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Siedeln wird grün. Im neuesten Ableger der Catan-Reihe geht es um Umweltverschmutzung und Nachhaltigkeit. Das grundlegende Spielprinzip bleibt gleich, doch dieses Mal müssen sich die Siedelnden zwischen ökologischer und fossiler Energiegewinnung entscheiden. Je nach strategischer Ausrichtung wird die eigene Strategie belohnt oder bestraft.

Catan – Energien ist ein weiterer Ableger aus dem mittlerweile nahezu unendlichen Catan-Universum. In einem eigenständigen Spiel werden hier die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz behandelt, passend zu den aktuellen Brettspiel-Trends wie im Kennerspiel des Jahres e-Mission oder anderen Neuheiten aus dem Jahr 2024, die wir in Kurzform bereits hier vorgestellt haben.

Das neue Catan – Energien setzt dabei auf das altbekannte Spielprinzip und erweitert es um neue Möglichkeiten und zusätzliche Ereignisse.

Triggerwarnungen

keine typischen Trigger

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Spielablauf

Das Spielfeld ist größtenteils altbekannt. Im Inneren besteht es aus unterschiedlichen Feldern, die diverse Landschaften abbilden und von denen die passenden Rohstoffe gewonnen werden können. Diese Landfelder können zufällig oder nach Anleitung aufgebaut werden. Auf jedes Landfeld wird ein Marker mit einer Zahl gelegt. Wird diese Zahl im Spielverlauf gewürfelt, erhalten alle Spielenden, die an diesem Feld Dörfer oder Forschungsstädte besitzen, Rohstoffe.

Außerdem gibt es einen äußeren Ring, auf dem die Handelskurse für Rohstoffe abgebildet sind. Neu ist, dass es diverse Felder gibt, auf denen Ereignismarker abgelegt werden, die während des Spiels gezogen werden. Ist eine dieser Reihen voll, tritt das jeweilige Ereignis ein. Dieses kann positive und negative Effekte nach sich ziehen und betrifft entweder einen Teil der Spielenden oder alle.

Aufbau für vier Spielende.
Aufbau für vier Spielende.

Neben den altbekannten Rohstoffen (Holz, Ziegel, Naturfasern, Nahrung und Metall) gibt es noch zwei weitere Rohstoffarten. Forschungskarten werden durch die Forschungsstädte erwirtschaftet, Energie wird durch Kraftwerke erzeugt. Gewonnen hat die Person, die zuerst zehn Siegpunkte durch den Bau von Dörfern, Forschungsstädten oder durch Entwicklungskarten gesammelt hat.

Es kann allerdings bei Catan – Energien passieren, dass eine Partie vorher endet, wenn keine Ereignis-Chips mehr gezogen werden können. In diesem Fall gewinnt die Person mit der besten Umweltbilanz, die durch den Bau von Dörfern, Forschungsstädten und Kraftwerken beeinflusst wird. Mehr dazu unten.

Ist das Feld aufgebaut, suchen sich die Spielenden eine Farbe aus und platzieren nacheinander jeweils ein Dorf, eine Forschungsstadt und zwei Wege zwischen den Landfeldern. Der Umweltinspektor wird auf das Wüstenfeld gestellt. Alle Spielenden erhalten Rohstoffe den Feldern entsprechend, an denen sie ein Dorf oder eine Forschungsstadt besitzen, außerdem eine Forschungskarte, eine neue Ressource.

Zusätzlich erhalten alle ein Tableau, auf dem die nicht gebauten Gebäude und Wege gelagert werden können. Dort sind auch die Rohstoffkosten für alle Bau- und Forschungsaktionen abgebildet. Neu sind die oben bereits erwähnten Kraftwerke, von denen alle Spielenden zu Spielbeginn sechs braune und neun grüne besitzen. Diese können mithilfe der Forschungskarten gebaut werden, wobei braune Kraftwerke nur eine, grüne drei Forschungskarten kosten.

Das persönliche Tableau zeigt Rohstoffkosten und Umweltbilanz an.
Das persönliche Tableau zeigt Rohstoffkosten und Umweltbilanz an.

Auf dem Tableau wird außerdem die bereits erwähnte Umweltbilanz der Spielenden nachgehalten. Der Bau von Dörfern, Forschungsstädten und braunen Kraftwerken verschlechtert diese, der Bau von grünen Kraftwerken verbessert die persönliche Bilanz. Diese ist immer wieder relevant für besondere Ereignisse und damit verbundene Boni und Mali.

Außerdem kann sie bei vorzeitigem Ende der Partie über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Ein Spielzug beginnt damit, dass die spielende Person einen Ereignis-Chip verdeckt aus dem mitgelieferten Jute-Beutel zieht. Zu Beginn einer Partie befinden sich darin nur braune Ereignis-Chips, die in der Regel negative Auswirkungen haben. Später kommen grüne hinzu, die sich positiv auswirken können. Der gezogene Chip wird am Rand auf dem passenden Feld abgelegt. Es gibt insgesamt acht unterschiedliche Arten von Chips, davon fünf braune und drei grüne.

Ein Ereignis tritt immer dann ein, wenn alle Randfelder einer Chip-Art belegt sind. Häufig betreffen diese alle Spielenden, wobei die Auswirkungen je nach Art des Ereignisses und abhängig von der persönlichen Umweltbilanz negativ oder positiv sein können.

Durch die Ereignisse können Umweltverschmutzungen auftreten. Diese werden durch entsprechende Marker dargestellt und sorgen dafür, dass Dörfer, Forschungsstädte oder Landkarten keine Rohstoffe mehr liefern können, bis die Verschmutzung beseitigt wurde. Dies kann durch den Einsatz von Energie oder Entwicklungskarten beschleunigt werden. Alternativ kann auch gewartet werden, bis der von der Verschmutzung betroffene Ort Rohstoffe liefern würde, das heißt die entsprechende Zahl gewürfelt wurde. Dann gibt es in diesem Zug zwar keine Rohstoffe, aber die Verschmutzung wird entfernt.

Wurde der Ereignis-Chip gezogen, geht der Zug Catan-typisch mit einem Würfelwurf weiter. Die Spielenden erhalten Rohstoffe von allen Feldern, deren Zahl gewürfelt wurde und an denen sie ein Dorf oder eine Forschungsstadt gebaut haben. Für jede Forschungsstadt, die an das gewürfelte Feld angrenzt, erhalten sie außerdem eine Forschungskarte, die für den Bau von Kraftwerken oder den Kauf von Entwicklungskarten benötigt wird.

Wird eine Sieben gewürfelt, wird der Umweltinspektor auf ein beliebiges Feld gesetzt. Gleichzeitig müssen alle Spielenden, die mehr als sieben Rohstoffkarten auf der Hand haben, die Hälfte ihrer Karten ablegen. Genau wie beim Räuber aus anderen Catan-Versionen darf die Person am Zug zusätzlich eine Rohstoffkarte von der Hand aller Spielenden ziehen, die an das Feld des Umweltinspektors angrenzende Dörfer oder Forschungsstädte besitzen.

Nachdem die Würfelergebnisse abgehandelt sind, beginnt die Bauphase. Die Person am Zug kann mithilfe der erwirtschafteten Rohstoffe Dörfer, Wege, Forschungsstädte, Entwicklungskarten und Kraftwerke bauen.

Grüne und braune Kraftwerke erzeugen Energie.
Grüne und braune Kraftwerke erzeugen Energie.

Beim Bau gelten die üblichen Abstandsregeln: Dörfer oder Forschungsstädte dürfen nur dann gebaut werden, wenn die angrenzenden drei Kreuzungen nicht von anderen Dörfern oder Forschungsstädten besetzt sind. Wege müssen an einem Dorf oder einer Forschungsstadt beginnen. Kraftwerke werden direkt an Dörfern oder Forschungsstädten gebaut, so dass sie eindeutig auf einem Landfeld stehen.

An jedes Dorf darf ein, an Forschungsstädte dürfen bis zu drei Kraftwerke angebaut werden. Statt Rohstoffen erhalten die Spielenden von diesen Feldern Energie, die sie für den Bau eines Lagerhauses oder für Rohstoffe ihrer Wahl ausgeben können. Ein Lagerhaus sorgt dafür, dass die Spielenden bis zu zehn Rohstoffkarten halten dürfen, ohne dass diese durch den Umweltinspektor abgelegt werden müssen.

Die meisten Bauvorhaben haben Einfluss auf die persönliche Umweltbilanz. Werden grüne Kraftwerke gebaut, verbessert sich diese, gleichzeitig wird dem Beutel ein grüner Ereignis-Chip hinzugefügt. So können die Spielenden das Spiel verlängern und für das Eintreten positiver Ereignisse sorgen.

Die globale Verschmutzungsleiste zeigt die gemeinschaftliche Umweltbilanz.
Die globale Verschmutzungsleiste zeigt die gemeinschaftliche Umweltbilanz.

Je schlechter die allgemeine Umweltbilanz aller Spielenden wird, desto mehr Ereignis-Chips müssen pro Zug gezogen werden. Dies wird über die globale Verschmutzungsleiste am Spielfeldrand nachgehalten.

Der Rest des Spiels ist Catan-typisch. Es gibt Häfen am Spielfeldrand, die einen günstigeren Ressourcentausch ermöglichen, Entwicklungskarten können Siegpunkte geben oder besondere Ereignisse auslösen, es gibt Sonderpunkte für den längsten Weg, die meisten Entwicklungskarten einer Art und so weiter. Wer Catan kennt, wird sich hier schnell zurechtfinden.

 

Ausstattung

Auch bei der Ausstattung bietet Catan – Energien wenig Überraschungen. Das Spielfeld besteht aus angenehm festen und stabilen Pappteilen, Gebäude und Wege sind aus Holz und machen einen stabilen Eindruck. Die Rohstoffkarten können in den beiliegenden Inlays aufbewahrt werden. Die Artworks sind minimalistisch, aber dennoch gut zu erkennen und eindeutig. Thematisch passend ist, dass Spielmaterial und Verpackung weitestgehend plastikfrei daherkommen, das meiste Zubehör ist aus Pappe oder Holz gefertigt.

Ein paar weitere Trenner oder Inlays hätten der Box allerdings gutgetan, denn das Material ist sehr lose in der Box, da nur ein Mitteltrenner vorhanden ist. Beim Zusammenpacken hatten die Testrunden außerdem Schwierigkeiten, das Material sinnvoll in der Box unterzubringen. Es gibt zwar Platzierungsvorschläge, diese sind allerdings nicht realisierbar, da einige Teile zu groß sind.

 

Catan Box harte FaktenDie harten Fakten:

  • Verlag: KOSMOS
  • Autor*in(nen): Klaus Teuber, Benjamin Teuber
  • Illustrator*in(nen): Ian O‘Toole
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 90 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 3 bis 4 (empfohlen mit 4)
  • Alter: 12+
  • Preis: Ab 59,99 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Die Anleitung ist hier online zu finden, weitere Zusätze gibt es (aktuell) nicht. Catan – Energien ist auch in der Catan-App zu finden. Darüber kann optional eine geführte Regelerklärung abgespielt werden, die Schritt für Schritt in das Spiel einführt.

 

Fazit

Wer auch nur ein Spiel aus der Catan-Familie gespielt hat, wird sich bei Catan – Energien schnell zurechtfinden. Aber auch Neulinge finden in der Regel nach wenigen Runden gut ins Spiel. Die Anleitung ist klar und eindeutig, das Spielprinzip wenig komplex und geradlinig. Die bekannten Catan-Mechanismen sind durch neue Baumöglichkeiten und Rohstoffe passend ergänzt, ohne zu überladen zu wirken.

Gleichzeitig sind die Neuerungen überschaubar. Letztendlich geht es um die neuen Ereignisse und die persönliche Umweltbilanz. Diese ermöglichen neue Strategien und machen das Sparen auf teurere Bauwerke (insbesondere grüne Kraftwerke) etwas lohnenswerter.

Catan – Energien folgt dem Trend der Spiele mit Umweltthematik und tut niemandem weh.

 

  • Thematisch passende Ergänzungen zum altbekannten Spielprinzip

  • Aktuelle Thematik

 

  • Wenig Neues

  • Für Vielspielende eher anspruchsarm

 

Artikelbilder: © KOSMOS
Layout und Satz: Norbert Schlüter
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: Maximilian Lentes
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