In einem dunklen Dickicht haben die Tiere des Waldes das Dorf Everdell gebaut. Wer dem Fluss Pearlbrook, der sich durch das Dörfchen schlängelt folgt, gelangt an die Gestade von Farshore. Dort haben die Tierchen eine Küstenstadt gegründet und fahren auf die hohe See hinaus!
Das Spiel Everdell war der Hit des Jahres 2018 und hat unter anderem dafür gesorgt, dass anthropomorphe Tiere in Spielesettings zu einem wahren Trend geworden sind, der bis heute anhält. Nach fünf Erweiterungen und einer Big-Box-Edition ist ein weiterer eigenständiger Titel erschienen: Farshore.
Wie im ursprünglichen Spiel bauen wir ein Dorf auf, nur dass es sich dieses Mal nicht im Tiefen Wald, sondern an der Küste eines Meeres befindet. Nun fragt man sich, was Farshore anders macht als Everdell. Diese Frage möchten wir euch mit dem folgenden Artikel beantworten.
keine üblichen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Spielablauf
Eines vorweg genommen: Farshore erfindet das Rad nicht neu.
Es ist, wie Everdell, ein Worker-Placement-Spiel und Engine Builder bei dem statt im Wald eine Siedlung am Meer aufgebaut wird.

Wie das Spiel in seinen Grundzügen funktioniert, haben wir euch im unserem Artikel zum Grundspiel dargelegt. Es kommen jedoch einige neue Spielelemente hinzu und so hat man sich dazu entschieden, im Regelwerk genau darauf hinzuweisen und für diejenigen, die Everdell schon kennen, die Neuerungen hervorzuheben. Dies trägt zu einem wesentlich schnelleren Spieleinstieg bei.
Die erste Innovation gibt es bereits beim Aufbau des Spieles. Zu Beginn legen wir Karten in die Lagune, welche der Lichtung bei Everdell entspricht. Werden zwei identische Karten in die Auslage gelegt, müssen diese übereinandergelegt werden. Dann wird weiter ausgelegt, bis acht unterschiedliche Karten ausliegen. So kommen mehr Karten zu Beginn und auch während des Spiels in die Lagune.
Zum anderen fällt die Kramerleiste, eine Punkteleiste, die rund um das Spielfeld verläuft, auf. Sie ist eine der größten Neuerungen. Durch Aktionen können kleine Boote auf der Leiste voran bewegt werden, wodurch am Ende Siegpunkte erzielt werden. Zudem sind auf einigen Feldern Schätze erhältlich. Diese können in beliebige Ressourcen umgetauscht werden oder dienen am Ende des Spieles als Siegpunkte.

Auch die Schatzkarten sind neu und geben dem Spiel einen Set-Collection-Mechanismus. Wenn man die Bedingungen der Schatzkarten durch gleiche Symbole auf ausgespielten Bauwerken und Dorfbewohnern erfüllt, kann man sich diese durch das Einsetzen eines der Tierchen auf das entsprechende Feld sichern. Die Schatzkarten gewähren am Ende des Spieles Siegpunkte.
Neu sind auch die sogenannten Windrichtungen. In jeder Jahreszeit liegen zwei Plättchen aus. Wenn es gelingt, eine passende Karte auszuspielen, darf das eigene Boot um ein Feld auf der Leiste vorgezogen werden. Am Ende jeder Jahreszeit werden diese Windrichtungsplättchen abgelegt und neue aufgedeckt.
Die sogenannten Zielkarten werden, im Gegensatz zu Everdell, nur im eigenen Dorf genutzt, indem die Tierchen auf diese gestellt werden, um Aktionen auszuführen.
Mit den Inseln kommen variable Einsetzfelder auf das Spielfeld. Diese sorgen dafür, dass sich der Wiederspielwert erhöht.
Mit den neuen Spielelementen gibt es viele taktische Möglichkeiten, die zu den bestehenden Grundmechanismen hinzukommen. Es gibt verschiedenste Strategien, um Punkte zu erzielen. Mal konzentriert man sich auf Set Collection oder versucht über die Boote auf der Leiste weiterzuziehen, um Punkte zu erzielen. Wer am Ende den besten Punktesalat zusammengestellt hat, gewinnt.

Zu Beginn haben wir uns gefragt, wie wir mit so wenig Aktionsmöglichkeiten Punkte erzielen können. Mit zunehmendem Spielverlauf bekommt man mehr Möglichkeiten und kann Kombinationen und Synergien nutzen, um so Aktionsketten zu erzeugen. Leider ist das Spiel durch die vielen Möglichkeiten auch für Analyse-Paralyse anfällig. So kann es vorkommen, dass man den anderen Mitspielenden dabei zusieht, wie ihre Köpfe rauchen. In guter Eurogame-Manier spielt es sich jedoch sehr solitär und so bleibt in der Regel genug Zeit zwischen den eigenen Zügen um zu planen.

Wer ein kompaktes, gut abgestimmtes Spielerlebnis sucht, ist bei Farshore gut aufgehoben. Es bietet auf jeden Fall mehr Inhalte als Everdell, welches mit all seinen Erweiterungen natürlich ein umfassenderes Spiel bietet. Nachteil dabei ist aber, dass sich die Erweiterungen nicht in jeder Kombination gleich gut spielen und das Spiel mit jedem zusätzlichen Spielinhalt komplexer wird. Wer einfach eine schnelle Partie Everdell spielen möchte, ist daher bei Farshore bestens aufgehoben.
Ausstattung

Die Ausstattung von Farshore kann man, ohne zu übertreiben, als fulminant bezeichnen. Die Qualität der Ressourcenmarker ist großartig. Die kleinen Boote mit den Segeln, in denen zudem noch unsere Tierchen sitzen, sind nicht nur Hingucker, denn dieser Niedlichkeitsfaktor macht viel vom Charme des Spieles aus und trägt maßgeblich zum Spielspaß bei. Einziger Kritikpunkt, was das Material angeht, ist der Leuchtturm. Wo der Evertree noch im Spiel eingebunden war, dient der Leuchtturm, etwas enttäuschend, nur als Abstellfläche für unsere Spielfiguren.
Die Illustrationen sind absolut gelungen. Das Regelwerk ist hervorragend. Es ist so aufgebaut, dass all jene, die Everdell bereits kennen, den Großteil der Regelerklärung überspringen und sich so ausschließlich auf die neuen Spielelemente konzentrieren können. Der Solomodus ist zudem sehr umfangreich beschrieben. Mit zwei oder drei Spielenden kann man den Automa des Solomodus nutzen, der dann als weitere Person fungiert. Dies alles ist, bei einem hohen Preis von circa 80 Euro, der für Farshore aufgerufen wird, mehr als angemessen.
- Verlag: Pegasus Spiele
- Autor*in(nen): James A. Wilson, Clarissa A. Wilson
- Illustrator*in(nen): Jacqui Davis
- Erscheinungsjahr: 2024
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 40 – 80 Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 1 2 3 4
- Alter: ab 10 Jahren
- Preis: ab 80 EUR
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Das Regelwerk kann hier auf der offiziellen Seite von Pegasus heruntergeladen werden.
Fazit
Everdell ist eine Erfolgsgeschichte und eines der bekanntesten Spiele, dessen Ableger Farshore absolut gelungen ist.
Die Neuerungen, wie die Punkteleiste, auf der wir mit Booten voranziehen, um so Punkte zu erzielen oder die Schatzkarten, für die wir Symbole in unserer gebauten Stadt sammeln und vieles mehr bieten ein rundes Spielerlebnis, das besonders für alle diejenigen von Interesse sein dürfte, die Everdell noch nicht besitzen.
Aber auch all jene, die Everdell schon ihr Eigen nennen, sollten ein Blick auf Farshore werfen. Das Spiel bietet mehr als das Grundspiel von Everdell, welches jedoch durch seine Erweiterungen variabler ist. Leider sind aber nicht alle Erweiterungen in Kombination gleich gut spielbar und die Komplexität steigt mit jedem zusätzlichen Spielinhalt. Farshore hingegen kann man einfach auspacken und loslegen. Für eine schnelle Partie Everdell zwischendurch, ist es dadurch die bessere Wahl.
Man sollte sich außerdem nicht daran stören, dass das Spiel auf Grund der vielen taktischen Möglichkeiten etwas Downtime mit sich bringt. Da es sich als typisches Eurogame sehr solitär spielt, bleibt jedoch zwischen den Zügen in der Regel genug Zeit, um darüber nachzudenken, was man als nächstes plant.
Größter Kritikpunkt ist der Preis, denn Farshore ist recht teuer. Das Material ist jedoch, wie gewohnt, einsame Spitze. Die Ressourcenmarker sind in einer herausragenden Qualität und die Illustrationen von Jacqui Davis sind wie gewohnt knuffig. Ob dies alles den Preis rechtfertigt, muss am Ende selbst entschieden werden.
Wer noch nicht im Besitz von Everdell plus Erweiterungen ist, oder einfach schnell zwischendurch spielen möchte, ist bei Farshore bestens ausgehoben, denn es ist ein großartiges Spiel!
Wir vergeben fünf von fünf Seebären.

- Für Everdell-Einsteiger geeignet
- Hervorragendes Material
- Gute, neue Spielelemente
- Hoher Preis
Artikelbilder: © Pegasus Spiele
Layout und Satz: Andreas Hübner
Lektorat: Maximilian Düngen
Fotografien: Andreas Memmert
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
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