Ob sprechende Tiere oder kauzige Charaktere, wilde Freundesbande oder ein Leben in und mit der Natur: Mit Greenwood und Crissis Tagebücher (jeweils Band 1) gibt es wieder spannende Neuerscheinungen von toonfish, Imprint des Splitter-Verlags, aus dem Comic-Bereich, die all diese Themen vereinen und in diesem Kurzcheck vorgestellt werden.
In den beiden Splitter-Neuerscheinungen Greenwood – Urania, die Hexe (Band 1) und Crissis Tagebücher – Der versteinerte Zoo (Band 1) entdecken wir die Schönheit des Naturreichs ganz nebenbei.
Zeichnungen von Spinnen
Crissis Tagebücher – Band 1 (Neuauflage)
Handlung
Manchen sind die liebevoll erzählten Comicbände rund um Crissi und ihr Tagebuch sicher noch bekannt. In Deutschland erschienen fünf der französischen Bände das erste Mal 2015 bei POPCOM, nun werden die Bände seit kurzem bei toonfish (Splitter-Verlag) neu aufgelegt. Geplant ist zudem, die bisher bei uns noch unveröffentlichten Bände ebenfalls herauszubringen.

Crissi ist ein junges, aufgewecktes und sehr mutiges Mädchen, das mit ihren zwei Freundinnen gerne im Wald in ihrem Baumhaus spielt. Eines Tages beobachten die drei einen älteren Mann, der meistens mit Farbeimern oder Farbklecksen auf der Kleidung aus dem Wald herauskommt. Ihre Abenteuerlust ist geweckt und sie nehmen die Spur auf. Was macht der Mann im Wald? Warum hat er einen Papagei bei sich?
Crissi vertraut sich oft ihrer Bekannten Frau Schöngärtner, einer älteren Dame, an, denn auch mit ihren Freundinnen, und insbesondere mit ihrer Mutter, ist die Beziehung nicht immer reibungslos. Sie fühlt sich oft nicht so richtig verstanden und ausgebremst. Sie möchte gerne Schriftstellerin werden und hält daher einige ihrer Abenteuer und vor allem Beobachtungen auch in ihren Tagebüchern fest.
Nach geheimer Recherche in der Stadt, Befragung von Einwohner*innen und Spurensuche im Wald, lüftet Crissi schließlich das Geheimnis hinter dem Mann mit den Farbklecksen: Es befindet sich ein ehemaliger Zoo im Waldgelände, der richtiggehend verwildert ist und Michel, der fremde Mann, haucht dem Zoo neues Leben ein. Doch da ist noch eine traurige Geschichte, die Crissi und ihre Freundinnen alle Kräfte mobilisieren lässt, um Michel zu helfen…
Charaktere
Das Schöne an Crissis Tagebücher sind definitiv die ausgestalteten Nebencharaktere, die entweder im Tagebuch oder durch die Geschichte selbst lebendig werden und Tiefe bekommen. Da ist Crissis Mutter, mit der es immer mal wieder Spannungen gibt, die beiden Freundinnen Line und Erica, einige Dorfbewohner*innen mit ihren eigenen Nebenschauplätzen aber auch Frau Schöngärtner, die sowohl Crissis Mentorin als auch ihr Vorbild ist.
Stil
Der Zeichenstil ist wunderbar detailliert, farbenfroh aber nicht knallig, die Tagebuchseiten bringen Verspieltheit mit ein und insgesamt zieht sich eine träumerische Atmosphäre durch den handlichen Comicband.
Bonus
Am Ende gibt es noch eine Malseite, auf der Crissi dazu einlädt, zum Comic passende Motive zu zeichnen.
Die harten Fakten:
- Verlag: Splitter Verlag
- Autor*in(nen): Joris Chamblain

- Zeichner*in(nen): Aurélie Neyret
- Seitenanzahl: 80
- Preis: 17,95 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

Greenwood – Urania, die Hexe – Band 1
Handlung
Urania, eine begnadete Geschichtenerzählerin und kauzige Waldbewohnerin, erzählt den Tierkindern des Waldes gerne Gruselgeschichten. Gleichzeitig heilt sie allerlei Gebrechen der Dorfbewohner*innen und beherbergt merkwürdige Sachen und eine geheime Türe in ihrer Waldhütte, die jedoch keiner öffnen darf.
Von den Geschichten-lauschenden, untereinander befreundeten Kindern fürchten sich manche mehr, manche weniger vor Uranias Geschichten und diese haben sowieso auch dauernd mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. So haben sie zum Beispiel unterschiedliche Schlafrhythmen oder Zahnschmerzen, der eine ist dauernd tollpatschig, die andere sehr verspielt.
Und dann ist da auch noch der Wettkampf, auf den alle im Wald hinfiebern und für den wichtige Vorbereitungen getroffen werden müssen. Glücklicherweise kennt die Bande schon geheime Infos, die für den Wettkampf erst am nächsten Tag veröffentlicht werden. So können die Freunde auch schon Zutaten sammeln und in ihrem geheimen Baumhaus gemeinsame Pläne schmieden. Erst am Ende des Bandes erfahren die Lesenden, um was für einen Wettbewerb es sich handelt.
Charaktere
In Greenwood gibt es einige wichtige Tierfamilien, die zu Beginn des Bandes vorgestellt werden. Da gibt es Familie Fuchs mit dem Fuchskind Honey (ein Vegetarier, der kein Blut sehen kann), der in die mutige Winter aus der Familie Kaninchen verliebt ist. Die übermütige Spinne Shadow und das große Käuzchen Vanille gehören neben weiteren Tierkindern auch zur Freundesbande, die sich immer wieder bei Urania trifft, die sich auch liebevoll um die Kinder kümmert. Die Charaktere sind mit viel Humor versehen und mit einprägsamen Fähigkeiten, Interessen oder auch Verhaltensweisen ausgestattet.

Stil
Der Zeichenstil ist ebenfalls schön detailverliebt, atmosphärisch und transportiert gelungen die geheimnisvolle Stille des Waldes. Die Charaktere sind witzig bis emotional dargestellt, besonders die neugierigen, großen Augen der Tierfamilienkinder stechen heraus.
Bonus
Es gibt ein Rote-Bete-Kuchen-Rezept im Comicband, leider wird das Wichtigste hier aber nicht erklärt: wie man hierbei die Rote Bete verarbeitet. Außerdem finden sich zwei Enzyklopädie-Seiten zu Knoblauch als Hausmittel und eine Seite zur Tierart Spinne darin.

Die harten Fakten:
- Verlag: Splitter-Verlag
- Autor*in(nen): Barbara Canepa, Anaïs Halard

- Zeichner*in(nen): Florent Sacré, Giovanni Rigano
- Seitenanzahl: 48
- Preis: 15,95 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

Fazit
In Crissis Tagebücher taucht die Protagonistin in Innenwelten und in die Vergangenheit ab, wird geleitet von Hilfsbereitschaft, Empathie und Fürsorge und hilft so, etwas Neues zu schaffen. Ganz nebenbei wird ein respektvoller Umgang mit der Tierwelt und mit Menschen gezeigt, was die Reihe und ihre Story so feinfühlig und empfehlenswert macht. Der Band erzählt eine abgeschlossene Geschichte und schmückt diese auch noch mit fiktiven Zeitungsberichten aus.
Die mystische Naturwelt in Greenwood bringt uns ihre Wunder und Fähigkeiten näher, die Tierkinderbande ist so authentisch, da sie ihre ganz normalen Alltagssorgen und Themen haben, die menschlich wirken. Die ergänzenden Enzyklopädie-Seiten vertiefen den Fokus auf die Wunder der Natur und begleiten die Abenteuer der Tierkinder im Comic sehr passend. Es dauert etwas in diesem Band, bis die Story beziehungsweise Action ins Rollen kommt, daher können wir den nächsten Band kaum erwarten.
- Großartige Illustrationen in beiden Bänden
- Tiefgehende Story bei Crissis Tagebücher
- Witzige Dialoge und Tierwelt bei Greenwood
- der dt. Greenwood Ausgabe fehlt die Gold-Veredelung (Coverschrift)
- Das Rezept in Greenwood ist unvollständig
- Der erste Band von Greenwood ist sehr kurz
Artikelbilder: © Splitter-Verlag
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Verena Tribensky
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