Die beiden jugendlichen Helden Cloak & Dagger haben nie die erste Geige in den Comics gespielt. Eingeführt als Nebenfiguren in Spider-Man tauchten sie mal hier und dort auf. Mit dem Band „Ein Licht in der Finsternis“ durchführen wir nun eine kleine Zeitreise durch die Geschichte der beiden Ausreißer.
Die Fernsehserie Cloak & Dagger, die bei uns auf Amazon Prime verfügbar ist, startet bald ihre zweite Staffel. Da ist es einen Blick wert, wie sich das Bild der dazugehörigen Figuren im Laufe der Zeit geändert hat. Die Veröffentlichung von Panini ist ein Querschnitt durch diverse Comics der beiden Helden. Geht es am Anfang noch um Drogenmissbrauch und Obdachlosigkeit, so sind in den neusten Geschichten des Bandes Gentrifizierung und Unterdrückung Thema. Das Buch enthält insgesamt fünf in sich abgeschlossene Geschichten, die zwischen 1982 und 2011 entstanden sind. So gesehen ist dies hier auch ein Blick durch die Entwicklung von Marvel Comics an sich.
Inhaltsverzeichnis
Handlung
Der Band beginnt mit dem Spider-Man-Comic, in dem die beiden Figuren zum ersten Mal auftauchten. Der Netzschwinger entdeckt die Beiden, die kurz davor sind, einen wehrlosen Mann umzubringen. Im Laufe der Geschichte findet er heraus, was es mit ihnen auf sich hat, versteht ihre Motivation und blickt so in die Schatten New Yorks.

Darauf folgt eine sehr kurze Episode, in der eine Gruppe Jugendlicher von Gangstern als Drogenkuriere rekrutiert werden sollen. Natürlich sind Cloak und Dagger nicht weit weg, um sie davor zu bewahren. Ähnlich verhält es sich mit dem Aufeinandertreffen mit den Runaways, das bereits vor kurzem im Runaways Megaband veröffentlicht wurde. Hier werden Tyrone und Tandy getäuscht, so dass sie die Ausreißer ins Visier nehmen.
Die darauffolgende Geschichte spielt zu der Zeit, in der die Helden bei den X-Men Unterschlupf gefunden haben. Man sieht, wie sie sich von den Mutanten lösen und selbst wieder zusammenkommen. Sie geraten hier an eine Truppe, die Leute von ihren Kräften heilen will. Zum Abschluss gibt es noch eine längere Geschichte, die parallel zum Spider-Island-Event spielt, bei dem sich halb New York in riesige Spinnen verwandelt. Dieses Event ist aber nur der Rahmen, denn eigentlich wird hier ihre Origin-Story noch einmal aufgerollt und mit dem Spider-Man Gegner Mr. Negative verwoben.
Charaktere

Tyrone Johnson ist ein ruhiger afroamerikanischer Junge, der als Cloak Zugriff auf die Darkforce hat. Ihm zur Seite steht Tandy Bowen, eine Blondine aus feinem Haus. Sie steht als Dagger in Verbindung mit der Lightforce und kann Lichtdolche auf Gegner schleudern. Beide sind durch Zufall aneinander geraten, als sie Testobjekte für eine neuartige Droge wurden, die in ihnen ihre Kräfte auslöste. So unterschiedlich die Beiden auch sein mögen, letztendlich sind sie unterschiedliche Seiten derselben Medaille.
In ihren Geschichten geht um Probleme der Jugend. Cloak & Dagger erwachsen Marvels Anspruch, die Realität abzubilden. Auch wenn sie sich zeitweise auseinander bewegen, so kommen sie immer wieder zusammen. Leider sind sie in ein paar der Comics nur Beiwerk, und man erfährt dort nur wenig über die Charaktere. Die beiden modernsten Geschichten machen von der Charakterzeichnung am meisten her.
Zeichenstil
Wie auch die einzelnen Handlungen, so sind auch die Zeichnungen ein guter Querschnitt durch die Zeit. Beginnt der Band nur mit klassischem Stil und wenig Farben, so geht es über eine sehr feine Linienführung zu einem einfachen Cartoonstil in der Runaways-Episode. Gefolgt von einem Stil mit komplexer Kolorierung, hin zu sehr wilden und dynamischen Zeichnungen im Spider-Island-Tie-In. Jedem Leser wird wohl ein anderer Stil mehr zusagen, man kann aber behaupten, dass alle für sich sehr gelungen sind. Es ist spannend zu beobachten, welche Stilrichtung für die jeweilige Zeit prägend ist.

Erscheinungsbild
Mit über 180 Seiten kratzt dieses Paperback an der Definition zum Megaband und gibt viel fürs Geld. Dennoch liegt das Buch gut in der Hand, und beim Erscheinungsbild wurde wenig falsch gemacht. Es wurde alles so aufgearbeitet, dass man der Handlung folgen kann, ohne alle Hintergründe zu kennen.
- Verlag: Panini Comics
- Autoren: Bill Mantlo, Nick Spencer, Mike Baron, Stuart Moore, Brian K. Vaughan
- Zeichner: Ed Hannigan, Alex Maleev, Emma Rios, Mark Brooks, Takeshi Miyazawa
- Erscheinungsjahr: 2018
- Sprache: Deutsch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 188
- Preis: 18,99 EUR
- Bezugsquelle: Amazon, Panini-Comics
Fazit
Wer sich für eine Anthologie zu den beiden Serienhelden interessiert, kann gerne zugreifen. Es gibt ein rundes Gesamtbild, ohne dass eine Geschichte wirklich herausragt. Spannend ist auch der Überblick zur Entwicklung der Superheldengeschichten in einer Zeitspanne von knapp dreißig Jahren. Dabei gefällt je nach Geschmack der ein oder andere Comic mehr. Die erste und die letzte Story haben mich besonders überzeugt. Etwas schade ist, dass der Abschluss wie ein Cliffhanger wirkt und den Wunsch fördert, Spider-Man: Von Shanghai bis Paris lesen zu wollen, in dem die Handlung fortgesetzt wird. Aber vermutlich ist es ein gutes Zeichen, dass man mehr lesen will, um herauszufinden, wie es mit den Figuren weitergeht.
Artikelbild: Panini Comics, bearbeitet von Verena Bach
Dieses Produkt wurde privat finanziert.




















