Seit die Mutanten auf Krakoa leben, sehnen sich einige die alte Zeit zurück. Marvel hört auf die Rufe und bringt neue Geschichten der X-Men der 90er heraus. Doch können die neuen Abenteuer aus der Vergangenheit überzeugen oder werden die Fans mit Füßen getreten?
Das Heft X-Men #1 aus dem Jahr 1991 ist das meistverkaufte US-Comicheft aller Zeiten. Es kam als zweite Serie neben den regulären Uncanny X-Men-Comics heraus. Zu dieser Zeit schrieben Chris Claremont und Jim Lee an den Comics. Kurz danach erschien die animierte X-Men-Fernsehserie. Daneben gab es noch die Reihen X-Factor und X-Force, sowie das britische Team Excalibur und eine eigene Wolverine-Serie. Die X-Men waren Marvels Zugpferd noch vor den Fantastic Four, Spider-Man oder den Avengers. Noch heute erinnern sich viele Fans wohlwollend an diese Zeit zurück. Gerade nachdem die Geschichte der Mutant*innen eine große Wendung genommen hat, ist es ein guter Zeitpunkt, ein wenig Nostalgie zu verströmen. In der neuen Reihe X-Men Legends dürfen bekannte Autor*innen Fortsetzungen ihrer alten Klassiker erzählen und längst vergessene Storylines abschließen. So erzählen Fabian Nicieza und Brett Booth die Wahrheit über Adam-X, und Louise und Walter Simonson zeigen wie Cameroon Hodge seinen Roboterkörper bekam. Der Name X-Men Legends hat nichts mit der gleichnamigen Videospielreihe zu tun.
X-Men Legends #1 – Der letzte Summers
Erik der Rote greift mit ein paar Kristallklauen die Großeltern von Cyclops und Havok an. Die beiden Mutanten greifen ein und treffen dabei auf Adam-X und Cable. Und auch ihr Vater Corsair taucht irgendwann auf. Er offenbart seinen Söhnen ein Geheimnis, das lange verborgen blieb:
Adam ist ihr verlorener Bruder.
Adam-X ist keine große Figur in den X-Men-Comics. Der Stammbaum der Summers-Familie ist ohnehin schon kompliziert genug. Es mag sein, dass Nicieza die Figur damals genau zu diesem Zweck einführte, doch wirkt diese verspätete Enthüllung sehr suspekt. Die Dialoge sind seltsam altmodisch und erinnern, wie auch die Figur des Adam, an die 90er. Eine Zeit, in der gerade Comics übertrieben waren. Es fällt hier teilweise schwer, die Unterhaltungen oder auch die Action ernst zu nehmen. Es wird aber viel dafür getan, dass auch Leser*innen, die niemals mit Adam-X in Berührung gekommen sind, halbwegs verstehen können, was hier vor sich geht.
Auch optisch wird der Stil der 90er Jahre kopiert. Muskulöse detaillierte Männerkörper schießen Strahlen aus unterschiedlichsten Körperöffnungen und besiegen so Gegner*innen in unmöglichen Posen. Das hat seinen eigenen Reiz, den man aber auch mögen muss.
Apocalypse und Cameroon Hodge
Die zweite Geschichte spielt kurz nachdem X-Factor den unsterblichen Mutantenhasser Cameron Hodge besiegte und Archangel so zu seiner Rache kam. Apocalypse findet den Kopf des besiegten Menschen und baut ihm einen Cyborg-Körper. Diesem bleibt nicht viel anderes übrig als den verhassten Verbündeten zu akzeptieren und erneut gegen X-Factor zu kämpfen.
Diese Geschichte spielt gegen Ende der 80er Jahre, und auch der zeichnerische Stil wirkt altbackener als noch in der ersten Erzählung. Die Handlung selbst ist nicht der Rede wert und besteht aus wenig mehr als ein paar Kämpfen. Ein großer Bogen wird nicht gesponnen und stattdessen die Nostalgie bedient.
Die Charaktere sind wie gewohnt sympathisch und die Handlungen der Antagonisten nachvollziehbar. Beide Geschichten sind solide Unterhaltungs und vermutlich für Leute, die in der entsprechenden Zeit Comics gelesen haben, besonders interessant.
- Verlag: Panini Comics
- Autor*innen: Fabian Nicieza, Louise Simonson
- Zeichner*innen: Brett Booth, Walt Simonson
- Erscheinungsjahr: 2021
- Sprache: Deutsch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 108
- Preis: 13 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo, Panini Shop
Fazit
Wer wie ich erst später in die X-Men-Comics eingestiegen ist und sich wenig mit den Nebenlinien X-Factor und X-Force beschäftigt hat, wird sich hier schwerlich einfinden. Da es die Reihen nie ganz nach Deutschland geschafft haben, dürfte es hierzulande vielen so gehen. Zwar wird alles gut erklärt, doch findet keinerlei emotionale Bindung an die Erzählung statt. Dass Adam-X nun offiziell zur Summers-Familie gehört, mag ein interessanter Twist sein. Wer mit der Figur aber nichts verbindet, wundert sich einfach darüber, dass der Stammbaum noch komplizierter gemacht werden muss.
Insgesamt lässt mich der Comic unaufgeregt zurück. Er weckt Erinnerungen an Comics der späten 80er und frühen 90er, doch erreicht dabei nicht die Qualität, die beispielsweise Chris Claremont und Jim Lee mit ihren Erzählungen erzeugten. Einen gewisser Trash-Faktor kann man beiden Geschichten nicht absprechen, und wer nach genau so etwas sucht, wird hier fündig. Alle anderen können aber gut und gerne einen Bogen um diesen Band machen.

- Weckt nostalgische Erinnerungenv
- Neuleser*innen werden abgeholt
- Alte Erzählfäden werden zu Ende gesponnen
- Eine emotionale Bindung an die Figuren findet nicht statt
- Die Dialoge wirken altmodisch und abgedroschen
- LNur für Fans der alten Reihen X-Factor und X-Force wirklich interessant.
Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Verena Bach
Lektorat: Rick Davids
Dieses Produkt wurden kostenlos zur Verfügung gestellt.



















