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Wenig Zeit, viele Miniaturen: Anhand des War Surgeon aus Warcrow zeigen wir, wie Slap Chop und Speedpaints zu einem schnellen, reproduzierbaren Ergebnis führen. Der Workshop setzt auf Praxisnähe, klare Lesbarkeit auf dem Spieltisch und Techniken, die sich problemlos auf ganze Armeen übertragen lassen.

Zeit ist, wie bei vielen Hobbies, auch im Tabletop/Wargaming eine begrenzte Ressource. Oft konkurrieren Bemalprojekte mit Alltag, Familie und anderen Verpflichtungen. Gleichzeitig steigen bei modernen Miniaturen der Detailgrad (vor allem bei Miniaturen aus dem Hause Games Workshop) und damit die Erwartungshaltung an das bemalte Ergebnis. Zwischen diesen Drehpunkten bewegen sich viele Hobbyist*innen, aber: Genau hier setzen Techniken wie Slap Chop und Speedpaints an.

Der War Surgeon der Hegemony of Embersig aus Warcrow eignet sich hervorragend, um diesen Ansatz nicht nur praktisch zu demonstrieren, sondern auch kritisch einzuordnen. Die Miniatur vereint eine funktionale, fast puritanische Formsprache mit einer Vielzahl unterschiedlicher Materialien: Stoff, Rüstung, Leder, Metall und dem Gimmick einer kleinen Glasflasche. Damit ist sie kein „freundliches“ Einsteigerprojekt, sondern ein valides Objekt für den Prozess, den wir präsentieren wollen.

Dieser Workshop verfolgt bewusst kein Showcase-Ziel. Es geht nicht um perfekte Übergänge oder maximale Detailtiefe, sondern um ein spielbereites, visuell klar auf Armlänge lesbares Ergebnis, das sich auf weitere Modelle übertragen lässt. Slap Chop und Speedpaints bilden dabei das Fundament, klassische Highlights, Shading und fertiges Basestreu fungieren als gezielter Hebel.

Keine bekannten Trigger

Fluff: Der War Surgeon

Die Hegemony of Embersig ist ein junges, dynamisches und vielfältiges Imperium, dessen Armee aus Menschen, Aestari-Elfen und Ghent-Zwergen besteht und dessen Expansion und Eroberung unter dem strengen Blick der Schwarzen Legion vorangetrieben wird. In diesem Staat tritt Effizienz oft vor Emotion und jeder Soldat kennt seinen Platz im großen Ganzen. In diesem Kontext erscheinen War Surgeons als pragmatische Figuren: keine sentimentalen Heiler mit sanftem Blick, sondern ausgebildete Mediziner, deren Hände auch unter Druck ruhig bleiben und Muskel und Knochen reparieren.

Ihre Aufgabe ist klar und nüchtern: Verwundete kampfbereit zu halten und Leben als strategische Ressource zu erhalten. Das reicht vom raschen Pflasterverband bis zur schnellen, gezielten Anwendung ihrer Fähigkeit „Medic!“, mit der sie Schaden abmildern, indem sie Würfelproben einsetzen, wann immer eine Einheit kurz davorsteht, Schaden zu nehmen.

Der Zusammenbau

Nicht jeder Hersteller segmentiert seine Miniaturen in viele kleine Teile, die umständlich aus Gussrahmen herausgelöst werden müssen. Diese werden anschließend fummelig zusammengeklebt und noch einmal mühsam fixiert. Im Fall des War Surgeon von Corvus Belli finden sich lediglich vier Teile in einem kleinen Plastikbeutel. Eine Zusammenbau-Anleitung existiert nicht, sie ist aber auch nicht notwendig, da die Teile durch einen Abgleich mit dem Produktfoto sehr intuitiv zusammenpassen. Ein Nachfeilen war in unserem Fall nicht nötig, auch ein Auffüllen von Lücken mit Green Stuff entfiel. Binnen weniger Augenblicke war die Miniatur mit Sekundenkleber zusammengefügt und stand auf ihrer Base.

Die Bemalung

Begonnen wurde mit einer schwarzen Sprühgrundierung. Wir haben darauf geachtet, jeden Winkel und jede Falte zu erwischen, aber nach einer ordentlichen Trocknungsphase mussten doch einzelne Stellen mit schwarzer Acrylfarbe ausgebessert werden. Wichtig ist, dass wirklich jede Ecke erwischt wird, denn die schwarzen Schatten wollen wir nachher bereits ausnutzen. Auch darf die Schicht nur dünn sein, denn durch das Slap Chop kommen weitere Pigmente auf die Miniatur.

Was ist Slap Chop?

Der Begriff Slap Chop stammt aus der englischsprachigen Miniaturen-Community und hat sich etwa ab 2021 verbreitet, als Contrast Paints und später Speedpaints immer populärer wurden. Einen klar benennbaren Urheber gibt es nicht, Rob the Honest Wargamer hat jedoch seinen Anteil gehabt. Vielmehr ist Slap Chop damit ein Community-Begriff, der sich über YouTube, Social Media und Hobbyforen etabliert hat. Der Name ist bewusst locker gewählt und setzt sich aus slap im Sinne von schnell und unaufwendig auftragen sowie chop als Verkürzen und Vereinfachen zusammen. Gemeint ist kein schlampiges Arbeiten, sondern ein pragmatischer Ansatz, der sich klar von Showcase- und Wettbewerbsbemalung abgrenzt.

Technisch basiert Slap Chop auf bekannten Methoden wie schwarzer Grundierung, dezentem Trockenbürsten in Grau und Weiß zur Volumenbetonung und dem anschließenden Einsatz transparenter Farben. Neu ist weniger die Technik selbst, mehr ihre konsequente Kombination und der Fokus auf Geschwindigkeit und Reproduzierbarkeit. Sie steht damit für eine Haltung im Hobby: Miniaturen sollen schnell spielbereit sein und gut lesbar auf dem Tisch wirken. Zudem geht es um Freude am Malprozess, ohne dass jede Figur zur Geduldsprobe wird.

Nachdem sichergestellt war, dass das unterliegende Schwarz überall ist, wo es sein soll, haben wir mehrere Schichten von Grau auf Weiß trockengebürstet. Hier darf ruhig etwas mehr Farbe auf dem Pinsel sein als beim gewöhnlichen Bürsten für Highlights. Wichtig ist jedoch ein guter Pinsel mit weicher und zugleich stabiler Spitze. Wir haben die Army Painter Master Class Drybrushes genutzt.

Am Ende ist es wichtig, dass wir einen nahezu deckenden Auftrag haben, der jedoch die Tiefen dunkel lässt. Durch das dreistufige Bürsten wird auch eine gewisse Weiche der Übergänge erzielt. Diese nutzen wir im nächsten Schritt bei Nutzung von Speedpaints aus.

Im Produktfoto des Produzenten trägt der War Surgeon einen dunklen Mantel. Dem wollen wir folgen und nutzen die erste Speedpaint, ein dunkles Grau. Hier entfaltet die Technik nun ihre Magie. Durch das dreistufige Bürsten gibt es bereits weiche Schatten, die Farbe legt sich nun als colorierende Schicht über die Strukturen und stärkt so Form und Farbe. Der Mantel ist somit bereits fertig.

Army Painter Gravelord Grey als sehr sattes dunkles Grauschwarz färbt uns den Umhang nach Gusto.
Army Painter Gravelord Grey als sehr sattes dunkles Grauschwarz färbt uns den Umhang nach Gusto.

Beim Auftragen von Speedpaint ist immer auf eine saubere Pinselführung zu achten. Korrigieren bedeutet hierbei nicht das Wiederholen von Schichten wie in der klassischen Miniaturenbemalung, sondern das erneute Aufweißen der Strukturen und Neuauftrag. Zudem sind Trocknungszeiten zu beachten, denn ähnlich zu Shades und Washes sind Speedpaints sehr flüssig und benötigen ihre Ruhephasen. Es empfiehlt sich also als Nächstes einen Bereich der Miniatur anzugehen, der nicht direkt mit dem trocknenden verbunden ist. Wir haben uns hier für die Hose und die Schnabelmaske entschieden. Da beide Bereiche sehr helle Farben bekommen werden, müssen die Bereiche zunächst mit reinem Weiß nochmal aufgehellt werden.

Mittlerweile ist die Farbe des Mantels so gut getrocknet, dass wir uns der Schärpe und dem Gürtel zuwenden können. Zeitgleich ist das Aufweißen der Hose auch verarbeitungsbereit und so werden beide Bereiche coloriert. Für Ersteres nehmen wir Army Painter Hive Dweller Purple, für Zweiteres Army Painter Holy White.

Die Schnabelmaske möchten wir dominanter färben. Schließlich sollen die Truppen schnell im Gefecht sehen können, wo ihr Heiler ist. Auf das sanfte Gelb des Shades kommen nun nass-in-nass zwei Schichten stets heller werdenden Gelbs. Highlights sind nun auch ein gutes Stichwort, denn das Holy White ist bereits so weit getrocknet, dass die Falten der Hose auch aufgehellt werden können. Gleiches geschieht mit dem Bund des Hemdes unter dem Mantel.

Während nun alles etwas Ruhe bekommt zum Trocknen, gehen wir den ersten Schritt des Basedesigns an. Bases kann man auf verschiedene Arten thematisch zur Miniatur gestalten. Die häufigsten Ansätze sind „Ton in Ton“, zum Beispiel, wenn es darum geht, eine tarnende Uniform mit der Umgebung zu verblenden, oder „Kontrast“, wenn man einen optischen Gegenpol zur Miniatur geben möchte. Wir haben uns in diesem Fall für die Kontrastmethode entschieden und möchten, dass der doch sehr dunkle War Surgeon auf einer marschigen Wiese steht. Marschig bedeutet natürlich auch feucht. Mit etwas AK Puddles formen wir eine Pfütze auf der Base. Die Miniatur muss dafür eine Zeit ruhig stehen, damit die Masse sich verfestigen kann. Spoiler: Wir waren zu hektisch, dem Gesamtergebnis tut es jedoch keinen Abbruch.

Beim Leder spielt die gewählte Technik ihre Stärken aus. Eine Schicht Army Painter Brown Leather, darauf folgt der Schatten mit Cthonian Nightshade.
Beim Leder spielt die gewählte Technik ihre Stärken aus. Eine Schicht Army Painter Brown Leather, darauf folgt der Schatten mit Cthonian Nightshade.

Zeit nun für die letzten Details. Sowohl Tasche, Hände, Medizinflasche als auch Schärpe verlangen nach Eyecatchern. Bei der ledernen Tasche hat bereits das Slap Chop für eine gute organische Struktur gesorgt. Mit etwas braunem Speedpaint haben wir in Windeseile das Aussehen einer Ledertasche, die in die Jahre gekommen ist. Der Schatten wurde jedoch noch etwas mit Games Workshop Cthonian Nightshade verstärkt. Dreckiges Braungün spielt hier gekonnt die Stärken aus.

Die wenige Haut in Form der Hände färben wir mit Army Painter Elven Flesh, gefolgt von Army Painter Soft Tone zur Abdunkelung und Schattierung. Die Stiefel sind zwar auch aus Leder, um jedoch einen leicht anderen Farbton als den der Tasche zu erzeugen, kommen zwei Schichten Games Workshop Reikland Fleshshade zum Einsatz. Die Medizinflasche aus der Tasche soll optisch herausstechen. Hier haben wir uns für ein stark leuchtendes Grün entschieden und sind den klassischen Weg von Schichten und Schattieren gegangen.

Mit zur Kante der Schärpe waagerecht gehaltenem Pinsel wird diese golden eingefärbt.
Mit zur Kante der Schärpe waagerecht gehaltenem Pinsel wird diese golden eingefärbt.

Fast fertig! Die Schärpe mit ihrem satten Violett ist gut durchgetrocknet, im Produktfoto sehen wir hier goldene Kanten. Die möchten wir natürlich nicht auslassen und mit waagerecht zur Kante der Schärpe gehaltenem Pinsel, also mit der Seite – nicht der Spitze! – und kontrollierter Farbmenge, tragen wir diese Betonungen auf.

Das Basing

Wie zuvor gesagt, soll die Base einen optischen Kontrast zur Miniatur bilden. Natürlich kann man sich auch hier austoben und der Standfläche viel Liebe geben. Da hier aber Schnelligkeit bei der Fertigstellung und Lesbarkeit der Miniatur im Mittelpunkt stehen, kam Base-Streu, hier von krautcover, zum Einsatz.

Ein letztes Mal Zeit sparen - fertige Basestreus erzeugen schnell gute Ergebnisse.
Ein letztes Mal Zeit sparen – fertige Basestreus erzeugen schnell gute Ergebnisse.

Es ist hierbei wichtig, dass die Pfütze fast trocken ist, denn durch einen Kapillareffekt würde sonst die Flüssigkeit in das Streu ziehen. Dennoch gehen wir unsauber vor, da vereinzeltes Gras noch aus der Pfütze „herauswachsen“ soll.

110 Minuten – und fertig!

Fazit

Dieses Projekt versteht sich als bewusste Standortbestimmung zwischen Anspruch und Alltag. Der War Surgeon aus Warcrow ist nicht nur eine dankbare Übungsminiatur, sondern auch ein Modell, das mit unterschiedlichen Materialien und klaren Flächen schnell offenlegt, ob ein Ansatz gangbar ist oder nicht. Slap Chop und Speedpaints zeigen hier ihre Stärke, wenn die vorbereitenden Schritte sauber umgesetzt werden. Volumen, Kontrast und Lesbarkeit entstehen zuverlässig, ohne dass der Prozess ins Stocken gerät.

Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass diese Techniken keine Selbstläufer sind. Nicht jede Fläche profitiert von transparenter Farbe, und an einigen Stellen ist der gezielte Einsatz klassischer Highlights oder eines Shades der sinnvollere Weg. Entscheidend ist dabei, den Fokus nicht zu verlieren. Es geht nicht um maximale Verfeinerung, sondern um ein stimmiges Gesamtbild, das in einem klaren Zeitrahmen bleibt und sich reproduzieren lässt.

Am Ende haben wir eine Miniatur, die nach etwas unter 110 Minuten vollständig spielbereit ist und auf dem Tisch überzeugt. Für viele Hobbyist*innen ist genau das der entscheidende Punkt. Slap Chop und Speedpaints sind hier kein Notbehelf, sondern eine bewusst gewählte Vorgehensweise. Beide helfen, Projekte abzuschließen, Armeen voranzubringen und die Freude am Malen nicht zwischen Perfektionsanspruch und Zeitmangel zu verlieren.

 

Artikelbilder: © Corvus Belli
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Giovanna Pirillo
Fotografien: Roger Lewin
Dieses Produkt wurde privat finanziert.

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