Für alle Fans von Rätsel- und Krimispielen gibt es in Brettspielgeschäften mittlerweile oft eine extra Ecke. Neben Exit, UNLOCK! oder echoes findet sich dort jetzt auch Murdio Island, das – so wie einige seiner Geschwister – mit einer App zu spielen ist. Ob das interaktive Rätsel-Hörspiel mithalten kann, haben wir getestet.
Um Geld einzusparen, wurden in Murdio Island die Polizist*innen umgeschult und arbeiten jetzt bei der Müllabfuhr. Denn laut des Bürgermeisters gibt es viel Müll, aber wenig Verbrechen, um das sich nun wir, die Polizeischüler*innen, kümmern sollen. Zum Glück gibt es noch die ehemalige Polizeichefin Wally Watson, die uns inkognito den Rücken stärkt.
So viel zur Rahmengeschichte. Zentral für das Spielerlebnis von Murdio Island ist die dazugehörige App, in der durch klassisches Kombinieren nach und nach neue Abschnitte der Geschichte freigeschaltet werden. Dadurch werden interaktives Hörspiel und haptisches Brettspiel verbunden, in dem Rätsel gelöst, Codes geknackt und Entscheidungen gefällt werden wollen.
„keine typischen Trigger“
Spielablauf
Um die Geschichte von Murdio Island zu erleben, braucht es neben der App den Spielplan und ein paar Karten. Der Spielplan besteht aus einem Raster mit 64 Feldern, die alle mit Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen versehen sind. Zu Spielbeginn wird die erste Karte auf das vorgegebene Feld platziert, dann führt die App mit kleinen Hörspielsequenzen durch die Geschichte und gibt Hinweise für die nachfolgend zu platzierenden Karten. Dabei sorgen vor allem die vielen verschiedenen Sprecher*innen für die besondere Krimihörspiel-Atmosphäre.

Alle Karten sind durchnummeriert und werden um den Spielplan verteilt. Um das Hörspiel fortzusetzen, muss die passende Karte auf das richtige Feld gelegt werden. Die daraus entstehende Kombination wird in die App eingegeben: ist sie richtig, geht die Geschichte weiter. Wenn nicht, können weitere Kombinationen ausprobiert werden. Eine Konsequenz für eine falsche Eingabe gibt es nicht. Sollten die Polizeischüler*innen nicht weiterkommen, kann zur Unterstützung jederzeit Wally Watson über die App befragt werden. Die ehemalige Chefin der Polizei frischt an manchen Stellen allerdings eher die Regeln auf, als handfeste Tipps zu geben. Diese sind nicht unbedingt nötig, denn spätestens durch fleißiges Durchprobieren, wird die Geschichte fortgesetzt. Eine Herausforderung für erfahrene Rätselfreund*innen ist das wirklich nicht.
Ebenso wenig herausfordernd sind die Rätselkarten, die ab und zu im Spiel dazu kommen. Jedes der Rätsel ist sehr schnell lösbar und lässt alle, die schon einmal ein Rätselspiel gespielt haben, im besten Fall mit einem müden Lächeln, im schlimmsten Fall mit verdrehten Augen zurück. Für sehr junge oder unerfahrene Spieler*innen mit geringer Frustrationstoleranz ist die Grenze hier immerhin sehr niedrig. Denn die Lösungen, die in der App angegeben werden, können beliebig oft falsch ausgewählt werden. Sobald die richtige Antwort angegeben wird, geht die Geschichte weiter. Auch hier ohne Konsequenzen für falsche Entscheidungen.

Neben den Rätseln gibt es in der Geschichte Vom Erdboden verschluckt an manchen Stellen ebenfalls die Illusion der Entscheidung, etwa wie eine Antwort in einem Dialog ausfallen soll. Auch hier kann in der App aus mehreren Möglichkeiten beliebig gewählt werden, bis der vom Spiel vorgesehene Satz ausgesucht und damit die Geschichte weitergeführt wird. Am Ende der Story war das unerwartet anders: Hier gibt es minimal unterschiedliche Szenarien eines Endes. Den Wiederspielwert erhöht diese kleine Varianz allerdings nicht.
Wer dann noch Lust hat, mit dem übrig gebliebenen Karten den nächsten Fall Vor verschlossener Tür zu lösen, muss in der App dafür 8,99 Euro bezahlen. Diese Info findet sich zwar auf der Rückseite der Spielschachtel, allerdings im Kleingedruckten.
Ausstattung
In der Schachtel kommen neben der Anleitung auch ein Spielplan, ein paar kleine Ortskarten und Rätselkarten in einem Sortiereinsatz aus Pappe unter. Die Karten sind, genauso wie die Anleitung, recht dünn und unstabil, was für ein einmaliges Spielerlebnis ausreicht.
Die Bilder der Ortskarten sind im Spielverlauf auch in der App zu sehen. Dabei fällt auf, dass die haptische Version dunkler ausfällt, was an mancher Stelle den Rätselspaß schwächt.

Wenig Spaß an dem Spielplan haben auch alle, die es gern gerade und ordentlich auf dem Brettspieltisch haben. Der zweigeteilte Plan wird nicht zusammen gepuzzelt, sondern nur zusammengelegt und kann dadurch im Laufe des Spiels immer wieder verrutschen. Außerdem liegt er durch die mehrfache Faltung nicht flach auf dem Tisch auf. Dadurch entsteht beim Spiel für tollpatschige Menschen ein kleiner Nachteil und wir hätten uns hier eine elegantere Lösung gewünscht. Denn der Spielplan ist der Grund für die ungewöhnliche Größe der Schachtel, die im Brettspielregal ihren Platz finden will.
Neben der Ausstattung in der Schachtel liegt der größte Schwerpunkt des Spiels auf der App. Hörspiel-Fans werden hier auf ihre vollen Kosten kommen, denn die Sprecher*innen machen einen professionellen Job, der für eine charakteristische Stimmung am Brettspieltisch sorgt. Die Hörspielsequenzen lassen sich dabei auch manuell vor- und zurück spulen, perfekt, falls nur eine Stelle, aber nicht der ganze Text wiederholt werden soll.

Die harten Fakten:
- Verlag: Verlagsgruppe Oetinger
- Autor*in(nen): Kai Dorenkamp, Hans Pieper
- Illustrator*in(nen): keine Angabe
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: deutsch
- Spieldauer: 60-75 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 2 3 4 …
- Alter: ab 10 Jahren
- Preis: 20 EUR
- Bezugsquelle: im Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Auf der Verlagsseite gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf das Hörspielerlebnis.
Fazit
Wer Krimi-Hörspiele liebt, wird mit Murdio Island auf die vollen Kosten kommen. Die Qualität der Sprecher*innen verleiht dem Spiel seinen ganzen Charme.
Für alle, die gerne Rätselspiele spielen, wird das aber nicht ausreichen, denn sowohl Denkaufgaben als auch Entscheidungsfragen können in dem Spiel beliebig oft falsch gelöst werden. Dabei gibt es keine Konsequenzen und auch eine Bewertung am Ende des Spiels gibt es nicht, wodurch die Spielentscheidungen beliebig werden.
Murdio Island Vom Erdboden verschluckt ist also vielmehr ein interaktives Hörspiel als ein Rätselspiel und lies uns mit der Frage zurück, welche Zielgruppe damit angesprochen wird.
Das Spiel verliert, wie die meisten Rätselspiele, nach einmaliger Nutzung seinen Wiederspielreiz. Wer dann noch einen weiteren Fall mit dem restlichen Spielmaterial lösen möchte, muss einen In-App Kauf tätigen.
Alles in allem hat uns Murdio Island Vom Erdboden verschluckt mehr enttäuscht, als begeistert und bekommt deswegen nur eine von fünf Polizeimarken.

- hochwertige Hörspielqualität
- Schwache Rätsel
- Fraglich für welche Zielgruppe
- Fast versteckter In-App Kauf
Artikelbilder: © Verlagsgruppe Oetinger
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Nele Peetz
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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