Mit dem Erscheinen der neuen Ära der Ritter für das Tabletop System SAGA häufen sich die Turniere in der Szene mit diesem Thema. Auch Call to Arms hat das Thema aufgenommen und ein Turnier in Haltern am See ausgerichtet. Wie ist es, an einer historischen Stätte zu spielen?
Immer wenn eine neue Epoche für das Tabletop-System SAGA erscheint, sorgt dies für frischen Wind in der Turnierszene. Mit der Ära der Ritter hat die Community nun ein spannendes neues Kapitel erhalten, das sofort bei den gängigen Turnieren Einzug hielt. Besonders die ersten Wettbewerbe nach einer Veröffentlichung sind für die Spielenden von großer Bedeutung, sie bieten nicht nur Gelegenheit, die neuen Armeen und Regeln auszuprobieren, sondern regen auch intensive Diskussionen über Taktiken und Balance an. Die Ära der Ritter bildet hier keine Ausnahme und hat schnell für Begeisterung wie auch kontroverse Debatten gesorgt. Das Hochmittelalter als thematischer Rahmen eröffnet vielfältige Möglichkeiten, Armeen detailreich zu gestalten. Neue Ausrüstungsoptionen und Söldner*innen bringen zusätzliche taktische Tiefe ins Spiel. Gerade ambitionierte Spieler*innen nutzen diese Turniere, um Strategien zu testen und sich optimal auf eine mögliche Teilnahme an der Weltmeisterschaft
Krieg, Tod
Inhaltsverzeichnis
Tablepottlers – Call to Arms SAGA Turnier
Jetzt schon jährlich richten die Tablepottlers als kleiner Spieleclub ein historisches SAGA-Turnier aus. Als Name wurde Call to Arms schnell gefunden und seitdem stets benutzt. Ziel der Tablepottlers ist es, aktiv zu der Turnierszene in Deutschland beizutragen und die Nische historisches Tabletop für Interessierte und Anfänger*innen schmackhaft zu machen. Dabei steht der Spaß klar im Vordergrund, um einen schönen Hobbytag zu kreieren.
Historisches Tabletop schreckt einige Spielende ab, da hier mit historisch korrekten Modellen und Bemalung gerechnet wird. Dies trifft aber nicht ganz den Kern. Sicherlich möchte keiner auf einem historischen Schlachtfeld Dämonen oder Chaosbarbaren sehen, auch wenn die Vorstellung vielleicht amüsant sein könnte. Historisches Tabletop und insbesondere SAGA bieten Neulingen aber einen idealen Einstieg mit niedrigen Hürden. Eine SAGA-Armee ist recht schnell und günstig aufgestellt. Die kleinstmögliche Streitmacht kommt dabei gerade mal auf etwa 25 Miniaturen, wobei man diese noch kleiner hinbekommt, wenn der ein oder andere Held mit in die Streitmacht aufgenommen wird. Da es bei dem System auch keine Vorgabe eines bestimmten Herstellers gibt, können Modelle frei von verschiedenen Herstellern zusammengestellt werden.
Stets auf der Suche nach einem spannenden und gemütlichem Turnierort fanden die Tablepottlers einen Partner im LWL- Römermuseum in Haltern am See. Was passt besser zu historischem Tabletop als die Vereinigung einer historische Stätte mit einem Museum? Bereits im Vorjahr trugen Spielende beim SAGA Call to Arms 2024 eine spannende Schlacht in der Ära des Hannibal und in der Ära des Alexanders aus.
Der Ausrichtungsort: LWL-Römermuseum
Das LWL-Römermuseum in Haltern am See ist ein historischer Ort und das ist wörtlich zu nehmen – nicht nur wegen seiner spannenden Sammlung, sondern vor allem wegen seiner einzigartigen Lage. Das Museum steht direkt auf dem Gelände eines römischen Feldlagers, in direkter Nachbarschaft zum ehemaligen römischen Hauptlager Aliso.
Fast alle ausgestellten Funde des Museums stammen genau von hier, wo vor rund
2000 Jahren römische Legionäre stationiert waren. So erleben Besucher*innen die Geschichte dort, wo sie sich tatsächlich ereignet hat: eine absolute Besonderheit in der Museumslandschaft. Als Zentralmuseum für römische Geschichte in Westfalen gegründet, widmet sich das Haus bereits seit 1993 der Aufgabe, die römische Antike anschaulich und lebendig zu vermitteln. Dabei setzt das Museum seit jeher bewusst auf Interaktivität und Mitmachen. Getreu dem Motto Römer live erleben, soll Antike hier nicht hinter Glas verschlossen bleiben, sondern erfahrbar werden. Ob beim Ausprobieren antiker Vermessungstechniken oder beim Anlegen einer Legionärsausrüstung samt Marschgepäck oder dem virtuellen Eintauchen in die Antike via VR-Brille – im LWL-Römermuseum wird Geschichte zum Erlebnis.

Besonders für Familien und Schulklassen bietet sich so die Möglichkeit, die Antike ganz interaktiv zu entdecken. Ein Höhepunkt sind dabei die alle zwei Jahre stattfindenden Römertage, bei denen
sich das gesamte Museumsgelände in ein lebendiges Römerlager verwandelt. Legionäre marschieren in Formation, Handwerker*innen zeigen antike Techniken und selbst Gladiator*innen betreten die Arena. So wird ein Wochenende lang in Haltern die Antike wieder lebendig. Doch hier wird nicht nur geforscht und ausgestellt, sondern auch ausprobiert und rekonstruiert. Denn auch experimentelle Archäologie hat in Haltern mittlerweile Tradition. Direkt neben dem Museum liegt die Römerbaustelle Aliso, wo Teile der großen Holz-Erde-Mauer des Hauptlagers, das Westtor und ein Wachhaus am Originalstandort rekonstruiert wurden. Besucher können so die Dimensionen und den Aufbau des einstigen Hauptlagers mit eigenen Augen erfassen und einen Schritt in die
Vergangenheit wagen.
Das daneben wohl bekannteste Projekt ist das Römerschiff Victoria: ein originalgetreu nachgebautes römisches Patrouillenboot, das auch heute noch jährlich auf dem Halterner Stausee zu Wasser gelassen und von Besuchern der hauseigenen Reenactment-Gruppe Römer für Aliso gerudert wird. Diese Museumsrömer sorgen mit Auftritten im Museum und bei Mitmachangeboten dafür, dass der Alltag der römischen Legionäre im Museum lebendig wird.
Die Regeln des Turniers
Alle Spielenden des Turniers durften eine Armee aus den zwei zugelassenen Epochen wählen. Die Ergebnisse des Turniers und Spiele wurden anschließend auf der Webseite Tabletop Turniere hochgeladen und bekommen dort ein Ranking.
Die zwei ausgewählten Epochen sind
- Zeitalter der Kreuzfahrer
- Zeitalter der Ritter
Regeln für die Modelle
- Vollständig bemalte Modelle sind obligatorisch. Modelle müssen eindeutig an ihrer Ausrüstung erkennbar sein. Fantasie-Modelle, wie Chaos-Barbaren als Wikinger, sind nicht zulässig. Unbemalte, teilweise bemalte oder unangemessene Modelle können abgelehnt werden.
- Dies bedeutet nicht, dass Modelle historisch perfekt authentisch sein müssen, aber sie sollten thematisch passend sein.
- Alle Held*innen müssen für den*die Gegner*in eindeutig erkennbar sein. Unterschiedliche Basengrößen sind die einfachste Möglichkeit, dies zu erreichen.
- Ausrüstung und Einheiten-Upgrades müssen vermerkt sein und sind fest.
Spiel-Paarungen
Das erste Spiel wird zufällig ausgelost, aber unter dem Gesichtspunkt, dass niemanden gegen den eigenen Spielclub antreten muss. Ab dem zweiten Spiel ist es dann allein den Turnierpunkten geschuldet, auf wen man trifft.
Punktesystem
- Wer gewinnt, erhält 5 Turnierpunkte.
- Wer verliert, erhält 1 Turnierpunkt.
- Bei einem Unentschieden erhält jede Person 3 Turnierpunkte.
- Wer es schafft, den gegnerischen Oberbefehlshaber zu töten, erhält 1 zusätzlichen Turnierpunkt.
- Szenario-Punkte werden als sekundäre Wertung verwendet.
Szenarios des Turniers
Die Szenarios für das Turnier wurden aus einem Pool aus sechs Szenarios zufällig bestimmt. Doch wenn ein Szenario bestimmt wurde, fiel es anschließend aus dem Pool, um eine Dopplung zu vermeiden. Der Pool an sich besteht aus Szenarios aus dem Buch der Schlachten, dem Regelbuch und einem beliebten Szenario aus der polnischen Community.
Plündern und Brandschatzen
- Die Spielenden kämpfen um drei Missionszielmarker in der Mitte des Spielfelds, die jeweils Siegpunkte geben.
Herausforderungen
- Die Spielenden wählen aus einer Liste Herausforderungen, die sie erfüllen müssen. Erfüllte Herausforderungen geben Siegpunkte und nicht erfüllte geben Minuspunkte.
Hinterhalt
- Ein Tross aus drei Einheiten durchquert mittig das Spielfeld. Die Spielenden können diesen angreifen und plündern, um einen Missionszielmarker zu ergattern, der Siegpunkte gibt.
Geänderte Pläne
- In den ersten drei Spielrunden müssen beide Spieler*innen Vernichtungspunkte erzielen, dann nach dem fünften werden Überlebenspunkte gezählt. Und in der letzten Runde kann nochmal durch Eroberungspunkte gepunktet werden.
Kampf der Kriegsherren
- Hier dreht sich alles um den Kampf an sich und das Ausschalten gegnerischer Einheiten. Für den Kriegsherrn gibt es besonders viel Punkte.
Durchbrecht den Schildwall
- In diesem Szenario müssen die Spielenden drei eigene Missionszielmarker möglichst weit auf die gegnerische Spielfeldseite bringen und verhindern, dass feindliche Marker die eigene erreichen. Jeder eigene Marker, der im eigenen Gebiet verweilt, bringt Minuspunkte.
Verlauf des Turniers
Insgesamt wurden drei Spiele gespielt. Dies ist für ein Tagesturnier die gängige Wahl an Spielen, um ein ausgewogenes Ergebnis zu erzielen und eine*n Turniersieger*in zu küren. Das Turnier selbst verlief reibungslos. Nach spannenden Partien und einem gemeinsamen Mittagessen im Bistro des LWL-Römermuseums fanden sich alle Teilnehmenden gestärkt zur letzten Runde ein, in der schließlich ein Sieger gekürt wurde.
Im Vergleich zu den großen Namen der Tabletop-Welt wie Warhammer oder Star Wars: Legion sind historische Tabletops noch eher in kleineren Turnieren mit überschaubarer Teilnehmendenzahl vertreten. Doch die Szene wächst stetig. Immer mehr Spieler*innen interessieren sich für die Epoche, und auch die Zahl der organisierten Turniere nimmt kontinuierlich zu.
Eines der wichtigsten Ereignisse im Turnierkalender ist das Grand Melee in Deutschland, das größte Turnier neben einer möglichen Weltmeisterschaft. Hier trifft sich die SAGA-Community zu einem zweitägigen Wettbewerb, der nicht nur spannende Partien, sondern auch ein geselliges Beisammensein am Abend bei dem ein oder anderen Kaltgetränk bietet.
Besonders auffällig war in diesem Jahr der verstärkte Einsatz der Söldnereinheit Kanone. Viele Spielende haben diese Einheit in ihre Armeen integriert und damit die Gegner*innen effektiv unter Beschuss genommen. Dank der besonderen Regeln der Kanone gelang es zudem, gegnerischen Einheiten gezielt Ermüdung aufzuzwingen, ein taktisches Element, das in zahlreichen Partien den Ausschlag geben konnte.
Platzierungen der ersten drei
- Dirk Enno mit dem Ordensstaat.
- Mirco mit den Deutschen.
- Jan mit den Condottieri.
Fazit
Ein historisches Tabletopspiel in einem Museum auszutragen, ist zweifellos ein besonderes Erlebnis und verleiht einem Turnier eine einzigartige Atmosphäre. Umgeben von Geschichte, die buchstäblich zum Anfassen ist, können die Teilnehmenden ihrer Leidenschaft nachgehen und gleichzeitig die Nähe zu den Originalschauplätzen spüren. Für Geschichtsinteressierte wie Tabletop-Fans ist dies ein echtes Highlight, das Hobby und Kultur auf ideale Weise verbindet.
Gerade für Anfänger*innen in der Turnierszene bieten solche Veranstaltungen eine hervorragende Gelegenheit, in die Welt des historischen Tabletop hineinzuschnuppern. Die SAGA-Community ist bekannt für ihre offene und freundliche Atmosphäre und heißt neue Spieler*innen stets willkommen.
Zugleich wird deutlich, dass das historische Tabletop in Deutschland noch Luft nach oben hat, wenn es um Turnierzahlen und Teilnehmendenstärke geht. Dennoch engagiert sich die Community sehr, das SAGA-System bekannter zu machen. Sie zeigt immer wieder, dass historisches Tabletop keineswegs kompliziert sein muss, sondern mit einem leichten Einstieg, spannenden Regeln und viel Spielfreude überzeugt. Turniere wie dieses im LWL-Römermuseum sind daher ein wichtiger Beitrag, um neue Fans zu gewinnen und die Szene weiter wachsen zu lassen.
Artikelbilder: Christian Kallweit
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Christian Kallweit


















