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Arthie Casimir hat es geschafft: Die Waise hat ein gut gehendes Teehaus aufgebaut, das des Nachts ein besonderes Angebot für außergewöhnliche, gefährlichere Kundschaft bereithält. Das Spindrift bedeutet ihr alles. Als sie erfährt, dass sie eventuell ihr Lebenswerk verliert, setzt sie alles auf eine Karte. Kann A Tempest of Tea überzeugen?

Geheimnisse sind ein lukratives Geschäft. Dies weiß Arthie Casimir, Waise und geniale Geschäftsfrau in den Grauzonen der Gesellschaft, nur allzu gut. Gemeinsam mit ihrem Gefährten und Geschäftspartner Jin leitet sie das Teehaus Spindrift, das bei Tag von den Reichen und Berühmten als Teehaus und bei Nacht von Vampiren als Bluthaus frequentiert wird.

Ihr kluges Geschäftskonzept gerät ins Wanken, als ihr auf die Schliche gekommen wird. Doch es gibt eine Chance auf Rettung: Arthie soll ins Zentrum der Vampire einbrechen, um ein wichtiges Buch zu stehlen, das für einen Umbruch im gesamten Land Ettenia sorgen könnte.

Schnell wird klar, dass dieses enorm gefährliche Vorhaben keinesfalls von Arthie und Jin allein bewerkstelligt werden kann. Deshalb stellen sie eine Gruppe zusammen, die ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten einsetzen soll, um den Einbruch zu begehen. Doch nicht alle spielen mit offenen Karten. Nur allmählich wird klar, dass es nicht nur um einen klassischen Heist geht. Vielmehr offenbart sich eine Verschwörung, die in die höchsten Kreise hinein reicht. Gelingt es der Gruppe trotzdem, Arthie und das Spindrift zu retten?

Triggerwarnungen

Diskriminierung, Blut, Tod, enge Räume

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Story

Neben der klassischen Heist-Story wirft Hafsah Faizal in A Tempest of Tea große Fragen auf. Was ist Moral? Welches Handeln ist das richtige? Ist das, was für das Individuum die beste Wahl darstellt, gleichzeitig das Beste für die Gesellschaft? Eingebettet sind diese großen Themen in den Umgang der Gruppe untereinander und sorgen in der Handlung für einigen Gesprächs- und Aushandlungsbedarf. Es wird relativ schnell klar, wer für welche Haltung steht und doch wissen Lesende bis zum Finale des ersten Teils der Dilogie nicht, ob die Charaktere wirklich das sind, was sie zu sein scheinen.

Ein schön beschriebenes Thema ist das der Wahlfamilie. Arthie als Waise muss sich in einem fremden Land behaupten und braucht zugleich Vertraute. Jin als gewähltes Familienmitglied, den starke Bande mit der Protagonistin zusammenhalten, gilt als gesetzt. Die Frage, wer sonst noch zu einer Wahlfamilie gehören kann, zieht sich durch den gesamten Roman.

Der Spannungsbogen ist klar aufgebaut, und gibt dadurch in dieser stark handlungsgetriebenen Geschichte Sicherheit. Diese Erzählweise stellt zugleich einen Schwachpunkt des Buches dar: Die Charaktere, angefangen bei Arthie bis hin zu Mitgliedern der Crew, sind flach und durchschaubar ausgestaltet. Emotionen wallen auf, und sind im nächsten Abschnitt scheinbar wieder verschwunden. Aufgrund dessen leidet das Lesevergnügen mitunter erheblich.

Vampire sind als Hauptteil der Story erfreulich anders als in vielen erhältlichen Vampirromanen ausgestaltet. Sie stellen eine Bedrohung dar, agieren hierbei allerdings nicht offensiv und sind vordergründig auf die Aufrechterhaltung des Status Quo bedacht. Die verschiedenen Vampire, denen die Truppe um Arthie auf ihrer Mission begegnet, sind erfreulich divers ausgestaltet und verfügen über verschiedene Charakterzüge, die sich trotzdem allesamt von der Welt der Menschen unterscheiden.

Schreibstil

A Tempest of Tea legt den erzählerischen Fokus nicht nur auf die Protagonistin Arthie, sondern auch auf die anderen handelnden Charaktere. Leider gelingt es Hafsah Faizal kaum, hier eine charakterangemessene sprachliche Varianz an den Tag zu legen. Dies trägt dazu bei, dass die Personen austauschbar erscheinen.

Der Weltenbau hingegen ist hervorragend gelungen. Es macht Spaß, White Roaring zu erkunden und die Gesellschaft wie auch das politische System rund um das Staatsoberhaupt, den Widder, sind spannend und ungewöhnlich gestaltet. Teilweise fühlt man sich in das reale England der Industrialisierung versetzt, die Geheimnisse, die Teil des Geschäftsmodells des Teesalons Spindrift darstellen, geben eine ganz besondere Würze.

White Roaring erinnert an das London der 1920er-Jahre.

Auch das dunkle, mysteriöse, das dieser Welt innewohnt, wird mittels des sprachlichen Ausdrucks sehr gut transportiert und sorgt für ein hohes immersives Potenzial für die Lesenden. Die gekonnte Übersetzung von Constanze Wehnes sorgt dafür, dass auch deutschsprachige Leser*innen den Reiz der zwielichtigen Welt erfahren können.

Der*die Autor*in

Hafsah Faizal ist eine US-amerikanische Autorin, die in North Carolina lebt. Neben der Dilogie A Tempest of Tea schrieb sie eine weitere, Die Reiche von Arawiya. Diese war die in den USA sehr erfolgreich, beide Bände werden zeitgleich im Dezember 2024 ebenfalls bei Knaur erscheinen. Im Februar folgt dann die Fortsetzung von A Tempest of Tea.

Erscheinungsbild

A Tempest of Tea macht einen wunderschönen ersten Eindruck.

Das Cover von A Tempest of Tea sticht aus der Masse an Neuerscheinungen im Bereich der Phantastik heraus: Dunkel gehalten, mit einer Frau, die die gesamte Länge des Buches einnimmt, und eine titelgebende Teetasse in der Hand hält.

Noch schöner ist der Anblick des Buches allerdings, wenn der Schutzumschlag entfernt wird: Ganz in schwarz gehalten mit einer wunderschönen Silberprägung prangt einem zwischen Ornamenten erneut der Titel entgegen. Natürlich darf der obligatorische Hinweis auf den Tee auch hier nicht fehlen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Knaur
  • Autor*in: Hafsah Faizal
  • Erscheinungsdatum: 02.05.2024
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von Constanze Wehnes)
  • Format: Gebundenes Buch
  • Seitenanzahl: 384
  • ISBN: 978-3-426-44818-2
  • Preis: 22 EUR (Print) + 14,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch und englisch), idealo

 

Bonus/Downloadcontent

Eine Karte, die sogleich auf die Anlehnung an London in den 1920er-Jahren einstimmt, bietet einen ersten Überblick über White Roaring. Eine kleine Karte des Landes Ettenia findet sich ebenfalls auf dieser, sie ist Form eines kleinen Kreises eingefügt. Auf der nächsten Seite erwartet Lesende eine Einstimmung in die Heist-Thematik, indem verschiedene Notizzettel und Hauspläne abgebildet werden.

Fazit

Faszinierender Weltenbau trifft auf Charaktere, die unter ihren Möglichkeiten bleiben: A Tempest of Tea entführt in das ans London der 1920er-Jahre angelehnte White Roaring. Die Waise Arthie hat sich mit dem Teehaus Spindrift, das in der Nacht zu einem illegalen Etablissement für Vampire umgewandelt wird, eine lukrative Existenz aufgebaut. Die Geheimnisse, derer sie durch ihre Kundschaft gewahr wird, stellen für das kriminelle Superhirn eine weitere Einnahmequelle dar. Als ihr Lebenswerk bedroht wird, ergreift sie die Chance, dem Unheil zu entgehen: Sie soll ein wertvolles Buch aus einem für Außenstehende unzugänglichen Bereich der Unterwelt stehlen. Also stellt sie eine Truppe für einen Heist der Extraklasse zusammen.

Die Lesefreude am spannenden Plot und dem gekonnten Weltenbau wird durch zum Teil flach ausgestaltete Charaktere und eine wenig abwechslungsreiche Sprache getrübt. Trotzdem sorgt der Cliffhanger am Ende dieses ersten Bandes der Dilogie dafür, dass das Erscheinen der Fortsetzung herbeigesehnt wird.

 

  • Faszinierender Weltenbau
  • Spannender Plot
 

  • Flache Charaktere
  • Sprachlich ist noch Luft nach oben

 

Artikelbilder: © Knaur
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Jessica Albert

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