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Eine Republik, welche den Willen der Menschen als Ressource zur Macht nutzt und eine Waise, die das System zerstören will. Das sind die Grundzutaten von The Will of the Many und Auftakt der Hierarchy-Reihe. Doch kann ein Einzelner wirklich die Welt retten oder werden die Intrigen ihn zerstören?

Vis ist als Waise auf sich gestellt und schlägt sich mit Untergrundkämpfen und Gelegenheitsjobs durch, als sich die Möglichkeit ergibt, von einem hochrangigen Senator der Catenischen Republik adoptiert zu werden. Plötzlich stehen ihm Optionen offen, an die bis dahin nicht zu denken war. Doch bevor er an den für sein Schicksal verantwortlichen Personen Rache nehmen kann, muss er sich durch die Intrigen und Ränge der Catenischen Akademie schlagen, welche von den Kindern einflussreicher Politiker*innen dominiert wird. Dort schmiedet die Republik ihren Nachwuchs und bereitet sie auf die Aufgaben vor, welche die Hierarchie und damit die Macht im Land am Leben halten. Vis ist dort auf sich allein gestellt und muss nicht nur im Auftrag seines Adoptivvaters einen Mord aufklären, sondern auch seine wahre Identität verschleiern. Denn niemand darf jemals erfahren, wer er wirklich ist.

Triggerwarnungen

Folter, Genozid, Mord, Sklaverei

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Story

The Will of the Many wirft die Lesenden ab der ersten Seite in eine an das antike Rom angelehnte Welt, ohne viel zu erklären. Dies sorgt für einen rasanten Einstieg in die Geschichte, welche auch im Laufe der knapp 1000 Seiten kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Längen in der Handlung sucht man hier vergebens. Die Geschichte folgt dem Hauptcharakter Vis und zeigt, wie er sich durch eine Welt kämpfen muss, in der Menschen freiwillig und unfreiwillig ihren Willen an höher gestellte Mitglieder der Gesellschaft abgeben. Dieser Wille ist die Quelle der Macht und als eine Art Magie zu verstehen, die die Überlegenheit der Republik gegenüber anderen Ländern erhält.

Vis selbst verachtet diese Art der Versklavung und hat sich geschworen, sich niemals in die Hierarchie eingliedern zu lassen. Dies gelingt ihm allerdings nur, indem er sich entweder versteckt, sobald er volljährig ist, oder indem er einen Posten in der Republik innehat, welcher ihm die Verweigerung erlaubt. Letzteres scheint plötzlich zum Greifen nahe, als er von Ulciscor Telimus adoptiert wird. Doch dieser hat seine eigenen Pläne mit seinem neuen Sohn, und schickt ihn zur renommiertesten Akademie des Landes, um dort einen Mord aufzuklären, welcher Jahre zurückliegt. Vis‘ Chancen stehen dabei von Beginn an schlecht, denn die Akademie ist die Feuerprobe für die zukünftige Elite des Landes. Nicht nur die Prüfungen, welchen er sich stellen muss, sondern auch die Ablehnung der anderen Schüler*innen und deren Intrigen und Rangkämpfe machen ihm das Leben schwer. Freund*innen sind rar gesät und der Druck von außen und von innen ist immens, als er nach und nach einer Wahrheit auf die Spur kommt, die nicht nur ihn, sondern auch die Grundsätze der Republik erschüttern wird.

Der Protagonist Vis ist zu Beginn der Handlung mit seinen 17 Jahren sehr jung und verhält sich teilweise nicht ganz altersgerecht, allerdings hat er auch schon viel erlebt, was das Ganze wiederum verzeiht. Er ist neugierig und bereit, zum Erreichen seiner Ziele Risiken einzugehen. Dabei überschreitet er immer wieder Grenzen und muss lernen, mit den Konsequenzen zu leben. Seine Handlungen bleiben für die Lesenden allerdings immer nachvollziehbar. Auch die Nebencharaktere, von denen es einige gibt, sich durchweg gut ausgearbeitet.

Die Handlung von The Will of the Many ist komplex, jedoch nie übermäßig kompliziert. Konzepte der Welt und Magie werden nach und nach eingeführt und erschließen sich aus dem Kontext. Islington verschwendet hierbei wenig Zeit darauf, die Funktionsweise ausführlich zu erklären und überlässt es den Lesenden, nach und nach hinter die Geheimnisse seiner Welt zu blicken. Dies hinterlässt ein befriedigendes Gefühl, sobald man wieder einmal mit einem unerwarteten Twist in der Geschichte überrascht wird und alles bisher gelesene sich in einem neuen Licht präsentiert. Selten war ein so umfangreiches Buch von der ersten bis zur letzten Seite so dicht und atmosphärisch aufgebaut, dass man es kaum aus der Hand legen konnte. Immer wieder aufkommende gesellschaftskritische Fragestellungen darüber, was Macht bedeutet und wie sie Menschen korrumpiert, runden die Geschichte ab.

Schreibstil

The Will of the Many wird ausschließlich aus der Sicht des Protagonisten Vis erzählt. Dies erlaubt den Lesenden eine tiefe Einsicht in seine Gefühlswelt, was besonders bei den oft überraschenden Wendungen in der Geschichte für eine tiefe Immersion sorgt. Wir erleben hautnah mit, wie es sich anfühlt, wenn alles, was wir als Wahrheit erachtet haben, plötzlich auf links gedreht wird. Der Schreibstil von James Islington unterstützt das Eintauchen in Welt und Charakter durch eine ausschweifend beschreibende Sprache. Die Sätze sind eher lang geraten und symbolisieren damit die Komplexität des Werkes.

Beim Erschaffen der Welt hat sich Islington bei Konzepten der römischen Antike bedient, diese jedoch mit modernen Akzenten und einem faszinierenden Magiesystem aufgewertet. Bücher mit antikem Setting erleben gerade eine Renaissance, was für frischen Wind auf dem Buchmarkt sorgt.

Die Übersetzung liest sich vor allem zu Beginn des Buches etwas holprig, wenn man sich allerdings daran gewöhnt hat, kann man kaum wieder aus der Welt auftauchen. Das Lektorat ist leider, wie schon bei anderen Büchern des Verlags, eher schwach und es sind einige Tipp- und Satzbaufehler in der finalen Fassung des Buches vorhanden.

Der Autor

James Islington ist ein australischer Autor phantastischer Geschichten. Bekannt durch die Licanius-Saga wird nun mit dem vorliegenden Werk The Will of the Many sein neustes Buch ins Deutsche übersetzt. Wenn er nicht selbst Geschichten schreibt, liest er mit Vergnügen die Geschichten bekannter Autor*innen wie Sanderson, Jordan oder Rothfuss.

Erscheinungsbild

Das Buch erscheint im Hardcover ohne separaten Schutzumschlug und übernimmt hier das überarbeitete englische Originalcover illustriert von Jamie Jones. Dies passt mit seinen antiken Elementen hervorragend zur Geschichte, und macht mit einigen Besonderheiten wie dem fliegenden Säulenstein neugierig auf den Inhalt. Die Qualität der Bindung könnte für die Dicke des Buches etwas besser sein, auch die Seiten sind sehr dünn, damit die knapp 1000 Seiten nicht zu schwer werden. In der ersten Auflage verziert ein Farbschnitt das Buch zusätzlich, welcher einfach, aber ebenfalls passend gelungen ist.

Cover The Will of the many
Cover The Will of the many © Adrian & Wimmelbuchverlag

Die harten Fakten:

  • Verlag: Adrian & Wimmelbuchverlag
  • Autor: James Islington
  • Erscheinungsdatum: 18. März 2025
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Australischen Englisch übersetzt von Gerda M. Pum)
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 944
  • ISBN:978-3985852475
  • Preis: 24,95 EUR (Print) + 9,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Bonus/Downloadcontent

Die Innenklappen des Buches zieren zwei Karten der bekannten Welt und der Insel der Akademie, in welcher The Will of the Many hauptsächlich spielt. Zusätzlich ist dem Buch eine Grafik der Ränge Hierarchie vorangestellt, die sich allerdings den meisten Lesenden erst im Laufe des Buches erschließen wird. Ein Glossar mit den wichtigsten Figuren und Orten ist ebenfalls enthalten, aufgrund möglicher Spoiler allerdings nachgestellt. Schade ist, dass die Lautschrift zur Aussprechhilfe der Namen, welche im englischen Original zusätzlich enthalten ist, in der deutschen Übersetzung fehlt. Abhilfe schafft hier nur ein Blick auf die Website des Autors, wo das englische Glossar inklusive Lautschrift abgedruckt ist.

Fazit

In der Republik von Caten regiert die Hierarchie die Welt, indem sie sich den Willen aller einverleibt. Die vielversprechendsten Talente und die Kinder der Elite des Landes werden an der renommierten Catenische Akademie unterrichtet und geformt. Einer von ihnen ist der Waise Vis Telimus. Er will in den Rängen aufsteigen; allerdings nicht, um sich bereitwillig seinen Verstand und seine Entscheidungsfreiheit rauben zu lassen, sondern um einen Mord aufzuklären und das System von innen heraus zu zerstören. Verrat, Intrigen, Machtspiele: all dies muss er nutzen, um zu überleben und um seinen Auftrag zu erfüllen. Und vor allem, darf niemand herausfinden, wer er wirklich ist.

In The Will of the Many tauchen die Lesenden tief in eine an das alte Rom angelehnte phantastische Welt ein, welche mit ihrer ganz neuen Form der Magie durch Willen fasziniert. Die komplexe und spannende Welt und Vis‘ Geschichte erstreckt sich auf den fast 1000 Seiten und überrascht mit vielen unvorhersehbaren Wendungen. Wer eine dystopische und von Intrigen und politischen Schachzügen dominierte Handlung in einem erfrischenden Setting sucht, wird hier einen hervorragenden Auftakt zu einer neuen Trilogie finden. Mit The Strengt of the Few steht der zweite Band im Dezember 2025 ebenfalls schon in den Startlöchern.

  • Komplexe und spannende Welt
  • Unvorhersehbare Wendungen
  • Neuartiges Magiesystem
 

  • Teils schwaches Lektorat


Artikelbilder: © Adrian & Wimmelbuchverlag

Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Sabrina Plote

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