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Monster, ein eher negativ behaftetes Wort, das in Dungeons & Dragons aber lediglich alles meint, dem man auf Abenteuerreise begegnen kann – ob gut oder böse. Im neu erschienenen 2024 Monster Manual sind über fünfhundert von ihnen aufgeführt, darunter dutzende Neue. Was genau liefert das Buch und ist neu gleich besser?

Nach zehn Jahren und eingeholtem Spieler*innenfeedback wurden bereits das Player`s Handbook und der Dungeon Master`s Guide überarbeitet und verbessert als 2024-Edition herausgebracht. Nun folgt als Letztes, aber nicht weniger wichtig, das 2024 Monster Manual. Damit sind die drei essenziellen Bücher, die zum Spielen von Dungeons & Dragons benötigt werden, komplett.

Triggerwarnungen

Bodyhorror, Gewalt, Tod, Übernatürliches, Spinnen

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Inhalt

Das 2024 Monster Manual besteht aus drei Abschnitten: einer Einleitung, dem großen Hauptteil, in dem alle Monster vorgestellt werden, und zwei Anhängen.

In der Einleitung wird als erstes aufgeführt, wie man als Spielleitung, für die dieses Buch gedacht ist, Monster nutzen kann. Hierzu wird das Wichtigste für jedes Monster im Spiel erklärt: die Werte, welche in Stat Blocks zusammengefasst sind. Diese geben zuerst Informationen zum Namen des Monsters, seine Größe, Kreaturentyp und Gesinnung. Als nächstes folgen Grundwerte für den Kampf wie die Rüstungsklasse und Lebenspunkte, bevor die Attributswerte und weitere Details wie Resistenzen und Sprachen aufgeführt werden. Danach folgen besondere Fähigkeiten (Traits), die das Monster besitzt und schließlich, welche Aktionen, Bonusaktionen, Reaktionen und eventuelle legendäre Aktionen es im Kampf verwenden kann.

All diese Punkte werden danach noch einmal genauer beschrieben und erklärt. So gibt es etwa eine Auflistung der verschiedenen Kreaturentypen und was diese ausmacht oder eine Tabelle, die anzeigt, wie viele Erfahrungspunkte ein besiegtes Monster abhängig von seinem Herausforderungsgrad gibt.

Das Herzstück des Buches ist das sich anschließende Bestiarium. Hier werden auf über dreihundert Seiten die verschiedensten Monster, darunter dutzende neue, in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Das bedeutet auch, dass es keine großen Überkategorien gibt. So sind die verschiedenen Drachenarten nicht unter „Drachen“ zu finden, sondern unter „Roter Drache“, „Blauer Drache“ und so weiter. Im Bestiarium sind NPC wie Bandit*innen und Assassin*innen ebenso zu finden wie manche spielbaren Völker wie Aarakocra und Zentauren.

An dieser Stelle sollen zwei der neuen Monster kurz vorgestellt werden:

Die unsterblichen Arch Hags sind Feenkreaturen, die überall zu finden sind. Sie haben eine Vorliebe für geheimes Wissen und sind unberechenbar und gierig. Es kann passieren, dass sie ihr Wissen teilen, aber das immer zu einem Preis. Den Kampf meiden sie, aber dazu gezwungen, nutzen sie gefährliche Magie und sind in der Lage, andere Nutzer*innen von Magie zu verfluchen. Jede Arch Hag hat eine individuelle Schwäche, die mit ihrer Vergangenheit zusammenhängt und sie tun alles, um diese geheim zu halten. Die wohl bekannteste Arch Hag ist Baba Yaga.

Der Blob of Annihilation kann theoretisch ebenfalls überall angetroffen werden. Er ist eine Auswucherung kosmischer Entropie, die mit den Überresten von toten Göttern verbunden ist. Normalerweise schwebt sie durch lebensfeindliche Weiten des Universums und ist deshalb nur selten anzutreffen. Gefährlich wird es jedoch, wenn der Blob in bewohnten Reichen beschworen wird. Dann ist er kaum mehr aufzuhalten und nimmt alles in seinem Weg in sich auf. Sofern man keine Leiche eines toten Gottes oder Titans ist, kann man im Inneren des Blobs, wo es weder Luft noch Schwerkraft gibt, nicht lange überleben.

Neben dem Namen, einer Illustration und einer mal (sehr) kurzen, mal etwas längeren Beschreibung besitzt jedes Monster eine Art Untertitel. So steht etwa bei den Ghoulen „Eaters of the Dead“. Diese sind so treffend gewählt, dass man schon durch diese wenigen Wörter einen ersten Eindruck vom jeweiligen Monster bekommt.

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Weitere interessante Informationen, die übersichtlich darunter angeordnet wurden, sind zum einen das Habitat, in dem ein Monster typischerweise anzutreffen ist und zum anderen ob und wenn ja, welche Schätze es hortet, die gehandelt oder im Anschluss an einen erfolgreichen Kampf gelootet werden können. Zudem wurden manchen Monstern kleine Tabellen zum Individualisieren gegeben. So kann zum Beispiel darauf gewürfelt werden, ob ein Poltergeist die Lebenden quält, indem er Fußabdrücke auf vertikalen Oberflächen zurücklässt oder Geräusche macht wie jemand, der in einer Wand eingeschlossen ist.

Am Schluss steht der bereits in der Einleitung erklärte Stat Block, der benötigt wird, wenn es zum Kampf gegen das jeweilige Monster kommt.

In Anhang A folgt eine Auflistung verschiedenster Tiere, wie Riesenechse, Dachs und Tiger, mitsamt Stat Block. Eine Liste, die gerade für Spieler*innen von Druid*innen wichtig und interessant ist, da sie an einem Ort gesammelt einen Überblick haben, in welche Tiere sie sich verwandeln können.

Tiere wie diese Raben sind in Anhang A zu finden.

Anhang B besteht aus verschiedenen sehr nützlichen Listen. So sind die Monster nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Habitat, Kreaturentyp oder Herausforderungsgrad sortiert, was den Überblick, welche und wie viele Monster es von einer bestimmten Kategorie gibt, sehr vereinfacht.

Außerdem ist eine Liste enthalten, wie manche Monster aus dem 2014 Monster Manual konvertiert wurden. Einige haben nämlich neue Namen enthalten oder wurden entfernt. Für letztere ist ein gleichwertiges Monster angegeben. Wer also ein Monster aus der Version von 2014 nicht findet, muss nur in dieser Liste nachschauen.

Unterschiede zum 2014 Monster Manual

Insgesamt kann man das neue Monster Manual als „Quality of Life-Upgrade“ sehen. Auch wenn einige Dinge weiter oben bereits genannt wurden, sollen sie hier noch einmal zusammenfassend aufgelistet werden.

Es wurde insbesondere Wert auf Übersichtlichkeit und Vereinfachung gelegt. So sind alle Monster, auch NSC, alphabetisch sortiert, ohne, dass es wie zuvor Unterkategorien gibt. Auf diese Weise findet man jedes Monster an seinem Platz im Alphabet und muss sich nicht Gedanken machen, ob es in eine Kategorie einsortiert wurde oder nicht. Wer diese dennoch vermisst, findet sie in den Tabellen von Anhang B wieder.

Die Stat Blocks sind ebenfalls übersichtlicher. So haben verschiedene Fähigkeiten mit „Traits“ eine Überschrift erhalten und Zauber sind dort nun ebenfalls enthalten. Die Anzahl dieser, die ein magisch begabtes Monster beherrscht, wurde oft verkleinert, was die Übersichtlichkeit erhöht und das Entwickeln von Taktiken vereinfacht – denn welcher Gegner schafft es, im Kampf 26 verschiedene Zauber einzusetzen? Zudem gibt es keine Zauberslots mehr, sondern Zaubern nach Belieben oder X-Mal pro Tag. Der Bonus auf Initiative-Würfe ist nun direkt angegeben, sowie der Bonus, den die Monster auf die verschiedenen Rettungswürfe erhalten. Ebenso gibt es Angaben für den Übungsbonus des Monsters und spezifische Ausrüstung, die gelootet werden kann.

Der Stat Block des „Dao“ zur Veranschaulichung.

Zudem gibt es Änderungen an manchen Monstern selbst. So wurden Fähigkeiten gestrichen oder verändert, aber auch der Kreaturentyp kann angepasst worden sein. So sind Kobolde nun keine Humanoide mehr, sondern Drachen. Das bedeutet auch, dass Zauber wie Hold Person oder Charm Person keine Wirkung mehr auf sie haben. Dies wurde gemacht, damit Typ und Hintergrund des Monsters besser zusammenpassen oder, wie es in zukünftigen Publikationen verwendet werden soll.

Monster sind nicht mehr auf ein Geschlecht beschränkt.

Außerdem wurden spezifische Geschlechter von Monstern entfernt. So sind Dryaden nicht mehr zwingend weiblich und es ist möglich, sowohl einem weiblichen Incubus als auch einem männlichen Succubus zu begegnen.

Um wichtige Informationen besser und unmissverständlicher rüberbringen zu können, wurde teilweise auch die Sprache vereinfacht. Wurden etwa die Konsequenzen einer geglückten oder misslungenen Probe früher in einem ganzen Satz erklärt, sind sie nun in prägnanterer Form aufgeführt.

Auch die neuen Illustrationen sind zu erwähnen, von denen fast jedes Monster über mindestens eine verfügt. Sie sind insgesamt hochwertiger und helfen noch besser, sich die Monster vorzustellen. Dazu trägt bei, dass viele nicht allein, sondern mit Hintergrund und einer Umgebung dargestellt sind. Das ist vor allem nützlich, um sich die Größe der Monster klarzumachen.

Erscheinungsbild

Optisch sowie haptisch ist das Buch hochwertig gestaltet. Der Text ist gut lesbar und nicht überbordend. Wichtige Wörter sind hervorgehoben und die Stat Blocks durch einen andersfarbigen Kasten vom Rest abgetrennt. Ein Index zu Beginn, sowie verschiedene Tabellen in Anhang B helfen bei der Orientierung.

Die Illustrationen sind hochwertig und tragen zur Immersion bei. Auf dem Cover ist ein Beholder zu sehen, was eine Referenz zurück zum 2014 Monster Manual darstellt. Das Buch ist in einer weiteren Variante zu erhalten: hier ist ein Mind Flayer auf dem Cover zu sehen.

Positiv hervorzuheben sind auch die Inklusivität und Kreativität mancher Illustrationen. So ist auf einer ein Tiefling mit Vitiligo zu sehen und das Bild zu Gladiator*innen ist nicht das der typischen sandigen Arena, sondern zeigt einen Seeelfen, der in einer Unterwasser-Arena über einen Riesen-Tintenfisch triumphiert.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Wizards of the Coast
  • Autor*in(nen): Jeremy Crawford, F. Wesley Schneider
  • Illustrator*in(nen): Fury Galluzzi et. al.
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Englisch
  • Format: Hardcover
  • Seitenanzahl: 384
  • ISBN: 978-0-7869-6954-8
  • Preis: 49,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Sphärenmeister

 

Fazit

Das 2024 Monster Manual ist ein Buch, das sich sehen lassen kann. Auf fast vierhundert Seiten bietet es Spielleitungen alles, um den nächsten Gegner – oder Verbündeten – für die Gruppe zu finden, für jedes Level ist etwas dabei. Es ist eine verbesserte Version im Vergleich zu, 2014 mit sinnvollen Änderungen, wie etwa die Entscheidung, alle Monster ohne Unterkategorien alphabetisch zu sortieren. Wenn man die „alten“ Monster gewohnt ist, sollte man darauf achten, dass einige Abänderungen zum Beispiel beim Kreaturentyp erfahren haben, was Auswirkungen auf die ein oder andere Mechanik, wie bestimmte Zauber, hat.

Es wurde Wert auf Übersichtlichkeit und Vereinfachung gelegt und das ist auch gelungen. Monster sind aufgrund der Sortierung und des Indexes zu Beginn leicht zu finden. Die Seite(n) der einzelnen Monster sind ebenfalls gut zu überblicken und wichtige Informationen müssen nicht gesucht werden. Zudem sind die Beschreibungstexte prägnant und kurz (hier und da etwas zu kurz) gehalten und die Illustrationen tragen dazu bei, einen Eindruck von den Monstern zu erhalten und sie sich vorzustellen.

Wer bereits die Version von 2014 spielt und nicht vorhat, auf die von 2024 umzusteigen, benötigt dieses Buch nicht unbedingt – außer, man ist an mehr Monstern interessiert. Wer allerdings umsteigen möchte oder mit der 2024er Version bei Dungeons & Dragons einsteigt, findet mit diesem Buch ein Muss, das sich lohnt.

  • Sinnvolle Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger
  • Großartige, immersive Illustrationen
  • Mehr Monster!
 

 

 

 

 

Artikelbilder: © Wizards of the Coast LLC
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Lidia Strauch

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