Karvi versetzt die Spielenden in die Rolle eines Jarls auf der Nordsee. Gemeinsam, mit der eigenen Crew gilt es, großen Ruhm zu erlangen. Dazu reist man mit dem eigenen Schiff, der Karve, zu verschiedenen Ländereien und plündert diese oder betreibt Handel. Wer kann als ruhmreiche*r Wikinger*in in die Annalen eingehen?
Die Wellen rauschen, der Wind bläst kräftig, und das Abenteuer ruft: Karvi versetzt uns in die Zeit der Wikinger, wo wir als Jarls über die Nordsee segeln, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Mit eurem Schiff, der Karve, erkundet ihr fremde Küsten, plündert reiche Schätze oder treibt Handel, während eure Crew nach euren strategischen Anweisungen agiert. Dabei entscheiden der geschickte Einsatz von Ressourcen und klug platzierte Würfel über Sieg oder Niederlage. In diesem taktischen Eurogame ist nicht nur eure Planung gefragt, sondern auch euer Geschick im Umgang mit Mitspielenden, da Interaktion und Zugreihenfolge von zentraler Bedeutung sind.
Plünderungen
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Bevor die erste Partie begonnen werden kann, geht es zunächst ans Werkeln. Die Schiffchen müssen zusammengesteckt und das Insert gebastelt werden. Auf den einzelnen Schächtelchen ist das dazugehörige Material abgedruckt, somit ist das anschließende Einräumen vereinfacht. Das hebt sich sehr von anderen Spielen ab, die auf Tütchen zur Sortierung des Materials setzen.
Die Jarls haben jeweils eine eigene Karve als Tableau, welche namensgebend für das Spiel ist, vor sich ausliegen. In der Mitte des Tisches liegt zusätzlich der große Spielplan mit den einzelnen Orten aus.
Daneben ist das Dorftableau, welches die entscheidende Rolle für die Spielmechanik hat.
Karvi wird von ein bis vier Spielenden über drei beziehungsweise vier Runden gespielt. Wer zum Ende der letzten Runde die meisten Siegpunkte erreicht, hat die Partie für sich entschieden.
Zu Beginn des Spiels erhalten alle das persönliche Spielmaterial sowie eine variable Startkarte und die darauf abgebildeten Ressourcen. Anschließend werden die Würfel wie auf der Startkarte angegeben, auf dem Dorftableau platziert. Das besondere bei Karvi ist, dass die Würfel als Worker genutzt werden und die Zugreihenfolge bestimmen. Dabei werden sie immer auf einen bestimmten Wert gedreht, jedoch niemals gewürfelt.

Zum persönlichen Spielmaterial gehört auch eine kostenlose Schiffsverbesserung, welche durch entsprechende Voraussetzungen bei Spielende zusätzliche Siegpunkte bringen. Dies kennen wir aus anderen Spielen und wird meist als persönliche Zielkarte bezeichnet.
Das Dorftableau kann auf verschiedene Weisen zusammengesetzt werden, ebenso sind kleinere Spielvariationen in der Anleitung aufgeführt.
Mein Bier, dein Bier
Auf den Würfeln sind mit Bier gefüllte Hörner abgebildet. Je mehr Bier verfügbar ist, desto mehr Aktionen kann man ausführen. Die Aktionsleiste zeigt dabei an, welche Aktion zur Verfügung steht und wie viel Bier zum Ausführen bezahlt werden muss. Die Bierkosten müssen sofort beglichen werden.
Die meisten Aktionsfelder kosten mindestens ein Bier. Dazu wird der entsprechende Würfel auf das gewünschte Feld platziert und verliert Bierhörner, entsprechend der dargestellten Ziffer.
Beim Legen sind einige Regeln zu beachten: Die Platzierungskosten dürfen nicht auf mehrere Würfel verteilt werden, ebenso dürfen Würfel nur auf freie Felder gelegt werden. Ist kein Bier mehr auf dem Würfel, darf dieser nur noch auf Felder mit einer Null gelegt werden. Um die nächste Aktion ausführen zu können, darf der Würfel auf der Aktionstafel nur im Uhrzeigersinn vorwärts bewegt werden.

Der Clou dabei ist, dass die Position des Würfels die Zugreihenfolge bestimmt. Die Person, die den hintersten Würfel kontrolliert, ist als nächste an der Reihe. So kann es passieren, dass eine Person mehrmals hintereinander am Zug ist. Für den eigenen nächsten Zug muss man sich also genau überlegen, welche Aktion man ausführen kann und will und das Risiko einkalkulieren, dass durch die Platzierung der Mitspielenden die eigene gewünschte Aktion nicht mehr zur Verfügung steht. Das macht dieses Eurogame zu etwas Besonderem, da hier eine echte Interaktion stattfindet und nicht, wie sonst üblich, mehrere Spielende nebeneinanderher spielen.
Die Aktionen
Pro Zug können alle sowohl eine Würfel- als auch freie Aktionen durchführen.
Die freien Aktionen können jederzeit während des eigenen Zuges ausgeführt werden.
Dazu gehören: die eigene Karve bewegen, eine Ausrüstungskarte ausspielen oder abwerfen und Gold gegen einen anderen Rohstoff tauschen.
Um die Karve zu bewegen, ist Proviant notwendig, welcher durch aufgesteckte Ringe auf dem eigenen Schiff dargestellt ist. Für jede Bewegung muss ein Proviant ausgegeben werden. Gibt es keinen Proviant mehr auf der Karve, ist die Crew zu hungrig, um weiterzufahren. Durch das Anfahren der verschiedenen Stationen auf der Karte, können Handels- und Plünderplättchen aufgesammelt werden, um diese zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Würfelaktion auszuspielen.
Ebenso können bis zu drei Handelsposten und Türme gebaut werden. Diese schalten Felder auf dem eigenen Tableau frei und bringen zu Spielende weitere Siegpunkte.
Durch Würfelaktionen erhält man Ausrüstungskarten. Das Ausspielen dieser Karten bringt weitere Vorteile: Man kann Bier zum Aufladen des Würfels ausgeben (also Worker verfügbar machen), Kampfstärke für Plünderungen generieren oder Proviant erhalten.
Die Würfelaktionen sind das Kernstück des Spiels, da hier das taktische Vorgehen der einzelnen Spielenden geschieht. In diesem Artikel werden nur einige wichtige beispielhaft erwähnt.
Man kann Ressourcen in Form von Geld, Leder, Bier oder Proviant erhalten. Außerdem gibt es ein Feld, das die eigene Kampfkraft erhöht.
Die Kampfstärke wird dazu benötigt, um Plünderplättchen auf dem eigenen Schiff zu platzieren und am Spielende mehr Punkte zu erreichen.
Plündern bringt Vorteile im weiteren Spielverlauf, diese werden auf dem eigenen Tableau angezeigt.
Durch das Anfahren bestimmter Orte erhält man Handelsplättchen. Um diese auszuspielen, muss ebenfalls gewürfelt werden. Handelsplättchen bringen beim Ausspielen Handelskarten ein, die zu weiteren Boni führen.
Durch die Aktion Ausrüsten können sowohl Ausrüstungskarten genommen als auch die eigene Karve verbessert werden.
Zuletzt gibt es das Feld Ertrag sichern. Hier erhält man Ressourcen. Pro Handelsposten und Turm erhält man zusätzlich noch jeweils eine Ressource der Wahl, beziehungsweise eine Kampfstärke.

Je nach Platzierung der Würfel können verschiedene Aktionen durchgeführt werden. Zu Beginn der Partie befinden sich alle Würfel im Stopp-Bereich. In den ersten Zügen geht es zunächst darum, Ressourcen zu erhalten. Dabei bekommt man mehr Ressourcen, je weiter man in der Leiste vorrückt. Gleichzeitig überspringt man dadurch Aktionen. Außerdem muss für die hinteren Felder mehr Bier ausgegeben werden. Dabei muss man darauf achten, dass das Bier nicht zu schnell aufgebraucht wird, da sonst weniger Züge zur Verfügung stehen. Es muss daher immer eine Abwägung zwischen den zu bezahlenden Bierkosten, den verfügbaren Aktionen sowie den möglichen Aktionen der anderen Mitspielenden stattfinden.
Beispielsweise könnte man sich zu Beginn des Spiels eine Ausrüstungskarte für die Kosten eines Bieres nehmen, würde dann aber auf kostenlose Ressourcen verzichten. Entscheidet man sich wiederum für die Ressource, dann kann es sein, dass das Ausrüstungsfeld im nächsten Zug belegt ist.
Dieses Abwägen zieht sich durch die gesamte Partie. Je nach eigenem Ziel, kann eine etwas andere Taktik verfolgt werden. Insgesamt geht es im Kern allerdings darum, die meisten Ressourcen und Schiffsverbesserungen zu erhalten und die Würfel so zu platzieren, dass man selbst möglichst viele Aktionen zur Verfügung hat.
Es wurde versucht, das Spiel immersiv zu gestalten, indem die Karve nachgebaut wird und die Spielenden die verschiedenen Orte mit ebendieser anfahren. Allerdings ist das Hauptelement bei Karvi die Würfelmechanik beziehungsweise die Platzierung, so dass die Immersion nicht wirklich durchschlagen kann. Insbesondere die Platzierung wirkt in unseren Testrunden relativ beliebig und austauschbar.
Ausstattung
Auffallend ist, dass das gesamte Spielmaterial aus nachhaltigen Ressourcen wie Holz und Papier besteht. Selbst bei der Karve wurde auf Plastik-Minis verzichtet. Stattdessen besteht sie aus einzelnen Pappteilen, die zu Beginn der ersten Partie zusammengesteckt werden müssen. Hervorzuheben ist auch, dass verlagsseitig an ein Insert gedacht wurde. Dabei handelt es sich um kleine Schachteln, die zusammengesteckt werden. Dies unterstreicht den aktuellen Trend, auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen und Plastik einzusparen.
Gleichzeitig erscheint der Preis von 70 Euro für das Spiel und die Komponenten sehr hoch.
Die Illustrationen erinnern an Paleo, was nicht weiter verwunderlich ist, da die beiden Designer sowohl Paleo als auch Karvi illustriert haben.
Das Regelheft ist übersichtlich und gut strukturiert. Auf der letzten Seite gibt es eine Symbolübersicht. Insgesamt gibt es an der Ausstattung nichts zu bemängeln.
Die harten Fakten:
- Verlag: Hans im Glück / Devir
- Autor*in(nen): Torgeir Tjong
- Illustrator*in(nen): Ingram Schell, Franz Stämmele
- Erscheinungsjahr: 2023
- Sprache: deutsch
- Spieldauer: 120 – 180 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 2 3 4
- Alter: ab 12 Jahren
- Preis: 70 EUR (UVP)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Das Regelheft steht auf der Verlagsseite zur Verfügung.
Fazit
Karvi kombiniert strategische Würfelplatzierung, Ressourcenmanagement und Interaktion miteinander. Dabei übernehmen die Spielenden die Kontrolle über eine Karve, ein Schiff aus der Wikingerzeit, mit dem über drei bis vier Runden die meisten Siegpunkte gesammelt werden müssen.
Die Würfel dienen dabei als Worker, wobei ihre Platzierung sowohl die Aktionen als auch die Zugreihenfolge bestimmt. Aktionen wie Ressourcen sammeln, Ausrüstungskarten nutzen, Handels- und Plünderplättchen ausspielen oder das Schiff verbessern erfordern Bierpunkte. Diese müssen klug verwaltet werden, da zu schnelles Aufbrauchen die Anzahl möglicher Züge einschränkt.
Die Spielenden können Handelsposten und Türme bauen, um zusätzliche Vorteile und Siegpunkte zu erhalten. Plünderungen erhöhen die Kampfstärke, was sowohl kurzfristige als auch langfristige Vorteile bringt. Im Gegensatz zu anderen Eurogames ist die Interaktion hoch, da die Zugreihenfolge und Verfügbarkeit von Aktionen stark von der Platzierung der Mitspielenden beeinflusst werden.
Das Spielmaterial ist hochwertig gestaltet, was den Preis von 70 Euro (UVP) allerdings nicht rechtfertigt. Optisch erinnert das Spiel an Paleo, was durch die gleichen Designer begründet ist. Insgesamt kombiniert Karvi eine interessante Spielmechanik mit durchdachter Ausstattung, wobei der Fokus stärker auf Strategie als auf Immersion liegt.
Zusammenfassend betrachtet ist Karvi kein schlechtes Spiel, gleichzeitig kann es nicht auf ganzer Linie überzeugen. Für eine lockere Brettspielrunde unter Spielenden, die etwas komplexere Spiele mögen, ist es geeignet. Für Vielspielende, die verschiedenen Taktiken ausprobieren möchten und auf die Verzahnung von verschiedenen Mechaniken Wert legen, wird Karvi wenig Wiederspielbarkeit bieten. Gleichzeitig ist der Preis für die mögliche Zielgruppe ziemlich hoch.

- Schöner Würfel-Platzierungsmechanismus
- Trotz Eurogame: gute Interaktion zwischen den Spielenden
- Spielmaterial aus nachhaltigen Rohstoffen inklusive Insert
- Wiederspielbarkeit fraglich
- Immersion will sich nicht so richtig einstellen
- Preis
Artikelbilder: © Hans im Glück
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Saskia Harendt
Fotografien: Claudia Scarvaglieri
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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