Wieder wird die Nacht über Gotham City etwas dunkler, denn ein heller Stern des Batman-Kosmos ist verloschen. Am 11. Juni 2020 verstarb Dennis „Denny“ O’Neil im Alter von 79 Jahren. Fans und Kollegen werden diesen Künstler und Helden vermissen. Sein Vermächtnis aber lebt fort.
In den 1980er und 1990er Jahren war es unmöglich, um das Wirken von Denny O’Neil herumzukommen, sofern man sich für Batman-Comics interessierte. Der charmante Autor hatte die kreativen Zügel dieses Aushängeschildes des Hauses DC Comics fest in der Hand. Dabei beginnt sein Wirken bereits in den 1960er Jahren.
Wer war Denny?
Damals arbeitete er unter dem Pseudonym Sergius O’Shaughnessy für das Verlagshaus Charlton Comics. Erst, als dieses Konkurs anmeldete, wechselte er zu DC. Dort begann er eine großartige Karriere und eine Schaffensgeschichte, die bis heute die Welt der Batman-Comics maßgeblich prägt. Denn es war O’Neil, dem es gelang, die vom American Comic Act trivialisierte und zu einem ewig grinsenden Familienhelden mutierte Figur Batman ein Stück weit zu ihren Wurzeln zurückzuführen und aus ihm den gebrochenen, von Zweifel und Trauma geprägten Helden zu machen, den wir heute so schätzen.
Auch Green Arrow verlor unter O’Neil sein „Helden in Strumpfhosen“-Feeling und wurde zu einem Helden mit Tiefe und Persönlichkeit. Wir verdanken Dennys Feder außerdem wunderbare und unvergessene Geschichten wie Batman: Venom oder Batman: Das Schwert des Azrael. Dies waren Meilensteine, die den Batman-Kosmos geprägt und nachhaltig verändert haben.
Der eigentliche Held aber war stets Denny selbst. Wie kein zweiter Autor nutzte er seine Geschichten, um seine Version einer besseren Welt zu transportieren und auf Missstände aufmerksam zu machen. Drogensucht, Waffenrecht, Machtmissbrauch – bei keinem dieser Themen nahm Denny ein Blatt vor den Mund und verarbeitete sie mutig in seinen Comics.
Das brachte ihm vom sehr konservativen Comic-Künstler Charles „Chuck“ Dixon die durchaus respektvoll gemeinte Bezeichnung „der wohl berühmteste Liberale der amerikanischen Comcicszene“ ein. Dixon betonte aber auch, dass O’Neil aufgrund seiner umgänglichen Art und seines vorurteilsfreien Verhaltens stets ein Kollege war, „mit dem man nur bestens zurechtkommen konnte.“
Denny war nicht nur Comic-Künstler, sondern auch Romanautor. Er schrieb die Romane zu zahlreichen Batman-Filmen sowie zur wohl einflussreichsten Batman–Storyline der letzten Jahrzehnte: Knightfall. Ich habe den Roman damals verschlungen. Zudem unterrichtete er Comickunst und gab seine Gabe an zahlreiche Schüler weiter.
Danke, Denny!
Für mich war Denny der Vater des modernen Batman. Sicher, es war Bob Kane, der den maskierten Rächer vor mehr als 80 Jahren schuf. Aber der Batman, den wir heute kennen und lieben, verdankt seine Entwicklung maßgeblich Dennys Wirken. Denny schaffte es, das Comic-Genre wieder attraktiv für Erwachsene zu machen. Er gab Generationen von Comic-Fans einen moralischen Kompass an die Hand. Er zeigte Missstände nicht nur auf: Er ließ uns wissen, dass, egal wie hart und schwer der Weg sein mag, jeder Missstand behoben werden kann. Er machte uns bewusstt, dass der Kampf sich immer lohnt und Kapitulation keine echte Option sein kann.
Denny, ich danke dir! Dein Licht wird in Gotham City immer scheinen.
Artikelbild: © Luigi Novi, © Panini Comics, © DC Comics
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Lukas Heine


















