Wir tauchen ab! Faszinierende Unterwasserwelten im handlichen Format erwarten uns in Kelp, einem kompetitiven Tiefsee-Duell. Als Katzenhai oder Oktopus erleben zwei Spielende ein im wahrsten Sinne des Wortes tiefgründiges Katz-und-Maus-Spiel, bei dem es um nicht weniger als Leben und Tod geht. Spielerisch erwarten uns Deck- und Bag-Building-Mechanismen.
Kelp ist ein ungewöhnliches Spiel, und das in vielerlei Hinsicht. Obwohl Brettspiele mit ökologischen Themen bereits seit einigen Jahren ein wachsender Trend zu sein scheinen, wie beispielsweise Catan Energien oder Biome, begeben wir uns bisher selten in die Tiefsee. Das tun wir in diesem Duellspiel, wahlweise als Katzenhai oder als Oktopus. Die beiden Spielenden übernehmen die Rolle eines Tieres und treten gegeneinander an. Der Katzenhai jagt den Oktopus und versucht, ihn zu fressen, während der Oktopus seine Intelligenz nutzen soll, um sich im Tangwald zu verstecken und dem Katzenhai so lange auszuweichen, bis er verhungert. Dabei spielen beide Spielenden zwar gegeneinander, treten aber mit völlig unterschiedlichen Spielmechaniken an. Die Person, die den Hai spielt, zieht vor allem mithilfe von Bag-Building über den Spielplan, während sich der Oktopus mithilfe von Deck-Building und Mechaniken, die an ein Hütchenspiel erinnern, bewegt.
keine typischen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Vorbereitung
Die beiden Spielenden wählen zu Beginn einer Partie ihre Rolle. Zur Auswahl stehen die bereits erwähnten Tiefseetiere Katzenhai oder Oktopus, und sie bereiten ihr Spielmaterial entsprechend vor. Die Person, die den Katzenhai spielt, bekommt einen Würfelsack und bestückt ihn mit einer festgelegten Anzahl an verschiedenfarbigen Würfeln und legt ihre Evolutionskarten und Wachstumsplättchen bereit. Das Spielmaterial des Oktopusses besteht aus einem Beutel für Spielsteine und einem Kartendeck mit vier Arten von Karten.
Auf dem Spielfeld finden sich verschiedene Ablageflächen für die Ressourcen der Spielenden, in der Mitte befindet sich ein Kreis, der in neun Zonen unterteilt ist und den Tangwald darstellt, in dem sich Hai und Oktopus bewegen. Der Oktopus zieht zu Beginn zufällig Steine aus seinem Beutel und platziert je einen verdeckt in jede Zone. Der Hai darf dabei nicht sehen, welche Symbole sich auf den Steinen befinden. Dann beginnt die Person, die den Oktopus spielt, mit ihrem ersten Zug.

Das Spiel als Oktopus
Das Spiel als Oktopus zeichnet sich vor allem durch langfristige Entscheidungen und den Aufbau des eigenen Decks aus. Die zentralen Spielelemente des Oktopusses sind die Karten seines Decks und die Spielsteine auf dem Spielfeld. Auf den Spielsteinen befinden sich verschiedene Symbole, unter anderem Muscheln und ein Oktopus. Der Oktopus-Stein zeigt die aktuelle Position des Oktopusses an, während andere Steine als Kosten zum Ausspielen von Karten oder für Spezialeffekte genutzt werden. Dazu wird die notwendige Anzahl an Spielsteinen hingelegt und somit aufgedeckt, anschließend können die Effekte der gewählten Karte ausgeführt werden.

Die Karten des Oktopusses sind vier verschiedenen Kategorien zugeordnet: Bewegen, Verstecken, Lernen und Fressen. Mit Bewegungskarten können in der Regel Steine vertauscht werden, sowohl offenliegende als auch versteckte. So bewegt sich der Oktopus über das Spielfeld. Mit Versteckkarten können Spielsteine wieder aufgestellt werden, sodass die Vorderseite für den Hai nicht mehr sichtbar ist. Mit Fresskarten kann der Oktopus Nahrung fressen und so seine Fähigkeiten dauerhaft verbessern, beispielsweise das Handkartenlimit erhöhen. Mithilfe von Lernkarten können Spielsteine und das eigene Deck verbessert werden.
In einem Zug darf der Oktopus zwei Aktionen ausführen. Er kann eine Karte ausspielen, Karten nachziehen und eine Karte abwerfen, um einen Spielstein wieder aufzustellen und sich so zu verstecken.
Die Hauptaufgabe des Oktopusses ist es, mithilfe seiner Karten die Spielsteine so zu manipulieren, dass der Hai den Oktopus nicht findet, und eventuell sogar in eine Falle schwimmt, die ebenfalls auf den Steinen abgebildet ist. Wenn der Oktopus es schaffen sollte, vier Futtertiere durch Lernkarten ins Spiel zu bringen und zu fressen, gewinnt er das Spiel. Außerdem gewinnt er, wenn der Hai zu lange für die Suche gebraucht hat und verhungert.
Das Spiel als Hai
Als Hai stehen eher kurzfristige Entscheidungen im Vordergrund. Das Spiel des Hais läuft in mehreren Phasen ab. Zu Beginn seines Zuges zieht er zwei (später mehr) Würfel aus dem Würfelbeutel und würfelt sie. Diese setzt er, je nach gezogener Würfelfarbe, in den späteren Phasen ein. Blaue Würfel dienen der Fortbewegung, mit gelben Würfeln können Zonen durchsucht werden, mithilfe roter Würfel können Angriffe auf den Oktopus gestartet werden. Je nach gezogenen Würfeln kann der Hai anschließend diese verschiedenen Aktionen ausführen. Er bewegt sich dabei nicht direkt auf den Zonen, sondern auf den Strömungslinien dazwischen. Das bedeutet, dass der Hai immer mehrere Zonen erreichen kann.
Die Bewegungen des Hais erfolgen über Strömungsfelder. Grundsätzlich muss er sich in jedem Zug bewegen, er darf nicht stehen bleiben. Er darf nicht rückwärts schwimmen oder Kehrtwenden machen. Nutzt er mehrere Strömungen in einer Kette, müssen die Würfelwerte dabei absteigend sein.
Nach der Bewegung darf der Hai Aufspüren und Angreifen. Für das Aufspüren werden gelbe Würfel verwendet. So kann der Hai die Spielsteine des Oktopusses in den angrenzenden Zonen aufdecken.
Ein erfolgreicher Angriff allein reicht nicht – es folgt stets eine Konfrontation mit speziellen Karten. Nur wenn der Hai die richtige Karte im Vergleich zum Oktopus wählt, frisst er den Oktopus und gewinnt das Spiel.
Hat der Hai alle Würfel eingesetzt, oder kann er sie nicht mehr sinnvoll einsetzen, werden einige der Würfel auf unterschiedliche Weise gespeichert. Ein Teil der Würfel kann auf die bereits erwähnten Wachstumsplättchen gelegt werden. Sind diese gefüllt, wird das Plättchen umgedreht und der Hai erlangt neue Fähigkeiten, die für den Rest des Spiels gültig sind.
Ein weiterer Teil kann in den Energiespeicher gelegt werden. Hiervon können Evolutionskarten gekauft werden, die ebenfalls neue Fähigkeiten und neue Würfel ins Spiel bringen. Außerdem müssen Würfel auf die Hungerleiste gelegt werden, mindestens einer pro Zug. Ist die Leiste voll, verhungert der Hai und der Oktopus gewinnt das Spiel.
Konfrontation

Gelingt es dem Hai, einen Angriff auf den Oktopus durchzuführen, bedeutet das nicht automatisch das Ende des Oktopusses. Beim ersten Angriff nehmen beide ihre drei Konfrontationskarten auf die Hand und wählen eine aus. So wählen Hai und Oktopus eine Jagd- beziehungsweise Verteidigungsstrategie. Diese werden durch Farben auf den Karten dargestellt. Beide Spielenden legen eine Karte verdeckt vor sich ab und decken sie gleichzeitig auf. Hat der Hai die gleiche Farbe wie die Karte des Oktopusses gewählt, gewinnt der Hai die Konfrontation und frisst den Oktopus. Sind die Farben unterschiedlich, kann der Oktopus entkommen. Dann werden die beiden gewählten Karten abgeworfen, sodass für die nächste Konfrontation nur noch zwei Karten zur Verfügung stehen. Diese läuft genauso ab. Sollte es zu einer dritten Konfrontation kommen, gewinnt der Hai diese automatisch.
Ausstattung
Kelp ist ein farbenfrohes Spiel. Satte Töne sorgen für einen bunten Spieltisch, ohne anstrengend zu sein. Das Material erscheint hochwertig, insbesondere die Spielsteine des Oktopusses sind ein echter Hingucker. Diese sind aus Acryl und erinnern an Mahjong-Steine. Die Karten und Würfel erscheinen robust und qualitativ hochwertig. Trotz vieler Kleinteile erscheint die Materialausstattung nicht überladen, sondern angemessen.
- Verlag: Wonderbow
- Autor*in(nen): Carl Robinson
- Illustrator*in(nen): Weberson Santiago
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 30 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 2
- Alter: 12+
- Preis: Ab 39 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon
Bonus/Downloadcontent
Die Anleitung gibt es zum Download vom Verlag aktuell nur in englischer Sprache hier zu finden. Es gibt bisher zwei Mini-Erweiterungen, die die Möglichkeiten von Hai und Oktopus durch neue Mechanismen erweitern. Diese waren vor allem als Stretch-Goals bei Kickstarter erhältlich, die Verfügbarkeit im Handel ist aktuell eingeschränkt.
Fazit
Kelp ist ein Spiel zum Abtauchen, und das im positiven Sinne. Die Thematik ist angenehm ungewöhnlich, die Mechaniken von Hai und Oktopus wirken durchdacht und schienen in den Testpartien gut aufeinander abgestimmt zu sein. Die Interaktionsmöglichkeiten sind vielfältig und unterschiedliche strategische Möglichkeiten, insbesondere als Oktopus, sorgen für einen hohen Wiederspielwert, ohne überfordernd zu sein. Gerade Neulinge können sich zunächst auf eine Spielfigur fokussieren und in mehreren Partien lernen, welche Strategien besonders erfolgversprechend sind. Dabei können sich Hai und Oktopus gegenseitig auf die Nerven gehen und auch gern geplante Züge zunichte machen.
Die Spielrunden sind zeitlich begrenzt, sodass ein angenehmer Fluss entsteht und die Runden nicht zu lang dauern. Die bisher erschienenen Erweiterungen bieten mehr taktische Möglichkeiten für beide Seiten.
Nach den ersten Eindrücken erscheinen uns die Möglichkeiten des Oktopusses etwas vielfältiger, sodass er sein Spiel deutlicher ausgestalten und somit den Spielverlauf stärker beeinflussen kann.

- Kurzweiliges Duell
- Erfrischendes Setting
- Abwechslungsreiche Spielprinzipien
- Höhere Gestaltungsmöglichkeiten des Oktopusses
Artikelbilder: © Wonderbow
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Sabrina Plote
Fotografien: Maximilian Lentes
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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