Mutanten waren anfangs nur eine Möglichkeit, den X-Men eine gemeinsame Herkunft zu geben. Doch bald wurden sie zu einer Metapher für Rassismus, Unterdrückung und Emanzipation. Dies ist die Geschichte einer Minderheit, die immer wieder um ihre Existenz bangen musste. Es geht aber auch um Gleichberechtigung und Hoffnung.
Die Geschichte der Mutanten gibt den Marvel-Autoren Möglichkeiten, über Themen zu reden, die sonst emotional vorbelastet sind: Coming-Outs, Völkermord, Terrorismus, Rassismus. Für viele sind sie ein Sinnbild für die Unterdrückung von allen, die ein wenig anders sind als andere. In weit über 1000 Comic-Heften wurde so eine Welt geschaffen, die eine Komplexität aufweist, wie kaum eine Reihe im Superhelden-Kosmos. Mit House of X & Powers of X hat Jonathan Hickman die Mutanten gerade erst erfolgreich neu gestartet. Dazu passend erscheint nun eine neue X-Men-Reihe. Und auch im MCU häufen sich die Gerüchte darüber, dass schon bald Mutanten eine wichtige Rolle einnehmen werden. Um euch darauf vorzubereiten und zu begeistern, zeigen wir euch jetzt einen Blick in die Historie der Mutanten. Willkommen zu einer fiktiven Geschichtsschreibung des Marvel-Universums.
Inhaltsverzeichnis
Die ersten Mutanten
Mutanten oder Homo superior sind der nächste Schritt in der Entwicklung der Menschheit. Eine Mutation auf dem X-Chromosom, also einem der Geschlechtschromosomen, führt zu der Entwicklung des X-Gens. Diese äußert sich bei jeder Person ein wenig anders, so dass diese Personen in der Pubertät eine auffällige Besonderheit oder Superkraft entwickeln. Bei einigen wenigen Mutanten kommt es in ihren Zwanzigern zu einer zweiten Mutation, bei der sich dann weitere Fähigkeiten manifestieren.
Während die Eternals von den Celestials geschaffen wurden und die Inhumans aus Experimenten der Kree heraus entstanden, so scheinen die Mutanten einen natürlichen Ursprung in der Evolution zu haben. Doch es ist nicht gesichert, ob nicht auch das X-Gen einen Ursprung bei den Celestials hat oder die Existenz von Inhumans das Potential einer spontanen Mutation in der menschlichen Bevölkerung erhöhte.
Die ersten Mutanten lebten schon vor hunderten oder tausenden Jahren. Es ist nicht sicher, wer zuerst geboren wurde, auch wenn sich Apocalypse (En Sabah Nur) selbst den ersten Mutanten nennt. Doch es ist gesichert, dass Selene, eine Frau mit der Fähigkeit anderen die Lebensenergie zu entziehen, weit vor ihm geboren wurde. Ganz zu schweigen von Mutanten wie dem Forever Man.

Weitere alte Mutanten sind unter anderem Mystique und Wolverine, die später immer wieder Teil der X-Men wurden. Dazu gibt es die Gruppe der Externals, der auch Selene angehört. Ein Bund unsterblicher Mutanten, die im Hintergrund immer wieder die Fäden globaler Ereignisse ziehen.
Im Jahr 1859 lebt ein Zeitgenosse von Charles Darwin in England, der sich sehr für das Potential der Mutanten interessiert und einer der ersten ist, der theoretische Abhandlungen zu der Spezies entwickelt: Nathaniel Essex. Verlacht von seinen Wissenschaftskollegen, schafft er es mit Hilfe von Apocalypse und Selbstexperimenten, selbst zu einem Mutanten zu werden. Bekannt wird er unter dem Namen Mister Sinister.
Mutanten-Boom und der Beginn des Hasses
Vor gut einhundert Jahren beginnt ein wahrer Mutanten-Boom. Immer mehr Mutanten wurden geboren und bald darauf wird ihre Existenz auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Einer der ersten Mutanten dieser Generation ist Namor, der Sub-Mariner.

Er ist der Sohn eines menschlichen Kapitäns und einer Prinzessin von Atlantis. Im Kampf gegen die Nazis kämpft er Seite an Seite mit Captain America und der Fackel. Doch als er erkennt, zu welcher Bosheit die Menschheit im Stande ist, versucht er die ganze Welt zu überschwemmen. Er kann nur noch von der Fackel aufgehalten werden, doch die Angst vor der Macht der Mutanten blieb bestehen.
Die Nazis fechten derweil einen eigenen Krieg gegen die Mutanten. In der Lebengebrochennacht verfolgen sie viele Mutanten, töten sie oder experimentieren mit ihnen, um selbst an deren Fähigkeiten zu gelangen.
Aus den Konzentrationslagern der Nazis heraus kommt ein Mann, welcher der gesamten Menschheit den Krieg ansagt und unter vielen Namen bekannt ist: Max Eisenhardt, Erik Lehnsherr, Magnus oder auch Magneto. Ein Jude, der als Kind die Schrecken des Holocaust miterleben musste und selbst über die Kräfte des Magnetismus verfügt.

Um sein eigenes Volk, die Mutanten, zu retten, will er, dass es sich über den Menschen erhebt. Er gründete die Bruderschaft der bösen Mutanten, welche das „böse“ in ihrem Namen ironisch benutzten.
Während Superhelden wie Captain America oder auch die Fantastic Four verehrt werden, so werden Mutanten gefürchtet. Ihre Fähigkeiten sind unvorhersehbar und zu oft schaffen sie es nicht, diese zu kontrollieren. Auf der ganzen Welt bildeten sich Mobs, die Mutanten jagen und in Gewahrsam nehmen. Freiheitsrechte werden eingeschränkt, um die Gesamtbevölkerung zu beschützen.
Die X-Men
Professor Charles Xavier entscheidet sich nach Absprache mit seiner Kollegin Moira MacTaggert zu dieser Zeit, eine Schule für Mutanten in Westchester zu gründen. Die jungen Mutanten sollen ihre Fähigkeiten trainieren und die Welt vor bösen Mutanten wie dem Shadow King beschützen.

Er baut einen Computer mit dem er Mutanten weltweit aufspüren kann: Cerebro. Seine ersten Schüler sind Scott Summers, Jean Grey, Bobby Drake, Warren Worthington III und Henry McCoy. Sie nennen sich X-Men. Trotz ihrer Einsätze werden sie von der Öffentlichkeit nicht als Helden gefeiert, sondern wie alle Mutanten gefürchtet. Der wahre Hintergrund der Schule für „begabte Jugendliche“ bleibt vorerst im Verborgenen.
Dr. Bolivar Trask ist ein Anthropologe, der mit Hilfe von Regierungsgeldern große Kampfroboter entwickelt, die das „Mutanten-Problem“ lösen sollen. Diese Sentinels sind in der Lage, Mutanten zu orten und auszuschalten. Doch die zentrale künstliche Intelligenz, der Master Mold, erhebt sich über die Menschheit, da dies die einzige Möglichkeit ist, sie zu beschützen. Doch Trask kann die erste Generation an Sentinels zerstören. Aber dies ist nicht das letzte Mal, dass jemand einen Sentinel in Betrieb nimmt.

Als Senator Robert Kelly in Amerika ein Mutanten-Registrierungs-Gesetz umsetzen will, gibt es einen terroristischen Anschlag einer neuen Bruderschaft der bösen Mutanten. Der Tod des Senators kann nur durch ein Eingreifen der X-Men verhindert werden, die durch eine Botschaft aus der Zukunft erfahren, dass es nach dessen Tod zu einer Schreckensherrschaft der Sentinels kommt. Durch die Rettungsaktion wird das geplante Gesetz fallen gelassen.
Aus der alternativen Zukunft kommt mit Nimrod aber ein technologisch fortgeschrittener Sentinel in die Gegenwart. Dieser verschmilzt einige Jahre später mit Master Mold und erschafft so den Androiden Bastion. Als der Präsidentschaftskandidat Graydon Creed ermordet wird, schafft es Bastion die amerikanische Regierung zur „Operation: Null Toleranz“ zu überreden. Eine Anti-Mutanten Task-Force, die das Ziel hat sämtliche Mutaten mit Hilfe von neuartigen humanoiden Sentinels zu vernichten. Nur durch das Eingreifen von Robert Kelly wird diese Operation wieder gestoppt.
Genosha

Genosha ist eine kleine Nation nördlich von Madagascar. In keiner Nation der Welt werden Mutanten härter verfolgt als hier. Per Gehirnwäsche werden sie zu Arbeitssklaven umfunktioniert, die nichts anderes im Sinn haben, als dem Staat zu dienen. Es kommt hier zu einem Konflikt, als eine Gruppe amerikanischer Mutanten als Terroristen gefangengenommen wird und sich ebenfalls der Gehirnwäsche unterziehen muss. Erst als die Drahtzieher vernichtet werden, verbessern sich die Beziehungen zwischen Genosha und den Mutanten.
Doch ein Mutant mit dem Namen Fabian Cortez stachelt den Konflikt wieder an und versetzt das Land in einen Bürgerkrieg. Erst das gemeinsame Eingreifen der Avengers und der X-Men kann diesen Konflikt beenden. Dieses vom Bürgerkrieg zerfallene Land wird Magneto nach seinem Ultimatum von der UN überlassen. Dieser formt daraus eine nach außen abgeschottete Nation für Mutanten.

Genosha wird zu einem Ort der Quarantäne als sich eine weltweite Pandemie ausbreitet: Das Legacy Virus ist eine Krankheit, die zunächst nur Mutanten anfällt. Cables Klon Stryfe brachte es aus seiner Zeit mit und übergab das Behältnis an Mister Sinister, der die Büchse der Pandora öffnet. Nur durch das Opfer von Colossus kann die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden. Durch den spontanen Bevölkerungsanstieg von Magnetos Nation, nutzt er die Situation und rüstet zum Krieg. Doch bevor es dazu kommt, kann er ausgeschaltet werden.
Cassandra Nova ist der böse Zwilling von Charles Xavier. Sie war in der Lage, sich selbst nach der eigenen Fehlgeburt einen Körper zu erschaffen. Im Amazonasgebiet findet sie einen wilden Master Mold. Mit Hilfe von Donald Trask III. gelangt sie unter die Kontrolle der Sentinels und diese vernichten den Inselstaat Genosha. Noch lange Zeit danach ist dieser Trümmerhaufen ein Sinnbild für die Versuche der Mutanten nach Anerkennung.
No more Mutants
Die Tochter von Magneto, Wanda Maximoff,wünscht sich nichts sehnlicher als Kinder. Also erschafft sie sich mit Hilfe ihrer Chaos-Magie Zwillinge. Die Tatsache, dass ihr diese Kinder genommen werden, treibt sie in den Wahnsinn. Bevor die Situation eskaliert, versuchen die Helden des Marvel-Universums sie aufzuhalten. Unter Einfluss ihres Bruders Quicksilver, nutzt sie ihre Fähigkeiten und erschafft eine vollkommen neue Realität: Das House of M.

In dieser Realität sind die Mutanten in der Mehrheit und Magnus ist der Herrscher der Welt. Nahezu jeder Held erlebt in dieser Welt die beste Form seines eigenen Lebens. Doch eine junge Mutantin namens Layla Miller hat die Fähigkeit, Erinnerungen zu erwecken. Dadurch war sie immun gegen die Chaos-Magie der Scarlet Witch. Sie kann Wolverines Erinnerungen zurückholen, so dass dieser mit einigen Verbündeten Wanda in die Ecke treibt, so dass sie das bekannte Marvel-Universum wiederherstellt. Doch diese neue Welt ist nicht so wie vorher. Denn sie flüstert noch drei kleine Worte: „Nie mehr Mutanten“.
Dieser Tag geht als M-Day in die Geschichte ein. Nach diesem Tag gibt es nur noch 198 Mutanten auf der Welt. Alle anderen, inklusive Wanda selbst, verloren ihre Fähigkeiten. Viele der ehemaligen Mutanten fallen danach in tiefe Depressionen. Dr. Hank McCoy sucht lange Zeit erfolglos nach einem Heilmittel.
Hoffnung und Utopia

Doch eines Tages wird der erste Mutant seit langem geboren: Hope Summers. Ihre Geburt führt zu einem kleinen Krieg unter den Mutanten, der nur dadurch gelöst werden kann, dass Cable sie mit in seine Zukunft nimmt und dort aufzieht. So kommt sie auch zu ihrem Namen, den sie von Cables Frau hat.
Cyclops, der sich inzwischen zum Anführer der verbliebenen Mutanten entwickelt, versucht diese auf einer Insel außerhalb der Vereinigen Staaten zu sammeln: Utopia. Utopia war einst ein Asteroid, den Magneto als seine Heimatbasis nutzte. Dieser Asteroid M stürzte an die Küste von San Francisco in Meer.
Als Hope aus der Zukunft zurückkehrt, findet Cerebro noch fünf weitere Mutanten. Diese Generation Hope wird auf Utopia ausgebildet und wird die Hoffnung für eine Zukunft des Homo Superior.
Doch ein weiterer mächtiger junger Mutant namens Quentin Quire übt sich in Rebellion und dringt in das U.N.-Gebäude ein und zwingt alle Anwesenden ihre dunkelsten Geheimnisse zu erzählen. Dies führt zu einem erneuten Aufkommen von Sentinels in sämtlichen Nationen. Die darauf folgenden Ereignisse führen zu einem Schisma der Mutanten-Gemeinde. Cyclops ist der Überzeugung, dass junge Mutanten auch kämpfen und sogar töten müssen, um zu überleben. Wolverine dagegen will die Kinder behüten und Xaviers Traum weiterführen. Während Cyclops auf Utopia bleibt, gründet Wolverine seine eigene Schule, ganz der Tradition nach in Westchester: Die Jean-Grey-Schule für höhere Bildung.

Doch dann kommt die Phoenix-Kraft zurück, mit der die Mutanten schon häufiger in Berührung kamen. Eine zerstörerische Macht, welche die ganze Erde vernichten könnte. Hope Summers ist ihr designierter Wirt. Dies führt zu einem Konflikt mit den Avengers, die eine Bindung verhindern wollen. Statt mit Hope verbindet sich die Phoenix-Kraft daraufhin mit fünf anderen Mutanten: Cyclops, Emma Frost, Colossus, Namor und Illyana Rasputin. Diese formen die Erde mit ihren neuen Kräften nach ihren Wünschen um. Doch bald wird klar, dass so viel Macht niemals in der Hand einiger weniger liegen sollte. Hope kann am Ende die Kraft in sich aufnehmen und zusammen mit Scarlet Witch macht sie den Zauber rückgängig, der damals gesprochen wurde, und bannen so die Phoenix-Kraft. In der Folge versinkt Utopia langsam im Meer.
Krakoa und das House of X
Um Thanos zu stoppen, zündet Black Bolt, der König der Inhumans, die Terrigen Bombe. Der Terrigen-Nebel verteilt sich daraufhin in der Atmosphäre der Erde. Es stellt sich heraus, dass der Kontakt zu diesem Nebel bei Mutanten zu einer tödlichen Krankheit namens M-Pox führt. Gleichzeitig ist der Nebel für die Inhumans aber die einzige Chance, dass sich ihre Kräfte manifestieren. Am Ende entscheidet sich ihre Königin Medusa dennoch, den Nebel zu vernichten, um die Leben der Mutanten zu retten.

Der Neuanfang der Mutanten geschieht auf Krakoa, die Insel auf der einst das erste Team der X-Men gefangen wurde und Xavier sich ein neues Team suchen musste. Krakoa selbst ist eine Insel, die durch Atombombentests mutiert und zum Leben erweckt wurde. Dort schaffen es die Mutanten zum ersten Mal, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Selbst Schurken wie Mister Sinister und Apocalypse werden eingebunden. Sie bilden zusammen ein Konzil aus 12 mächtigen Mutanten. Zusammen kümmern sie sich gemeinsam um alle Mutanten-Angelegenheiten und treten selbstbewusst als eigene Nation auf, die ihren Platz in der Welt fordert. Den Menschen überlassen sie als Handelsware Heilmittel gegen psychische Krankheiten und lebensverlängernde Mittel. Durch die Kombination ihrer Fähigkeiten sind sie in der Lage, verstorbene Mutanten zurück ins Leben zu holen. Dadurch steigt die Bevölkerungsanzahl Krakoas immer weiter an. Man wird sehen, ob dieser Versuch gelingen wird oder ob die Strömungen untereinander zu unterschiedlich sind. Die Zukunft bleibt spannend.
Leseempfehlungen
X-Men Anthologie

Diese Anthologie beinhaltet neben einigen klassischen Ausgaben der X-Men-Reihe auch schön recherchierte Hintergrundartikel zu verschiedenen Aspekten der Comics. Eine klare Leseempfehlung bekommt die Story „Bedrohte Spezies“, welche die ersten Ausgaben von Grant Morrisons New X-Men Run umfasst. Hier tritt Cassandra Nova zum ersten Mal auf und Genosha wird endgültig zerstört. Die Handlung ist spannend geschrieben und überrascht durch ihre Gnadenlosigkeit.
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House of M

Dieser Comicband spielt in einer anderen Realität. Warum ist er dann relevant für das Schicksal der Mutanten im Hauptuniversum? Zum einen liegt es am Ende des Comics, der auch den Titel dieses Artikels beeinflusst hat, zum anderen daran, dass hier gezeigt wird, wie eine Welt aussehen könnte, in der die Mutanten die dominierende Spezies sind. Auch stellt sich die Frage, ob man die Realität nicht gegen diese Traumversion eintauschen sollte.
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X-Men: House of X & Powers of X

In vier Bänden hat Panini dieses Event veröffentlicht, das den neuen Status Quo der Mutanten zementiert. Durch Jonathan Hickmans komplexe Erzählweise kann man zwar abgeschreckt werden, gleichzeitig ist man aber auch fasziniert, wie er es auf so wenig Seiten schafft, eine komplett eigene Welt zu beschreiben. Durch Hintergrundtafeln wird der Neuanfang auf Krakoa veranschaulicht und die Comics laden zum Schmökern und Durchblättern ein. Schaut hierzu auch in unsere Rezension vom ersten der vier Bände.
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Artikelbilder: © Panini Comics, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur


















