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Die SPIEL Essen 2025 brach (erneut) Rekorde, wuchs um eine neue Halle und bot mehr Programm als je zuvor. Zwischen großen Premieren, Dauerkarten-Ärgernissen und kleinen Entdeckungen war die Messe wieder das Branchenevent des Jahres. Das Teilzeithelden-Team war vor Ort – und berichtet von seinen Eindrücken und Highlights.

Die SPIEL Essen 2025 bot in diesem Jahr einmal mehr Anlass zur Begeisterung und das nicht nur für eingefleischte Spielende. Vom 23. bis 26. Oktober lockte sie mit einem erweiterten Messegelände, einer neuen Bühne für Events und einem (erfolgreichen) Weltrekordversuch für Catan zahlreiche Besucher*innen nach Essen. Rund 220.000 Menschen nutzten die vier Tage, um Neuheiten anzuspielen, Autor*innen zu treffen oder einfach gemeinsam zu spielen.

Besonders spannend war der Bühnenbereich, der dem klassischen Messeangebot eine zusätzliche Dimension verlieh und Gespräche, Live-Shows und Interaktionen in den Fokus rückte. Gleichzeitig bewies die Messe mit ihrer Zahl an Besuchenden und dem Ausstellungsumfang, wie stark analoges Spielen auch im digitalen Zeitalter nach wie vor in unserer Gesellschaft verankert ist.

Teilzeithelden war mit einigen Redakteur*innen vor Ort. Wir nehmen euch nun mit, um die Messe aus unserer Perspektive zu erleben: Mit persönlichen Eindrücken, kleinen (Überraschungs-) Entdeckungen und dem Blick auf ausgewählte Highlights, die uns besonders in Erinnerung geblieben sind.

Triggerwarnungen

keine typischen Trigger

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Alexa Kasparek (Lektorat)

Dieses Jahr hatte die SPIEL im Vorfeld ein kleines Geschmäckle, denn es wurden die Vier-Tage-Dauertickets abgeschafft, während man gleichzeitig mit „wir haben die Preise kaum angezogen“ warb. Für Dauerbesucher*innen war das ein Schlag ins Gesicht, denn für uns ist der Besuch auf einen Schlag deutlich teurer geworden, was mit einem schwammigen „wenige Leute nutzen das Ticket wirklich für alle vier Tage“ abgetan wurde.

Natürlich hat sich der Besuch aber dennoch wie immer gelohnt. Es gab viel zu entdecken und auszuprobieren: Die Spannweite reicht von Klassikern der letzten Jahre, die man schon immer mal anspielen wollte, bis hin zu Prototypen, die in den nächsten Wochen erst auf Kickstarter (oder ähnlichen Plattformen) starten. Auffällig waren in diesem Jahr die wirklich viel vertretenen größeren Demo-Versionen. Früher gab es mal den einen Stand, der das neuste Spiel in 2,5-facher Größe aufgebaut hat; in diesem Jahr gab es tatsächlich viele Stände, die einen Tisch mit einer im Schnitt 80 % größeren Version präsentierten. Manchmal war man schon fast enttäuscht, dass das eigentliche Spiel im Vergleich dann ziemlich winzig erschien.

Große Spielversionen © Norbert Schlüter

Ein paar Mal wurde ich gefragt, wie ich das durchhalte: volle vier Tage SPIEL Essen. Tatsächlich wäre mir ein einziger Tag zu stressig, da ich auf der Messe selten mehr als ein oder zwei feste Ziele habe, sondern stattdessen einfach gerne bummeln gehe und mich vor Ort inspirieren beziehungsweise begeistern lasse – und das braucht Zeit. Demnach waren meine drei Highlights auch allesamt Zufallsfunde:

Popcorn © Iello

Popcorn

Ein kleines, süß gestaltetes Spiel von Iello, in welchem wir ein Kino leiten und natürlich die besten Filme zeigen und die meisten Zuschauenden anwerben wollen. Das Spiel war das letzte, das wir am Sonntag eine Stunde vor Feierabend getestet haben, und leider war es da schon vergriffen. Aber so ist das SPIEL-Glück halt manchmal.

Bantam West (2. Ed.)

Mein persönlicher Preis für den schönsten Stand der SPIEL geht dieses Jahr an Bantam West. Der Stand lag etwas versteckt in einer Ecke von Halle 4 und war so schön von oben bis unten thematisch mit einer Saloon-Bar, Holzmöbeln und einem kleinen Kamin ausgestattet, dass ich einfach nicht vorbeilaufen konnte. Der Spieltest wurde dadurch trotz Messetrubel zu einer kleinen Zeitreise.

Bantam West © Norbert Schlüter

Duell um Cardia

Noch ein Zufallsfund, an dem ich vermutlich vielleicht vorbeigelaufen wäre, hätten vor Ort nicht viele Leute nur Gutes über das kleine, schnelle Kartenduell von Hans im Glück erzählt. Das Spiel ist schnell gelernt, schnell gespielt und auch für den schmalen (oder sehr messegeplagten) Geldbeutel zu haben, und ist deswegen in den Loot-Beutel gewandert.

Andreas Memmert (Brettspiel)

Irgendwie ist es auf der Messe immer so, als würde die Zeit nur so dahinrasen, obgleich oder vielleicht weil man so viele neue Eindrücke mitnimmt. Die vielen großartigen Gespräche mit Menschen, die ich teilweise vorher noch nie getroffen habe, sind immer wieder eine Wohltat und ein absolutes Highlight meines persönlichen Spielejahres. Spiele kommen und gehen, aber die Menschen und die Eindrücke bleiben. Aber natürlich gab es auch spielerische Highlights.

Galactic Cruise

Eines ist Galactic Cruise. Das Spiel wurde bereits mit viel Lob überschüttet und was soll man sagen; das Spiel hat es mehr als verdient. Allein die Idee, dass man eine Weltraum-Urlaubs-Agentur leitet, ist schon an sich ein tolles Setting.

Der PD-Verlag bot Einführungsrunden in den spielerischen Brecher an und meine Frau und ich gesellten uns am Messe-Sonntag an den Spieltisch. Nach einer hervorragenden und sehr stimmigen Erklärung haben wir recht gut ins Spiel gefunden. Die Mechanismen sind so fein säuberlich ineinander verzahnt, dass es eine Freude ist neue Aktionskombinationen auszuprobieren. Es ist außerdem thematisch so perfekt umgesetzt, dass alle Spielentscheidungen nachvollziehbar sind. Sind beispielsweise alle Arbeiter unterwegs und man möchte ihnen aber neue Aufgaben geben? Dann sollte man ein Meeting einberufen, damit sie zurückkommen. Das macht es einfacher ein so komplexes Spiel zu verstehen, weil alles logisch aufgebaut ist. Dadurch ist Galactic Cruise zwar ein komplexer, aber kein komplizierter Titel. Für mich ist es einer der Top-Titel des laufenden Spielejahres.

Speakeasy © Andreas Memmert

Speak Easy

Außerdem konnte ich kurz einen Blick auf Speak Easy vom Großmeister Vital Lacerda werfen, dass demnächst bei Skellig Games erscheinen wird. Hier übernimmt man die Rolle von Mafiabossen zur Zeit der Prohibition in den 1920-Jahren der USA. Allein das verspielte Material und das Setting haben mich sofort in den Bann gezogen, da der historische Hintergrund äußerst spannend ist. Es lohnt sich sicherlich den neuen Lacerda nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Horrified: Dungeons & Dragons

Ein weiteres Spiel, dass auf der Messe herausstach, ist Horrified: Dungeons & Dragons von Ravensburger. Als ich auf einer der Karte Drizzt D´ourden las, welcher eine meiner liebsten Romanfiguren ist, war ich eigentlich schon drin. Auf dem, im ersten Moment unübersichtlichen, Spielbrett findet man viele bekannte Orte der Stadt Tiefwasser in der das Spiel angesiedelt ist. Vom Turm des legendären Magiers Khelben Schwarzstab bis hin zum Klaffenden Portal, das in das gigantische Verlies im Unterberg führt, ist alles vertreten.

Das Spiel ist kooperativer Natur, die Aufgabe der Spielenden ist es, die Stadt und ihre Bewohner*innen vor Monstern zu beschützen. Eines von Ihnen ist beispielsweise ein schrecklicher Betrachter. Das klingt nach großem Abenteuer und wer, so wie ich die Vergessenen Königreiche liebt, ist hier bestens aufgehoben.

Auch in diesem Jahr gilt für mich das Motto: Nach der Messe ist vor der Messe! Die Unterkunft fürs nächste Jahr ist jedenfalls schon gebucht. Vielleicht sieht man sich!

Horrified © Andreas Memmert

Geoffrey Förste (Tabletop)

Es war wieder großartig zu sehen, wie viele Hersteller*innen aus dem Bereich Tabletop auf der SPIEL Essen zu finden waren. Zu meinen persönlichen Highlights zählen eindeutig die neuen Safe & Sound Bases, die mit Lava-, Marmor- und besonders den Ultramarine-Designs optisch sofort ins Auge fallen. Die Kombination aus farbigem Druck und 3D-Relief wirkt hochwertig und dürfte vielen Hobbybastler*innen neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen.

Ebenfalls vielversprechend zeigte sich das neue Assassin’s Creed-Brettspiel von Mantic Games. Besonders die Mechanismen, mit denen man konkurrierenden Spieler*innen gezielt ihre Züge vermiesen kann, sorgten für Begeisterung – interaktiv, taktisch und mit ordentlich Spielfreude.

Die neue Warband für den Skirmisher Rapture von Gravity Bay beinhaltet eine postapokalyptische Warband mit Augenzwinkern. Wir schauen uns die neue Fraktion in Kürze näher an.

Auch bei Archon Studio gab es Spannendes zu sehen: Das StarCraft-Figurendesign bleibt eng am Original und fängt den Look des Videospielklassikers gekonnt ein. Das Spielsystem selbst erfindet das Rad zwar nicht neu, wirkt aber solide und unterhaltsam umgesetzt.

© Geoffrey Förste

Ein echtes Experiment war Malediction, eine ungewöhnliche Mischung aus Deckbuilder und Tabletop. Das Konzept, physische Karten mit STL-Dateien für den Miniaturendruck zu kombinieren, ist eine innovative Neuerung. Wir freuen uns schon auf den Spieltest.

Besonders erfreulich war zudem die physische Starterbox Broken Truth für das System Grimdark Future von OnePageRules. Das Gesamtpaket wirkt durchdacht und ansprechend, und es dürfte wohl nicht mehr lange dauern, bis das System in vielen lokalen Hobbyläden ausliegt.

Abgerundet wurden die Tage durch einen Besuch der Golden Demon Vitrinen. Die kunstvoll bemalten Miniaturen setzten erneut Maßstäbe, allen voran das Modell des Slayer-Sword-Gewinners Albert Moreto Font, das im Original noch eindrucksvoller wirkt als auf Fotos.

Insgesamt präsentierte sich der Bereich Tabletop mit einer Vielzahl spannender Neuheiten und einem rundum positiven Eindruck. Ein vielversprechender Ausblick auf das kommende Hobbyjahr.

Michelle Saarberg (Brettspiel)

Für mich war es dieses Jahr der zweite SPIEL-Messebesuch überhaupt. Leider hatte ich nur einen Tag – den Freitag – zur Verfügung und unglücklicherweise mit Verzögerungen bei meiner Anreise mit dem ÖPNV. (Die Reise mit der Deutschen Bahn hat für meinen Geschmack einen zu hohen Glücksfaktor …) Dabei hatte ich meinen Besuch – dank der Neuheitenpriorisierung (Mega!) und dem Routenplaner – minutiös durchgeplant. Aber so konnte ich bei der Anfahrt niedrig priorisierte Stände löschen und mich auf die für mich interessantesten Stationen konzentrieren. Ankommen in (Eingangs-)Halle 8 atmete ich die Messeluft ein und stürzte mich ins Getümmel.

Meinen Halt bei Pegasus Spiele nutzte ich, um den Verein Flinta*stisch zu unterstützen, der sich für die Sichtbarkeit von Spielen mit Beiteiligung von FLINTA* (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen) einsetzt. So war ich um einen hübschen Stoffbeutel reicher. Da mir bei den größeren Verlagen/Ständen wie beispielsweise Frosted Games zu viel Trubel war, konzentrierte ich mich auf die kleinen Stände.

Zwischen Licht und Schatten

LichtSchatten © Michelle Saarberg

Am Stand von Board Game Racoon ließ ich mir das narrative Solo-Roll-and-Write Zwischen Licht und Schatten erklären, das dieses Jahr ein zweites Kapitel erhalten hat. Mithilfe eines Würfelmechanismus bewegen wir uns in einer Fantasy-Welt, bekämpfen Kreaturen, stellen uns Gefahren und erledigen Aufgaben. Besonders das Kampfsystem mittels Flowchart ist kreativ gelöst. Das Spiel enthält eine kleine Kampagne, in der wir die Geschichte der Protagonistin Mara erleben. Aber auch andere Charaktere kommen zum Einsatz. In der ersten Kampagne verändern wir Elemente auf den vier Tableaus. Mit diesem Ergebnis kann dann der zweite Teil mit neuen Mechanismen weitergespielt werden – oder neu angefangen werden.

Optisch habe ich mich beim Vorbeigehen in das (Holz-)Material von The Dawn of Pagaea bei Treeceratops verliebt. Der Schweizer Verlag hatte das Spiel als Demo dabei, um auf die dazugehörige Kickstarter-Kampagne aufmerksam zu machen. In The Dawn of Pangaea erwecken wir als Naturgeister eine neue Welt zu Leben, indem wir Bäume wachsen lassen und Rituale durchführen. Auf den ersten Blick wirkte es ähnlich wie die Neuheit Rewild hochwertig und auch spielerisch interessant.

Papierspiele

Eine niedliche, innovative Idee ist mir dann noch beim Stand von Papierspiele aus Österreich begegnet: Reisespiele, die in einem Umschlag verpackt sind – plastikfrei und platzsparend. Hier schaute ich mir die Neuheit Wasserwege, ein Pick-up-and-Deliver-Spiel, bei dem wir mit Papierbooten Fische in Stockholm fangen wollen. Ein Verkaufsschlager war außerdem Wanderwege, ein Plättchenlegespiel, bei dem wir möglichst geschickt allein oder als Wandergruppe die besten Sehenswürdigkeiten erreichen möchten.

Roblins

Roblins © Michelle Saarberg

In Halle 4 am Stand von Roblins! konnte ich wieder durchatmen (hier war es vergleichsweise ruhig) und alte Bekannte in die Arme schließen – ja, auch die zwischenmenschlichen Begegnungen machen die SPIEL zu etwas ganz Besonderem. Schließlich schaffen Brettspiele es – nicht nur auf der Messe – fremde Menschen aus aller Welt an einen Tisch zu bringen.

Am Ende habe ich mich auch mehr von den visuellen Reizen überfluten lassen, als dass ich viel ausprobiert hätte, aber trotz der kurzen Zeit habe ich viele schöne Spiel-Eindrücke mit nach Hause genommen.

Norbert Schlüter (Pen-and-Paper)

2025 bringt erneut einen Besucher*innenrekord, Halle 7 wurde hinzugezogen und Mháire Stritter war Spielebotschafterin. Die zusätzliche Halle hatte Vor- und Nachteile: Sie war zu einem großen Teil gefüllt vom allgegenwärtigen Asmodee mit seinen vielen Armen: Space Cowboys, Repos Production, Z-Man Games, Libellud und so weiter. Das uniforme Konzept der hübschen Flächen war beeindruckend und stimmig, aber Standnummern haben da kaum noch geholfen, das richtige Spiel zu finden. Meine Hoffnung auf eine Halle voller Sitzbänke und Tische zum Testen der neuen Errungenschaften wird dadurch natürlich auch nicht größer.

Insgesamt gab es über alle Hallen hinweg viele schöne Stände, liebevoll gestaltete Ecken und freundliche Gesichter – die Erklärer*innen waren ausnahmslos hervorragend. Die wenigen anstrengenden Stellen waren wie immer vor den Shops. Übrigens viel Mitleid für den moses. Verlag, der in Halle 6 gegenüber des Hitster-Standes die gesamte Messezeit über in unregelmäßigen Abständen maßlos übersteuerte Musik aushalten musste, was allein beim Vorbeigehen die Lautstärke in anderen Hallen relativierte.

Ich habe mich sehr gefreut, dass mit Mháire eine spielbegeisterte Person zur Botschafterin wurde. Sie passte sehr gut zur Messe, ist mit Orkenspalter TV kameraerfahren und hat sich und das Spielen sympathisch präsentiert.

Thematisch sind mir viele Spiele aufgefallen, die im Eis, Schnee oder der Tundra spielen, außerdem geht es nach Wald und Wiese mehr ins Wasser. Dazu kommen eine erstaunlich hohe Anzahl an Stichspielen mit Tax the Rich, Furchtlos oder der zweiten Edition von Rebel Princess.

Bei den Rollenspielen gab es viele Neuheiten wie die jüngsten Vaesen-Produkte von Free League oder die deutsche Übersetzung vom DIE-Rollenspiel durch den Squink Verlag. Auch der Playtest Guide von Midgard – Die Umstürmten war in gedruckter Form vorhanden.

Es war schwierig, eine Auswahl zu treffen, aber hier sind einige meiner Highlights.

Ad Astra

AdAstra © Uhrwerk Verlag

Seit dem Grundregelwerk von Mutant: Jahr Null wartet man darauf, dass das bereits dort begonnene und angekündigte Mutant: Jahr Null – Ad Astra erscheint. Denn – Achtung, Spoilergefahr! – am Ende des Abenteuers „Der Weg nach Eden“ gibt es die Möglichkeit, eine Rakete zu besteigen, die dann startet. So gelangen Charaktere auf die von der Titanenmacht Mimir verwalteten Forschungsstation Jotunheim und müssen mit der dortigen, prekären Situation klarkommen.

Noch habe ich nicht alles gelesen, aber allein die Tatsache, dass diese Geschichte nach so langer Wartezeit beendet werden kann, ist hervorragend. Natürlich kann man dieses Abenteuer auch spielen, ohne den ersten Teil aus dem Grundregelwerk erlebt zu haben (zum Beispiel als Stationsbewohner*innen) – oder man fängt einfach jetzt damit an, um danach in den Weltraum zu kommen.

I C E

Als wir die Erklärung für I C E erhielten, nannte es Tim „Die Maulwurf-Company für Erwachsene in gut“. Man spielt Archäolog*innen, die in einer schnee- und eisbedeckten Welt nach Artefakten suchen. Der mehrlagige Spielplan aus hexagonalen Feldern erlaubt einem dabei, sich wirklich ins Spielbrett zu buddeln, um unter der Eisdecke die wertvolleren Funde zu machen. Ein interessantes Worker Placement-Spiel, das es leider bisher nur in der Vorbestellung gibt.

ICE © This Way

The Peak Team

Peak Team © Norbert Schlüter

Kooperative Spiele sind gut für den Hausfrieden. In The Peak Team, einem kooperativen Pick up & Deliver-Spiel kümmern sich Ranger um die Tiere eines Reservats. Dabei müssen sie gemeinsam agieren, dürfen sich nicht immer absprechen und haben nur eine begrenzte Rundenzahl Zeit. Es gibt mehrere Schwierigkeitsgrade und selbst auf der einfachsten Stufe ist es nicht ganz einfach, aber sehr spaßig. Außerdem ist es verdammt hübsch.

Tim Billen (Brettspiel)

Messen stressen. Das ist ein Credo, mit dem ich in der Berufswelt aufgewachsen bin. Und zugegeben: Die Vorbereitungen auf die SPIEL Essen sind für mich und das Team immer sehr stressig mit Berichterstattung, Terminplanung, Organisation vor Ort und dergleichen. Aber auf der Messe selbst kriegt mich selbst die größte Menschenmenge nicht aus der Ruhe. Die vielen bekannten Gesichter bei den Verlagen oder von anderen Medienschaffenden fühlen sich dann auch immer wie ein Klassentreffen an. Es wurde nur immer dann unangenehm, wenn die Natur rief und man die Hygieneräume aufsuchen wollte. Für einen solchen Andrang sind die Toiletten der Messe schier ungeeignet und auch Reinigungspersonal suchte man oftmals vergeblich. So wird dieses Jahr eine meiner Anekdoten sein, dass es eine Art „Markt“ für Toilettenpapier-Rollen gab, da für acht Kabinen nur eine dieser Rollen vorhanden war. Das muss besser laufen.

Was definitiv besser lief, sind beispielsweise die Brettspieladaptionen von Videospielen, von denen ich ein großer Anhänger bin. Zwei davon habe ich mir sehr genau angesehen.

Don’t Starve: The Board Game

Am Stand von Glass Cannon Unplugged war ich bei Don’t Starve fast sofort von der Atmosphäre des Spiels eingenommen: Die düstere Cartoon-Ästhetik, die aus dem Computerspiel bekannten Überlebensmechaniken und die klaustrophobe Stimmung wurde stark eingefangen. Wer schon das Original kennt, bekommt hier ein gutes Brettspielerlebnis, das die permanente Bedrohung („Nicht Sterben!“) spürbar macht. Besonders gelungen fand ich die Materialqualität. Die Figuren und das Setting transportieren den Überlebenskampf sehr gut und mein Highlight ist das Book of Crafting, das mich an das Handbuch des Fähnlein Fieselschweif aus den Micky Maus-Heften erinnert. Die Crowdfunding-Kampagne ist zwar beendet, das Spiel ist jedoch weiterhin im Late Pledge vorbestellbar.

Don’t Starve © Tim Billen

Terraria: The Board Game

Der Brettspiel-Umsetzung von Terraria stand ich zunächst etwas skeptisch gegenüber: Das Computerspiel lebt von Crafting, Entdecken und Sandbox-Feeling – wie überträgt man das aufs Brett? Mein Eindruck auf der Messe zeigte: überraschend gut. Es gab zwar keine direkt spielbare Demo, aber das Prinzip, das mir der Autor vermittelte, wirkte anspruchsvoll und bot mehrere Wege entweder Ressourcen zu sammeln und zu bauen oder direkt in den Kampf gegen einen der modularen Bosse zu gehen.

Grifoni © Norbert Schlüter

Grifoni – Blades for Hire

Eigentlich wollte ich mir am Stand von Ludus Magnus Studio vor allem Blasphemous ansehen (man erkennt ein Muster bei mir). Aber dann wurde uns eine Demo-Runde des Spiels Grifoni – Blades for Hire angeboten und wir haben nicht nein gesagt. Das Spielmechanik-Konzept: Man stellt ein Team von Söldner*innen zusammen, zieht los, erledigt Aufträge – klingt zwar vertraut, macht aber durch clevere Kombinationen Spaß. Es richtet sich an jene, die ein kompaktes, aber thematisch dichtes Abenteuer-Erlebnis suchen und trotzdem den Eurogame-Charakter haben wollen. Das Spiel ist noch bis zum 13.11.2025 auf Kickstarter.

Quo vadis SPIEL?

Die SPIEL Essen 2025 präsentierte sich für mich als rundum gelungene Veranstaltung. Die Organisation zeigte sich deutlich optimiert: klare Laufwege (auch dank weiterer Verbesserung der App), verbesserte Besuchendenlenkung und ausreichend Ruhezonen sorgten für ein angenehmes Messeerlebnis. Auch das neu eingeführte Bühnenprogramm überzeugte mit einer gelungenen Mischung aus Interviews, Live-Präsentationen und Diskussionsrunden, die den Blick über das reine Spielen hinaus erweiterten.

Die neu hinzugekommene Halle 7 als Ausstellungsfläche erwies sich als durchdachte Ergänzung. Sie entzerrte die Ströme in den Hauptgängen, bot kleineren Verlagen mehr Sichtbarkeit (respektive Asmodee noch mehr Stände) und schuf Raum für spontane Begegnungen. Hier zeigte sich, dass die Messeleitung nicht nur Fläche, sondern auch Struktur gewonnen hat.

Das neue Konzept ohne Dauerkarten blieb ein viel diskutiertes Thema. Während Stammgäste die gewohnte Flexibilität vermissten, ist die Entscheidung aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar. Der Schritt dürfte langfristig zu einer gleichmäßigeren Auslastung und planbareren Logistik beitragen.

Mit einem neuen Besucher*innenrekord setzte die SPIEL Essen 2025 schließlich ein deutliches Ausrufezeichen. Die Messe schließt damit weiter zur Frankfurter Buchmesse auf und unterstreicht ihre Bedeutung als Leitveranstaltung für analoges Spielen in Europa.

Für das kommende Jahr darf man gespannt sein, wie die Messe auf diesem Erfolg aufbaut. Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und (hoffentlich) neue Formen der hybriden Präsentation werden vermutlich stärker in den Fokus rücken. Wenn die aktuelle Dynamik beibehalten wird, könnte 2026 nicht nur an den Erfolg anknüpfen, sondern neue Maßstäbe setzen. Sowohl für die Branche als auch für das Gemeinschaftserlebnis, das die SPIEL Jahr für Jahr auszeichnet.

Artikelbilder: © wie angegeben
Titelbild: © Merz Verlag
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Hendrik Pfeifer
Fotografien: © wie angegeben

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