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Es gibt diese Hobby-Momente, in denen eine Frage im Raum steht: Es müsste dafür doch ein Tool geben. Manchmal bleibt es bei der Idee. Der Miniaturenkünstler Hendarion ließ Taten sprechen: Mit Brushrage bündelt er Funktionen, die vielen Hobbyist*innen im Alltag gefehlt haben. Zeit, sich die App anzusehen.

Wer Miniaturen bemalt, kennt dieses spezielle Hobby-Paradox: Wir lieben Ordnung in Form sauberer Highlights und glatter Übergänge, aber unsere Dokumentation lebt im Chaos. Das Rezept für den großartigen Grünton steht in einem der zahlreichen Notizheftchen, die Mischung fürs Leder war aus dem Bauch heraus, und das eine Foto vom Zwischenstand ist mit dem Titel WIP_final_FINAL2 nicht mehr auffindbar. Was am Maltisch intuitiv funktioniert, bleibt so manches Mal nicht reproduzierbar.

Genau an dieser Stelle setzt Brushrage an. Die App ist nicht nur ein Projektplaner und auch keine reine Farb-App, sondern versucht den kompletten Hobby-Workflow zusammenzubringen: Projekte planen, Bearbeitungsschritte tracken, Farbschemata entwickeln, Mischungen dokumentieren, Tutorials erstellen und alles so miteinander verknüpfen, damit es sich nicht wie eine lose Feature-Sammlung anfühlt.

Keine bekannten Trigger

Farbkompass statt Farbchaos – die Übersicht behalten

Farben sind im Hobby gleichzeitig Werkzeug und Stolperfalle. Wer eine Armee über Wochen oder Monate verteilt bemalt, merkt schnell: Nicht das Highlight frisst die Zeit, sondern das Wiederfinden. Welche Nuance war das noch? Welche Alternative liegt schon im Regal? Und warum wirkt derselbe Ton auf Modell Nummer zwölf plötzlich ein bisschen anders als auf Modell Nummer eins? Brushrage macht Farbverwaltung zu etwas, das im Alltag tatsächlich hilft, statt sich wie Buchhaltung anzufühlen.

Den Grundstein legt die Library. Brushrage bringt eine große Farbdatenbank mit, laut Herstellerangabe mit über 25.000 Farben. Damit lässt sich ein sehr breites Spektrum gängiger Hersteller*innen abdecken, inklusive Bezeichnungen, Komplementärfarben und einer visuellen Vorschau. Natürlich werden die verschiedenen Displays den Farbton nicht zu 100% realistisch abbilden können, aber man bekommt einen guten Näherungswert.

Scan statt Tipparbeit: Farben landen in Sekunden im Inventar.

Besonders praktisch ist, dass auch Barcodes gespeichert sind. Wer eine Farbe erfassen möchte, muss deshalb nicht zwangsläufig tippen und suchen, sondern kann den Weg über einen Scan gehen.

Aus dieser Basis wird unter Inventory ein persönliches System, sobald das eigene Inventar gepflegt ist. Farben lassen sich an mehreren Stellen bequem per Scan hinzufügen, was gerade nach einem Einkauf oder bei größeren Beständen angenehm ist. Der Effekt zeigt sich später überall dort, wo Brushrage Entscheidungen erleichtert: Es geht nicht nur darum, dass eine Farbe existiert, sondern ob sie tatsächlich im eigenen Regal steht.

Sobald beim Planen eine Farbe auftaucht, die noch fehlt, wird die Wishlist zum Sammelbecken. Wann immer eine Farbe in ein Farbschema aufgenommen oder recherchiert wird, lässt sich diese mit einem Klick einfach auf die Wunschliste setzen und gibt eine gute Übersicht über die Lücken in der hauseigenen Farbpalette.

Viele der besten Töne kommen nicht direkt aus dem Fläschchen. Gerade bei Leder, Haut, Stoffen oder bestimmten Akzentfarben entstehen überzeugende Ergebnisse oft durch Mischungen. In My Mixes lassen sich diese Mischungen festhalten, sodass sie nicht beim nächsten Modell wieder neu geraten werden müssen. Besonders nennenswert daran ist, dass die App aus der Farbbibliothek die Farben digital mischt und den entstandenen Farbton als Vorschau ausgeben kann.

Für wiederkehrende Kombinationen gibt es schließlich Paint Sets. Hier lassen sich klassische Schemen wie Base, Shade, Highlight 1 und Highlight 2 speichern – also genau die Art Rezept, die man bei Armeen ständig braucht, aber ungern zum zehnten Mal neu zusammensucht. Diese lassen sich dann durch einen Klick zu Malprojekten hinzufügen.

Projekte planen und dokumentieren – vom Pile zur Pipeline

In der Praxis entscheidet sich schnell, ob eine App am Maltisch wirklich hilft oder nur hübsch aussieht. Brushrage hilft besonders, wenn mehrere Projekte parallel laufen und der Überblick nicht mehr automatisch mitkommt, weil Planung, Status und Farbdokumentation an einem Ort landen.

Das Rückgrat dafür sind die Collections. Hier lässt sich die eigene Sammlung nicht nur als Bestand abbilden, sondern als Bearbeitungsstand. Besonders hilfreich ist, dass sich die Statusstufen anpassen und erweitern lassen – von Kaufwunsch, über gebaut und grundiert, bis hin zu kleinteiligen Etappen, etwa wenn einzelne Bauteile separat bearbeitet werden. So passt sich das Tracking dem eigenen Workflow an, statt umgekehrt.

Als Ergänzung gibt es eine To-do-Liste, mit der sich die nächsten Schritte übersichtlich festhalten lassen. Das klingt banal, ist aber im Hobby genau der Unterschied zwischen irgendwann weitermachen und sofort wissen, wo man wieder einsteigen kann – gerade bei langen Projekten oder wenn am Tisch mehrere Minis um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Für die Farbrecherche ist Swatches gedacht. Anhand eines Fotos oder Bildes lassen sich Farben markieren und anschließend passende Pendants in der großen Datenbank oder ähnliche Töne im eigenen Inventar finden. Das ist besonders dann nützlich, wenn ein Farbschema aus einer externen Inspiration kommt und man aus dieser Vorlage auf reale, verfügbare Farben kommen möchte.

Unter Projects wird es dann am Maltisch konkret. Hier lassen sich Projektschritte planen, anlegen und die Zeit erfassen, die man mit einzelnen Modellen oder Arbeitsschritten verbringt. Das Ganze kann direkt mit den Collections verknüpft werden und so kann man die eigene Sammlung gut nachverfolgen. Das ist weniger Selbstoptimierung als Dokumentation: Man bekommt ein Gefühl dafür, wo Zeit wirklich hingeht, und kann zukünftige Projekte realistischer einschätzen. Gleichzeitig lassen sich hier Farbschemata für Modelle, Einheiten oder sogar einzelne Teile festhalten, sodass Planung, Umsetzung und Farbverwaltung zusammenlaufen.

Praktisch ist außerdem die Exportfunktion. Brushrage kann Fotos von Zwischenschritten oder fertigen Modellen zusammen mit der verwendeten Farbpalette als PNG-Datei auf dem Mobilgerät ausgeben. Das ist nicht nur Social-Media-tauglich, sondern auch als eigene Dokumentation hilfreich. So entsteht ein Ergebnisbild plus Farbliste in einem Paket, das man ganz einfach weiterreichen kann.

Teilen und Lernen – How-To‘s als Rezeptbuch und Community-Fundus

Der How-To-Bereich ist der Punkt, an dem Brushrage vom persönlichen Ordnungshelfer zu einem Community-Projekt wird. Hier kann man nicht nur eigene Abläufe sauber festhalten lassen, die App macht den Schritt ins Teilen angenehm niedrigschwellig.

In der Praxis werden How-To‘s Schritt für Schritt aufgebaut. Pro Schritt lassen sich ein Bild zur Dokumentation, ein kurzer Anleitungstext und die dabei verwendeten Farben kombinieren. Tutorials lassen sich in Ordnern katalogisieren, allerdings nur auf einer Ebene. Für viele reicht das, bei sehr großen Sammlungen fehlt damit eine zweite Ordnungsebene.

Was man sich als Zusatzfeature wünschen könnte, wäre ein Export der How-To‘s als PDF oder ähnlich abgeschlossenes Dokument. Innerhalb von Brushrage lässt sich das Tutorial aber sauber Schritt für Schritt nacharbeiten. Was den Bereich endgültig abrundet, ist die Online-Datenbank: Brushrage bindet einen Community-Fundus ein, aus dem sich zahlreiche Mal-Tutorials herunterladen lassen. Gleichzeitig können eigene How- To‘s hochgeladen werden, sodass man nicht nur konsumiert, sondern auch beitragen kann. Damit wird die App im besten Fall zu einer Mischung aus persönlichem Rezeptbuch und Inspirationsquelle.

© Hendarion

Die harten Fakten:

 

Fazit

Bei der App Brushrage merkt man nach wenigen Minuten, dass sie nicht aus einem Produktmeeting heraus entstanden ist, sondern direkt vom Maltisch kommt. Die große Farbdatenbank, das schnelle Erfassen per Scan, Inventar und Wunschliste greifen sauber ineinander und machen es deutlich leichter, Farbschemata nicht nur zu planen, sondern auch reproduzierbar zu halten. Mit der Projektübersicht, dem Zeittracking, der Farbschemadokumentation und der Möglichkeit, das Ganze noch als Sharepick zu exportieren ist die App mit Sicherheit einzigartig.

Das eigentlich Bemerkenswerte ist aber der Rahmen: Brushrage ist ein Hobbyprojekt eines Hobbyisten. Kein „wir monetarisieren deinen Pile of Shame“, keine Abo-Barriere, kein Pro-Feature hinter einer Paywall, sondern ein Werkzeug, das offensichtlich gebaut wurde, weil jemand genau dieses Werkzeug selbst haben wollte und es der Community einfach zur Verfügung stellt. Dass so etwas als Hobbyprojekt kostenlos entsteht und geteilt wird, ist keine Selbstverständlichkeit und macht Brushrage umso schöner.

  • Riesige Farbdatenbank mit Scanfunktion
  • Großartige Unterstützung beim Farbschema finden
  • Macht Projektorganisation einfach und übersichtlich
 

 

 

Artikelbilder: © Hendarion
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Geoffrey Förste
Dieses Produkt ist kostenlos.

1 Kommentar

  1. Sehr schönes und ausführliches Review. Vielen Dank.
    Anmerkungen in eigener Sache: Die Farb-Datenbank umfasst mittlerweile über 25.000 Produkte/Barcodes und die App lässt sich in den Settings auch auf Deutsch oder Spanisch stellen, wenn man das möchte.
    Beste Grüße :)

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