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Blood of Hercules vereint antike griechische Mythologie mit einem modernen Setting. Alexis wird unerwartet in die Welt der reichen und mächtigen spartanischen Erb*innen der Gottheiten gezogen und muss sich in einer Feuerprobe nicht nur scheinbar unüberwindbaren Aufgaben, sondern auch den Avancen ihrer attraktiven Mentoren und Professoren stellen.

Das Sub-Genre der Romantasy, also phantastische Werke mit starkem Fokus auf einer romantischen Geschichte, ist aus der heutigen Welt der Literatur kaum mehr wegzudenken. Haben noch vor einigen Jahren vor allem Werke mit epischem Weltenbau und komplexen Handlungen die Phantastik dominiert, bilden heute romantische Geschichten mit seichteren phantastischen Elementen einen großen Teil der Liste der Neuerscheinungen. Viele dieser Bücher enthalten ohne weiteres trotzdem wunderbare Geschichten zum Wegträumen, jedoch gibt es auch immer wieder Exemplare, bei denen man sich als lesende Person fragt, wo genau der Fokus des Buches liegt. Soll eine epische Welt erdacht werden, in welcher sich eine durchdachte Geschichte entwickelt oder ist die Phantastik lediglich außergewöhnliche Kulisse für eine Romanze?

In Blood of Hercules ist dieser Fokussehr verschwommen, denn eine in sich schlüssige Welt oder epische Momente sucht man hier über weite Strecken der Erzählung vergebens. Wenn man den Roman allerdings mit der richtigen Erwartungshaltung konsumiert, kann man auch an dieser Art Geschichte durchaus Spaß haben.

Triggerwarnungen

Gewalt, Mord, Stalking, Suizidgedanken, Mobbing, explizite sexuelle Inhalte

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Story

Nahe der Jahrhundertwende zu 2100 sind auf der Erde die aus der griechischen Antike bekannten Gottheiten wieder in Erscheinung getreten. In dieser Welt teilen sich diese Wesen in olympische und chthonische Häuser auf und brachten der Menschheit Geschenke und Fortschritt mit. Kurz nach ihrem Auftauchen ist die Welt jedoch durch Angriffe von Titanen ins Chaos gestürzt worden. Die überlebenden Menschen sind, sofern sie konnten, in Schutzzonen geflüchtet. Außerhalb dieser gibt es nur eine Macht, die sich den Titanen in den Weg stellt, und das sind die Kinder der Chthonischen Häuser, besser bekannt als Gottheiten der griechischen Unterwelt Hades, Ares, Artemis und Aphrodite. Durch einen bindenden Vertrag, welcher aus einem verlorenen Krieg gegen die Olympischen Häuser um Zeus, Hera und Co., hervorging, sind die Chthonier die einzigen, die den Kampf aufnehmen und sich bemühen, daraus den größtmöglichen Profit zu schlagen.

Alexis ist eine Waise und wächst zusammen mit ihrem stummen Pflegebruder in einem verarmten Trailerpark in den USA bei unfreiwilligen Pflegeeltern auf. Als sie diese bei einem Titanenangriff verlieren, schlagen sich die beiden allein durch. Bei einem obligatorischen Eignungstest am Ende der Highschool-Zeit fällt die mathematisch begabte Alexis jedoch nicht durch ihre Fähigkeiten auf, sondern weil ihre göttliche Abstammung aufgedeckt wird. Aus ihrem bis dahin bekannten Leben gerissen, wird sie dazu verdonnert, an einem brutalen Massaker teilzunehmen und nach ihrem Überleben die Spartanische Kriegsakademie, auch Feuerprobe genannt, zu absolvieren. Zur Seite gestellt werden ihr die beiden chthonischen Mentoren Patro und Achilles, die wenig begeistert von der ersten weiblichen Initiandin sind. Von Alexis‘ Erfolg hängt schließlich deren Beförderung in den Generalsstand ab. Und als wäre dies neben mörderischen Mitschülern und unmenschlichen Prüfungen noch nicht genug, scheinen die beiden Professoren Augustus und Kharon ihre ganz eigenen Interessen mit Alexis zu verfolgen. Einzig ihre unsichtbare Schlange Nyx, welche immer einen flapsigen Kommentar auf der gespaltenen Zunge hat, gibt ihr mentale Unterstützung und das Durchhaltevermögen, um die vor ihr liegenden Aufgaben zu bestehen.

Blood of Hercules nimmt sich zu Beginn des Buches ein Kapitel Zeit, um die Vorgeschichte rund um die spartanischen Gottheiten und deren Krieg untereinander während des 21. Jahrhunderts zu beschreiben und dies ist auch notwendig. Nicht nur die Aufteilung in Olympische und Chthonische Häuser und deren Verhältnis zueinander ist recht kompliziert, sondern auch die Pflichten und Verträge, die aus der Niederlage der Chthonier entstanden und die Grundlage für die Akademie bilden, an welche die Protagonistin später geschickt wird. Dass die Lesenden sich dann auch noch in einer dystopischen Zukunftsvision mit auf sozialen Medien übertragenen Kämpfen von Gottheiten gegen Titanen wiederfinden, geht aus dem Klappentext nicht hervor und kann für die eine oder andere (ungewollte) Überraschung sorgen.

Wie eingangs erwähnt ist es für die Freude an diesem Buch extrem wichtig, das richtige Erwartungsmanagement zu betreiben. Denn die Welt strotzt nur so vor Logiklöchern und unbeantworteten Fragen. Auch das Erzähltempo ist nicht gut verteilt und lässt vor allem im Mittelteil des Buches extrem nach. Wer also auf einen gleichmäßigen Spannungsbogen und eine in sich schlüssige Welt Wert legt, wird in diesem Roman enttäuscht werden. Wer allerdings nach einem Buch sucht, welches mit einer ordentlichen Menge (schwarzem) Humor, Brutalität und etwas sexueller Spannung aufwartet, wird eine gute Zeit beim Lesen haben.

Der Vor- und Nachsatz ist optisch mit passenden Drucken aufgewertet.

Schreibstil

Die Geschichte in Blood of Hercules wird bis auf wenige Ausnahmen aus der Sicht von Alexis als Ich-Erzählerin geschrieben. In besonderen Momenten in der Geschichte wechselt die Perspektive auch zu einem der vier männlichen Nebencharaktere Patro, Achilles, Kharon und Augustus. Der Erzählstil aus Alexis‘ Perspektive ist geprägt durch ihr Unwissen über die Welt, in welche sie gestolpert ist und immer wieder mit einem sarkastischen und humorvollen Unterton durchsetzt. Teilweise sind diese Kommentare oder inneren Gedanken auch separat in Klammern im Satz eingeschoben, was die Leichtigkeit der Erzählweise unterstreicht.

Der Weltenbau hätte deutlich mehr Feinschliff vertragen können, um in sich stimmig zu sein. Dem Buch mangelt es an einer klaren Identität. Es wurde eine wilde Mischung aus einer dystopischen Zukunftsvision mit fragwürdigen romantischen Elementen, Schauplätzen in den USA und Europa und einem Teil des griechischen Pantheons zusammengetragen. Dies klingt nicht nur verwirrend, sondern ist leider auch die große Schwäche des Buches. Auch wenn der Roman dem Genre der Romantasy zugeordnet wird, sind selbst die romantischen Elemente zu wenig im Buch vorhanden. Entgegen der durch das Marketing des Buches geschürten Erwartungshaltung, gibt es auch nur wenig sexuelle Inhalte im Buch. Erst gegen Ende kommt es zu mehreren Szenen, welche für unbedarfte Lesende auch mit Vorsicht bezüglich des klaren Konsenses zu genießen sind. Von Romantik kann hier eher nicht die Rede sein. Das Machtgefälle und die Dynamik zwischen Alexis und den Männern sind deutlich zu ihren Ungunsten verschoben und sie wird von ihnen mehr als Beute denn als Frau gesehen. Wichtig ist ebenfalls zu erwähnen, dass es in der Geschichte auf keine monogame Beziehung hinauslaufen wird, denn wie schon im Klappentext erwähnt wird, gibt es direkt vier Männer, die Interesse an der Protagonistin haben. Positiv ist allerdings zu erwähnen, dass alle handelnden Figuren keinem einzelnen Geschlecht primär zugetan sind, sodass es auch Annährungen und Szenen zwischen den männlichen Protagonisten für Lesende mit Freude an queeren Liebesgeschichten gibt.

Die Übersetzung von Kira Wolf-Marz und Julia Schwenk ist durchweg positiv gelungen. Vor allem der Witz der Originalvorlage bleibt bestehen und es wurde darauf verzichtet, einige englische Eigenenamen zu übersetzen, was der Besonderheit dieser zugute kommt. Das Lektorat hat ebenfalls gute Arbeit geleistet und es sind kaum Fehler im Text zu finden.

Die Autorin

Jasmine Mas ist eine internationale Bestsellerautorin, die heute mit ihrem Mann und ihrer Katze in Florida lebt und schreibt. Ihre Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Blood of Hercules ist ihr erstes ins Deutsche übersetztes Werk.

Erscheinungsbild

Die Hardcover-Ausgabe von Blood of Hercules ist sehr ansprechend gestaltet. Der Schutzumschlag entspricht dem der amerikanischen Originalausgabe und farblich dazu passend wurde in der Erstauflage ein Farbschnitt in schwarz-gelber Ornamentik hinzugefügt. Unter dem Umschlag befindet sich das grafische Highlight – ein bedruckter Einband mit farblichen Grafiken passend zum Thema der griechischen Gottheiten und Mythologie. Der Vor- und Nachsatz ist ebenfalls optisch mit passenden Drucken aufgewertet. Somit ist diese Ausgabe des Buches auf jeden Fall ein optisches Highlight in jedem Bücherregal.

© FISCHER Tor

Die harten Fakten:

  • Verlag: FISCHER Tor
  • Autorin: Jasmine Mas
  • Erscheinungsdatum: 23.04.2025
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Amerikanischen Englisch übersetzt von Kira Wolf-Marz und Julia Schwenk)
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 608
  • ISBN:‎ 978-3596712427
  • Preis: 25,00 EUR (Print) + 19,99 EUR(E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)

 

Bonus/Downloadcontent

Ein Glossar direkt zu Beginn des Buches listet die 12 im Roman vorkommenden göttlichen Häuser namentlich auf und ein Stammbaum vereinfacht die Navigation durch die Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse untereinander. Dies trägt zum Verständnis während des Lesens bei, da man immer wieder kurz nachschauen kann, wenn einem die Namen oder wer Erbe welchen Hauses ist, verloren gegangen sind. Nach der eigentlichen Hauptgeschichte gibt es in dieser Ausgabe außerdem zusätzlich zwei kurze Bonuskapitel aus der Sicht von Hades und Achilles.

Fazit

Als bei Alexis festgestellt wird, dass sie von göttlichem Blut ist, wird sie von den spartanischen Gottheiten gezwungen, sich in der Kriegsakademie ausbilden zu lassen. Dort erregt sie nicht nur die Aufmerksamkeit ihrer beiden Mentoren Patro und Achilles, sondern auch der Professoren Augustus und Kharon. Neben den schweren Strapazen der Prüfungen muss sich Alexis also nicht nur vor ihren brutalen Mitschülern in Acht nehmen, sondern auch den lüsternen Blicken der vier Männer entkommen, welche ein Auge auf sie geworfen haben.

Blood of Hercules ist kein konventioneller Roman der Phantastik. Wer ausschweifenden, tiefen Weltenbau und eine spannende Geschichte erwartet, wird hier enttäuscht werden. Das Buch lebt durch seinen humorvollen Schreibstil, der sich nicht zu ernst nimmt und die Spannung zwischen den Männern als Jäger und Alexis als ihre Beute. Erst am Ende des Romans zieht die Erzählung nochmal an und das Finale wartet mit einigen unvorhergesehenen Plotttwists auf. Wer bis dahin durchhält, bekommt hier einen mittelmäßigen Einstieg in eine Trilogie, welche zwar Potenzial bietet, dieses aber aufgrund von mangelndem Fokus nicht ausschöpft. Der zweite Band der Reihe erscheint im Herbst 2025.

  • Optische Aufmachung des Printbuches
  • Humorvolle Schreibweise
 

  • Kaum Tiefe in Welt und Handlung
  • Langatmiger Mittelteil

 

Artikelbilder: © FISCHER Tor
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Hendrik Pfeifer
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