Bereits 2012 erschien das Dark-Fantasy-Tischrollenspiel Seelenfänger von Jörg Köster. 2017 erhielt das System ein umfangreiches Update. Da Dark Fantasy sowieso auf der Wunschliste stand, lies sich Erdenstern bei ihrem neuesten Album Immortalis von Seelenfänger inspirieren. Wir haben reingehört und verraten euch, ob der Sound auch für andere Systeme taugt.
Dark Fantasy erfreut sich, zumindest gefühlt, in den letzten Jahren einer wachsenden Spielerschar. Eines der älteren Systeme ist das postapokalyptische Fantasy-Setting von Seelenfänger. Grausige
Monster suchen das Land heim, und verschiedene Fraktionen jagen ruhelose Seelen, die durch die Welt streifen. Erdenstern ist bekannt dafür, sich auch mal von Rollenspiel-Settings inspirieren zu lassen. So wundert es nicht, dass sie für ihr neuestes Werk Immortalis ins Täuscherland gezogen sind.
Inhaltsverzeichnis
Tracks
01 IMMORTALIS (4:48)
Das titelgebende Eröffnungsstück startet sanft steigend. Der unaufdringliche tiefe Männerchor im Hintergrund sorgt für eine epische Grundstimmung. Zur Mitte des Stückes kommt ein Hintergrund-Sound, der an eine Luftangriff-Sirene erinnert. Im letzten Drittel wechselt kurz die Melodie in etwas Heroisches, um dann noch einmal seinen Höhepunkt mit weiblichem Gesang zu bieten. Der Track eignet sich zweifellos gut, um den Einstieg in ein Abenteuer zu unterstützen.
02 DIE ANDERE SEITE (4:02)
Dem Stück wohnt eine gewisse Tragik inne. Unterstützt von Flöten und sanften Tönen eignet es sich für traurige Passagen. Am Ende hingegen wandelt es sich in etwas Bedrohliches, Gruseliges. Man fühlt sich an eine Szene auf einem Friedhof erinnert, in der im Hintergrund etwas seiner Grabstätte entflieht.
03 DAS LAND DES TÄUSCHERS (4:46)
Der Täuscher ist in Seelenfänger ein ziemlich fieser Zeitgenosse, der am Unheil der Welt viel Schuld trägt. Hier zeigt er sich zunächst undurchsichtig. Im zweiten Drittel nimmt der Track jedoch Fahrt auf und schnelle Trommeln, kombiniert mit Blasinstrumenten und Chören, lassen das Bild einer geretteten Gruppe erscheinen. Eine kurze Pause mit Xylophon lässt verschnaufen, ehe einige dosierte Disharmonien die Bedrohung des Täuschers aufkommen lassen. Für einen Reiseabschnitt durch ein verdorbenes Land wie gemacht.
04 DAS DORF AM RANDE DER VERDAMMNIS (4:00)

Die Reise führt unweigerlich an ein grausiges Ziel. Ruhige traurig-schaurige Töne schaffen eine bedrückende Atmosphäre. Schön inszeniert wurde hier eine Gitarre, die ummalt von einem sanften Rauschen, die Tristesse greifbar macht. Am Ende hört man nur das Huschen längst vergangener Geister.
05 SÄUFER, SCHURKEN UND VERFLUCHTE (3:04)
Das Dorf hat, wie jedes Dorf, eine Taverne, aber auch hier ist alles etwas düsterer. Obwohl im Grunde ein fröhliches Lied, wird es durch gezielte disharmonische Einstreuungen düster. Ab der Mitte setzt Frauengesang ein, der eher tragisch als fröhlich klingt, die am Ende dominierenden Trommeln, geben eine hohe Geschwindigkeit vor. Das Lied passt gut in eine zwielichtige Taverne oder zu einem schnellen Kampf.
06 DAS HERZ EINES HELDEN (2:56)
Wie der Name vermuten lässt, erwartet einen hier ordentliche Herzschmerz-Musik. Streichinstrumente beherrschen dieses Stück und lassen eine gewisse Portion Schwermut entstehen und kaum eine positive Aussicht zu. Dieses Stück sollte nur gezielt eingesetzt werden, um seine Wirkung zu entfalten und vor allem Szenen nicht zu zerstören.
07 DER NEBEL (3:34)
Unauffällig, wie ein entstehender Nebel, beginnt auch dieses Stück. Leise Klänge, kombiniert mit einem hohen Männerchor, fühlen sich an wie heraufziehende Nebelschwaden. Dazu gesellen sich ein Frauenchor und tiefe Blasinstrumente. Gegen Mitte folgen ansteigende Streichinstrumente, die sich immer höher schrauben. Das erinnert an alte Kinoklassiker.
08 HEXENREICH (3:59)
Der Hexenfluch beginnt chaotisch, ein Thema ist nicht greifbar. Nach dem ersten Drittel beginnen aber tiefe Streicher und ein Männerchor eine sehr bedrohliche Stimmung aufzubauen. Diese wird durch ein Frauensolo verstärkt und lässt an verwunschene Schlösser und Vampire denken. Am Ende versiegen die Chöre, und Glockenklang mit schnellen Streichern lässt das Stück eine sehr gruslige Stimmung aufbauen. Das Stück ist langsam und lässt viel Raum zum Spannungsaufbau.
09 AUF DEM WEGE (4:31)
Das Rauschen des Windes, eine Flöte und eine Gitarre lassen die Nerven wieder zur Ruhe kommen. Wie der Titel impliziert, eignet sich das Stück gut für Reiseabschnitte. Es ist ruhig und setzt später auf sanften Gesang und dosierte Trommeln.
10 FEENFLÜRSTEN (5:33)
Auch hier wird auf eher leise Töne, Flöten und ein bisschen Zupfinstrumente gesetzt. Ruhige Choräle, abwechselnd von Frauen, Männern oder gemischt, schaffen ein sphärisches Ambiente, das in die Feenwelt eintauchen lässt. Dennoch schwingt immer etwas latent Bedrohliches mit, welches sich ab der Hälfte mit anwachsender Lautstärke, Glocken und Blechbläsern in den Vordergrund drückt.
11 DIE BESCHWÖRUNG (2:54)
Dass Beschwörungen meist keine gute Idee sind, lässt schon der Einstieg des Tracks vermuten. Trommeln und tiefe Streichinstrumente steigern sich fast drei Minuten zu einem Finale, das ausbleibt. Dennoch ein stimmungsvoller Titel, der für bedrohliche Situationen gut geeignet ist.

12 DAS TRAURIGE LAND (2:31)
Auch hier folgt wieder ein eher schwermütiger Titel, der dabei weitaus tragender als das Herz eines Helden ist. Ein Frauenchor, kombiniert mit einem Frauen-Solo, trägt das Stück fast bis zum Ende, an dem dann ein Männerchor einen schwermütigen Abschluss bildet.
13 NACHTJÄGER (2:58)
Ein schneller Einstieg, lässt kaum Zeit, sich zu orientieren. Eine wilde Jagd mit schnellen Streichern und tiefen Bläsern beginnt und wird von einem gemischten Chor unterstützt. In der Mitte beherrschen bedrohliche Trommeln die Szene. Das letzte Drittel greift wieder die Choräle auf. Die Stimmung des Stückes passt gut zu einer Jagd, Flucht oder einem Kampf.
14 DAS VERFLUCHTE HAUS (3:55)
Einzelne Instrumente setzen hier den Fokus auf eine unsichtbare Bedrohung. Untermalt von Klopfen und einem tiefen Horn, schleicht man sich durch einen Ort, den man besser meiden sollte. In
der Mitte verdeutlicht sich die Bedrohung, und die Instrumente finden zusammen, von kurzem Frauenweinen unterbrochen, die sich in einem hohen Gesang wandeln.
15 DER STAMM DER BARBAREN (3:22)
Barbarenhorden, die die Welt bedrohten, besiegelten das Schicksal der Menschen in Seelenfänger. Darum dürfen sie auch hier aufmarschieren. Mit einem Horn angekündigt und unaufhaltsam marschierend, durch Streicher akustisch verdeutlicht, zieht eine Horde auf. In der Mitte wechselt kurz die Szenerie und zeichnet ein beschauliches Land. Der erste wirklich positive Teil des Albums. Doch kaum hat man sich daran gewöhnt, kommen Trommeln und Hörner dazu und zeichnen erneut die Bedrohung durch die Horden.
16 TIEFER, IMMER TIEFER (3:09)
Ähnlich dem verfluchten Haus wird eine gruslig-bedrohliche Stimmung aufgebaut, die sich bis ins letzte Drittel zieht. Ein kurzes Aufkreischen, wie von Fledermäusen, scheint die Bedrohung zu enthüllen, doch danach geht es weiter und tiefer in die Schatten.
17 SIE WOLLEN DOCH NUR DEINE SEELE (4:29)
Freundlich und verführerisch beginnt dieser Track und erweckt den Eindruck, etwas Gutes zu wollen. Sanfte Geigen und eine Harfe locken die Herzen an. Ab der Mitte des Stückes mischt sich gelegentlich ein bedrohlicher Klang mit ein, der auf die wahren Absichten hinlenken könnte. Im letzten Drittel wechselt dann das Thema endgültig und bedrohliche Klänge dominieren mit Chorälen, Trommeln und schnellen Streichern.
18 GIGANTEN (3:05)
Pompös beginnt dieses Stück. Schwere Hörner und langsame tiefe Trommeln lassen einen förmlich das Marschieren gigantischer Wesen spüren, und man fühlt sich unter anderem an Herrn der Ringe und die Olifanten erinnert. Durch die Kombination der Instrumente und hintergründige Chöre entsteht ganz allgemein ein Herr-der-Ringe-Gefühl.
19 NEBELWEBER (3:45)
Ein erneut leises Stück, welches im Aufbau an den Nebel erinnert. Ein Fagott bringt pointiert eine Bedrohung ins Gehör, während Streicher sanfte Nebelschwaden in Geräusche fassen. Der Titel bleibt durchgängig ruhig und kann daher ausgezeichnet als Hintergrund für eine gruselige Szene ohne Action herhalten.
20 FEUER, PEIN UND ERLÖSUNG (4:22)
Langsam steigern sich Trommeln und Trompeten, um sich dann nach circa einem Drittel des Stückes mit schnellen Streichern zu vereinen und selbst an Geschwindigkeit zu gewinnen. Mittig wird das Stück kurz ruhiger und von Trompeten getragen, um dann fix wieder in eine schnellere Gangart zu verfallen. Gemeinsam mit einem Chor steigert sich das Stück zusehends weiter, um sich einem langen Finale im letzten Viertel hinzugeben. Ein guter Titel für Kämpfe.
21 SEELENFÄNGER (3:52)
Seelenfänger spielen eine ganz zentrale Rolle im gleichnamigen Rollenspiel. Kein Wunder, dass auch diese ihren eigenen Titel bekommen. Dementsprechend gönnt Erdenstern ihnen auch ordentlich Epik. Dabei sticht besonders die zweite Hälfte hervor, in der primär mit Trommeln und Gesang gearbeitet wird. Hier steigert sich das Stück dann auch zu einem Höhepunkt, der mit einem Paukenschlag endet. Auch dieses Lied eignet sich sicher für Kämpfe oder epische Szenen.
Emotionalität & Verwendbarkeit
Immortalis ist düster und gibt selten Hoffnung. Von tragisch über gruselig bis bedrohlich werden vor allem negative Emotionen angesprochen. Hörner, Trommeln, Streicher und Chöre dominieren dabei das Album. Die Stücke erzählen erneut eine Geschichte, weswegen sie sich vor allem zum gezielten Einsatz in diversen Szenen eignen.
Man spürt, dass die Musik auf Rollenspiel zugeschnitten wurde, daher sind die Titel allesamt verwendbar. Dabei dürften sie sich für die meisten Dark-Fantasy-Settings eignen.
Erscheinungsbild Cover/Verpackung
Das Cover ist ansprechend designt. Das Titelbild greift die bedrohlichen Nebelschwaden auf, die immer wieder musikalisch thematisiert werden. Das Booklet enthält, wie gewohnt, eine Übersicht der Titel mit kurzen Beschreibungen sowie einen kurzen stimmungsvollen Text als Einleitung.
Die harten Fakten:
- Komponist: Erdenstern
- Erscheinungsjahr: 2018
- Format: CD/MP3
- Spieldauer: ca. 79 Minuten
- ASIN:
- Preis: EUR 15,99/ EUR 10,00 (Download)
- Bezugsquelle: Erdenstern
Fazit
Dark oder Grim Fantasy wird oftmals von einer stets spürbaren Bedrohung gekennzeichnet, meist in einer Welt, die man als wenig erstrebenswert erachten würde und in der man sich Moral erstmal leisten können muss. Immortalis versucht dieses Gefühl musikalisch greifbar zu machen. Dies gelingt dem Album mit allen Titeln ausnahmslos gut. Allerdings eignet es sich kaum zum nebenher plätschern lassen, sondern sollte gezielt eingesetzt werden. Doch dann hat man ein Album, das für viele Systeme taugen dürfte. An manch einer Stelle hätte es vielleicht mehr Epik vertragen, aber für einen Einsatz beim nächsten dunklen Spieleabend ist das Album eine hervorragende Wahl.
Artikelbild: Erdenstern, Bearbeitet von Verena Bach
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















