Strom erzählt die Geschichte Fioras, die in einer von Ausgrenzung geprägten Albtraumwelt lebt. Sie wird von Meister Konstantin ausgebildet, der eine unbekannte Macht in sich trägt. Als sie ihn darauf anspricht, droht ihr, alles zu verlieren, und Fiora muss ihre wahre Identität entdecken, um sich und die Welt zu retten.
In einer kleinen abgelegenen Wüstenstadt namens Bergquell lebt Fiora schon ihr Leben lang. Seit sie denken kann, erfährt sie Ausgrenzung von den Bewohnenden, da sie die Tochter einer Dunklen ist und ihre Haut einen dunkleren Farbton aufweist als der aller anderen Menschen. Ohne Mutter führt sie gemeinsam mit ihrer, in ihren Augen perfekt wirkenden, Halbschwester Mara und ihrem Vater ein einfaches Leben. Doch als Schicksalsschlag um Schicksalsschlag ihr erst ihren Vater und dann, durch das Erscheinen Fremder, die Mara entführen, auch ihre Halbschwester nehmen, hält sie nichts mehr in ihrer Heimatstadt. Auf der Suche nach Antworten, was dieser ominöse Strom ist, von dem Stadtobere, die ihre Schwester belauscht hatte, gesprochen hatten als auch in der vagen verzweifelten Hoffnung, ihre Halbschwester retten zu können, verlässt Fiora Bergquell. Doch die Welt ist größer als auch menschenfeindlicher, als sie je für möglich gehalten hätte.
Rassismus, Gewalt, Tod
Inhaltsverzeichnis
Story
Die Welt, die Robin Hill beschreibt, könnte die Erde in einigen Jahrhunderten bis Jahrtausenden sein. In einem Endzeit-Szenario, in dem die Menschen nach einer Vielzahl von Kriegen alle Errungenschaften der Neuzeit nicht nur verloren, sondern auch vergessen haben, leben sie nur noch in geringer Zahl verstreut auf einem lebensfeindlichen Planeten. Tagsüber brennt die Sonne erbarmungslos und tödlich auf die Welt nieder, sodass sich das Leben der Menschen in die Nacht verschoben hat. Wenig wissen die Bewohnenden der überschaubaren Wüstenstadt Bergquell über die Welt und ihre Geschichte. Sie hinterfragen weder dies, noch denken sie auch nur darüber nach, ihre Stadt jemals zu verlassen und eine Reise durch die unüberwindlich scheinende Wüste anzutreten. Auch Fiora, die seit jeher als Außenseiterin ob ihrer Hautfarbe gilt, verschiebt ihren Traum, die Stadt zu verlassen, immer wieder in die Zukunft. Doch letztlich hält nur ihre Schwester Mara sie noch an diesem Ort und als diese von Fremden entführt wird, ist für Fiora der Zeitpunkt gekommen, zu handeln.
Sie nimmt die gefährliche Reise durch die Wüste auf sich. Mit letzten Kräften erreicht sie einen Ort, an dem andere Menschen leben. Nicht alle Wesen, auf die sie trifft, sind ihr wohlgesonnen. Doch nach und nach überwindet sie die Herausforderungen, die sich ihr stellen und erfährt so immer mehr über die tatsächliche Welt. Als Erwachte, die den geheimnisvollen Strom erspüren kann, findet sie Gleichgesinnte. Bald schon spielt Strom die zentrale Rolle in ihrem Leben und sie erfährt, was die Menschheit alles verloren hat. In einem Wettlauf gegen schier übermenschliche Kräfte muss sich Fiora letztlich der alles entscheidenden Frage stellen: Was macht Menschlichkeit aus?
Packend beschreibt Robin Hill in Strom – Das dunkle Erwachen die Reise der jungen Fiora. Gekonnt baut er die Spannungskurve auf, sodass sich dieser phantastische Roman problemlos mit Thrillern bezüglich seiner Spannung und Anziehungskraft messen kann. Die Welt, die Hill sich hier erdenkt, wirkt gleichzeitig bekannt als auch neuartig und besitzt ihre ganz eigene Faszination. Der Aufbau des Romans Strom ist kaum losgelöst von seinem Spannungsbogen zu betrachten, da diese Hand in Hand gehen. Nach und nach entfalten sich sowohl der Protagonistin als auch Lesenden Informationen und Hintergründe der Welt. Auch über ihre Gegner*innen, die in Form Künstlicher Intelligenzen in menschenähnlichen Körpern auftreten, lernt Fiora mehr. Anders als in Dream Machine, das die Existenz und den Verkauf einer KI hinterfragt, weisen die Künstlichen Intelligenzen hier eigene verschiedenartige Persönlichkeiten auf.
Die Informationsschnipsel bauen aufeinander auf, begründen das Handeln der Protagonist*innen und führen letzten Endes zu einem logischen und trotzdem in Teilen unerwarteten Ende.
Das Ende wird im letzten Viertel des Romans etwas zu schnell durch Fiora und ihre Begleitenden erreicht. Der Weg wirkt fast zu leicht, sodass hier die Vielzahl an Emotionen nicht transportiert werden (können). Dies trübt das Leseerlebnis ein wenig.
Schreibstil
Der Schreibstil des Autors, der sich hinter dem Pseudonym Robin Hill verbirgt, weiß durch seinen schnelllebigen Stil zu überzeugen. Die Lesenden begleiten Fiora aus der Sicht eines*einer neutralen Erzähler*in und können so stets mit ihr mitfiebern. Besonders wird das Werk nicht nur durch seine philosophischen Denkanstöße, sondern auch durch die von ihm transportierten Emotionen. So erinnert die Verzweiflung, die die Protagonistin Fiora mitunter verspürt, sehr an die wundervoll transportierten düsteren Gedanken und Gefühle Katniss Everdeens aus Tribute von Panem.
Die Charakterisierung Fioras sowie ihrer Halbschwester sind nachvollziehbar, ihre Handlungen wirken menschlich. Insbesondere Fiora, aber auch Mara durchlaufen verschiedene Veränderungen, sodass sie sich intrinsisch als auch äußerlich verändern. Nebencharaktere und Begleiter*innen hingegen bleiben im Vergleich etwas blass. Dies ist auch dem schnellen Vorankommen der Geschichte und dem Schreibstil Hills geschuldet und tut dem Lesegenuss keinen Abbruch.
Der*die Autor*in
Dieses Buch wurde unter dem Pseudonym Robin Hill veröffentlicht. Dahinter steckt ein deutscher Thriller-Autor. Strom – Das dunkle Erwachen ist sein Debüt in der Phantastik. Die Faszination für das Potenzial der KI umtreibt den Autoren schon lange – jetzt hat er sie in Romanform verpackt.
Erscheinungsbild
Das Coverdesign des Buches stammt von der Hamburger Grafikerin Isabelle Hirtz, die sich auch für das Aussehen anderer bekannter Werke wie Black Bird Academy, erschienen April 2023, Emily Seymour und Schlüssel der Magie verantwortlich zeichnet. Es stellt die Protagonistin Fiora vor dem Hintergrund eines felsigen, wüstenartigen Landes sowie den Überresten einer Stadt dar. Die Farbgebung mit rötlichem Bildnis und blau leuchtender Schrift fällt sofort ins Auge. Das Erscheinungsbild kann nur als sehr gelungen bezeichnet werden. Die Darstellung der Protagonistin passt perfekt zur Geschichte. Das Cover ist auffällig und passend für das Genre.
- Verlag: Penhaligon Verlag
- Autor*in: Robin Hill
- Erscheinungsdatum: 20. März 2024
- Sprache: Deutsch
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 464
- ISBN: 978-3764532666
- Preis: 18,00 EUR (Print) + 9,99 EUR (E-Book)
Fazit
In Strom – Das dunkle Erwachen von Robin Hill wird die Geschichte der jungen Fiora erzählt, die in einer wüstenartigen Welt voller Ablehnung und Ausgrenzung lebt. Als sie auch noch ihren letzten Halt, ihre Halbschwester Mara durch eine Entführung zu verlieren droht, begibt sie sich auf eine gefährliche Reise durch die lebensfeindliche Wüste, die ihre Heimatstadt von allem restlichen Leben abgrenzt. Der Autor schafft es, eine fesselnde Endzeitwelt zu entwerfen, in der die Protagonistin nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch gegen ihre inneren Dämonen ankämpfen muss, während sie ihre wahre Identität entdeckt und die Bedeutung von Menschlichkeit hinterfragt. Trotz eines etwas hastigen Endes überzeugt der packende Schreibstil und die emotionale Tiefe der Geschichte.

- Gelungenes Cover
- Fesselnder Weltenbau
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Guter Spannungsbogen
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Überhastetes Ende
Artikelbilder: © Penhaligon
Layout und Satz: Konstantin Paessler
Lektorat: Sabrina Plote
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
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