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Tabletop-Gelände aus Pappe, kann das funktionieren? Battle Systems bietet schon seit Längerem Bausätze aus bedruckter Pappe an, und acht erfolgreiche Crowdfunding-Kampagnen sprechen eine deutliche Sprache. Wir haben das Fantasy-Battlefield-Set des britischen Herstellers für euch zusammengebaut und getestet. Nur eine günstige Alternative oder ein vollwertiger Ersatz? Lest selbst.

Viele Materialien kommen beim Bau von Tabletop-Gelände zum Einsatz. Kunststoffbausätze sind oft sehr detailliert, aber auch teuer. MDF ist günstiger, aber bei der Darstellung von Formen eingeschränkt und schwer. Hartschaum wiederum muss in einem Stück in eine Form gespritzt werden und ist darum nur begrenzt für bespielbare Gebäude geeignet. Gebäude und Gelände aus Papier und Pappe sind keine neue Idee. Battle Systems bringen den Einsatz des Materials mit cleveren Designs aber auf eine neue Ebene. Das Sortiment umfasst inzwischen viele Sets für Science-Fiction, Fantasy, Post-Apokalypse und auch Dungeons. Wir haben das Fantasy Battlefield unter die Lupe genommen.

Triggerwarnungen

Keine typischen Trigger

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Der erste Eindruck

Das Battle Systems Fantasy Battlefield wird in einem vollfarbig bedruckten Karton geliefert. Auf der Vorderseite sind die wesentlichen Geländestücke des Sets vor einem passenden Hintergrund in Szene gesetzt. Auf der Rückseite ist der gesamte Inhalt in zusammengebautem Zustand abgebildet. Dazu findet sich eine kurze Beschreibung, welche unter anderem die geeigneten Maßstäbe von 28 – 35 mm angibt und verspricht, dass mit den Bausätzen ein kleiner Skirmish-Tisch eng gefüllt oder ein großes Schlachtfeld mit verteiltem Gelände ausgestattet werden kann. Weiter gibt es einen Verweis auf die Internetpräsenz von Battle Systems, wo weitere Informationen und Bauanleitungen abrufbar sein sollen.

Unter dem Deckel liegen insgesamt 22 beidseitig bedruckte Ausdrückrahmen im DIN-A4-Format aus 1,5 mm starker Pappe und eine Tüte mit verschiedenen Steckverbindungen aus Kunststoff. Die Designs wirken auf den ersten Blick glaubwürdig, sind aber nicht ganz so realistisch wie beispielsweise die Ostfront-Gebäude von Micro Art Studios. Die Gestaltung geht in bisschen mehr ins Comic-Artige, ohne dabei zu überzeichnet zu sein. Durch Schatten, Verwitterung und Bewuchs wird außerdem ein plastischer Eindruck erzeugt.

Wie der Text auf der Box schon vermuten lässt, sind im Set keine Anleitungen enthalten. Diese müssen über das Internet bezogen werden. Das Fantasy Battlefield enthält genug Teile, um daraus eine modulare Klosterruine, einen Wachturm, ein Signalfeuer und zwei Wachposten zu bauen. Außerdem sind Straßen, Flüsse, Mauern, Palisaden, Spanische Reiter und diverses Streugelände enthalten. Alle Rahmen sind mit einer Beschriftung bestimmten Bausätzen zugeordnet und neben den Teilen findet sich darüber hinaus eine Zuordnung zu verschiedenen Objekten und Baugruppen.

Der Zusammenbau

Battle Systems versprechen bis auf wenige Ausnahmen einen Zusammenbau ohne Kleben. Um uns darauf vorzubereiten, haben wir uns zunächst das Einführungsvideo auf der Onlinepräsenz des Herstellers angesehen und dann die jeweiligen Tutorial-Videos für die entsprechenden Bausätze zurate gezogen. Hier empfiehlt es sich in jedem Fall die Videos mindestens auf einem Tablet anzusehen. Auf einem Smartphone ist dies zwar möglich, das Bild ist aber zum Teil einfach zu klein, um wichtige Details problemlos zu erkennen. Die Videos sind auf Englisch und darum sind zumindest Grundkenntnisse der Sprache von Vorteil. Zwar sprechen die Bilder auch für sich, aber es werden durchaus wichtige Hinweise gegeben, die den Zusammenbau erleichtern.

ideos des Herstellers helfen beim Zusammenbau.
Videos des Herstellers helfen beim Zusammenbau.

Für alle Fälle haben wir außerdem ein scharfes Bastelmesser griffbereit gehabt, um gegebenenfalls Teile auszulösen oder Schlitzungen anzupassen. Eine Schneidmatte sorgte für einen guten Arbeitsuntergrund.

Der Wachturm

Der Wachturm besteht aus fünf Ausdrückrahmen, von denen zwei identisch sind. Die Teile lassen sich sehr gut aus dem Rahmen lösen und das Messer mussten wir nicht einsetzen. Durch angeschlitzte Mauerteile ist es möglich, diese in eine nahezu runde Form zu bringen. Tatsächlich handelt es sich um ein Dekagon, also ein Polygon mit zehn Seiten. Mit Hilfe eines Kunststoffclips wird das Polygon geschlossen und hält problemlos zusammen. Mit weiteren Clips in L- und T-Form werden die Böden eingesetzt. Dies erfordert etwas Geschick, da die Clips nicht bis zum Anschlag eingeschoben werden dürfen, um das Versenken des Bodens im Polygon zu ermöglichen. Dies wird aber im Video anschaulich erklärt.

Die so entstandenen Turmsegmente lassen sich lose aufeinanderstapeln, wobei die überstehenden Clips sich in passende Lücken einfügen. Dies verhindert ein allzu leichtes Verrutschen der Segmente. Ein Segment ist durch eine vorgeschlitzte und bewegliche Tür begehbar.

Der Ausguck entsteht auf ähnliche Weise, und er kann auf im obersten Turmsegment eingeschobenen Stützen lose aufgesteckt werden. Hierbei greifen Teile der Stützen in passende Löcher im Ausguck. Das Dach wird erneut mit Hilfe von Einschlitzungen in Form gebracht und mit einem Clip aus Pappe verbunden. Dieser passte bei uns leider nicht optimal und das Dach drohte sich immer wieder zu lösen. Entgegen der Anleitung haben wir hier mit etwas Kleber nachgeholfen. Das Dach wird lose auf den Ausguck aufgesetzt und hat hierfür keine Ankerpunkte, was es zu einer wackeligen Angelegenheit macht. Im Boden des Ausgucks befindet sich eine bewegliche Luke.

Der Balkon mit der Zugangstreppe kommt komplett ohne Clips aus. Hier werden nur Pappteile ineinandergesteckt. Das fertige Segment wird dann in einem aus dem Turm vorstehenden T-Clip befestigt.

Das Signalfeuer kann auf zwei Arten aufgebaut werden.
Das Signalfeuer kann auf zwei Arten aufgebaut werden.

Auch das Signalfeuer kommt ganz ohne Kunststoff-Clips aus. Das Oberteil kann auf zwei Arten verwendet werden. Es kann als Dach aufgelegt werden, wodurch eine Art Unterstand entsteht. Oder man verwendete es umgedreht als eine Art Schale, welche mit einzelnen Feuerholzteilen gefüllt wird, um das Signalfeuer darzustellen. Darüber hinaus befinden sich im Set noch Teile, um zwei Waffenständer und einen Tisch zu bauen. Die Waffen sollten in die Ständer geklebt werden, da sie sonst immer wieder herausfallen.

Der Turm macht eine gute Figur und wirkt gar nicht so phantastisch. Eine Verwendung für historische Systeme wie SAGA ist also durchaus denkbar.

Die Wachposten

Die beiden Wachposten sind im Vergleich zum Wachturm schnell zusammengebaut. Sie bestehen aus jeweils zwei Ausdrückrahmen, haben also nur eine überschaubare Anzahl von Einzelteilen. Vier Mauersegmente mit beweglichem Tor und Luken werden mittels Clips zusammengesteckt. Der Boden wird nur lose in die Wände eingesetzt.

Der obere Teil besteht aus einer Bodenplatte und zwei Randteilen, von denen eines vorgeschlitzt ist und sich durch Knicken von drei der vier Seiten ergibt. Die Ränder und der Boden werden mit Clips verbunden und dann kann das Teil oben auf den Wachposten aufgesetzt werden.

Das Dach wird wie die vorherigen Dächer geknickt, mit einem Clip aus Pappe zusammengesteckt und lose aufgelegt. Um den oberen Teil des Wachpostens zu erreichen, gibt es noch eine Holztreppe, die wie die Treppe des Wachturms nur aus zusammengesteckter Pappe besteht. Für weitere Dekorationen sind im Set noch Kisten, Fässer, Waffenständer und weitere kleine Teile enthalten.

Auch dieses Gebäude kann unserer Meinung nach gut für historische Settings verwendet werden.

Die Klosterruine

Die Klosterruine ist nicht nur der größte Bausatz im Set, sondern auch ein ganz besonderer. Er hat nämlich keine feste Bauanleitung, sondern kann individuell zusammengefügt werden. Man kann seiner Kreativität also freien Lauf lassen und wahlweise große Segmente mit mehreren Etagen oder viele kleine Stücke bauen.

Der Bausatz besteht aus sechs Ausdrückrahmen. Einer dieser Rahmen besteht hautsächlich aus Tor- und Fenster-Segmenten. Ein Rahmen mit Boden- und Wand-Teilen ist zweimal enthalten, und dreimal erhält man einen Bogen mit Wänden und Dekor-Elementen. Die Ruine besteht aus großen Steinen mit gotischen Bögen. Auch hier wird durch unterschiedliche Steinfarben und der Darstellung von Schatten und Bewuchs mit Pflanzen versucht, die flachen Oberflächen aufzulockern.

Der Zusammenbau funktioniert intuitiv und wir haben uns für große Segmente entschieden. Hier wurde der Einsatz vieler Clips nötig, die am Gebäude dann auch sichtbar bleiben. Dies stört die Optik ein wenig, aber es ist nicht weiter tragisch.

Ähnlich wie beim Wachturm sind hier Teile enthalten, die in Polygonform Türme bilden. Durch Kombination mehrerer dieser Teile kann ein Turm mit größerem Durchmesser erzeugt werden. Beim Bauen mehrerer Etagen können begehbare Zwischenböden eingebaut werden, was die Bespielbarkeit verbessert. Es spricht aber natürlich nichts dagegen, einfach ein großes Objekt als Sichtlinienblocker zu bauen, welches nicht betreten werden kann, beziehungsweise soll.

Die Fenster in den Teilen lassen sich wahlweise ausdrücken und ohne Glas verwenden. Die Tore sind wie bei den anderen Bausätzen beweglich.

Dieser Bausatz hat uns am meisten Spaß bereitet, da wir uns kreativ damit auseinandersetzen konnten. Auch dieses Gebäude ist zeitlos und wegen des gotischen Designs auch für die düstere Zukunft denkbar, auch wenn der Pflanzenbewuchs vielleicht nicht so gut in die Thematik passt.

Mauern, Palisaden und Spanische Reiter

Für Mauern, Palisaden und Spanische Reiter sind jeweils ein Ausdrückrahmen im Fantasy Battlefield enthalten. Alles ist mit wenigen Handgriffen zusammengesteckt. So erhält man neun Mauerstücke und ein Gatter, fünf Spanische Reiter und drei Palisaden, von denen eine über eine bespielbare Plattform verfügt. Diese Geländestücke bieten sich an, um mit ihnen das 2D-Gelände von A Song of Ice and Fire zu ersetzen. Aber auch für viele andere Systeme sind sie eine Bereicherung.

Straßen und Flüsse

Die Straßen und Flüsse sind in insgesamt vier Ausdrückrahmen untergebracht, von denen zwei identisch sind. Die beidseitig bedruckten Teile können wahlweise als Fluss oder umgedreht, als Straße benutzt werden. Es sind gerade Stücke, Kurven, Gabelungen, Endstücke und eine Option zum Bau einer Kreuzung enthalten. Diese Kreuzung kann auch getrennt werden, und man erhält dann zwei weitere Endstücke.

Bei den Straßen handelt es sich um grobes Steinpflaster mit Steinen in unterschiedlichen Farben, was ein natürliches Aussehen erzeugt. Auch Moosbewuchs und dargestellter Dreck unterstreichen diese Optik. Die Flüsse haben dargestellte Wellen und wirken wirklich wie ein fließendes Gewässer. Die Ufer sind felsig und gehen dann in Grasbewuchs über. Um die Endstücke noch etwas zu unterstützen, sind kleine Streustücke dabei, die an entsprechenden Stellen platziert werden können. Auf einem Tisch, auf dem Regimenter verschoben werden, wohl eher im Weg. Auf einem Spielfeld für Skirmisher oder beim Einsatz für Rollenspiele aber eine nette Idee.

Auch in diesem Set gibt es ein paar weitere Streugeländestücke. Der kaputte Karren und der Steg werden einfach zusammengesteckt. Auch die Wegweiser und Meilensteine brauchen weder Clips noch Kleber.

Die Straßen eignen sich gleichermaßen für historische wie für phantastische Spielsysteme. Die Flusssegmente sind stilistisch neutral gehalten und problemlos auch in modernen oder futuristischen Szenarien einsetzbar.

Aufbewahrung

Ist das Gelände zusammengebaut, benötigt es einiges an Stauraum. Zwar ist es nicht schwer, lässt sich aufgrund der komplexen Aufbauten und der dünnen Pappe aber auch nicht gut stapeln. Battle Systems schlagen zwar bei Platzmangel das Zerlegen der Bausätze zur leichteren Lagerung vor, bei regelmäßiger Nutzung werden hier aber die Bauteile, unserer Meinung nach, darunter leiden. Außerdem mussten wir auch die Dächer kleben, was eine Zerlegung nicht mehr zulässt. Flüsse und Straßen lassen sich natürlich flach lagern und auch Mauern, Palisaden und Spanische Reiter lassen sich recht leicht zerlegen und wieder zusammensetzen. Hier bietet sich eine flache Lagerung also an.

 

Die harten Fakten:

  • Hersteller: Battle Systems
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Alter: 14+ Jahre
  • Preis: 104,99 EUR (UVP)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, KuTaMi

 

Fazit

Mit dem Fantasy Battlefield von Battle Systems erhält man ein umfangreiches Set ansehnlicher Geländestücke aus doppelseitig bedruckter Pappe. Die aufgedruckten Designs sind schön gestaltet und täuschen ein wenig über die flachen Oberflächen hinweg. Der Stil ist eine Art realistischer Comic-Stil, der nicht zu überzeichnet wirkt. Der überwiegende Teil der Geländestücke wird nur durch das Zusammenstecken von Pappteilen oder mit Hilfe von Kunststoffclips zusammengebaut. Vorgeschlitzte Teile lassen sich einfach knicken, erzeugen so Dreidimensionalität und ermöglichen bewegliche Türen. Alle Gebäude sind auch von innen bespielbar.

Der Zusammenbau verläuft dank der Anleitungsvideos in englischer Sprache relativ unkompliziert, auch wenn bei den Dächern zum Teil mit etwas Kleber nachgeholfen werden muss. Die Klosterruine ist besonders für Kreative eine Freude, da sie keinen festen Bauplan hat. Die zum Teil recht komplexen Bauwerke brauchen für die Lagerung allerdings etwas Platz. Zwar ist eine flache Lagerung der Einzelteile möglich, dies erhöht aber die Gefahr von Abnutzung und Beschädigung.

Das Fantasy Battlefield liefert für rund 100 EUR genug Gelände, um einen Skirmish-Tisch dicht zu füllen und auch große Schlachtfelder können ausreichend bestückt werden. Da es nicht zu phantastisch wirkt, ist es auch für historische Systeme gut geeignet. Wer für wenig Geld ein ansehnliches Gelände haben möchte und sich an dünnen Bauteilen nicht stört, kann hier bedenkenlos zugreifen.

  • Umfangreiches Gelände zum attraktiven Preis
  • Für Fantasy- und historische Systeme geeignet
  • Voll bespielbar
 

  • Lagerung ist platzintensiv
  • Pappmaterial ist anfällig für Beschädigungen

 

Artikelbilder: © Battle Systems Ltd
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Dennis Rexin
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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