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Die Indie-Filme THE MAGE wurden in den letzten Jahren zu einem kleinen Internetphänomen. Eine kleine wachsende Fangemeinde fiebert seitdem Jahr für Jahr einem neuen Teil entgegen. Den nunmehr sechsten Teil nahmen wir zum Anlass für ein Interview mit dem Schöpfer Marcus Grauwolf.

Marcus Grauwolf erschafft seit seinem 16 Lebensjahr phantastische Welten in kleinen Filmproduktionen. Mit THE MAGE gelang ihm dabei die bisher wohl größte Reichweite. Wenn er nicht grade an einem neuen Film arbeitet, zeichnet er gerne mit Kohle, fängt Naturaufnahmen ein oder liest Fantasy- und Science-Fiction-Literatur.
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Teilzeithelden: THE MAGE wurde zu einem kleinen Internetphänomen. Warst Du wegen des Interesses überrascht?

Marcus: Ich war sogar sehr überrascht. Als der erste THE MAGE-Film Ende 2015 online ging, dachte ich noch, dass der Film mit Glück vielleicht rund 50 Klicks bekommen könnte. Bis heute sind es über 3.600. Und weil die Nachfrage nach weiteren Teilen von einigen Fans und Cosplayern da war, habe ich auch weitere gedreht. Natürlich hatte ich auch Interesse daran, die Welt von THE MAGE ein wenig zu vergrößern und den Figuren mehr Tiefe und Hintergrund zu geben. Auch wenn es bei solchen Kurzfilmen nur bedingt möglich ist.

Teilzeithelden:Du filmst nicht erst seit THE MAGE selbst. Erzähle uns etwas über Deine ersten Filmversuche.

Marcus: Die ersten Filme von mir waren Star Wars-Fan-Filme. Bei einem davon waren es 18 Personen, die vor der Kamera agierten. Bei den Übungen für die Aufnahmen der Lichtschwertkämpfe haben wir uns anfangs langsam bewegt, um uns die Kampfbewegungen besser zu merken. Dabei hatten wir dann die Lichtschwertgeräusche nachgeahmt, die man aus den Star Wars-Filmen kennt. Dabei schauten wir uns an und mussten lachen. Den ersten Star Wars-Fan-Film hatte ich sogar teilweise klassisch in einer Garage gedreht. Nach dieser Fan-Film Zeit machte ich ein paar Filme mit dem Titel Die Legende von Faribeth mit diversen Untertiteln. Damals ging es schon in das Mittelalter-Fantasy-Genre. Ich weiß noch: Einem von meinen Darstellern wurde ein falscher Bart ins Gesicht geklebt, ein alter Mantel meines Großvaters angezogen, eine graue bayrische Filzmütze aufgesetzt und ein Besenstiel aus einem Baumarkt in die Hand gedrückt. Schon war er ein Zauberer *lacht*. Neben diesem gab es in den Faribeth-Filmen Helden wie einen Krieger, einen Elf und eine Elfe, und den Zwerg Dalaraan, letzteren fand ich passend in die THE MAGE-Filme mit zu übernehmen.

Teilzeithelden: THE MAGE 6, der kürzlich erschien, war eigentlich gar nicht geplant. Nach fünf Teilen sollte Schluss sein. Was hat Dich zu einer Fortsetzung bewogen?

Marcus: Ganz einfach: Einige Fans meiner Filme fragten, ob es noch einen weiteren Teil geben würde. Auf der RPV Cosplaymesse in Oberhausen 2024 beispielsweise, nahm mich einer der Cosplayer in den Arm und sagt: „Na, wann kommt der nächste Teil?“ Zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht sagen, ob es überhaupt einen weiteren geben würde. Doch wie man jetzt weiß, bin ich dem Ruf nach einem weiteren THE MAGE-Teil noch einmal gefolgt.

Teilzeithelden: Du schreibst das Drehbuch, führst Regie, bist hinter Kamera, spielst die Hauptrolle, machst den Schnitt und produzierst die Musik. Wie viel Zeit nimmt eine Episode für Dich in Anspruch?

Marcus: Für THE MAGE Part 5 beispielsweise habe ich circa ein Jahr gebraucht, bis dieser Film fertig war. Ich sag immer: „Wenn ich nicht jemanden für die Kamera bräuchte, und Leute, die die Figuren spielen, würde ich das auch noch alleine machen.“ Teil 5 wollte ich so gut umsetzen, wie es mir möglich war, da es ja damals ein Abschluss werden sollte. Mit einer passenden Menge Figuren im Film und einer rund doppelten Länge wie die THE MAGE-Filme sonst hatten. Viel Zeit benötigte die Nachbearbeitung. Mit ein Grund dafür waren immer wieder technische Probleme. Das „Herrliche“ daran war: Bei jedem neuen Film gab es neue technische Probleme und man brauchte neue Lösungen.

Teilzeithelden: Und Lösungen hast Du gefunden. Man sieht in den Teilen eine Entwicklung, besonders technischer Art. Was waren deine größten Learnings zwischen Teil 1 und Teil 6?

Marcus: Och, da gibt es vieles. Von Film zu Film lernt man immer etwas und da ich bei meinen Filmen in allen Bereichen tätig war, gab es immer was. Natürlich sieht man der THE MAGE-Reihe eine entsprechende Entwicklung an, wie bei den technischen Dingen und der Bildqualität. Mein Bestreben war es die Qualität meiner Filme insgesamt immer ein wenig zu verbessern. Ob bei der Kameraführung, bei der schauspielerischen Darstellung, bei der Wahl der Drehorte, bei der Musikerstellung und so weiter.

Teilzeithelden: Da du ja auch das Drehbuch schreibst: Woher kommt deine Inspiration der Charaktere und Geschichten? Und wie ist Michael Hartmann entstanden?

Marcus: Die Inspiration kommt aus unterschiedlichen Bereichen wie Büchern, Filmen und PC-Spielen, unterschiedlichsten Situationen, vom Verhalten und den Charakterzügen von verschiedenen Personen und mir selbst. Das fügt sich dann beim Drehbuch schreiben alles zusammen. Entstanden ist Michael durch den ersten THE MAGE-Film und hat sich auch durch die Filme weiterentwickelt. Ich brauchte einen Protagonisten und habe mich auf dieselbe Weise wie zum Drehbuch inspirieren lassen. Durch meine Besuche von Cosplay-Messen und durch die Leute, die den Magier als einen Cosplay Charakter sehen, ist er nun beides. Filmfigur und Cosplay-Charakter.

Teilzeithelden: In Teil 6 bekommen wir sehr viel Hintergrund zu Deiner Welt. Hast Du ein komplettes Worldbuilding gemacht oder entsteht das eher von Teil zu Teil?

Marcus: Das entsteht eher von Teil zu Teil. Natürlich möchte ich dem Zuschauer ein wenig von der Welt, in der die THE MAGE-Filme spielen, näherbringen. Ich habe zwar eine grobe Idee, möchte aber meiner kreativen Seite keine Grenzen setzen und auch Neues spontan ausprobieren. Und ich hoffe, es hat funktioniert.

Teilzeithelden: Wie findest Du Deine Schauspieler*innen? Mit Agnes hast Du sogar eine professionelle Schauspielerin.

Marcus: Mit Agnes habe ich sehr gern zusammengearbeitet. Sie ist eine großartige Schauspielerin und ein sehr sympathischer Mensch. Sie wusste hervorragend ihre Rolle zu spielen und hat meinen großen Respekt für ihr schauspielerisches Können. Bei sehr vielen Produktionen war sie schon dabei und ich bin sicher es werden noch sehr viel mehr.

Auch die Laiendarsteller, zu denen auch ich gehöre, haben immer fleißig und interessiert mitgemacht, ihre Freizeit geopfert und viel getan, um an den Drehtagen das Geplante umzusetzen. Zudem hatte ich oft das Glück, dass die Figuren, die ich geschrieben hatte, zu den Personen passten, die diese Rollen verkörperten.

Eine von diesen Rollen, die ich besonders passend finde, ist die des Graf da Marno. Als ich damals für den dritten Teil die Figur geschrieben habe, dachte ich dabei sofort an Uwe, einen alten Freund meiner Eltern, der auch mit Freuden mitmachte. Schon als ich ihn damals anrief und ihm sagte, ich hätte ihn gerne in einem meiner Filme für die Rolle eines Grafen, lachte er sich scheckig und sagte: „Na klar, kein Problem.“ Überdies besaß er für die Rolle als Graf nicht nur das entsprechende Aussehen, sondern auch eine starke, druckvolle Stimme und das Talent vor der Kamera zu agieren. Jetzt, für den sechsten Teil, war er erneut als Graf dabei und das mit mittlerweile 92 Jahren.

Teilzeithelden: In den ersten Folgen ist der Charakter Michael Hartmann gelegentlich etwas chauvinistisch oder gar sexistisch unterwegs. Wie würdest Du das rückblickend beurteilen, denn die Rolle scheint sich hier gewandelt zu haben.

Marcus: Bei THE MAGE-Filmen wollte ich etwas anderes machen als bei den Star Wars-Fan-Filmen und bei Die Legende von Faribeth. Da hatte das Ganze eher eine brave Linie. Hier sollte etwas Freches und Zweideutigkeit rein. Im Film entstanden also ein entsprechender Magier und eine dazu entsprechende Elfe, die miteinander agierten. Was man gut in den Szenen von Maras Schenke und in dem Anwesen sehen kann. Im zweiten Teil nahm das ab, im dritten nahm das wieder zu. Und dann ab Teil Vier hielt sich da ein Gleichgewicht. Man muss dazu wissen, dass ich den THE MAGE-Film damals gedreht hatte, weil ich einfach nur mal wieder einen Film machen wollte. Denn die Zeiten meiner Faribeth-Filme lagen doch schon etwas länger zurück und ich wollte was Neues versuchen. Allerdings wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob es bei dem einen Film bleiben würde, ob ich eine Fortsetzung anstreben würde oder etwas ganz anderes drehen würde. Nun bin ich froh, dass sich das in diese Richtung entwickelt hat. Die Figuren des Magiers, die Rolle der Elfe Kasha, Silber, und auch der Zwerg Dalaraan haben in den sechs Filmen eine deutliche Entwicklung durchgemacht. Und ich bin froh, dass ich das so umsetzen konnte.

Teilzeithelden: Was sind Deine Zukunftspläne mit THE MAGE?

Marcus: Ob es noch weitere Teile aus der Welt des Magiers geben wird, weiß ich noch nicht. Ich bin keiner, der einfach so drauf los filmt. Sowas muss vorab geplant werden. Das Drehen, die Schnittarbeit, die ganze Nachbearbeitung und noch einiges mehr nimmt Zeit und Kraft in Anspruch. Zudem ist es nicht immer so leicht, Leute zu finden, die gewillt sind für ein paar Tage bei dieser Art Film mitzumachen, sei es vor oder hinter der Kamera. Doch in jedem Fall habe ich die THE MAGE-Reihe gerne gemacht und es war eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Was mit einem Film begann, hat sich zu einer sechsteiligen Reihe entwickelt, die so nicht vorherzusehen war. Und wer weiß, vielleicht wird man den Magier auf der einen oder anderen Cosplaymesse wiedersehen. Oder auf andere Weise. Möglich ist vieles.

Ich möchte mich hier noch einmal bei all den großartigen Menschen bedanken, die bei meinen Filmen mitgemacht haben und so engagiert dabei waren.

Ebenfalls möchte ich den Fans meiner Filme danken für ihre Treue und Begeisterung für meine Filme.

Hier könnt ihr auch alle Teile kostenlos auf Youtube ansehen.

Artikelbilder: © Marcus Grauwolf
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Giovanna Pirillo

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