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Vom 23. bis 26.10.2025 öffnet die SPIEL ESSEN wieder ihre Tore. In Vorfreude auf die weltweit bedeutendste Brettspielmesse lud Pegasus Spiele zu einem zweitägigen Presse-Event nach Friedberg ein, um die diesjährigen Messeneuheiten zu enthüllen. In diesem Jahr befinden sich starke Titel im Portfolio der erfolgreichen Friedberger, die wir euch gern vorstellen möchten.

Fertig ich habe

Früh startete der diesjährige Pressetag am 19.09.2025 bereits um 10 Uhr. Peter Berneiser und der Autor Marco Teubner eröffneten das Event mit einer Vorstellung der Fortsetzung zum Kartenspiel Ich habe fertig, das unter dem Namen Fertig ich habe in Essen das erste Mal dem breiten Publikum präsentiert wird. Mit Unterstützung des Autors selbst konnte, als kleines Warm-Up, das Spiel ausgiebig getestet werden.

Wie bei Ich habe fertig gibt es wenig Regeln. Man zieht Karten und spielt diese aus, bis jemand drei Karten mit den Worten Ich habe fertig vor sich ausliegen hat.

Karten aus dem Spiel „Fertig ich habe“.

Bis dahin folgt man strikt den Anweisungen auf den Karten. Wem es gelingt, seine Karten geschickt auszuspielen, gewinnt. In der Zwischenzeit gibt es viel zu lachen, denn wie die Anleitung verspricht, ist Fertig ich habe ein weiteres „blödes Kartenspiel“ (sic!) und das ist im positivsten Sinne gemeint. Lacher sind garantiert!

Compile

Der nächste Titel, der uns im Regal ins Auge fiel, war Compile. Von diesem Spiel für zwei Personen hatten wir schon einiges gesehen und nun die Chance, es zu testen. Compile hat eine wundervolle Optik, sowohl was die Verpackung als auch die Karten angeht. Spielerisch ist es ebenfalls sehr gut gelungen. Wir übernehmen die Rollen von zwei rivalisierenden KIs, die Programme kompilieren, also fertigstellen wollen. In drei Linien liegen für die Spielenden jeweils drei Programme aus, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen.

„Compile“: Ein tolles Spiel mit einer wundervollen Tischpräsenz.

Aus den Handkarten müssen geschickt Karten mit einem Gesamtwert von zehn an die eigenen Programme angelegt werden, dann sind sie fertig kompiliert. Aufgabe ist es dabei, ständig die Spielzüge und den Fortschritt der Mitspielenden zu sabotieren und als Erste*r drei Programme fertigzustellen. Durch die unterschiedlichen beigefügten Kartendecks bringt Compile viel Wiederspielwert in einer kleinen Schachtel, was uns sehr gefallen hat.

Skybridge

Wir kamen mit Jope Plate von Deep Print Games ins Gespräch, der uns kurzerhand das Spiel Skybridge erklärte. Skybridge ist ein sehr thematisches Spiel, da Illustrator und Autor Franz Vohwinkel rund um diese fantastische Spielwelt bereits einen Roman verfasst hat, der neben dem Spiel bald erscheinen wird.

Auf der Innenseite der Hohlwelt Threan leben die Völker auf deren steinernen Oberfläche. In der Sphäre schwebt, sozusagen über ihren Köpfen, ein wunderschöner grüner Planet, dem sie den Namen Beedledhan´s Auge gegeben haben. Beflügelt von der Idee, dort das Paradies zu finden, beschließen sie, einen riesigen Turm als Brücke zum Himmelskörper über ihnen zu bauen. Ein Unterfangen, für das viele Ressourcen benötigt werden. Daher ist effizientes Ressourcenmanagement angesagt. Die Bevölkerung wird außerdem zum Bau herangezogen und auf den Baustellen am Turm platziert. Aber wehe, der Unmut in der Bevölkerung steigt, denn dann treten die Rebellen auf den Plan und erschweren den Spielenden das Leben. Wem es gelingt, die prestigeträchtigsten Teile der Brücke zu bauen, geht auf ewig in die Annalen Threans ein.

Am Nachmittag sollten wir die Gelegenheit bekommen, das Spiel durch die beiden Autoren Michael Rieneck und Franz Vohwinkel aus erster Hand erklärt zu bekommen. Skybridge ist eine gelungene Mischung aus Open Drafting, Worker Placement, Ressourcenmanagement, Area Control und Engine Building. Ein Titel, den man nicht aus den Augen verlieren sollte!

Boss Fighters QR

Nach einem leckeren Mittagessen wurde das weitere Programm von Karsten Esser und Peter Berneiser angekündigt. In einer kurzen Ansprache betonte Esser, dass der Hype aus den Coronajahren, der rund um das Thema Brettspiele entstand, abgeflaut sei. Die Sorgen und Nöte der Menschen würden zunehmend dazu führen, dass Spielen als Luxus angesehen werde. Die Bereitschaft, große Beträge für einzelne Spiele auszugeben, sei nicht mehr so gegeben wie noch vor einigen Jahren. Dem wolle man Rechnung tragen. Nicht zuletzt die Zollpolitik der Vereinigten Staaten, wo kürzlich eine Tochtergesellschaft gegründet wurde, stellte den Markt vor ungeahnte Herausforderungen. Man bleibe jedoch, vor allem nach dem Erfolg beim diesjährigen Spiel des Jahres, optimistisch. Der nächste große Titel, Boss Fighters QR, stehe bereits in den Startlöchern.

Das Autoren-Team um Michael Palm, Lukas Zach und Sebastian Hein wurde auf die Bühne gebeten, um die Neuheit vorzustellen.

Das Spiel wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren entwickelt und sei eine der aufwendigsten Veröffentlichungen des Verlags. Man habe alle Anstrengungen darauf verwendet, diesen Titel zur Marktreife zu bringen und in einer großen Erstauflage zu produzieren. Dass Boss Fighters QR die große Veröffentlichung des Jahres ist, fiel schon früh anhand der großzügigen Plakatierung der neuen Lagerhalle auf, in der das Event dieses Jahr stattfand.

Im Anschluss gab man der versammelten Presse die Gelegenheit, das Spiel ausgiebig zu testen.

Michael Palm, Sebastian Hein, Lukas Zach und Peter Berneiser stellen „Boss Fighters QR“ vor.

Bei Boss Fighters QR handelt es sich, nomen est omen, um einen Boss Battler. Der kleine Zusatz QR weist bereits auf ein Kernelement des Spiels hin, denn für das Spiel wird ein Tablet oder Handy benötigt, um mittels QR-Codes die Rückseite der enthaltenen Spielkarten einzuscannen. In einer zum Spiel gehörenden App wird dann der epische Kampf zwischen Held*innen und Monstern ausgefochten.

Die Spielenden verkörpern Fantasy-Held*innen, die zum großen Kampf gegen ein Ungetüm antreten. Ihre Fähigkeiten und Ausrüstungen werden durch Karten dargestellt, die man während des Kampfes mittels App einscannt.

Der virtuelle Spieltisch.

Der Spielbeginn gestaltet sich bereits angenehm immersiv. Den Spielenden stehen vier unterschiedliche Charaktere zur Verfügung: ein Zwerg, ein Troll, eine Elfin und eine Halblingsfrau. Diese können wiederum mit vier verschiedenen Charakterklassen kombiniert werden. Alle spielen sich unterschiedlich, da die verschiedenen Eigenschaften und Ausrüstungen miteinander kombiniert werden können. Bei der Entwicklung des Spiels wurde ein besonderes Augenmerk auf den Wiederspielwert gelegt, betonte Lukas Zach in einem Gespräch.

Nachdem nun die Charaktere zusammengestellt wurden, nimmt man in der App virtuell am Spieltisch Platz.

Wenn alle Personen angemeldet sind, wird das Monster ausgewählt, gegen das die Spielenden antreten möchten. Die Ungetüme kommen in vier Schwierigkeitsstufen daher, wobei die schwerste Stufe eine echte Herausforderung darstellt. Die Pressevertretenden, die sich an eben diesem Schwierigkeitsgrad versuchten, hörte man natürlich spaßig gemeinte Flüche in Richtung der Autoren ausstoßen. Schön, wenn Spiele Emotionen wecken!

Grafisch erinnert Boss Fighters QR an ein äußerst langlebiges und zudem erfolgreiches Online-Rollenspiel. Die im Comicstil gehaltenen Illustrationen sind sehr stimmig gelungen und entlocken uns ein verzücktes „Wow“.

Die Elfin.

Zudem erinnerte uns das Verhalten der Monstren an eine sehr erfolgreiche Computerspielreihe. Denn ähnlich wie bei einem Souls-like Spiel, müssen die Spielenden Bewegungsabläufe und Eigenschaften der Bossgegner erkennen. Auch bei Boss Fighters QR legen die Monster Eigenheiten an den Tag, die von den Spielenden erkannt werden müssen. Dies erleichtert dann deutlich den Sieg.

Wenn eine Bestie besiegt wurde, gibt es natürlich satte Beute. Diese wird unter den Spielenden aufgeteilt. So entwickeln sich die Charaktere von Gegner zu Gegner weiter.

Besonders der deduktive Teil des Spiels und die Charakterentwicklung sind sehr gut gelungen und konnten uns rund um begeistern!

Die zur Wahl stehenden Gegner.

Wir finden, dass Boss Fighters QR ein rundum gelungenes Spiel ist, dass auch jünger Spielende ansprechen wird. Viele Spielende sind gegenüber Spielen mit App-Unterstützung skeptisch eingestellt. Hier übernimmt die technische Unterstützung jedoch sehr viele Verwaltungsaufgaben, die von den Spielenden kaum zu bewältigen wären. Insofern sorgt die App für mehr Varianz und Spielspaß für alle am Tisch Sitzenden. Und den hatten wir mit Boss Fighters QR in jedem Fall. Von uns gibt es jetzt schon einen dicken Daumen nach oben!

So verstrich der Freitag. Pegasus hatte am Samstag, dem Supportertag, ebenfalls eingeladen. Die Spieleerklärer*innen sollten so die Gelegenheit erhalten, den Pressevertreter*innen die diversen Neuheiten zu erklären.

Bohemians

Das wilde Leben der Bohemians Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist das ausgefallene Thema des Erstlingswerks des Autors Jasper de Lange.

„Bohemians“ – ein sehr schönes, teils düsteres, aber stimmungsvolles Spiel.

Der Hauptmechanismus kam uns sehr bekannt vor, ist er doch der gleiche wie bei After Us. Durch das geschickte Aneinanderreihen von Karten werden Kästchen an deren Rändern geschlossen und so Punkte erzielt, mit denen neue Spielkarten aus einer offenen Auslage erworben werden können. Es handelt sich also um einen Deckbuilder. Im Gegensatz zu After Us ist hier jedoch das Thema viel besser eingefangen, denn beim Zusammenlegen der Karten wird der Tagesablauf der Bohème abgebildet, die man verkörpert. Dieser ist voll von Müßiggang und Freigeist. Wer neben dem ganzen Müßiggang nicht seinen Broterwerb in den Tagesablauf einbaut, erhält ein Leiden, das negative Auswirkungen hat. Da man aber auf diese Weise mehr Punkte erzielen kann, muss man dies wohl oder übel ab einem bestimmten Moment in Kauf nehmen. Oder nicht? Was wäre eine anständige Bohème, die nicht am Hungertuch nagt oder die eine oder andere körperliche oder mentale Krankheit mit sich herumschleppt? Hier wird das Spiel sehr grafisch, was dem Thema angemessen ist.

Künstlerisches Genie und Wahnsinn liegen bekanntermaßen dicht beieinander. Nicht zuletzt spielen auch die großen Inspirationen, die Musen, eine entscheidende Rolle für die Künstler*innen. Uns ist sehr positiv aufgefallen, dass die Bohemians und die Musen sowohl männlich als auch weiblich dargestellt sind, was vorbildlich ist.

Uns hat der historische Blick auf das Thema und die grafische Gestaltung sehr gefallen, denn im Gegensatz zu After Us ist die thematische Umsetzung sehr gut gelungen.

Tricky Traders

Der Trend zu Spielen für zwei Spielende scheint ungebrochen zu sein. Und so erscheint in diesem Jahr neben Compile mit Tricky Traders ein weiterer Titel, der für zwei ausgelegt ist.

„Tricky Traders“ – ein sehr kniffliges Spiel.

Bei Tricky Traders versucht man auf einem mittelalterlichen Marktplatz, die Marktstände so zu manipulieren, dass am Ende die eigenen die profitabelsten sind. Dazu spielen beide Mitspielenden zeitgleich Karten aus, um die Bewegungen von einzelnen Figuren auf dem Markt zu beeinflussen. So lockt beispielsweise die Marktschreierin Kunden an, und der Rattenfänger entfernt das Ungeziefer von den Buden. Da die Karten verdeckt ausgespielt werden, heißt es, gut zu antizipieren, was das Gegenüber vorhat. Das kann mitunter sehr verzwickt sein, und oft kommt am Ende nicht das heraus, was man eigentlich geplant hat. Aber wenn es gelingt, ist es umso besser.

Das Spiel richtet sich eindeutig an Vielspielende und hat uns großen Spaß bereitet. Wer sich gern das Hirn zermartert, ist bei Tricky Traders gut aufgehoben.

Dorfromantik – leichtes Gepäck

Mit Dorfromantik – leichtes Gepäck erscheint eine eingedampfte Version des Spiels des Jahres. Dabei wurden die Grundideen beibehalten und um einige kleine Neuerungen, wie beispielsweise eine neue Zielkategorie, ergänzt. Dass die Schachtel mit einem magnetischen Scoreboard ausgestattet ist, finden wir eine clevere Lösung, um die Punkte der laufenden Kampagne festzuhalten. Mit dieser tollen Kompaktvariante steht einem verspielten Urlaub nichts im Wege.

Forestry, Thebai und Silverfrost

Da der Tag bekanntlich nur 24 Stunden hat, war es uns leider nicht vergönnt, alle Neuheiten anzuspielen. Drei von ihnen wollen wir euch trotzdem kurz vorstellen.

Forestry, das Spiel rund um ökologische Forstwirtschaft
„Forestry“, das Spiel rund um ökologische Forstwirtschaft.

Bei Forestry leitet man ein Unternehmen der Holzwirtschaft. Bäume müssen gefällt und neu angepflanzt sowie die Produktion von Möbeln und vielen anderen Gegenständen aus Holz vorangetrieben werden. Das Spiel bedient sich dabei hervorragend gestaltetem Material. Vor allem die gute Verzahnung der einzelnen Spielmechanismen ist uns positiv aufgefallen. Auch darauf, ökologisch möglichst schonend vorzugehen, muss geachtet werden, was ein toller Aspekt des Spiels ist. Nur wem es gelingt, einen Kompromiss aus Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu finden, gewinnt. Forestry ist ein schönes, schwergewichtiges Spiel, bei dem das Thema spielerisch hervorragend umgesetzt wurde.

Mit Thebai von David Truczi ist bei Pegasus in diesem Jahr ein weiterer Ableger der T-Reihe erschienen. Wie bei den Vorgängern hat auch Thebai einen historischen Hintergrund; es verschlägt uns dieses Mal ins alte Griechenland. Man schlüpft in die Rollen von Adelsfamilien, deren Aufgabe es ist, die Zitadelle von Theben, Cadmea, wieder aufzubauen, zu den Göttern zu beten und die Bürger zu beschützen.

„Thebai“ – dieses Mal geht es ins antike Griechenland.

Besonders positiv ist uns auch hier das hervorragend gestaltete Material aufgefallen, vor allem aber die extra an das Spiel angepassten Würfel. Diese Würfel werden im Laufe des Spiels auf dem Spielbrett platziert und während der Spielzüge manipuliert. Ein Mechanismus, den man leider viel zu selten sieht.

Während unseres Aufenthalts konnten wir eine Spielgruppe beobachten, die sich vier Stunden an einer Partie aufhielt. Das Spiel scheint also nicht nur was das Material, sondern auch den spielerischen Umfang angeht, ein echter Brecher zu sein.

Ein neuer Ableger von Everdell wurde ebenfalls präsentiert. Nach Farshore kommt nun Silverfrost aus der Everdell Edge of the Map-Reihe.

Dieses Mal hat es die süßen Tierchen, jenseits der verschneiten Spirecrest-Berge, in das sagenumwobene Land Silverfrost verschlagen. In diesen eisigen Gefilden muss wieder eine Stadt errichtet, Schnee geräumt und auf das leibliche Wohl der tierischen Bewohner geachtet werden. Wie in Spirecrest spielen auch hier große Lebewesen eine entscheidende Rolle, die mithilfe der Leuchtfeuer auf den Berggipfeln gerufen werden können.

„Silverfrost“ – Everdell im Schnee.

Wie immer ist das Spiel äußerst liebevoll und niedlich gestaltet; die Illustrationen von Lukas Siegmon sind fantastisch. Die Schneeschuhe für die kleinen Tierchen haben unser Herz zum Schmelzen gebracht.

Uns erwartet also wieder ein Worker-Placement-Spiel mit einer großen Portion Ressourcenmanagement. Everdell hat immer eine besondere Zielgruppe von Spielenden angesprochen, und so wird auch Silverfrost sicher viele begeistern können – vor allem, weil es spielerisch anspruchsvoller sein soll als seine Vorgänger. Wir dürfen gespannt sein.

Wie ihr den vorangegangenen Beschreibungen der diesjährigen Neuheiten entnehmen könnt, ist Pegasus Spiele in diesem Jahr mit starken Neuheiten am Start. Wir freuen uns auf jeden Fall darauf auf der SPIEL Essen 2025 nochmals die Spiele unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht trifft man sich an dem einen oder anderen Spieltisch!

Fotografien: Andreas Memmert
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Alexa Kasparek

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