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Wenn man den Erfolg einer Messe an den Ticketverkäufen messen möchte, dann war die SPIEL 2024 sehr erfolgreich. „Die Tickets sind ausverkauft.“ Bereits am Donnerstagmorgen gab es nur noch Tickets für Samstag und Sonntag, nachmittags nur noch für Sonntag. Wie war es, das erste Mal mit Besucher*innengrenzen auf der SPIEL?

Trotz der ausverkauften Karten fühlte sich diese Messe nicht voller an als die Jahre zuvor. Das liegt daran, dass es das erste Mal Kartenkontingente gab – teils zur Überraschung der Besuchenden, die auch an der Tageskasse keinen Erfolg mehr hatten. Viele Menschen standen mit Schildern vor der Tür, auf denen stand, dass sie Karten suchten; manche waren vielleicht sogar erfolgreich. Die Kommunikation über diese Kontingente hätte im Vorfeld besser laufen müssen.

Teilzeithelden war auch dieses Jahr wieder in den Messehallen in Essen unterwegs, um von der SPIEL zu berichten. Wir konnten uns auf verschiedenen Events informieren und viele spannende Neuheiten testen. Nach diesen ereignisreichen Tagen haben die SPIEL-Gänger*innen der Redaktion ihre ganz persönlichen Eindrücke zusammengetragen und runden damit ein weiteres Messejahr ab.

Triggerwarnungen

Keine typischen Trigger

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Alexa Kasparek (Lektorat)

Und jährlich ruft die SPIEL Essen – tatsächlich eines meiner Jahres-Highlights. Die große Hallenverwirrung des letzten Jahres hat sich dieses Jahr zumindest zum Teil wieder gelegt: In den einzelnen Hallen habe ich mich wieder besser zurechtgefunden, nur auf dem Weg von Halle zu Halle war ich noch manchmal verwirrt, was die richtige Richtung angeht. Im Vorfeld wurden sich dieses Jahr einige Sorgen um Überfüllung der Hallen gemacht, denn zum ersten Mal war die SPIEL im Vorfeld ausverkauft. Vor Ort ist mir das allerdings kaum aufgefallen. Ja, es war voll, aber ich fand es nicht merklich voller als in den Vorjahren. Die breiten Gänge halfen sehr, und besonders das Einlass-System bewährte sich – das kann gerne so bleiben! Nach wie vor finde ich allerdings, dass dort noch mit Sitz- und Spielmöglichkeiten nachgerüstet werden könnte, denn der Platz wäre dort ja vorhanden.

Und wie jedes Jahr gab es natürlich wieder eine Menge zu spielen. Ich gehöre eher zu den Stöber*innen, die sich im Vorfeld eher weniger vornehmen, sondern sich lieber vor Ort inspirieren lassen, und auch das klappt nach wie vor wunderbar. Spaß hatte ich in diesem Jahr besonders an den folgenden Spielen:

Terrorscape

Ich würde es am ehesten als „Friday the 13th: The [Computer] Game – Das Brettspiel” bezeichnen. In dem „Eine*r gegen alle anderen“-Deduktionsspiel versucht man, als eine Gruppe Überlebende einem klassischen Slasher-Szenario zu entkommen – oder eben, besagte Überlebende genau daran zu hindern. Großer Spaß!

Station to Station

Zug um Zug trifft Great Western Trail. In diesem kleinen, aber feinen Spiel von Alley Cat Games belädt man seinen Zug mit Waren, um diese quer durch die USA zu transportieren – und dabei natürlich die meisten Siegpunkte einzusammeln. Dabei helfen einem Arbeiter*innen, die man unterwegs anheuern kann.

Foxpaw

Wer möchte nicht ein paar Jahre in einer Schule für Hexerei und Zauberei Hauspunkte sammeln, indem man sich mit Besen und Zauberstab ausrüstet, Sprüche lernt, sich beim Lehrpersonal einschleimt und natürlich besonders lange wach bleibt? Und das alles, ohne eine gewisse, überaus intolerante Autorin zu unterstützen? Foxpaw ist allerdings noch nicht erhältlich: Die Kickstarter-Kampagne wird im Januar 2025 live gehen.

Andreas Memmert (Brettspiel)

Die Messe kam und ging wie immer wie im Fluge. Was bleibt, sind wunderbare Einblicke in das, für mich, schönste Hobby der Welt. Die vielen Gespräche, die großartigen Erfahrungen und die unfassbar sympathischen Menschen um einen herum hinterlassen immer wunderbare Erinnerungen. Natürlich konnte ich auch das eine oder andere Spiel ansehen und spielen. Hier stachen besonders zwei Titel für mich aus der Masse heraus.

Biome

Das erste Spiel ist Biome, das Erstlingswerk von Leonie Grundler. Es ist für mich nichts weniger als das bessere Flügelschlag. Nun wird der*die geneigte Leser*in denken, dass ich mich bei dieser Aussage weit aus dem Fenster lehne – dem ist aus meiner Sicht nicht so.

Das Spiel ist, wie Flügelschlag auch, ein Engine-Builder. In verschiedene Biome werden Tiere und Pflanzen gespielt, die eigene Effekte besitzen, die einmal im Spiel eingesetzt werden können. Der besondere Clou ist, dass Vögel, die an Bäume angespielt wurden, diese als Nistplatz nutzen können. In der Runde Frühjahr kommen Küken in die Nester, die, wenn sie nicht von Raubtieren der anderen Spielenden gefressen und mit Futter versorgt wurden, Punkte erzielen. Das ist einfach ein großartiges Spielelement. Für einige Aktionen wird zudem eine Münze geworfen, was man eher selten sieht. Vor allem für jene, die Flügelschlag mögen, ist das Spiel auf jeden Fall einen Blick wert!

Ascending Empires

Das zweite Spiel, das mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, ist Ascending Empires, das bei Strohmann Games erscheint.

Ascending Empires ist eine wilde Mischung aus Geschicklichkeits- und 4X-Spiel. Man schnippt seine Raumschiffe in den Orbit von Planeten, entdeckt diese, setzt Truppen ab, baut Raumstation, Forschungseinrichtungen und Städte. Man kann gegeneinander kämpfen, sich Planeten streitig machen, um übergeordnete Spielziele zu erreichen. So bauen die Spielenden langsam ihr Imperium auf. Für Freunde von Schnipp- und 4X-Spielen ein erfrischendes Spielerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte!

Educator´s Day

Außerdem war ich in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge beim Educator´s Day und ich kann allen spieleaffinen Pädagog*innen den Besuch dieser hervorragenden Fachveranstaltung wärmstens ans Herz legen.

Nun heißt es wieder ein Jahr warten, denn nach der SPIEL ist vor der SPIEL und ich bin auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder in Essen!

Geoffrey Förste (Tabletop)

Für Fans von Miniaturenspielen war auf der diesjährigen SPIEL die Halle 1 ein wahres Mekka. Mantic Games, Corvus Belli, Vallejo, Games Workshop und viele weitere große und kleinere Vertreter*innen der Tabletop-Community fanden sich auf der diesjährigen SPIEL ein, um ihre Spielsysteme und Neuheiten vorzustellen.

One Page Rules überrascht mit Boxed-Sets

Unerwartet, aber umso erfreulicher fiel der Stand von One Page Rules ins Auge. Der Hersteller kostenfreier Regelsysteme wie Grimdark Future oder Age of Fantasy vertrieb seine wachsende Modellreihe bisher als Druckdateien über ein Patreon, welche man sich mit seinem heimischen 3D-Drucker oder über einen Druckservice drucken lassen konnte. Mit fertigen Boxed-Sets soll nun der Schritt in die örtlichen Hobbyläden gemacht werden. Erste Modelle, die in Spritzgussfertigung hergestellt werden, konnten ebenfalls schon bewundert werden und die sehen sehr vielversprechend aus.

Gleiches gilt für die Modelle der neuen Kampagne für die Grimdark Future Kampagne Edge of Radiance. In dem Kampagnenband wird eine Kolonie der Eternal Dynasty von einer Alien Hive Flotte konfrontiert und kämpft ums Überleben. Begleitet wird die Kampagne von neuen Charaktermodellen für beide Fraktionen und kann seit dem 10. Oktober 2024 auf myminifactory.com unterstützt werden.

Freebooters Miniatures – alter Flair in neuem Gewand

Wir kamen auf der SPIEL endlich zu einem Testspiel des neuen Skirmisher Ascending Fate. Das Spiel, welches wie die Piratenversion auf Karten für Trefferzonen und Zufallszahlen setzt, macht einfach Laune. Neue Mechanismen wie Reaktionen oder ein Kommandobereich außerhalb des Spielfelds, mit dem man Aktionen beeinflussen kann, sorgen für einen ganz neuen Flow.

Die im Starterset enthaltenen Spielfiguren sind als Söldner*innen für alle Fraktionen einsetzbar, die schon freudig auf ihren Einsatz warten. Das Spiel wird im Sommer 2025 erscheinen.

Battle Systems – Aus dem Weltall in den Dungeon

Beeindruckend ist die inzwischen umfangreiche Sammlung an Terrain aus bedrucktem Karton. Sci-Fi-Settings werden ebenso bedient wie klassische Fantasy-Settings. Zudem wartet der Hersteller mit einer Fantasy-Version seines Weltraumklassikers Core Space. In dem Dungeon Crawler Maladum kämpft man sich allein oder kooperativ als Abenteuergruppe durch verschiedene Dungeons. Zufällig auftauchende Monster und Schicksalskarten, die einem die besten Pläne zunichtemachen können, machen den Abenteurer*innen dabei das Leben schwer. Mit voranschreitender Zeit werden auch die Gegner*innen zahlreicher und die eintretenden Ereignisse einschneidender. Wer zu lange braucht, um die Aufträge zu erfüllen, riskiert schnell, überrannt zu werden oder auf andere schreckliche Art und Weise aus dem Leben zu scheiden. Das Spielmaterial ist sehr haptisch. Gegenstände liegen als Spielchips tatsächlich in den Truhen auf dem Spielfeld. Der erste Eindruck ist auf jeden Fall sehr positiv.

Mantic Games vom PC auf das Spielbrett

Mantic Games bringt den Egoshooter Halo als Skirmisher auf den heimischen Spieltisch. In der Tat fühlt es sich an, als wäre man in einem klassischen Deathmatch. Zwei Teams, die sich gegenüberstehen, Waffen, die auftauchen und eingesammelt werden können, gefallene Spielfiguren, die respawnen – wie schon bei Worms gelingt es Mantic, die Mechanismen der PC-Version in ein Tabletop zu übersetzen. Statt mit Boni und Abzügen auf Würfelwürfe zu arbeiten, variiert bei HALO die Anzahl der eingesetzten Würfel. Die Regeln sind eingängig und schnell verinnerlicht. Auch eine deutsche Version wird im Dezember erscheinen und in Deutschland durch Burst Spiele vertrieben. Das erste Testspiel macht jedenfalls Lust auf mehr.

Giovanna Pirillo (Lektorat)

Der diesjährige Besuch auf der Messe hat sich wie immer sehr gelohnt, auch wenn mir das eine, alles überschattende Messehighlight fehlte. Wir haben eine Menge grundsolide, gute Spiele gesehen und gespielt, aber keines, was für mich nun besonders aus der Masse heraussticht. Trotzdem waren unter den Spielen, die wir gesehen, getestet und erklärt bekommen haben, einige empfehlenswerte dabei.

Tesseract

Besonders hervorheben möchte ich hier Tesseract von James Firnhaber, das bei Asmodee erscheint. Ein ungewöhnliches Spielgefühl, das sich gar nicht so leicht beschreiben lässt. Im Grundzug handelt es sich um eine Set-Collection-Mechanik, da wir versuchen, durch Bildung zusammenpassender Würfel den Tesseract zu entschärfen, der vor einigen Tagen auf die Erde gestürzt ist und nun zu explodieren droht. Dazu spielen wir eine Person aus einem Team von Wissenschaftler*innen, die mit ihren jeweils ganz eigenen Fähigkeiten daran arbeiten, den Würfel zu entschärfen. Kooperativ und gar nicht so einfach werde ich den Release des Spiels im vierten Quartal 2024 auf jeden Fall im Blick behalten.

Last Sabbath

Außerdem spannend klingt Last Sabbath, ein regelleichtes Rollenspiel des Verlages Officina Meningi. Wir verkörpern Mitglieder eines Hexen-Coven und erzählen gemeinsam und ohne Spielleitung unsere Geschichte in sieben Szenen. Unsere Magie bezahlen wir dabei mit unseren Erinnerungen, was interessante Interaktionen im Verlauf des Spieles verspricht. Du möchtest deine beste Freundin vor dem Tod bewahren? Diesen mächtigen Zauber musst du mit der Erinnerung an eure Freundschaft bezahlen, sodass du sie nicht wiedererkennst, wenn ihr euch das nächste Mal begegnet. Die Kreativität der Spielenden soll dabei im Spiel durch den Einsatz von Tarotkarten, Teesatzlesen oder Runenwurf angefeuert werden, was nicht nur thematisch passend, sondern auch ungewöhnlich klingt.

Bable

Ein schönes kleines Spiel ist außerdem Bable, das bei Wulfhorn Games erscheint. Wir sind Teil der Truppe, die den Turm zu Babel (engl. „Bable“) aufbauen möchten, dabei aber zunehmend Probleme mit der Kommunikation bekommen. Während wir zu Anfang noch drei der vier Begriffe kennen, mit denen wir unsere Mit-Bauarbeiter*innen zu Aktionen auffordern können, wird dies im Verlauf des Spiels immer weniger und wir müssen zwischen klarer Kommunikation und Bauaktionen abwägen. Ein schönes kleines Spiel für zwischendurch, das Köpfchen und Strategie erfordert.

Kai Frederic Engelmann (Comics)

Die SPIEL war dieses Jahr zum ersten Mal ausverkauft. Das lag vor allem daran, dass es nun feste Tageskontingente von 51.000 Karten gab. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass die Messe dadurch besonders voll war. – was sicher auch daran lag, dass die Gänge nun überall eine Breite von vier Metern haben. Ich nutze die Messe hauptsächlich zum Testen von Brettspielen und es sind diesmal wieder 25 geworden. Meine Highlights will ich hier einmal nennen:

Krakel Orakel

Jede*r von uns muss einen Begriff malen, darf aber nur Linien nutzen, welche auf der eigenen, persönlichen Schablone vorgezeichnet sind. Nach dem Zeichnen werden alle Begriffe gemischt und noch falsche Karten von Stapel ergänzt. Dann müssen wir nacheinander jeweils eine falsche Karte aussortieren. Wir gewinnen kooperativ, wenn wir dabei keine oder wenig Fehler machen. Solche Neuheiten wünsche ich mir: Eine einfache Idee, toll umgesetzt, bei dem ein bekanntes Spielprinzip neu interpretiert wird. Genial!

Tauschrausch

In diesem Set Collection-Spiel sind wir Briefmarkensammler*innen. Das klingt nicht sehr spektakulär und auch Wertung und Puzzle sind nichts Besonderes. Das Drafting empfinde ich aber als sehr originell: Erst nehmen wir uns immer eine einzelne Briefmarke oder Wertungskarte. Sobald wir alle sechs Teile genommen haben, müssen wir aus den gedrafteten Teilen zwei Haufen erstellen. Der Spieler, der die Pinzette genommen hat, darf sich zuerst einen Haufen der Mitspieler aussuchen. Der Spieler, dessen Haufen genommen wurde, behält den zweiten und darf sich dann wieder einen anderen Haufen nehmen. Durch dieses zweite Drafting mit Kuchenregel gibt es viele taktische Entscheidungen, bei denen du dich auch mit den Auslagen der Mitspieler beschäftigen musst. Ich mag solche positiven Interaktionen.

Miezekatze

Wir üben eine gemeinsame Performance mit stetiger Beatbox ein. Es ist teilweise ein wenig albern, aber vor allem brauchen wir alle Rhythmusgefühl. Es erinnert mich dabei irgendwie an Biss 20. Im Gegensatz dazu machen wir alle Aktionen gleichzeitig, müssen uns die Abläufe selbst einprägen und wir gewinnen oder verlieren gemeinsam. Das macht das ohnehin schon ausgelassene Spielgefühl noch besser. Ich bin aber sicher, dass dieses Spiel nicht mit jedem funktionieren wird. Doch in der richtigen Runde ist es eine Riesen-Gaudi.

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