Hilfe, die Hunnen kommen! Um Köln zu retten, wurden Ursula und ihr Team ausgebildet, in einer finalen Schlacht alles zu geben. Wundersamerweise ist der Kampf in Sekundenschnelle vorbei. Doch das Team sieht sich größeren Herausforderungen gegenüber: Teammitglieder sind verschwunden und es scheint Gefährlicheres als die hunnische Geisterarmee zu geben.
Romane, die sich Mythen widmen, liegen seit geraumer Zeit im Trend. Ob sie die griechische Mythologie abdecken oder Anlehnungen an die Welt persischer Magie versuchen: Autor*innen versuchen, mal mehr oder weniger erfolgreich, überlieferten Geschichten aus vergangenen Zeiten ein neues Gewand zu geben. Das irische Autor*innen-Duo C.K. McDonnell und Elaine Ofori zieht es in ihrem neuen Urban-Fantasy-Buch Ursula und das V-Team nach Deutschland, genauer gesagt in die Domstadt am Rhein. Hier widmen sie sich der Legende um die heilige Ursula, die Schutzpatronin von Köln.
Diese lebte der Legende nach im 3. oder 4. Jahrhundert und war für ihre Gottesfürchtigkeit und Jungfräulichkeit bekannt. Gemeinsam mit anfangs elf, später dann 11.000 Jungfrauen begab sie sich auf Wallfahrt nach Rom. Bei ihrer Rückkehr stellten sie fest, dass die Stadt durch die Hunnen belagert wurde und der Sohn des Anführers plante, sie zur Frau zu nehmen. Um ihre Keuschheit zu bewahren, lehnte Ursula seinen Antrag ab. Daraufhin fanden sie und ihre Gefolgsfrauen den Märtyrertod vor den Toren Kölns. In der folgenden Nacht erschient dem Hunnenanführer eine Engelsschar im Traum und aufgrund dieses Erlebnisses zogen er und seine Krieger ab und Köln war befreit. Für die Existenz einer realen Person mit einer derartigen Geschichte gibt es keinerlei zeitgenössische Belege, die erste Erwähnung Ursulas mit ihrer bewegten Geschichte fand sich erst im 13. Jahrhundert.
Tod, Entführung
Inhaltsverzeichnis
Story
An die Legende um die Schutzpatronin der Stadt knüpft das Autor*innen-Duo an. Denn die Hunnen haben die Stadt am Rhein keineswegs verlassen, vielmehr kehren sie alle 18 Jahre als Geisterarmee zurück, um Köln dem Erdboden gleichzumachen. Aus diesem Grund wird jedes Mal aufs Neue eine schlagkräftige Elitetruppe zur Verteidigung der Stadt ausgebildet, deren Oberhaupt jeweils eine Ursula ist. Elf Mädchen mit unglaublichen Fähigkeiten werden von ihren Eltern getrennt und durchlaufen ein strenges Training, mit dem Ziel, die Hunnen wieder und wieder von der Stadt fernzuhalten.
Die neue Ursula hat jedoch ein Problem: Zwei ihrer elf Gefährtinnen sind am Tag der großen Schlacht verschwunden, und so muss sie, neben der Alchemistin als Jungfrauen-Back-Up, eine weitere Jungfrau auftreiben, um mit den geforderten elf Mitstreitenden sich ihrer großen Aufgabe zu widmen. Ihre Wahl fällt ungewöhnlich aus, indem zum ersten Mal ein Mitglied männlichen Geschlechts aufgenommen wird: Adam, ein junger Amerikaner, der sich als Tourist*innenführer seine Brötchen verdient. Der verdutzte junge Mann wird unvorbereitet in aller Kürze in die Welt der Sagen und Legenden und in das Leben im Stützpunkt der Gruppe, dem Hotel Athena, eingeführt. Dieses verfügt über ein Eigenleben, das immer mal wieder für heitere Momente sorgt, angefangen mit einem Elchkopf als Portier.
Die Schlacht beginnt und ist sogleich wieder vorbei. Die Gruppe um Ursula erwacht auf einem Spielplatz und muss feststellen, dass Una, die Koordinatorin der Ausbildung der Mädchen, verschwunden ist. Zudem ist kein wirklicher Sieg zu verzeichnen, obgleich die Hunnenarmee ebenfalls verschwunden zu sein scheint. Nun hat Ursula es mit drei Vermissten zu tun. Irgendetwas scheint faul zu sein, und so nehmen die unglaublichen Ereignisse in Köln ihren Lauf.
Die Geschichte von Ursula und das V-Team ist wendungsreich, rasant erzählt und gespickt mit komischen, erheiternden Gegebenheiten und Begegnungen. Die Mädchen sind sehr variantenreich ausgestaltet, wobei die Figur der Alchemistin Bug besonders witzig daherkommt. Trotzdem wird den Konflikten, die mit dem ungewöhnlichen Heranwachsen der Mädchen aufkommen, wie Enthaltsamkeit und die Trennung von der Herkunftsfamilie, ein der Ernsthaftigkeit der Themen gebührender Raum gegeben. Gut gestaltet sind auch die damit einhergehenden Fehleinschätzungen und Selbstzweifel. Mit Adam, der in diese Parallelwelt hineinkatapultiert wird, fehlt dieser Raum allerdings etwas. Zu schnell findet er sich mit den für ihn eigentlich furchteinflößenden Gegebenheiten ab, vor allem, da er vor eine besondere persönliche Herausforderung gestellt wird. Die Gegner*innen, von denen es während der Aufklärung der Ereignisse einige gibt, sind variantenreich und nachvollziehbar dargestellt. Dass sie über eigene Motivationen und Logiken verfügen, ist ein weiterer Pluspunkt.
Alles in allem ist die Geschichte um Ursula ein gut durchdachter Roman, der Spaß macht zu lesen. Auch, dass Geschehnisse in einer deutschen Stadt stattfinden, ist für das Genre eher ungewöhnlich und so für das Publikum einmal ein anderer Ort als London oder New York.
Schreibstil

C.K. McDonnell, der sich schon mit der Stranger-Times-Reihe einen Ruf als Autor lustiger Urban-Fantasy gemacht hat, und Elaine Ofori lassen es hier wieder nicht an Skurrilität und Situationskomik fehlen. Allerdings zünden nicht alle Gags, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Die rasante Schreibweise sorgt dafür, dass die Seiten von Ursula und das V-Team nur so dahinfliegen. Und auch die Aufklärung des Mysteriums um die sonderbare Schlacht, die keineswegs den Erwartungen entsprach, bleibt spannend. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen der Stadt und den Protagonist*innen, die den Roman unverwechselbar machen. Einzig, dass der Rhein als Lebensader Kölns nicht stärker eingebunden ist, scheint eine verpasste Chance.
Kleinere Lektoratsfehler, wie das Verwechseln von Namen der handelnden Personen, sind aufgrund des guten Aufbaus und der stringenten Erzählstruktur vernachlässigbar.
Die Übersetzung von André Munot fängt die Situationskomik und Abstrusität der Ereignisse sehr gekonnt ein. Ursula und das V-Team wird von Eichborn als Welt-Erstveröffentlichung verlegt. Es gibt kein veröffentlichtes englisches Original und es finden sich im Web keinerlei Hinweise darauf, dass eine Veröffentlichung in englischer Sprache geplant ist.
Die Autor*innen
Während der irische Autor C.K. McDonnell bereits mehrere Bestseller geschrieben hat, ist Ursula und das V-Team für seine Ehefrau Elaine Ofori ihr Debütroman. Elaine Ofori leitet ihren eigenen Verlag, McFori Ink. Das Ehepaar lebt in Manchester, England. Mehr über C.K. McDonnell kann auf seiner Homepage eingesehen werden, für die Elaine Ofori einige Texte verfasst hat.
Erscheinungsbild
Das Cover von Ursula und das V-Team wirkt etwas beliebig, zeigt aber trotzdem den Kern des Romans mit der Silhouette von Köln und einer skizzierten Kriegerin. Schön ist, dass innerhalb der Klappen jeweils ein Symbol für die besonderen Fähigkeiten des Teams abgebildet ist und dass Lesende sowohl auf der Rückseite als auch im Klappentext zutreffend über die Handlung informiert werden.
- Verlag: Eichborn
- Autor*innen: C.K. McDonnell und Elaine Ofori
- Erscheinungsdatum: 30.05.2025
- Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von André Munot)
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 496
- ISBN: 978-3-8479-0210-2
- Preis: 18 EUR (Print) + 9,99 (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon
Fazit
C.K. McDonnell und Elaine Ofori veröffentlichen mit dem nur in deutscher Sprache erhältlichen Urban-Fantasy-Roman Ursula und das V-Team eine rasante und skurrile Weitererzählung um die Legende der heiligen Ursula, der Schutzpatronin von Köln. Nachdem die epische Schlacht gegen die Hunnen-Geisterarmee, die alle 18 Jahren sucht, die Domstadt zu vernichten, unter merkwürdigen Bedingungen ausfiel und zudem mehrere Teammitglieder vermisst werden, muss die neue Ursula, die gemeinsam mit 11 weiteren Jungfrauen für diese Aufgabe auserkoren wurde, einsehen, dass sie es womöglich mit ungleich größeren Gegner*innen zu tun hat. Hilfe erhält sie dabei von Adam, der ohne eigenes Dazutun in den Lauf der Geschehnisse hineingezogen wird und mit seiner eigenen Begegnung mit dem Übernatürlichen fertig werden muss.
Dass Ehepaar legt einen Roman vor, der trotz kleinerer Schwächen mit einem gut aufgebauten Spannungsbogen und einer erfrischenden Geschichte mit einigen Plottwists aufwartet. Lesende werden die Domstadt eventuell mit anderen Augen sehen, nachdem sie von Tentakelwesen in der Kanalisation wissen.

- Rasante Handlung
- Skurrile Situationskomik
- Charaktere teilweise etwas blass
Artikelbilder: © Eichbaum
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Hendrik Pfeifer
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