„tlhIngan Hol Da-jatlh-‚a‘?“ bedeutet auf deutsch „Sprichst du klingonisch?“. Erfahrungsgemäß kann Diplomatie mit Klingonen sehr vielschichtig sein und man sollte auf alles, wirklich alles, vorbereitet sein. Dabei ist es von Vorteil, klingonisch sprechen zu können. Das zweisprachige Buch Alice im Wunderland klingonisch/deutsch kann dabei helfen.
„Persönliches Logbuch Sternzeit 50975,2: Mit dem Klingonischen Reich ist ein brüchiger Waffenstillstand geschlossen worden. Die Föderation hat daraufhin beschlossen, die diplomatischen Beziehungen zum Reich zu stärken. Hier stellt sich die Frage, was die Botschafter*innen der Föderation den Klingonen als Gastgeschenk mitbringen könnten. Die Wahl fällt auf ein Literaturklassiker von der Erde, der in die klingonische Sprache übersetzt wurde. Sicherlich wissen die Klingonen diese Geste zu schätzen.“
Die erste Staffel von Star Trek: Discovery hat den Klingonen nicht nur ein neues Erscheinungsbild gegeben, sondern auch deren Sprache wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Denn die Klingonen sprechen in der ersten Staffel fast ausschließlich ihre eigene Sprache und werden für die Zuschauer*innen mit Untertiteln verständlich gemacht.
Die Leserschaft fragt sich bestimmt, warum der Autor Lieven L. Litaer gerade Alice im Wunderland ins Klingonische übersetzt hat und die Antwort darauf liegt näher, als man denken würde. Zum einen ist Alice im Wunderland ein sehr bekanntes Werk der Literaturgeschichte, in dem die Reise in eine phantastische Welt beschrieben wird. Viele, wenn nicht alle, Star Trek-Serien handeln von so einer Reise zu phantastischen Welten.
Zum anderen gibt es in Star Trek-Serien unzählige Anspielungen und Zitate zu Alice´ Reise. Wie der Autor im Vorwort schreibt, sagt Dr. McCoy in der Originalserie über einen fremden Planeten, dass es dort „wie im Wunderland“ aussehe.
Die Protagonistin von Star Trek: Discovery bekommt von ihrer Pflegemutter das Buch Alice im Wunderland geschenkt und liest daraus ihrem Halbbruder vor.
Handlung & Charaktere
Da die Handlung von Alice im Wunderland bekannt ist, sollen an dieser Stelle nicht viele Worte dazu verloren werden. Die Handlung entspricht der des Klassikers.
Es ist allerdings anzumerken, dass der deutsche Text eine Rückübersetzung aus der klingonischen Sprache ist und somit kleine Unterschiede zum deutschen Text auftreten. Lieven L. Litaer hat also erst den Text von Alice im Wunderland sinngemäß in klingonisch übersetzt und dann wieder wörtlich ins Deutsche zurückübersetzt. Wichtig wurde das bei Wörtern, die es in der klingonischen Sprache nicht gibt, zum Beispiel Elefanten, Greifen und Herrschertitel.
Allgemeines zum Buch
Normalerweise sprechen fiktive nichtmenschliche Charaktere in Büchern, Serien oder Computerspielen ein von den Autor*innen ausgedachtes Kauderwelsch, wenn sie in ihrer Muttersprache sprechen. Doch es gibt einige wichtige Ausnahmen. Die Sprache für das fiktive Volk der Klingonen aus dem Star Trek-Kosmos wurde 1984 von Marc Okrand im Auftrag von Paramount für die damalige Star Trek-Serie entwickelt. Damit zählt die Sprache in den Sprachwissenschaften, genauso wie das Sindarin von Tolkien und das Dothrakisch aus Games of Thrones zu den konstruierten und fiktiven Sprachen. Neben einem umfangreichen und immer wieder erweiterten Wortschatz besitzen diese Sprachen auch eine eigene Grammatik. Gerade die klingonische Sprache wird von vielen Star Trek-Fans hingebungsvoll gesprochen und gepflegt. In Deutschland ist hier der Autor des Buches als Fackelträger zu nennen. In Zusammenarbeit mit Netflix hat der Autor die erste Staffel von Star Trek: Discovery mit klingonischen Untertiteln versehen. Leider wurde die Serie bei Netflix gestrichen, bevor das Projekt fortgeführt werden konnte.
Das Buch ist nur bedingt für Lesende geeignet, die ernsthaft mit der klingonischen Sprache beginnen wollen. Zwar gibt es Übersetzungshinweise und eine Liste neuer Vokabeln im Anhang, aber es fehlen komplette Vokabellisten oder Erklärungen zur klingonischen Grammatik. Dafür müssten anderen Bücher hinzugezogen werden. Es ist eher für Menschen geeignet, die ihr Verständnis für die klingonische Sprache vertiefen wollen.
Das Buch ist zweisprachig geschrieben. Auf der linken Seite steht der klingonische und rechts der deutsche Text. Die Seiten sind dabei so strukturiert, dass sich die zueinander passenden Textstellen gegenüberstehen.
Es fällt noch eine wunderschöne Gemeinsamkeit zu der Vorlage auf:
Genau wie im Originalmanuskript von Caroll, ist zu Beginn jedes Kapitel eine kleine Illustration von einem Mädchen zu sehen. Der Autor schreibt im Vorwort, dass das Modell für diese Illustrationen seine eigene Tochter ist, was eine rührende Brücke zum Original schlägt. Dort hatte Caroll selbst Zeichnungen von Alice, der Tochter einer befreundeten Familie, eingefügt.
Autor & Übersetzer
Lieven L. Litaer ist einer der wenigen Menschen dieser Welt, die fließend klingonisch sprechen können. Er ist der Organisator und Dozent von jährlich stattfindenden Klingonischkursen, die auch international in Fankreisen großen Zuspruch finden. Außerdem betreibt er seit vielen Jahren das Deutsche Klingonisch-Institut, auf dessen Webseite Symposiums, ein Blog und ein Webshop zu finden sind.
Alice im Wunderland ist weder das erste, noch das einzige Buch, was der Autor in klingonisch übersetzt hat. 2018 wurde vom Litaer Der Kleine Prinz und 2020 Die Hamletmaschine übersetzt und als zweisprachiges Buch veröffentlicht. Alice im Wunderland ist beim selben Verlag auch in englisch/klingonisch herausgegeben worden. Litaer arbeitet im Alltag als Architekt.
Die harten Fakten:
- Verlag: Verlag in Farbe und Bunt
- Autor: Original von Lewis Caroll,
- Übersetzung und Anmerkungen: Lieven L. Litaer
- Erscheinungsdatum: 2021
- Sprache: Deutsch/klingonisch
- Format: Softcover
- Seitenanzahl: 260
- ISBN: 978-3-95936-299-3
- Preis: 14,80 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo
Fazit
Die Arbeit und die persönliche Hingabe für so ein ungewöhnliches Projekt, ist schlichtweg bewundernswert. Denn es ist keine einfache Übersetzung, sondern es mussten teilweise neue klingonische Vokabeln entwickelt oder abgeleitet werden. Damit ist das Buch auch in sprachwissenschaftlicher und popkultureller Hinsicht bemerkenswert.
Natürlich spricht das Buch vorrangig Star Trek-Fans an, und eignet sich hervorragend als Präsent für jede*n Trekkie.
Aufgrund des bekannten Inhaltes der literarischen Vorlage gibt es an dieser Stelle keine direkte Leseempfehlung, aber eine Kaufempfehlung für Star Trek-Fans und Personen, die diplomatischen Kontakt zum klingonischen Reich aufnehmen wollen.

- Gut zum Vertiefen der Sprache geeignet
- Klar strukturiertes Layout
- Für Sprachanfänger nur bedingt geeignet
Artikelbilder: © Verlag in Farbe und Bunt
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Sabrina Plote
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.



















🤣 Der ist wieder sehr schön geworden 👍