Das Finale einer langen Kampagne ist immer eine besondere Herausforderung. Mit Davokar Awakens ist der sechste und letzte Band der Throne of Thorns-Kampagne für Symbaroum erschienen und webt die unzähligen Handlungsfäden zusammen. Gelingt das grandiose Finale? Oder geht diese Hoffnung im dunklen Davokar verloren? Wir finden es heraus.
Symbaroum beschäftigt Teilzeithelden schon eine ganze Weile: Bereits 2016 kam der erste Artikel dazu heraus. Seitdem haben wir immer wieder einen Blick in die neuesten Erscheinungen und die immer weiter gewachsene Kampagne geworfen. „Gewachsen“ ist ein sehr passendes Wort dafür, denn zur Zeit des Zusammenschlusses von Järnringen und Free League war diese noch lange nicht abgeschlossen. Das vierte Kampagnenbuch Symbar – Mother of Darkness war das erste, das nach dem Zusammenschluss 2018 erschien. Die Grundidee des Kampagnenverlaufs und der Entwicklung der Welt stand sicher schon lange vorher, aber jedes Buch gab dieser Idee etwas Eigenes und Neues.
„… and at the dawn of days was Wyrhta, the power that creates. …“
Nach so vielen Jahren kann es immer sein, dass eine Kampagne sich selbst oder die Fans verloren hat, der Abschluss sich nicht „rund“ anfühlt oder Entwicklungen sogar verhindert haben, dass das Finale zustande kommt. So kann man von Glück sprechen, dass Davokar Awakens erschienen ist und, soviel sei an dieser Stelle schon verraten, dem Geiste der Reihe treu bleibt.
Naturgemäß werden teils starke Spoiler in der Rezension aufkommen, deshalb sei dringend davon abgeraten, weiterzulesen, wenn die Kampagne noch als Spieler*in erlebt werden will. Das Fazit bleibt spoilerfrei.
Tod, Krieg, Massenmord, Verzweiflung, Monster, Vertreibung
Inhalt
Der letzte Teil der Throne of Thorns-Kampagne muss alle Entwicklungen der vorigen Teile berücksichtigen. Das ist eine Mammutaufgabe. Da jede Gruppe andere Verläufe und Ergebnisse haben wird, gibt es immer wieder verschiedene Angebote für alternative Fraktionen oder NSC, die eine gewisse Rolle übernehmen könnten. Das ist wegen der unterschiedlichen Verläufe auch dringend nötig, führt aber den Vorschlag, dass dieser Kampagnenband auch völlig losgelöst von vorigen Erscheinungen gespielt werden kann, etwas ad absurdum. Davokar Awakens sollte das große Finale sein, für das es geschaffen wurde.
Der Aufbau ähnelt dem von Alberetor – The Haunted Waste mit einem eher zusammenhängenden Abenteuer, das zwar auch dreigeteilt ist, aber dennoch besser als enge Einheit funktioniert. Im Gegensatz zu vielen anderen Veröffentlichungen von Symbaroum, gibt es keinen Teil, der sich explizit an die Spielenden richtet. Die Hintergründe der Spielwelt wurden genug besprochen, um sich nun mit den Entscheidungen auseinanderzusetzen, die getroffen wurden und getroffen werden müssen.
Ambria’s Days of Doom
Im ersten Kapitel wird die Spielleitung auf den neuesten Stand gebracht: Was ist passiert und welche Folgen hatten die Geschehnisse? Alle Informationen sind mit Vorsicht zu genießen, denn immer wieder muss eingeordnet werden, welchen Einfluss Charaktere einer bestehenden Kampagne auf diese genommen haben. Die Auswirkungen sind vielfältig, weshalb es für alle wichtigen Fraktionen mehrere Optionen gibt. Eine Sache bleibt dabei aber immer gleich: Die Welt gerät zwischen die Fronten der Mächte Wielda, Wyrhta und Wratha.
Der Davokar und große Teile Ambriens liegen im Krieg. Aus dem Bürgerkrieg wird der Kampf um das nackte Überleben. Viele kleinere Schlachtfelder tun sich auf und werden in diesem Kapitel ebenfalls behandelt. Untote, befleckte Bestien und andere Schrecken strömen nach Süden und greifen die wenigen Inseln des Widerstandes an. Die düsterste Seite der Welt Symbaroums zeigt sich mehr als deutlich.

Zuletzt wird der finale (dreiteilige) Akt der Kampagne vorgestellt. Die Struktur als Flussdiagramm – altbekannt aus vorigen Kampagnenteilen – ist eine gute Orientierung für die SL. Alle drei Teile des Finales werden zusammengefasst, die Stimmung ist bereits mehr als deutlich gesetzt. Und dann beginnt der Kampf an der Brücke über den Doudram.
Der Weg führt Spielende zurück nach Thistle Hold und sogar in die Halle der Tausend Tränen. Es ist sehr spannend, zu sehen, wie sich diese Orte, die man seit dem ersten Kampagnenband kennt, verändert haben. Sicherlich warten hier einige Emotionen auf die Spielenden und ihre Charaktere. Das macht der Kampagnenband wie auch viele seiner Vorgänger sehr gut: Immer wieder tauchen bekannte Gesichter und Orte auf, zu denen die Charaktere im Laufe der Zeit positive wie negative Beziehungen aufgebaut haben.
The Voice of the Ancients
Letztlich werden die Charaktere erneut in den Davokar müssen. Doch noch nie war er so gefährlich. Im zweiten Kapitel wird die Reise durch den Wald in all ihrer düsteren Pracht erneut behandelt. Karvosti ist in Teilen zerstört und auch sonst warten eher düstere Begegnungen auf die Charaktere, die mitunter ohne Vorwarnung auftreten.

In diesem Kapitel werden zwei sehr wichtige Orte beschrieben, die die Charaktere aufsuchen sollten. Dazu sei an dieser Stelle nur verraten, dass ein Blick in die weit entfernte Vergangenheit geworfen wird, aber Details sollen ausgespart bleiben. Neues und Altes wird verbunden und der stetige Druck durch Monster oder mächtige Fraktionen treibt Spielende unaufhörlich an, weiterzugehen.
The Throne of Thorns
Am Ende läuft alles auf dieses Kapitel hinaus. Nicht zuletzt der Kampagnentitel verrät es, sondern auch die Geschehnisse aus vorigen Abenteuern: Der Dornenthron entscheidet das Schicksal des Davokars. Und darüber hinaus auch das Schicksal aller Lebewesen in der Region.
In diesem einen Kapitel werden so viele lose Enden zusammengewoben, dass der SL in der Vorbereitung sicherlich schwindelig werden kann. Der zweite Besuch in Symbar ist von Überraschungen und Intrigen, von Machtbesessenheit und Güte, von Tod, Verzweiflung und einem Funken Hoffnung gespickt. Niemand kann vorhersehen, wohin das Schicksal eine Gruppe führen wird, aber in jedem Fall wird es episch und tragisch.
Das Buch endet mit verschiedenen Gedanken zu den möglichen Nachwirkungen. Einige davon machen die Spielwelt danach unbespielbar, sodass man sich eine Alternative ausdenken muss, wenn man weitermachen möchte. Auch hierfür gibt es Ideen. Diese Konsequenz ist genau das, was die Throne of Thorns-Kampagne für einen guten Abschluss gebraucht hat.
Erscheinungsbild
Das Hardcover ist schwarz mit einem kühlen und hellen Blauton, das hinter dem abgebildeten Dornenthron leuchtet. Darunter stehen dunkle, wahrscheinlich verdorbene, menschliche Wesen wie in einer Schlachtreihe. Die bedrohliche Szene passt gut zur Stimmung der Kampagne und es trägt zur Atmosphäre des Finales bei, dass kein explizites Kampfmotiv genommen wurde.
Der gesamte Stil des Kampagnenbuches entspricht den Vorgängern, kann an die hohe Qualität mit festem Papier, gutem Druck und herausragenden Illustrationen anschließen und liest sich auch sehr gut. In den Texten gibt es zahlreiche Verweise auf andere Bücher der Spielwelt, darunter Kampagnenbücher und Regelwerke. Diese Verweise helfen bei der Vorbereitung enorm.
Die Orientierung im Buch ist trotz der Querverweise manchmal etwas anstrengend, weil es keinen Index gibt und das Inhaltsverzeichnis nur hilft, wenn man sich bereits gut auskennt. Manche Informationen stehen in Kästen oder als Glosse am Rand, wo sie manchmal übersehen werden können. Am Ende finden sich sehr hübsche Handouts zu wichtigen Orten oder Briefe.
Insgesamt ist es wieder ein sehr schön gestaltetes Buch, das gut in der Hand liegt und zum Lesen einlädt. Für die Vorbereitung als SL gäbe es noch ein kleines bisschen Verbesserungsbedarf.
- Verlag: Free League
- Autor*in(nen): Mattias Johnsson Haake
- Illustrator*in(nen): Martin Grip, Gustaf Ekelund, Lars Strömqvist
- Erscheinungsjahr: 2023
- Sprache: Englisch
- Format: Hardcover/PDF
- Seitenanzahl: 199
- ISBN: 9789189765061
- Preis: 38,95 EUR (Hardcover), 18,07 EUR (PDF)
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Bezugsquelle: Fachhandel, idealo, DriveThruRPG, Sphärenmeister
Fazit
Die schwere Aufgabe, eine lange Kampagne zu einem überzeugenden Ende zu bringen, ist Free League mit Davokar Awakens gelungen. Wohlbekannte Schauplätze und liebgewonnene wie gehasste Charaktere spielen erneut eine Rolle. Bei guten Serien sagt man, dass „nichts vergessen“ wird, also kleine Ereignisse irgendwann Auswirkungen haben oder immer wieder erneut genannt werden. Das ist etwas, das in diesem Kampagnenfinale durch und durch geschieht.
Die Veränderungen an der Spielwelt durch Charaktere werden ebenfalls bedacht und so gibt es immer wieder Optionen, Handelnde oder sogar Fraktionen auszutauschen, damit die Spannung der Geschichte erhalten bleibt, selbst wenn wichtige Akteure gestorben sind oder sich Dinge unerwartet entwickelt haben. Dabei ist schön, dass diese „Neueinsteiger*innen“ nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, sondern durch ihr Taten in vorigen Kampagnenteilen dennoch nachvollziehbar handeln. Und: Sie sind nicht komplett neu, sondern den Charakteren bekannt.

Davokar Awakens bietet die vielleicht düsterste Variante von Symbaroum bisher – und das ist etwas Gutes. Für Liebhaber*innen dieser Spielwelt kann es nur von Vorteil sein, dass nicht am Ende der Kampagne ein Zauberstab geschwungen wird und sich alles zum Guten wendet. Es wird eine glaubhafte Welt geschaffen, in der die Charaktere viele Chancen und Möglichkeiten haben, bedeutsam zu sein. Es werden unzählige Handlungsstränge verknüpft und Fragen geklärt, die vielleicht noch offen waren.
Die Kampagne hat ein würdiges Ende gefunden. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als fünf von fünf Eisenringen zu vergeben und dann mit einem Krug Kuruns Ehre auf die Held*innen anzustoßen oder die Dämonen zu verfluchen. Was immer gerade besser passt.
Farewell Davokar …

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Gelungenes Finale einer langen Kampagne
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Dark Fantasy in bester Form
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Viel Einfluss durch Spielende auf die Welt möglich
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keine
Artikelbilder: © Free League
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Hendrik Pfeifer
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Vielen Dank für diese abschließende Rezension der Kampagne! Ich freue mich schon sehr darauf, sie mit meiner Gruppe zu erleben.
Hey, sehr gerne! Ich bin selbst immer wieder überrascht, was Symbaroum alles bereithält. Berichte doch gerne mal, wie euer Finale war. Meine Gruppe braucht noch etwas, bis sie dort ankommen wird, aber ich bin schon freudig-hibbelig.
Liebe Grüße