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Jede*r larpt anders – diese Grundregel, zieht sich durch alle Genres. Wie wichtig ist es, im Larp zu einer Gruppe zu gehören? Viele Veranstaltungen richten sich auf bekannte Gruppen aus. Aber was ist mit Einzelspieler*innen – nur schönes Beiwerk, das die Anmeldelisten füllt? Oder hat Solo-Spiel seine ganz eigenen Vorteile?

Ob allein oder im Gruppenverband, das Spiel miteinander kommt selten ohne gewisse soziale Stolpersteine daher. Dieser Text richtet sich daher vor allem an Erstlarper*innen und alle, die sich mit dem Gedanken tragen, ihre eigene Larp-Gruppe ins Leben zu rufen. Denn manche Gegebenheiten des sozialen Miteinanders mögen selbstverständlich klingen – und holen uns doch manchmal überraschend ein.

Je mehr, desto besser …?, depositphotos ©DirkM.deBoer
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Reisen und Spielen in der Gruppe

Das Spiel innerhalb einer festen Gruppe ist wahrscheinlich die häufigste Form der Organisation unter Liverollenspieler*innen. Ein gemeinsamer Hintergrund, Charaktere, die sich bereits kennen, und die damit verbundene OT-Organisation geben Sicherheit und ein festes Gefüge, in dem man (inter)agiert. Diese Dinge stiften Identität und transportieren das Bild der Gruppe nach außen, Alle wissen, was man zu erwarten hat. Besonders, wenn sich eine Gruppe bereits einen gewissen Namen gemacht und einen Ruf erarbeitet hat, können erfahrene Orgas ebenfalls ihre Planung der Spieler*innenschaft anpassen.

Wer eine Gruppe hat, kann sich (in der Regel) auf emotionalen Support und kooperatives Spiel verlassen.

Doch wie finde ich erst einmal heraus, ob ich überhaupt Teil einer etablierten Gruppe werden möchte? Selbst extrovertierte Spieler*innen werden nicht unbedingt immer in einer größeren Larp-Gruppe glücklich werden, genauso, wie nicht immer nur die Introvertierten sich unter den Einzelgänger*innen wiederfinden.

… aber wer macht den Abwasch? depositphotos ©Dirkm.deBoer

Gemeinschaftliches Spiel erfordert immer viel Empathie und Fingerspitzengefühl. Man muss sich bewusst machen, dass jede eigene Handlung Konsequenzen für den Rest haben und auf alle zurückfallen kann. Das bringt eine gewisse Verantwortung mit sich, die Einzelspielende nicht haben. Von der Frage „wer bringt welche Teile des Lagers mit?“, bis hin zu den gemeinsamen Mahlzeiten, gilt es, sich bewusst zu machen, dass man aufeinander Rücksicht nehmen muss. Das mag banal klingen, aber jede*r Larper*in, der oder die schon einmal eine Gruppe über den Streit um den Abwasch des IT-Geschirrs hat zerbrechen sehen, wird bestätigen können, dass es manchmal die kleinen Dinge sind, die große Auswirkungen haben können. Wie jedes soziale Gefüge ist auch eine Larp-Gruppe mit ihren ganz eigenen Dynamiken ausgestattet. Sich dort einzufinden kann schon einmal seine Zeit dauern, aber am Ende dazu führen, dass sich eine kleine Familie bildet, die man nicht mehr missen mag.

Das Spiel als Einzelgänger*in

So viel einfacher ist es doch, einfach Zelt und Ausrüstung ins Auto zu packen und ganz allein auf Con zu fahren. Oder doch nicht?

Klar, sich in all den alltäglichen Dingen wie Mahlzeiten oder Ordnung im Zelt nur nach den eigenen Bedürfnissen richten zu müssen, hat definitiv seine Vorteile. Doch dafür kommt das Solo-Spiel mit seinen ganz eigenen kleinen Tücken daher. Denn wer zum Beispiel auf eine Veranstaltung fährt, die von bestehenden Gemeinschaften und bekannten Gesichtern dominiert wird, der oder die wird sich anstrengen müssen, um Anschluss und Zugang im Spiel zu finden. Eine erfahrene Orga wird dabei immer Hilfestellung geben, doch spätestens bei einer etwas größeren Con ist hier Eigeninitiative gefragt. Wer den ganzen Tag über vor dem Zelt sitzt und wartet, dass der Plot vorbeikommt, wird in den allermeisten Fällen enttäuscht werden. Es bietet sich also an, bei aller Unabhängigkeit, bereits zu Beginn die eigenen Fähigkeiten klar zu kommunizieren und sich einzubringen. Denn hier zeigt sich: extrovertierte Spieler*innen sind als Einzelspieler*in im Vorteil. Sie überwinden sich leichter, neue Kontakte zu knüpfen und sich auch mal das Rampenlicht zu nehmen, wenn sie es brauchen. So groß die Versuchung als introvertierte Person sein mag, sich abzugrenzen, so schwer ist es auch, dann im richtigen Moment den Einstieg zu finden.

Allein, allein …? depositphotos ©michalzak

Wer sich nicht direkt an ein ganzes Rudel Mitspielende herantraut, sucht vielleicht die Interaktion mit anderen Einzelgänger*innen. Eine geteilte Charakterklasse oder Profession kann hier eine willkommene Brücke sein. So bilden sich erfahrungsgemäß rasch Gruppen von Magier*innen oder Gelehrten oder ein spontanes Lazarett aus quasi freiberuflichen Heiler*innen.

Wer ein Händchen dafür hat, und lieber wirklich hauptsächlich allein agiert, dem wird es vielleicht liegen, Informationen zu beschaffen und an der richtigen Stelle zu platzieren. Hier winkt nicht nur die Dankbarkeit der Mitspielenden, sondern eventuell auch das ein oder andere Kupfer.

Und auch wenn Spieler*innenverbünde viele Veranstaltungen dominieren, kann eine kompetente Einzelperson sich ganz schnell in der Führungsrolle wiederfinden, wenn es ihr liegt.

Von Macher*innen und Unterstützer*innen

„Machen ist wie wollen, nur krasser“ – ein T-Shirt-Spruch, den jede*r vermutlich schon mal gehört hat. Leider ist er im Larp genauso wahr. Das schlägt sich besonders im Gruppenspiel nieder. Es kommt unweigerlich der Zeitpunkt, wo jede Gruppe jemanden braucht, der oder die sich um die Organisation kümmert und die Verantwortung übernimmt. Meist findet sich recht schnell so jemand und es stellt sich eine gewisse „Hierarchie“ ein. Und genau hier liegt eine weitere Tücke des Gruppenspiels – denn die Versuchung kann groß sein, diese Verantwortung einfach bei ein paar wenigen zu belassen und in eine Art Erwartungshaltung zu verfallen. Das wird die Mutter (oder der Vater) der Kompanie auch eine Weile lang mitmachen. Allerdings nur genauso lange bis er*sie merkt, dass es zu viel wird oder das reale Leben einmal überhandnimmt, und plötzlich für das nächste Großcon keine Planung steht. Um so einen Knall zu verhindern, sollte innerhalb der Gruppe auf klare Kommunikation gebaut und Aufgaben klar verteilt werden, um ein böses Erwachen zu verhindern.

Im Großen ganzen eines Cons lässt sich das gut auf das Zusammenspiel von Gruppen- und Einzelspielenden übertragen. Wer allein anreist, aber im richtigen Moment die Hand reicht, ist manchmal schneller Teil einer Gruppe oder eines Plots, als geplant – und wer auf der Con des letzten Jahres bereits erfolgreich Unterstützung geboten hat, ist eher ein willkommenes Gesicht als der*die Eigenbrötler*in, der*die schon im letzten Jahr versucht hat, Artefakte zu hamstern.

We take care of our own?

Als Gruppe ist es naturgemäß einfacher, Einfluss auf den Verlauf der Veranstaltung zu nehmen und sich zu etablieren. Gerade als großer und eingespielter Verbund kann die Versuchung groß sein, das Geschehen zu dominieren. Das kann, im besten Fall, dazu führen, dass bei einer Gruppe alle Fäden zusammenlaufen und alle gemeinsam dort ihr Zentrum finden. Im schlechtesten Fall macht sich eine Gruppe so nachhaltig unbeliebt, indem sie sich nur um den eigenen Spaß kümmert und die Con zur Privatveranstaltung umgestaltet. Denn selbstverständlich hat man sich Mühe gegeben, eine feste Größe zu werden, oder den liebevoll erarbeiteten Hintergrund möglichst konsequent zu bespielen. Was innerhalb der Gruppe gilt, gilt aber auch nach außen: Rücksicht und Empathie gewährleisten eine runde Erfahrung für alle. Auch wenn das heißt, einmal den Plotstrang abzugeben, der einem wie auf den Leib geschneidert ist, und ihn vielleicht dem Klüngel Einzelspieler*innen überlassen. Selbst wenn man der Überzeugung ist, es selbst besser oder effektiver lösen zu können. „Play to lift“ ist hierbei das Schlagwort: Spielen, um andere ins Rampenlicht zu holen. Das fällt nicht immer leicht, schon gar nicht, weil man schließlich auch bezahlt hat, um Spaß auf der Veranstaltung zu haben. Hierbei aber auch den Spaß aller anderen im Blick zu haben, und gegebenenfalls auch die eigenen Leute etwas zu bremsen, kann sehr schwerfallen.

Fazit

Jede*r kann im Larp die eigene Nische oder die eigene In-Time-Familie finden. Wichtig ist, sich im Vorfeld damit auseinanderzusetzen, was man von sich selbst und anderen erwartet.

Larp hat – wie jedes „nerdige“ Hobby – den Ruf, vor allem von sozialen Mauerblümchen betrieben zu werden. Es reicht, einmal ein Larp zu besuchen, um zu erkennen, dass es sich hierbei um eine Fehleinschätzung und es sich bei der Larpgemeinschaft um einen bunten Querschnitt der Gesellschaft handelt. Und wie im echten Leben, kann hier jede*r Anschluss und Spaß finden, sofern er*sie das möchte.

Wer sich traut (oder vornimmt), allein anzureisen, mag überrascht werden, wie schnell man „adoptiert“ werden kann. Man sollte sich nur nicht von vornherein davor verschließen.

Genauso sind etablierte wie auch neue Gruppen gut beraten, sich nicht nur nach innen gut zu organisieren, sondern auch stets nach außen die Augen offen zu halten. Man weiß nie, wann man vielleicht unverhofft neue Freund*innen findet.

Titelbild: depositphotos © HayDmitriy
Artikelbilder: wie angegeben
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Sabrina Plote

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