftige Expeditionen wieder bereitstehen. Waren allerdings Astrokatzen mit der Fähigkeit Fallschirm dabei, dürfen diese trotz Absturz auf dem jeweiligen Mond oder Planeten platziert werden. Dann beginnt eine neue Expedition.
Ist die Rakete nicht abgestürzt und endet neben einem Mond- oder Planetenfeld, findet nun die Landephase statt. Reihum dürfen die Spieler*innen entscheiden, ob sie auf dem Mond beziehungsweise Planeten landen wollen und aus der Rakete aussteigen oder das Risiko eingehen, weiterzureisen. Sobald der Captain aussteigt, übernimmt die Leitkatze mit der nächsten Astrokatze auf der Raketentafel das Kommando.
Jede Astrokatze hat eine Spezialfähigkeit, die meist ausgelöst wird, sobald die Astrokatze aussteigt. Diese bringen dann doppelte Punkte für Monde, Planeten oder das Tiefe Weltall. Eine andere Fähigkeit entfernt einen Würfel beim Aussteigen. Eine andere Astrokatze kann entscheiden, ob sie auf dem nächsthöheren oder niedrigeren Feld aussteigt. Die Astrokatze mit dem Einser-Würfel kann der Captain einmalig als Würfelergebnis nutzen. Und dann gibt es noch die Satellit-Fähigkeit, die der Rakete schon am Anfang einen Vorsprung ermöglicht.

Wer auf einem Mond ausgestiegen ist, nimmt sich direkt die jeweilige Punktzahl. Das gleiche gilt für das Tiefe Weltall. Hier erhält der Captain direkt sieben Punkte, alle anderen erhalten fünf. Planeten hingegen werden erst am Ende gewertet, da hier entscheidend ist, wer die meisten Astrokatzen auf den jeweiligen Planeten geschickt hat. Eine weitere Möglichkeit, Punkte zu sammeln, sind die vier Zielplättchen. Sobald jemand die Bedingung erfüllt hat, erhält diese Person das Zielplättchen und die dazugehörigen Punkte.
Befinden sich nach der Landephase noch Astrokatzen auf der Raketentafel, beginnt eine neue Reisephase. Dies wiederholt sich so lange bis ein*e Spieler*in keine Astrokatze mehr hat oder die Rakete elfmal abgestürzt ist.
Die Module
MLEM: Die Astrokatzen bietet neben den Grundregeln auch noch drei Erweiterungsmodule für erfahrene und fortgeschrittene Spielende. Alle Module sind miteinander kombinierbar, aber auch einzeln spielbar.
Beim Modul Ufo fliegt ein Ufomarker aus dem Tiefen Weltall der Rakete entgegen. Treffen sich das Ufo und die Rakete erhält der Captain ein Ufoplättchen mit zusätzlichen Punkten. Zudem gibt es Expeditionsplättchen. Zu Beginn jeder Expedition wird ein Plättchen aufgedeckt. Das Ufo wird die angegeben Schritte bewegt. Außerdem zeigt es, wie viele Würfel verfügbar sind: vier, fünf oder sechs. Und es gibt eine der drei Zusatzfähigkeiten: zusätzliche Würfel, Würfel behalten und erneut würfeln.
Das Erkundungs-Modul bringt fünf zufällig gewählte Erkundungsplättchen ins Spiel, die auf den Raketenfeldern auf der Weltraummatte liegen. Trifft die Rakete am Ende ihrer Reisephase auf ein Erkundungsplättchen, wird der jeweilige Effekt sofort abgehandelt. Dies können Punkte sein, Würfel, die man zurückerhält, oder weitere Schritte für die Rakete.
Zu guter Letzt gibt es noch das Modul Geheimmissionen, bei dem die Spielenden drei verdeckte Ziele erhalten. Die Missionen zeigen einen Planeten oder Mond, auf dem eine Astrtrokatze der eigenen Farbe landen muss. Je mehr Missionen am Ende des Spiels erfüllt sind, desto mehr Punkte gibt es.
Durch die Module kann man das Spiel abwechslungsreicher und herausfordernder gestalten. Denn es macht das Spiel noch willkürlicher und unberechenbarer. Zu zweit ist MLEM: Die Astrokatzen leider eher ungeeignet. Hier kann man sich gegenseitig schnell einschätzen, was den Spaß aus unserer Sicht mindert. Da man sich zu zweit zu gut aus dem Weg gehen kann, fehlen Überraschungsmomente und die Interaktion, die ein wesentlicher Teil des Spiels sind.

Mit mehreren Spielenden hingegen kann man sich gegenseitig schon mal die Punkte wegnehmen, wenn eine andere Astrokatze zuvor schon auf dem Fünf-Punkte-Mond gelandet ist. Deshalb: Umso mehr Spielende dabei sind, desto spaßiger wird es – besonders, wenn eine Person in der Runde vielleicht risikofreudig ist und eine etwas vorsichtiger. So muss man sich Expedition für Expedition genau überlegen, welche Astrokatzen-Spezialfähigkeit am cleversten eingesetzt werden sollte.
Die Module erlauben außerdem, die Partie an das Niveau der Spielenden anzupassen. So sollten sowohl Kinder als auch Erwachsene, die Push-your-luck-Spiele mögen, sehr viel Spaß haben. Auch der Wiederspielwert ist, allein schon wegen des hohen Glücksanteils, gegeben. Denn keine Partie verläuft wie die letzte. Trotzdem bewegt sich die Spielzeit durchschnittlich zwischen dreißig Minuten und einer Stunde. So vergeht eine Partie wie im (Weltraum-)Flug.
Ausstattung

Das Material war bereits beim Auspacken eine echte Freude. Die Schachtel hat eine samtig-weiche Haptik und passt hervorragend zum Katzenthema. Die schöne und hochwertige Neoprenmatte ersetzt bei MLEM: Die Astrokatzen das klassische Spielbrett. Die Matte fühlt sich sehr angenehm an und ist das Highlight. Aber auch die Tableaus und Marker aus dicker Pappe haben eine ausreichend gute Qualität. Der Raketen- und der Ufomarker, die sich über die Matte bewegen, sind aus Holz gefertigt und bemalt. Für den Preis kann man zufrieden sein, was man bekommt.
Die Spielanleitung ist sehr übersichtlich und gut strukturiert. Außerdem sind viele anschauliche Beispiele mit Bildern illustriert, sodass auch weniger erfahrene Spielende sich schnell mit den Regeln vertraut machen können.

Die harten Fakten:
- Verlag: Rebel Studio
- Autor*in(nen): Reiner Knizia
- Illustrator*in(nen): Joanna Rzepecka
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 30 – 60 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: (2) (3) 4 5
- Alter: ab 8 Jahren
- Preis: circa 30 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Auf der Website von Asmodee können die Spielregeln heruntergeladen werden.
Fazit
Ein Spiel für alle, die Katzen lieben und Push-your-luck-Spiele mindestens mögen. MLEM: Die Astrokatzen ist ein spaßiger Vertreter des Genres mit witzigem Katzenthema. Wer allerdings etwas völlig Neues erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht. Dennoch: MLEM: Die Astrokatzen ist ein herrlich frisches Push-your-luck-Spiel mit niedriger Einstiegshürde, denn würfeln können alle. Und trotzdem ist man bei der Wahl der Astrokatzen taktisch gefordert, sodass MLEM: Die Astrokatzen eine größere Herausforderung bietet als Kniffel.
Über die gesamte Partie sind alle Spielenden emotional involviert und fiebern mit, sodass ein Gefühl von Downtime gar nicht aufkommt. Und je mehr Spielende am Tisch sind, desto spaßiger wird’s. Für zwei oder auch drei Personen ist MLEM: Die Astrokatzen nicht zu empfehlen, da man sich zu gut aus dem Weg gehen und sich so nicht gegenseitig ärgern kann, was den Reiz des Spiels ausmacht. Die drei zusätzlichen Module, die einzeln oder miteinander kombiniert spielbar sind, bringen zudem mehr Variabilität ins Spiel.
Das Thema ist zwar austauschbar – schließlich könnten auch Hunde ins Weltall fliegen – dennoch ist MLEM: Die Astrokatzen wirklich schön umgesetzt. Es ist ein witziges, kurzweiliges Familien- und Partyspiel für einen guten Preis. Dafür gibt es von uns fünf fluffige Wollknäuel.

- Hochwertiges Spielmaterial für akzeptablen Preis
- Einfache, zugängliche Regeln
- Modular erweiterbar
- Zu zweit und zu dritt eher ungeeignet
Artikelbilder: © Rebel Studio
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Michelle Saarberg
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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