Der Einfluss von Charles Xavier für die X-Men ist eine der Grundlagen des Teams. Seit einiger Zeit sitzt Xavier aufgrund von Verbrechen gegen die Menschheit im Gefängnis. In X-Manhunt bricht er aus und die X-Men müssen sich fragen: Auf welcher Seite wollen sie stehen?
Professor X ist derjenige, der die X-Men gegründet hat. Doch als moralisches Vorbild ist er schon lange keine feste Instanz mehr. Spätestens seit Avengers vs. X-Men ist er kaum mehr als eine Hintergrund-Figur. Erst ist er gestorben, dann wurde er wiederbelebt, gründet eine eigene Nation und musste zusehen, wie diese untergeht. In diesem Zusammenhang schloss er sich scheinbar den Feinden der Mutanten an und sorgte so für ein Ablenkungsmanöver, bei dem aber Menschen starben. Seine ehemalige Schule ist inzwischen ein Gefängnis für Mutanten. In diesem ist er eingeschlossen. Aber seine Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Der aktuelle Comic X-Manhunt erzählt, wie er mit sämtlichen aktuell aktiven Mutantenteams in Interaktion tritt und dabei einen ganz eigenen Plan ausheckt. Alle Teams müssen sich entscheiden, ob sie ihm helfen oder die Behörden dabei unterstützen, ihn zurück ins Gefängnis zu bringen. Grund genug, dass wir uns diesen Comic einmal anschauen.
Krebs
X-Men X-Manhunt
Im Weltall wird Xaviers Tochter Xandra bedroht. Dies führt dazu, dass Xavier, der aktuell hinter Schloss und Riegel sitzt, einen mentalen Anfall bekommt. Die Leiterin der Einrichtung, Doctor Corina Ellis, ruft das X-Men-Team von Rogue zu Hilfe, um ihn zu beruhigen. Sie entdeckt ebenfalls einen Hirntumor, der beim Professor dazu führt, dass er an Halluzinationen leidet. Die X-Men versuchen, mit ihm zu reden, doch es kommt zum Kampf, bei dem Xavier aus dem Gefängnis flieht. Nun ist Xavier auf der Flucht und trifft erst auf NYX, das New Yorker Team um Kamala Khan, später auf Storm, Cyclops Team, das Regierungsteam X-Factor von Angel und X-Force rund um Sage und Forge. Dabei hat er stets ein Anliegen, das bestimmte Leute für ihn erledigen müssen. Es kommt zu Kämpfen einzelner X-Men gegeneinander und am Ende wird das Schicksal von Charles Xavier besiegelt.
Dieser Comic erzählt keine durchgehende Geschichte. Der zusammenhängende Faden ist die Flucht von Charles Xavier. Mit Ausnahme des ersten und letzten Teils, die einen Rahmen bilden, fügen die einzelnen Kapitel nur kleine Details hinzu. Dazu ist auch jede dieser Geschichten in ihre eigene Erzählung eingebettet. So bekommt es beispielsweise NYX mit Mojo zu tun, der am Ende des Kapitels ein größeres Fass öffnet, das hier nicht aufgeklärt wird. Da NYX bei uns in Deutschland keine weitere Veröffentlichung bekommt, ist dies umso ärgerlicher. Spannend ist dennoch, wie die einzelnen Mutanten auf die Irrwege ihres einstigen Mentors reagieren und wer sich auf seine Seite stellt. Daraus ergeben sich ein paar interessante Konflikte.
Ist dies das Ende von Charles Xavier?
Wir werden nicht spoilern, wie die Geschichte ausgeht. Es soll aber gesagt sein, dass hier ein Ende gewählt wurde, das schon einmal so ähnlich passiert ist. Dass hier beteuert wird, dass dies diesmal endgültig ist, glaubt niemand, der in den letzten Jahren Superhelden-Comics verfolgt hat. Dennoch ist klar, dass Charles nicht mehr die Mentorenrolle einnehmen wird, die er einst hatte. Doch sein Wunsch, dass wieder eine Schule gegründet werden soll, wird sich voraussichtlich schon nächstes Jahr erfüllen. Dieser Comic will wie ein wichtiger Baustein in der großen Handlung um die X-Men wirken, schafft es dabei aber nicht, die Handlung wirklich logisch weiterzuentwickeln und etwas gänzlich Neues zu schaffen. Durch den episodenhaften Aufbau wirkt die ganze Geschichte eher wie ein Zwischenszenario, das es zwar schafft, einen Überblick über die meisten X-Men-Teams zu geben, aber nur schwer für sich allein stehen kann.
Dazu merkt man diesem Band wieder einmal an, dass sehr unterschiedliche Künstler*innen und Autor*innen mitgewirkt haben. Gerade wenn man die aktuellen Veröffentlichungen nicht verfolgt, wird man hier durcheinanderkommen in Anbetracht der vielen Figuren und Teams. Es ist dennoch schön, dass Panini auch diese Geschichte veröffentlicht hat, auch wenn man sich fragen muss, ob wirklich alle Kapitel nötig gewesen wären, um die Handlung zusammenzufassen.
Die harten Fakten:
- Verlag: Panini Comics
- Autor*innen: Jed Mackay, Mark Russell, Gail Simone, u.a.
- Zeichner*innen: Javier Garron, Luciano Vecchio, Francesco Mortarino, u.a.
- Erscheinungsjahr: 2025
- Sprache: Deutsch
- Format: Hardcover
- Seitenanzahl: 176
- Preis: 24 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini
Fazit
In Summe haben wir hier einen soliden X-Men-Comicband, bei dem Charles Xavier die Hauptrolle einnimmt, aber eher wir ein wandelndes Plotdevice von einer Handlung zur nächsten springt. Die Geschichte ist dabei ähnlich albern wie der Titel dieses Bandes, ohne dabei absichtlich humorvoll zu sein. Es ist interessant zu sehen, wie einzelne X-Men gegeneinander antreten. Doch jedes Kapitel hat dabei seinen ganz eigenen Erzählstil und sein eigenes Tempo. Dadurch wirkt der Comic weniger wie ein Gesamtwerk als ein Mosaik aus lauter Versatzstücken, die nicht so recht zusammenpassen wollen. Man bekommt hier einen guten Überblick über die aktuellen X-Men-Teams, auch wenn von diesen aktuell keine weitere deutsche Veröffentlichung angekündigt sind. Da es aber leider keine wirkliche Charakterentwicklung, weder bei Xavier noch bei seinen ehemaligen Schülern gibt, wirkt die Gesamtgeschichte auch ein wenig flach. Der Comic schafft es einen Schlussstrich unter die gemeinsame Geschichte zwischen X-Men und Charles Xavier zu ziehen, auch wenn klar ist, dass beide Erzählungen weitergehen werden. Wer sich dafür interessiert, sollte einen Blick wagen. Ein fester Bestandteil im Kanon der Mutanten-Comics wird dieser Comic aber sicher nicht.

- Charles Xavier dreht durch
- Mutanten gegen Mutanten
- Ein Überblick über alle Mutantenteams
- Erzählung aus unzähligen Versatzstücken
- Lauter offene Erzählstränge
- Keine Charakterentwicklung
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
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