Als Hexe hat Kosara Erfahrung mit den Monstern, die jedes Jahr zwölf Tage lang die Stadt Chernograd heimsuchen. Nur gegen den Zmey, den Zar der Monster, kann sie nicht bestehen und der jagt sie persönlich. Es bleibt ihr nur die Flucht in das sichere Belograd – für den Preis ihres Schattens.
Hexen sind im Trend, das gilt für den Buchmarkt, jedoch nicht so sehr für Chernograd und Belograd. Die beiden Städte trennt eine magische Mauer, deren Tentakel sofort jeden angreifen, der versucht, auf die andere Seite zu gelangen. Belograd ist eine saubere, ordentliche Stadt, zumindest an der Oberfläche, und von den jährlichen Monstereinfällen bleibt sie verschont. Das macht die Stadt zum Traumziel vieler Chernograder. Eigentlich fühlt sich Kosara in Chernograd wohl, auch mit den zwölf Tagen voller Monster könnte sie umgehen, wäre der Zmey nicht persönlich hinter ihr her.
Blut, Feuer, Gefangenschaft, missbräuchliche Beziehung, Tod einer nahestehenden Person, Verletzung, Untote
Handlung & Charaktere
Kosara ist eine Hexe, nach eigener Ansicht eher mittelmäßig, aber mit den Monstern, die jedes Jahr in den zwölf Tagen nach Neujahr Chernograd heimsuchen, kennt sie sich aus. Auch über den Zmey weiß sie einiges, immerhin ist sie ihm schon einmal entkommen. Doch als er in der Neujahrsnacht versucht, sie zu töten, nimmt sie panisch ein zweifelhaftes Reiseangebot nach Belograd an. Der Preis dafür ist ihr Schatten, die Quelle ihre magischen Macht.

In Belograd ist Kosara zwar vor dem Zmey sicher, doch sie entwickelt eine gefährliche Krankheit, bei der sie selbst nach und nach zum Schatten wird. Um ihr Leben zu retten, braucht sie ihren Schatten schnellstmöglich zurück! Dafür muss sie mit dem sehr regeltreuen Polizisten Asen Bacharow zusammenarbeiten und letztlich nach Chernograd zurück.
Nichts ist in dem düsteren Setting so freundlich, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. In Belograd lauern Grausamkeit, Verbrechen und Monstrosität lediglich unter der Fassade. Passend dazu ist auch keine der Figuren perfekt, angefangen bei Kosara selbst.
Schreibstil
Tage einer Hexe kommt in einem gut lesbaren, dialoglastigen Stil daher. Die Perspektive bleibt die ganze Zeit bei Kosara, die das Geschehen in Gedanken immer wieder kommentiert. Ihre Beziehung zu Asen bekommt im Verlauf der Handlung zwar eine romantische Note, aber für plötzliche Betteskapaden ist bei der Suche nach Kosaras Schatten und dem Kampf gegen den Zmey keine Zeit.
Das Worldbuilding mischt slawische Folklore mit Moderne und sticht dadurch heraus. Es gibt Eisenbahnen und Festnetztelefone, Magie und Monster.
Diese sind wie die Upire, blutsaugende wandelnde Leichen, oder die tierischen Varkolaks für ein westlich geprägtes Publikum vage vertraut. Vertraut und ein absolutes Highlight an Grausamkeit ist der Zmey. Zwar verfügt er über große Zauberkräfte und befehligt Horden grausamer Kreaturen, aber besonders monströs macht ihn sein sehr menschlicher Charakter. Teilweise erinnert er an einen manipulativen (Ex)Freund, der sich mittels Gaslighting deutlich jüngere Frauen gefügig macht und auf jede Ablehnung extrem reagiert.
Allgemeines zum Buch
Tage einer Hexe: Das Hexenkompendium der Monster ist das Debüt der bulgarisch-schottischen Autorin Genoveva Dimova. Ein zweiter Teil ist auf Englisch bereits erschienen, eine Übersetzung wurde jedoch Stand März 2025 noch nicht angekündigt.
Wer düstere Fantasy mit einem etwas ungewöhnlichen Setting lesen will, kann bei Tage einer Hexe bedenkenlos zugreifen.
- Verlag: Klett-Cotta
- Autorin: Genoveva Dimova
- Erscheinungsdatum: 10.2024
- Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Wandel, Wieland Freund)
- Format: Hardcover
- Seitenanzahl: 464
- ISBN: 978-3-608-96608-4
- Preis: 25 EUR (Print) + 19,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon (deutsch), Amazon (englisch)
Fazit
Tage einer Hexe verwandelt slawische Folklore in einen düsteren Fantasy-Roman. Die Hexe Kosara wird vom Zar der Monster gejagt und um ihm zu entkommen, bezahlt sie mit ihrem Schatten. Ohne ihren Hexenschatten verwandelt sie sich jedoch selbst in einen solchen. Um ihren Schatten zurückzubekommen, muss sie mit der Polizei zusammenarbeiten und sich den Monstern stellen.
Das Buch überzeugt mit dem etwas ungewöhnlichen Setting, den humorvollen Dialogen und grausamen Monstern. Leider endet es mit zahlreichen offenen Fäden und die Übersetzung des zweiten Teils ist noch nicht angekündigt.

- Ungewöhnliches Worldbuilding
- Gruselige Monster
- Humorvolle Dialoge
- Offene Fäden am Ende
Artikelbilder: © Klett-Cotta
Titelbild: depositphotos | © Rustic Witch
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Hendrik Pfeifer
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