Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Krieg der Städte ist der von Peter Jackson verfilmte Auftakt zu Philip Reeves Mortal Engines-Reihe, in der riesige Maschinenstädte um die letzten Ressourcen auf einer verwüsteten Erde kämpfen. Allerdings will das Abenteuer vor Steampunk-Kulisse nicht so richtig in die Gänge kommen.

Peter Jacksons groß angelegte Verfilmung katapultierte Philip Reeves Mortal Engines-Quadrologie 2018 in die Reihen der populärsten zeitgenössischen Steampunk-Literatur. Tatsächlich tummeln sich hier Luftschiffe, Piraten, Maschinenmenschen und wahnwitzige Helden, ganz wie das Genre es verlangt. Dennoch fiel der Hype etwas verhalten aus, was Anlass genug sein sollte, der Saga etwas auf die Zahnräder zu fühlen.

Handlung & Charaktere

Auf der postapokalyptischen Erde bedeutet in Bewegung bleiben überleben; es gilt das Recht des Stärkeren. Motorisierte Millionenstädte fegen über unfruchtbare Ebenen und jagen einander die knappen Ressourcen ab, und im von einer strengen Ständegesellschaft geprägten London zweifelt längst niemand mehr die neue Weltordnung an – bis der junge Historiker Tom Natsworthy ein Attentat auf sein großes Vorbild Thaddeus Valentine verhindert. Statt eines Dankes wird er gemeinsam mit der geheimnisvollen Täterin in einen Müllschacht geschubst und zurückgelassen. Um nach Hause zurückzufinden, muss er sich mit der rachedurstigen Hester Shaw verbünden und lüftet allerlei offensichtliche Geheimnisse. Derweil stellt Valentines Tochter Katherine in London eigene Ermittlungen an…

Die Welt von Mortal Engines hält auf den ersten Blick den Erwartungen stand. Tom und Hester führt es an die unterschiedlichsten Schauplätze, an denen sie auf markante Figuren treffen, doch so richtig will das alles nicht zünden. Das liegt vor allem daran, dass die Figuren trotz kreativer Kulisse klischeehaft und charakterlos bleiben. Tom muss als naiver Held wider Willen die Verehrung für sein Idol hinterfragen. Die einst durch Valentine entstellte Hester muss lernen, einer anderen Person zu vertrauen, während die ach so überirdisch schöne Katherine die Wahrheit über ihren Vater aufdeckt. All diese Aufgaben liegen von den ersten Seiten an ebenso klar wie platt vor den Lesern ausgebreitet und bergen in der Durchführung letztlich kaum Überraschungen. Ähnliches gilt für die Nebenfiguren, die zwar mitunter sehr charmant sind, aber sich doch allzu bekannt anfühlen.

Dennoch hält einen das seichte Steampunk-Setting über weite Strecken halbwegs bei Laune. Die wie Motoröl aus den Zeilen tröpfelnde Wachstumskritik ist dabei so plump, dass sie ihre kritische Wirkung vollkommen verfehlt. Sicherlich, die Menschen in London machen sich keine Gedanken darüber, was geschehen soll, wenn auch die letzten Ressourcen aufgebraucht sind, und gewiss, die auf Geschwindigkeit und Ausbeutung fixierte Klassengesellschaft hat gewisse Parallelen zum entgrenzten Turbokapitalismus, prangt doch über allem für diejenigen, die noch immer nicht begriffen haben, welche Seite die falsche ist, das im Roman geradezu inflationär gebrauchte Wort „Städtedarwinismus“. Aber so richtig möchte man den Figuren das Entsetzen über die Enthüllung des zuvor völlig unsichtbaren Ausbeutungssystems nicht abkaufen, wäre doch gerade das Mitwissen um untragbare Verhältnisse die relevante Frage unserer Zeit.

Schreibstil

Sprachlich ist der Roman konventionell bis unauffällig. Die Kapitel wechseln vor allem zwischen den Figuren Tom und Katherine hin und her, fangen deren Persönlichkeit jedoch kaum ein. Die klare Sprache und stringente Erzählweise komplementieren die einfache Handlung.

Allgemeines zum Buch

Philipp Reeve wurde 1966 in Brighton geboren und war als Buchhändler und Illustrator tätig. 2001 veröffentlichte er den ersten Mortal Engine-Roman. Neben der vierbändigen Reihe um Tom und Hester umfasst die Steampunk-Saga zusätzlich drei Prequels und einen Band mit Kurzgeschichten. In England werden die Bücher als Jugendliteratur gehandelt.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Fischer Tor
  • Autor: Philip Reeve
  • Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2018
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von Nadine Püschel und Gesine Schröder)
  • Format: Taschenbuch
  • Seitenanzahl: 336
  • ISBN: 978-3-5967-0212-1
  • Preis: 12,00 EUR
  • Bezugsquelle: Amazon (auch im englischen Original)

 

Fazit

Mortal Engines: Krieg der Städte bietet seichte Unterhaltung für Steampunk-Fans, aber dabei bleibt es dann auch. Die Weltgestaltung ist einigermaßen phantasievoll, doch die Figuren bleiben arg generisch und die gesellschaftskritischen Aspekte gehen ins Leere. Hätte Phantastikfreund Peter Jackson doch mal lieber seine Ankündigung wahrgemacht und statt dieser Dampfparade Naomi Noviks exzellente Feuerreiter-Saga verfilmt.

Artikelbild: © Fischer Tor, © tuja66, © DigitalArtB, © Krivosheevv | depositphoto.com, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein