Als Anführer einer Söldnertruppe kämpfen wir uns durch eine gnadenlose Fantasywelt voller Monster und Hunger. Stets die Geldkasse des Söldnertrupps im Auge, müssen wir unser Brot hart durch Aufträge erkämpfen und am Ende eine Katastrophe abwehren. Unsere Söldner werden Erfahrung sammeln, heroisch kämpfen und schnell sterben. Willkommen bei Battle Brothers.
Ich habe dieses Wiesel schon so oft getötet …
Es hätte nicht schief gehen dürfen. Auf der Jagd nach dem Banditen Hoggart das Wiesel geriet der Trupp in einen Hinterhalt. Den Hauptmann erwischt es als Ersten. Dann Panik. Schreie von Sterbenden. Die Banditen hatten einen Hinterhalt gelegt und den Söldnertrupp überrascht.
Nun würde sich zeigen, wer überlebt …
Willkommen beim Abenteuerspiel Battle Brothers. Dieses Kleinod an Söldnermanagement, grausamen Schlachten und noch grausameren Unterhaltszahlungen verdient eine genauere Betrachtung.

In Battle Brothers verwalten und kommandieren wir einen Söldnerhaufen in einer Low-Fantasy-Welt. Dieser geistige Nachkomme von Im Schatten der gehörnten Ratte lässt für angehende Söldnerhauptleute nichts zu wünschen übrig: Man jagt Banditen, erschlägt Orks und Goblins und sieht seinem Trupp beim Gewinnen von Erfahrung, Ausrüstung und neuen Mitgliedern zu, bis es schließlich zu einer Endkatastrophe kommt, die man als hoffentlich maximal ausgerüsteter Trupp heroisch besiegen kann. Die Auswahl dieser Katastrophen sind eine Invasion von Barbaren aus dem Norden, Orks, Untoten oder eine Auseinandersetzung zwischen den Adelshäusern oder ein Religionskrieg. Und wenn das überstanden ist, dann … nun, es kommen immer wieder neue Katastrophen.
Gewalt, explizite Gewaltdarstellung, Zoophilie, Untote, Gewalt gegen Tiere, Spinnen
Genaueres Setting/Geschichte
Wir befinden uns in einer Fantasywelt. Warum Fantasy? Obwohl es keinen tieferen Hintergrund gibt (nur die Adelshäuser, welche für unseren Söldnertrupp durchaus relevant werden, bekommen ein paar Zeilen – aber auch nicht mehr – als Hintergrund spendiert), befinden wir uns definitiv im Reich der Fantasie. Phantastische Völker wie Orks, Goblins und Untote, aber auch Monster wie Riesenspinnen, Trolle und ein Lindwurm bevölkern die Karte und wandern herum. Auch dem Spiel ganz eigene Monster wie Nachzehrer (eine Art tollwütige Affen) und Efreet (in dieser Variante Wirbelstürme, welche mit Steinen schmeißen und sich in kleinere Wirbelwinde aufteilen, wenn man sie zerstört) rennen auf der Karte herum und machen durchaus auch Jagd auf uns.

Die Magie im Spiel beschränkt sich auf die Schule der Nekromantie – schließlich muss jemand für die Untoten verantwortlich sein und sie kommandieren. Auch werden wir niemals eigene Magier für unseren Söldnerhaufen anwerben (leider), wenn man mal von den mutierenden Geschenken absieht, welche man als Anhänger des bösen Gottes Davkul erhält (mehr dazu später).
Grundsätzlich kann man in Battle Brothers von einer recht generischen Abbildung eines mittelalterlichen Englands ausgehen. Grüne, saftige Weiden und gelbe Felder, etliche Berg- und Hügelformationen und dunkle, tiefe Wälder. Im Norden befindet sich eine verschneite Tundra mit nordisch angehauchten Barbarenstämmen, die mitteleuropäische Zentralregion wird von Orks und Goblins heimgesucht und im Süden finden wir eine stark an Tausendundeine Nacht angelehnte Version des Orients vor, welche Beduinen, Sandstürme und Riesenschlangen für uns parat hat. Der Süden besteht im Endeffekt aus einer großen Wüste mit drei großen Städten, welche die am weitesten entwickelten Waffen, Rüstungen und Alchemika bereithält. Und eine Arena, in welcher wir bis zu drei Kämpfer auf andere Kreaturen loslassen und viel Geld und Titel verdienen können.
Die Spielwelt wird beim Start neu generiert, es wird allerdings der Generierungscode angezeigt – wer also unbedingt möchte, kann dieselbe Welt nochmal bespielen.

Das Spiel entlässt uns nach der initialen Quest sehr frei in diese Welt. Wir können uns entweder entscheiden, den klassischen Tutorial-Pfad „Rebuilding a Company“ mit der bereits erwähnten Quest um Hoggart das Wiesel zu spielen, oder einen von mehreren anderen Kompanietypen auszuprobieren, wie beispielsweise Söldner aus dem Süden, eine Handelskarawane, Jünger des bösen Gottes Davkul, Gladiatoren, ein einsamer Kämpfer oder eine Bauernrevolte. Allein diese nicht vollzählige Übersicht zeigt, wie umfangreich die Spielweisen bei Battle Brothers sein können.

In jedem Fall managen und kommandieren wir in diesem Spiel eine Söldnerkompanie, welche regelmäßig die Ressourcen Geld, Nahrung, Werkzeuge, Munition und Medizin verbraucht sowie mit neuer Ausrüstung und frischen Rekruten verbessert werden will. Zu diesem Zweck nehmen wir immer gefährlichere Aufträge an, um unsere Leute ernähren zu können. Nach einer gewissen Zeit, nachdem wir genug Ansehen gesammelt haben, werden wir auch von den Adelshäusern noch bessere Questen annehmen können. Gemeinerweise kommt noch dazu, dass die Aufträge und die angebotene Bezahlung nicht immer ideal kongruieren. Soll heißen: So manches Mal ist es ein Auftrag einfach nicht wert, angenommen zu werden, wenn die Kosten für den Ersatz von Ausrüstung und frischen Söldnern zu hoch werden dürften.
Schwierigkeitsgrad
Es ist bei Battle Brothers absolut keine Schande, alle Einstellungen zu Beginn auf „einfach“ zu setzen – die Welt und das Spielsystem sind schon wirklich hart genug. Auch wenn man zu Beginn relativ schnell an mittelprächtig gut ausgestattete Söldner kommt, ist man trotzdem immer nur einen schlecht ausgehenden Kampf vor der totalen Katastrophe und dem Neustart entfernt.
Die Ausrüstung ausgeschalteter Söldner kann zwar ab und an repariert werden (manches Mal ist sie auch einfach nicht reparierbar und verloren), aber gerade bei gut ausgerüsteten Mitstreitern tut der Verlust umso mehr weh, wenn eine gute Rüstung auf einmal weg ist. Das unterstreicht übrigens wunderbar das Grundgefühl dieses Spiels – der Verlust einer guten Ausrüstung tut wesentlich mehr weh als der Verlust eines Söldners und verdeutlicht, dass man sich nicht zu sehr mit den Mitgliedern des Trupps verbinden sollte.

Battle Brothers ist darüber hinaus ein Spiel, in dem man seine Kämpfe sehr gezielt auswählen muss. Klar kann man einen Trupp Goblins aufs Geratewohl angreifen, weil es ja nur Goblins sind und man sie schnell massakrieren wird. Kann schon sein. Aber auch der schwächste Goblin kann an einem guten Tag den besten deiner Söldner verstümmeln oder töten, und dann geht vielleicht auch seine schöne Ausrüstung mit. Wie gesagt, in diesem Spiel ist die Verwaltung der ganzen Kompanie relevant, und dazu gehört es auch, einzuschätzen, wann man einen Kampf lieber abbrechen oder gänzlich vermeiden sollte. Ähnlich wie bei Faster than Light oder Sunless Sea ist dieses Spiel mit einer gewissen Lernkurve ausgestattet, welche aber Spaß macht und recht intuitiv ist. Man kommt schnell ins Spiel und hat dann Spaß an den Kämpfen.
Die Kämpfe
Wir haben bei Battle Brothers insgesamt drei Bildschirme zur Verfügung: die große Hauptkarte, über die wir uns bewegen, die Ortschaften, in denen wir Aufträge einheimsen, Ausrüstung besorgen und verkaufen sowie die verletzten Kämpfer pflegen lassen, und den Kampfbildschirm.
Die Kämpfe sind das Herz des Spiels. Wenn man an ihnen keinen Spaß hat, dann ist Battle Brothers nichts für einen. Wir bewegen unsere Söldner rundenbasiert auf einem Hexagonfeld, welches je nach Umgebung sehr hübsch mit Bäumen, Hügeln, Felsen, Dünen und Gegenständen wie Zelten und Kochstellen versehen ist. Je nach Hindernis ist dieses mehr oder weniger gut passierbar, man muss also auf die Engstellen auf dem Schlachtfeld achten, um durch lokale Übermacht die Schlachtlinie der Gegner zu brechen. Dabei ist auch die Höhe relevant, da das Raufklettern auf Hügel anstrengt und es immer von Vorteil ist, die Höhe innezuhaben.
Jede Aktion unserer Söldner und der Gegner kostet Aktionspunkte. Die füllen sich in jeder Runde leider nur sehr langsam auf – gut gerüstete Charaktere werden daher länger Überleben, aber dementsprechend weniger Aktionen ausführen können. Wenn die Erschöpfung zu groß ist, muss man sich ausruhen. Unten am Bildschirm läuft die Initiativereihenfolge mit den Beteiligten immer weiter, man sieht also ganz genau, wer wann dran ist.
Wenn die Gegner zu sehr Schaden genommen haben, werden sie in den meisten Fällen fliehen, man muss also nicht jedes Mal bis zum bitteren Ende kämpfen (kann allerdings die Flüchtenden noch verfolgen, um sie niederzumachen). Der Vorstoß in den rückwärtigen Raum ist in diesem Spiel durchaus eine Option, welche man immer im Hinterkopf abwägen sollte. Und schon ein Glückstreffer des Gegners kann einen ärgern. Verletzungen kann man zwar teuer heilen, Tode sind allerdings unumkehrbar (wenn die Gefallenen nicht von einem gegnerischen Nekromanten wieder zum Unleben erhoben werden und nun von ihren entsetzten Kameraden niedergemacht werden müssen …).
Wie schon gesagt: Wenn man den Kämpfen mit Permadeath und leichtem taktischen Anspruch nichts abgewinnen kann, wird man nicht viel Freude mit Battle Brothers haben – überspringen lassen sich die je nach Größe etwa 5 bis 20 Minuten dauernden Schlachten nicht.
Die Kämpfer
Unsere Söldner werden durch ihre Fertigkeiten, ihre Perks und ihre Ausrüstung definiert. Je besser die Fertigkeit ist, desto mehr können sie tun, können härter zuschlagen, haben mehr Lebenspunkte oder fliehen nicht so schnell. Neue Perks verbessern die Fertigkeiten oder lassen uns neue Angriffe ausführen, erlauben beispielsweise den Schildblock, ermöglichen es einem Söldner, zum Kapitän des Trupps aufzusteigen und vieles mehr. Man kann sich hier wirklich in die zahlreichen Perks vertiefen, aber man bekommt schnell eine Übersicht, welchen Stil man bevorzugt. Eine Spezialisierung der einzelnen Kämpfer ist möglich und gewollt. Und notwendig, wenn man härtere Kämpfe mit besseren Belohnungen anstrebt.

Im Laufe der Questen und des Söldnerlebens werden sich diese Werte langsam verbessern. Langsam. Die Mitglieder des Trupps bleiben immer noch Menschen und erwerben keine übermenschlichen Fähigkeiten. Aber trotzdem merkt man recht schnell, dass die bessere Ausrüstung und die größere Erfahrung sowie die Überzahl (man kämpft schließlich nicht fair Mann gegen Mann, das wäre dumm) einen Kampf, der vor einer Stunde Spielzeit noch kaum zu gewinnen gewesen wäre, nunmehr eine ausgemachte Sache ist. Man spürt die Progression seiner Kämpfer.
Ausschließlich alle kämpfenden Personen in Battle Brothers sind männlichen Geschlechts. Frauen, Alte und Kinder kommen in dieser Welt lediglich im Hintergrund vor. Die einzige Ausnahme sind ein paar weibliche Charaktere, welche wir ab dem mittleren Verlauf des Spiels und mit sehr viel Geld als Hilfskräfte für unser Lager anwerben können. Hier stehen uns insgesamt achtzehn verschiedene Charaktere (neunzehn, wenn man den Karren mit Esel dazu zählt) wie Barde, Ausbilder, Späher, Schmied und Zahlmeister zur Verfügung, welche diverse Boni für den Söldnertrupp bieten. Drei davon (Ausguck, Köchin und Agentin) sind weiblichen Geschlechts.
Aussehen und Atmosphäre
Neben der eher simplen Oberfläche sind die Charakterportraits detailliert genug geraten, um die einzelnen Söldner gut voneinander unterscheiden zu können. Die Animationen sind eher zweckdienlich, aber der minimalistische Stil reicht vollkommen aus. Geräusche, Musik und Effekte ergeben zusammen ein sehr stimmiges Gesamtbild, welches den Fortschritt der Charaktere oder deren immer weiter fortschreitende Verstümmelung (Guts aus Berserk lässt grüßen) gut genug darstellen.
DLCs

Neben dem Grundspiel sind bereits einige Erweiterungen für Battle Brothers erschienen, zwei davon sogar gratis! In Of Flesh and Faith können wir mit den Oathtakers unseren eigenen kleinen Kreuzzug mit lediglich zwei, dafür gut gerüsteten Paladinen beginnen. Alternativ kommandieren wir die Alchemisten, eine kleine Gruppe verschworener Gelehrter auf der Suche nach neuen Ingredienzien. Mit dem Lindwurm bekommen wir ein ungemein starkes Monster für die sehr späten Phasen des Spiels. Warriors of the North und Blazing Deserts erweitern die Kampagnenkarte um jeweils eine neue Region und sind mehr oder weniger Pflichtkäufe, wenn man das Spiel mag. Beast & Exploration schließlich bevölkert die Welt mit etlichen neuen Ungeheuern und Orten zum Erkunden. Ebenfalls eine schöne Ergänzung.
- Entwicklerstudio: Overhype Studios
- Publisher: Overhype Studios
- Plattform: Steam
- Sprache: Englisch
- Mindestanforderungen:
- Betriebssystem *: Windows 10
- Prozessor: 1.2 Ghz
- Arbeitsspeicher: 1024 MB RAM
- Grafik: OpenGL 3.3 compatible video card with 512 MB
- Speicherplatz: 1500 MB verfügbarer Speicherplatz
- Genre: Abenteuer, Fantasy
- Releasedatum: 2017
- Spielstunden: 20+
- Spieler*innen-Anzahl: 1
- Altersfreigabe: 12
- Preis: 29,99 EUR für das Basisspiel, 4,99 EUR für Blazing Deserts, je 9,99 EUR für Warriors of the North und Beasts and Exploration
- Bezugsquelle: Steam
Fazit
Battle Brothers ist ein Erlebnis. Wenn man darüber hinwegsieht, dass das Spiel ein unfairer, gnadenloser Grind um des Grinds willen ist, man sich des Öfteren ärgern und aus nicht gewinnbaren Kämpfen zurückziehen muss und man auch gerne mal seine besten Kämpfer verliert – ja, dann ist Battle Brothers großartig.
Das Spiel ist trotz seiner simplen Aufmachung selten langweilig, man fiebert trotz allem mit seinen Söldnern mit, freut sich an ihren Fortschritten und man freut sich, wenn die Köpfe der Gegner rollen und seine anfangs kleine Bande in Lederrüstungen und Speeren langsam zu einer Mauer aus Eisen und scheren Waffen wird, an der die Gegner zerbrechen.
Die Endkrisen und die Suche nach immer besserer Ausrüstung motivieren, ebenso die Hoffnung, vielleicht doch die drei armen Seelen aus der ersten Schlacht bis zum Ende überleben lassen zu können. Alles in allem ein fairer Preis für etliche Stunden Spielspaß, auch, wenn man vielleicht die ersten Trupps als Lernphase behandeln sollte.

- Ein simples, motivierendes Konzept
- Man fiebert mit den Söldnern mit
- Motivierender Ausbau des Söldnertrupps
- Man braucht Frustresistenz
- Kämpfe mitunter unfair
- Der Grind dauert seine Zeit
Artikelbilder: © Overhype Studios
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Haslhofer Johannes
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
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