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Sie stehen nach dem Lesen oft unbeachtet im Regal: Bücher. Was, wenn man ihnen einen neuen Zweck oder eine neue Bedeutung geben kann? Diesen Versuch macht the_bookmarked, wo Bücher im Regal zu unserem Cipher werden, und uns helfen sollen mit den Gefahren einer Welt nach der Apokalypse fertig zu werden.

Die Welt, wie wir sie kennen, ist nicht mehr. Die Menschheit lebt verteilt in kleinen Siedlungen auf dem Planeten und das Wissen der Vorfahren ist fast komplett verloren. Was einst einmal eine schillernde Technokratie war, ist nichts mehr als Geröll und von der Natur zurückeroberte Ruinen.

Und in diesen Ruinen findet man sie: die Breathless. Roboter und andere technische Geräte, die von dieser Zivilisation zurückgelassen wurden. Immer noch funktionsfähig. Und möglicherweise gefährlich.

Unwissend darüber, wie mit diesen Breathless umgegangen werden muss, wie sie beeinflusst werden können, leben die Menschen oftmals entfernt von diesen. Sie meiden sie, haben sogar Angst vor ihnen, denn das Wissen um die Programmierung von Maschinen ist verloren. Doch ein paar wenige, die Teller, sind vielleicht in der Lage das Blatt zu wenden.

Willkommen in the_bookmarked – wo den Büchern im heimischen Regal eine neue Bedeutung zukommt.

  • Triggerwarnungen

    Weltuntergang, Apokalypse, Tod

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Spielwelt

Wie und wann genau die Zivilisation, wie wir sie heute kennen, zu Ende gegangen ist, ist nicht klar, nur, dass sie zu Ende ist. Wissen und technologische Errungenschaften, die Komfort und Fortschritt bedeuteten, sind verloren und die Menschen leben in kleinen Gemeinschaften. Zwar gibt es noch Technik und diese wird auch genutzt, doch das Erschaffen von neuen Technologien ist selten.

Das Thema mit den Lesezeichen wird schön dargestellt und durchgezogen.
Das Thema mit den Lesezeichen wird schön dargestellt und durchgezogen.

Was von der „alten Welt“ geblieben ist, sind überwucherte Ruinen, merkwürdige Gerätschaften und… die Breathless. Roboter und ähnliches, welche von Menschen für einen bestimmten Zweck geschaffen und programmiert wurden und die den Zerfall der Zivilisation überstanden haben. Das Wissen, wie sie funktionieren und wie man mit ihnen umgeht, ging mit dieser Zivilisation jedoch verloren und so folgen sie den letzten Anweisungen, die sie erhalten haben.

In dieser Welt verkörpern die Spielenden sogenannte Teller – jene Menschen, die in der Lage sind, das alte Wissen zu entziffern und mit diesem Zauber zu wirken, das sogenannte Tellcasting. Wie genau dies funktioniert, wird noch im Regelabschnitt erklärt.

Als Tellcaster ist es die Aufgabe der Spielenden gefährliche oder außer Rand und Band geratene Breathless insoweit zu beruhigen, dass eine Koexistenz möglich ist. Dabei entdecken sie Wissen über den jeweiligen Breathless und die alte Welt.

Die Basis eines jeden Abenteuers ist das sogenannte Archiv, von welchem die Charaktere in ihre Abenteuer losziehen und das deren Zuhause darstellt. Dies mag provisorisch sein, aber es ist, was die Teller haben, und alle fügen ihre ganz persönliche Note zu diesem Archiv hinzu, damit es das gemeinsame Heim wird.

Ein Einblick in die Welt von the_bookmarked.
Ein Einblick in die Welt von the_bookmarked.

Regeln

Die Regeln von the_bookmarked sind sehr simpel und einfach gehalten. Grundlegend gibt es drei physische und zwei soziale Fähigkeiten.

Die physischen Fähigkeiten sind „Stay hidden“, womit alles beschrieben wird, was mit Heimlichkeit zu tun hat, „Make a break for it“, welche Situationen abbildet, in denen man schnell zu etwas hin oder von etwas weg möchte und „Clamber“, um unebenes Terrain zu navigieren oder Balanceakte abzubilden.

Auf der sozialen Seite ist „Sway“ für Situationen gedacht, in denen Überzeugungsarbeit gefragt ist oder man Informationen sammeln möchte und „Escalate“, um dem Gegenüber wörtlich klarzumachen, was passiert, wenn dieses nicht tut, was die Spielenden möchten, also das klassische Einschüchtern.

Zuästzlich gibt es Interfaces, das sind technische Geräte, welche je nach Charakterklasse unterschiedliche Möglichkeiten bieten – sei es nun die Analyse von Daten, holographisches Anzeigen von Bildern oder ähnliches und den Charakteren so zusätzliche Fähigkeiten geben. Auch hier gibt es drei verschiedene Arten, welche in den Regeln spezifiziert werden. „Consult data fragments“ lässt die Spielenden auf gefundenes Wissen zugreifen, um daraus vielleicht einen Vorteil für die aktuelle Situation zu ziehen. „Attune“ zielt darauf ab, andere Personen zu verstehen oder sich sogar mit den kognitiven Strömungen eines Breathless zu verbinden, um diesen besser zu verstehen. „Asses mechanics“ ist dafür gedacht, die Systeme eines Breathless zu verstehen oder Spuren zu interpretieren, die ein Breathless hinterlassen hat.

Übersicht der Fähigkeiten.
Übersicht der Fähigkeiten.

Gewürfelt wird grundlegend mit 4W6, wobei eine 4 und höher ein Erfolg und alles darunter ein Misserfolg ist. Je nach Klasse kommen noch Würfel hinzu und es ist abhängig vom Vorhaben wie viele Erfolge für eine erfolgreiche Probe benötigt werden.

Ein Abenteuer ist in drei Phasen unterteilt, wobei die letzte die Begegnung mit einem bestimmten Breathless darstellt, welcher als Ziel des Abenteuers „besiegt“ werden muss. Dabei geht es nicht unbedingt tatsächlich um den Kampf gegen diesen, das ist ganz abhängig vom jeweiligen Breathless und den Spielenden. Diese letzte und finale Begegnung eines Abenteuers nennt sich „Psycuitry“. Das Abenteuer an sich kann komplett zufällig mit Hilfe der Setting- und Begegnungs-Tabellen gestaltet werden, wenn diese Art der Freiheit gewollt ist. Diese sind ganz am Ende des Booklets, können aber natürlich auch durch eigene Ideen ersetzt oder ergänzt werden.

Dieser Breathless war für Kleinkinder zuständig, jetzt folgt er den letzten Befehlen und wickelt stattdessen Nagetiere.
Dieser Breathless war für Kleinkinder zuständig, jetzt folgt er den letzten Befehlen und wickelt stattdessen Nagetiere.

Die nicht zu verachtenden Gefahren, die von der Umwelt, den darin lebenden Tieren, Menschen und Maschinen ausgehen, werden durch „Peril“ dargestellt. Bei Proben, die mit erhöhtem Gefahrenpotential versehen sind, kann die Spielleitung Peril ankündigen. Das bedeutet, dass die spielende Person Peril-Würfe ausführen muss, falls die zugehörige Probe nicht geschafft wird. Diese werden mit 6W6 über mehrere Runden durchgeführt – so viele wie Erfolge für den ursprünglichen Wurf gebraucht wurden. Dabei werden in jeder Runde die Würfel aus dem Pool entfernt, die keine Erfolge haben und mit dem Rest weitergewürfelt. Hat man in jeder Runde Erfolg, ist der Peril-Wurf geschafft, ist dies nicht der Fall, schlägt der Wurf fehl. Dies führt zum Tod des Charakters, bei welchem jedoch empfohlen wird, ihn nicht genau zu beschreiben, sondern einen Fade-to-black zu nutzen und das genaue Geschehen offen zu lassen.

Das Wirken von Magie

Wie bereits erwähnt wird in the_bookmarked mit Hilfe eines Buches aus dem eigenen Regal Magie gewirkt, was sich Tellcasting nennt. Dabei kommt es auf den Zauber an, wie genau dies funktioniert und wird auf den Lesezeichen beschrieben, welche die Zauber abbilden.

Diese Lesezeichen haben zwei Funktionen: Zum einen dienen sie dazu, die Seiten im Buch zu markieren, welche für das Zaubern verwendet werden können und zum anderen beschreiben sie, wie der Zauber an sich funktioniert.

Der Zauber „Bright“ der Klasse Adjector zum Beispiel wird von Adjektiven angetrieben. Der*die Spieler*in liest Adjektive vor, wobei er*sie immer schneller werden soll, bis es zu „gibberish“ wird. Dadurch wird einer der auf dem Lesezeichen vermerkten Effekte ausgelöst:

  1. Den Breathless bis zum Ende des nächsten Zuges ablenken
  2. 2W6 zu einem Flucht-Versuch dazu erhalten
  3. Jemanden aufdecken, der*die sich in der Nähe versteckt

 

Alle Zauber sind entsprechend gleich aufgebaut und können ein Level zwischen eins und drei haben. Zu Beginn haben alle Charakter nur einen Level Eins Zauber und erhalten nach und nach mehr, je mehr Abenteuer sie bewältigen und Breathless sie besänftigen.

Charaktererschaffung

Es gibt in the_bookmarked keinen Charakterbogen, was etwas schade ist, da man sich möglicherweise einige Dinge zum Charakter notieren möchte. Da ist aber dann wohl einfach klassisches Papier gefragt, auf dem einige Notizen gemacht werden können.

Zu Beginn der Charaktererschaffung wird die Motivation und Herkunft festgelegt, dafür gibt es zumindest für ersteres einige Anregungen im Heft, welche Denkanstöße geben können.

Außerdem sollen die Spielenden bereits zu diesem Punkt ihr Cipher wählen, also das Buch, welches zum Tellcasting verwendet wird. Auch dieses nimmt Einfluss auf die Charaktergestaltung, indem Inspiration von der Titelseite, der Rückseite und der ersten und letzten nützlichen Seite gezogen wird. Nützlich bedeutet in diesem Fall, dass die Seiten auch Inhalt enthalten müssen und nicht lediglich Karten oder das Copyright.

Welches Buch dabei gewählt wird, ist vollkommen offen, es kann ein Sachbuch, Roman oder Fachliteratur sein. Wichtig ist, was die Spielenden daraus machen.

Sind also Motivation, Herkunft und ein Cipher ausgewählt geht es schon in den Endspurt, nun muss noch eine Klasse ausgewählt werden und der erste Zauber vorbereitet… und dann kann es losgehen.

Charakterklassen

Illustration eines Punctalists.
Illustration eines Punctalists.

In the_bookmarked gibt es insgesamt vier Charakterklassen und es wird empfohlen, dass bei einem Abenteuer jede davon vertreten ist. Die Charakterklassen unterscheiden sich hauptsächlich in deren Spezialisierung und Ideen für deren Einflüsse auf das Archiv. Außerdem geben die Klassen vor, welche Möglichkeiten es für das Interface gibt und jede Klasse hat eine eigene Spezialfähigkeit.

Neben den vier grundlegenden Klassen gibt es auch Werte für einen sogenannten Breathful, also einen Breathless, der ein eigenes Bewusstsein entwickelt hat. Die Autoren empfehlen jedoch, dass ein solcher Charakter erst erspielt wird, und nicht von Beginn an dabei ist.

Als Klasse gibt es den*die Adjector, eine Person, die sehr auf Adjektive versessen ist und daraus besondere Kraft für das Tellcasting ziehen kann. Adjectoren sind eher auf soziale Fähigkeiten ausgelegt. Dagegen sind die Deponancer oftmals sehr augmentierte Personen, die Teile von Breathless am eigenen Körper haben oder sogar Körperteile durch maschinelle Teile ersetzt haben. Sie sind eher auf Körperliches ausgelegt und offensiver.

Ein Divinour ist eine Mischung aus Seher*in und Ranger. Divinour können ihre Sinne weit ausstrecken, sind aber auch Geschichtensammler*innen und Erzähler*innen und werden durch ihre geschärften Sinne manchmal wie Wahrsager*innen behandelt.

Als letzte Grundklasse gibt es noch Punctalists, welche sehr gut darin sind mit Technik umzugehen und eher darauf ausgelegt sind durch ihre Tüfteleien die Gruppe zu unterstützen.

Erscheinungsbild

Das Regelwerk ist mit 40 Seiten sehr leicht, was auch zu den Regeln an sich passt. Dieses ist als A5 Heft gestaltet, der Text ist einspaltig und sehr gut lesbar. Das Heft ist in Vollfarbe und enthält einige sehr stimmige, atmosphärische Illustrationen, die das Setting gut transportieren. Der Kontrast ist ausreichend und die grundlegende Struktur sehr übersichtlich und gut gestaltet.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Village on Stilts
  • Autor*in(nen): Freddie Watkins & Andrew Marks
  • Illustrator*in(nen): Amber Oppel
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: Englisch
  • Format: Heft oder PDF
  • Seitenanzahl: 40
  • ISBN: –
  • Preis: 18 USD (Heft), 8 USD (PDF), 66 USD (komplettes Bundle)
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Neben den Regeln gibt es bei Village on Stilts verschiedene Zusatzmaterialien, um das Spielerlebnis zu fördern. Zum Beispiel gibt es die „Player Bookmarks“ im Tarot-Karten-Format, auf denen die Klassen abgebildet und zusammengefasst sind, und die eine nützliche Spielhilfe für die Spielenden sein können. Diese sind auch zum selbst Ausschneiden im Lesezeichenformat im Booklet enthalten. Für die Spielleitung gibt es dagegen ein Encounter-Deck, welches Ideen und Spielanstöße für Begegnungen geben kann.

Fazit

Eines der Lesezeichen mit Zauberbeschreibung.
Eines der Lesezeichen mit Zauberbeschreibung.

the_bookmarked ist ein sehr leichtes Regelwerk – sowohl was Hintergrund zur Welt als auch Regeln betrifft. Auf 40 Seiten stehen jedoch alle wichtigen Infos, die benötigt werden, wenn die Gruppe kreativ genug ist. Wer etwas mehr Vorgaben braucht, sollte von the_bookmarked eher Abstand nehmen.

Durch das sehr flexible Design eignet sich das System für verschieden lange Spielsessions und bietet auch genug Freiraum eine eigene Kampagne darin zu entwerfen. Vor allem die Freiheit könnte einigen besonders gut gefallen.

Hier und da wünscht man sich, dass etwas mehr Hintergrund-Information vorhanden ist, jedoch schaffen es die Autoren gute ihre Idee darzustellen und bieten damit genügend Grundlage, um zu spielen.

Mit umgerechnet 7,60 Euro für das PDF ist das absolut in Ordnung und man spürt, dass viel Liebe darin steckt, denn die Texte sind gut geschrieben und die Illustrationen passen hervorragend dazu. Wie es sich tatsächlich spielt, lässt sich rein vom Lesen natürlich nicht beurteilen, ein Spieltest bei Teilzeithelden ist derzeit jedoch nicht geplant.

 

  • Kreative Welterschaffung

  • Interessanter Spielansatz

  • Wunderschöne Illustrationen

 

  • Für manche vielleicht zu frei

  • Wenig Informationen zur Spielwelt

 

 

Artikelbilder: © Village on Stilts
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Giovanna Pirillo
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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