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Ein napoleonischer Husar, ein mysteriöser Champion der Menschheit, Nazis und das Römische Reich: John Houlihan schreibt über eine Welt zwischen realer Geschichte und kosmischem Horror. Wie es dazu kam, was ihn inspiriert und was wir als nächstes von ihm erwarten können, lest ihr hier.

Autor und Rollenspieldesigner John Houlihan.
Autor und Rollenspieldesigner John Houlihan.

John Houlihan ist Kreativdirektor bei Modiphius, wo er vor allem für Achtung! Cthulhu 2 D20 verantwortlich ist. Außerdem hat er als Autor zu dem neu erschienenen Rollenspiel Cohors Cthulhu beigetragen. Neben Rollenspieldesign ist er im Herzen aber Schriftsteller und Autor von mehr als zehn Novellen, Romanen und Kurzgeschichten. Die meisten davon spielen in einer Welt, die die reale Geschichte mit H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos verbindet. Seine aktuelle Buchreihe heißt Mon Dieu Cthulhu und spielt in der Zeit der napoleonischen Kriege. Wir haben nachgefragt, was ihn antreibt und wie er die Welt von Modiphius’s Against the Elder Gods-Rollenspielreihe sieht.

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Krieg, kosmischer Horror

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Aus Liebe zum Schreiben und zur Geschichte

Teilzeithelden: Stell dich unseren Leser*innen vor: Wer bist du und was machst du?

Houlihan: Ich habe als Journalist angefangen. Ich habe unter anderem über Sport geschrieben und dann viele Jahre lang über Videospiele. Tja, und dann gründete ein Freund von mir, Chris Birch, eine kleine Rollenspiel-Firma namens Modiphius. Als ich eines Freitags gerade mit der Gartenarbeit fertig war, bekam ich einen Anruf, in dem er mich fragte: „Hast du Lust, am Montag vorbeizukommen?“ Natürlich hatte ich als Student viel D&D gespielt. Also sagte ich: „Okay, klar!“ und kam nach Jahren in der Videospielbranche wieder zurück zum Rollenspiel. Chris‘ erstes Projekt mit der Firma war Achtung! Cthulhu. Ich wollte schon lange Belletristik schreiben, also schrieb ich eine Novelle, The Trellborg Monstrosities, um dem Setting etwas mehr Tiefe zu geben. Dann entwarf ich ein paar Szenarien, und von da an ging es wirklich los.

Teilzeithelden: Siehst du dich eher als Schriftsteller oder als Rollenspieldesigner?

Houlihan: Selbst beim Entwerfen von Rollenspielplots ist mir die Geschichte am wichtigsten, daher würde ich sagen, dass meine eigentliche Leidenschaft das Geschichtenerzählen ist. Ich habe auch schon einige Geschichten veröffentlicht, die ganz gut laufen, zum Beispiel die Seraph Chronicles, eine Reihe von Geschichten über einen Kerl, der über die Jahrhunderte hinweg gegen die Mächte des Cthulhu-Mythos kämpft. Das spielt mal im Zweiten Weltkrieg, mal in der Zeit Napoleons, mal in einer postapokalyptischen nahen Zukunft.

In meiner zweiten Serie, Mon Dieu Cthulhu, geht es um den Cthulhu-Mythos zur Zeit Napoleons und die Abenteuer eines Husaren in der napoleonischen Armee. Letztendlich liebe ich beides, für mich gibt es keinen großen Unterschied zwischen dem Schreiben von Rollenspielplots und Belletristik. Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, wäre ich wohl Schriftsteller, denn das Schreiben war meine erste Liebe, aber Rollenspieldesign kommt dem ziemlich nahe.

Teilzeithelden: Könntest du unseren Leser*innen die Welt erklären, in der diese Geschichten spielen?

Houlihan: Die Grundidee des Settings geht auf H.P. Lovecraft zurück, den Urvater des Cthulhu-Mythos. Lovecraft, trotz all seiner Fehler, hat dieses erstaunliche Universum erschaffen und war dabei sehr aufgeschlossen, es mit anderen Schriftsteller*innen zu teilen. Ich selbst bin eher über Robert E. Howards Conan auf den Mythos gekommen, weil ich als Teenager ein großer Conan-Fan war. Howard und Lovecraft standen in Briefkontakt. Lovecraft freute sich immer, wenn andere Autor*innen Elemente seines Mythos verwendeten, und nutzte manchmal selbst Elemente aus den Werken anderer.

Die Idee für Achtung! Cthulhu, also die Welt des Cthulhu-Mythos, aber vor der Kulisse des Zweiten Weltkriegs, kam von Chris Birch, dem Chef von Modiphius. Für mich war das toll, denn ich interessiere mich sehr für Geschichte, insbesondere Militärgeschichte. Der Zweite Weltkrieg ist eine faszinierende historische Periode. So vereinte Achtung! Cthulhu zwei meiner Lieblingsthemen, ein historisches Setting im Zweiten Weltkrieg und den Cthulhu-Mythos.

Gaston Dubois: für den Kaiser, gegen den Mythos!

Teilzeithelden: OK, reden wir über Lieutenant Gaston Dubois – ein faszinierender Zeitgenosse! Erzähl uns doch mehr über ihn und seine Eskapaden.

Houlihan: Dabei kamen mehrere Dinge zusammen, zum einen mein persönliches Interesse an der napoleonischen Zeit, einer weiteren wirklich faszinierenden Epoche. Außerdem wollte ich mein eigenes Mythos-Universum erschaffen. Und so kam ich auf diesen schneidigen, aber etwas einfältigen, französischen Husaren, der durch Zufall in einen übernatürlichen Kampf verwickelt wird, von dem er zunächst keine Ahnung hat. Nach und nach erfährt er, dass es finstere Mächte gibt, die seine Welt prägen. Ich glaube, es gibt noch nicht viele oder gar keine Cthulhu-Mythos-Geschichten, die in der Zeit Napoleons spielen, also hatte ich ein weites Feld, auf dem ich mich austoben konnte.

Der Charakter hatte etwas sehr Unterhaltsames an sich. Er ist ein Held mit Fehlern und kein sehr zuverlässiger Erzähler. Er ist ein bisschen dreist und ein bisschen übermütig, aber ich glaube, im Grunde ist er ein guter Mensch. Die Rahmenhandlung der Reihe ist, dass Dubois als alter Mann in einer Kneipe einem namenlosen Journalisten seine Memoiren diktiert. Die erste Geschichte ist The Crystal Void, dann folgt Feast of the Dead, das eher Romanlänge hat. Letztes Jahr habe ich Shadow of the Serpent fertiggestellt. Momentan arbeite ich am vierten Buch, Keeper of the Hidden Flame. Das erscheint voraussichtlich Anfang nächsten Jahres, wahrscheinlich im März. Es ist einfach so ein spaßiges Setting – und die Uniformen sind auch toll!

Der übermütige Husarenleutnant Dubois ist ein Held mit Fehlern, aber er bekämpft auch schon mal Tiefe Wesen.
Der übermütige Husarenleutnant Dubois ist ein Held mit Fehlern, aber er bekämpft auch schon mal Tiefe Wesen.

Teilzeithelden: Was fasziniert dich an der Zeit der Napoleonischen Kriege?

Houlihan: Verschiedene Aspekte. Die beteiligten Nationen haben viel über Ruhm und Ehre dieses Krieges geschrieben – wobei die Realität natürlich genauso schrecklich war wie in jedem anderen Krieg auch. Aber der Kampf war persönlicher. Man kämpfte Mann gegen Mann mit dem Schwert, anstatt sich einfach nur gegenseitig zu erschießen.

Napoleon selbst ist eine faszinierende Persönlichkeit, die vor allem in Großbritannien einen sehr schlechten Ruf hat. Er hat Europa enorm verändert, beispielsweise mit dem Code civil. Er war sehr aufgeklärt. Damals begann ja gerade das Zeitalter der Aufklärung. Es wurde auf einmal viel mehr Wert auf persönliche Freiheit gelegt als auf Loyalität gegenüber den feudalen Herrschern. Napoleon verkörperte die Revolution, die diese feudalen Herrscher in ihren eigenen Ländern – Russland, Preußen, Österreich und natürlich Großbritannien – nicht wollten. Sie konnten nicht zulassen, dass dieser junge korsische Emporkömmling ihre Weltordnung stürzte, aber er hätte es fast geschafft. Es ist eine faszinierende Zeit. Eines Tages möchte ich ein Rollenspiel für Mon Dieu Cthulhu schreiben.

Teilzeithelden: Ist das der Grund, warum dein Held ein Franzose ist? Also ein Feind der Briten in seiner Zeit?

Houlihan: Ja, ich denke schon. Zur Zeit Napoleons war Frankreich die treibende Kraft in Europa, alle Augen waren damals auf Frankreich gerichtet, weil es militärisch so erfolgreich war.

Als Schriftsteller muss man sich von Zeit zu Zeit weiterentwickeln und neue Charaktere ausprobieren. Wenn man immer das Gleiche schreibt, kann das irgendwann sehr langweilig werden. Ein Teil des Reizes bestand also darin, zu versuchen, wie ein Franzose zu denken, der in dieser Zeit lebte.

Mit der französischen Sprache zu spielen hat für mich außerdem eine humoristische Komponente: Mein Französisch ist ziemlich schlecht, deshalb lasse ich Gaston ständig Fehler im Englischen machen, die, wie ich hoffe, lustig rüberkommen. Dubois ist eigentlich ziemlich umstritten. Manche Leute mögen den Charakter und seine Art zu sprechen gar nicht. Sie sehen ihn als schreckliche Karikatur eines Franzosen, aber so ist er nicht gemeint.

Es ist auch deswegen schön, einen französischen Erzähler zu haben, weil man so Großbritannien auf humorvolle Weise kritisieren kann, hoffe ich zumindest. Das gibt mir die Möglichkeit, mich über bestimmte Dinge lustig zu machen, die ich an meiner Heimat derzeit nicht mag.

Teilzeithelden: Wo wir gerade von deinen Landsleuten sprechen: Wird es jemals eine Geschichte aus der Perspektive der beeindruckenden Lady Brocklehurst geben?

Houlihan: Ja, auf jeden Fall. Ich habe bereits eine Geschichte aus ihrer Perspektive geschrieben, die The Clockwork Sailor heißt und so etwas wie ihre Entstehungsgeschichte ist. Sie ist allerdings ziemlich kurz, nur etwa 2000 Wörter. Ich würde ihr gerne eine eigene Serie widmen, aber es ist schwierig, alles zu machen, was man möchte. Sie hätte auf jeden Fall eine eigene Serie verdient.

Teilzeithelden: Finde ich auch! Eine weitere Lieblingsfigur von mir ist Major Seraph – was hat es mit ihm auf sich? Er scheint in allen möglichen Zeitperioden aufzutauchen. Ist er unsterblich? Hat er eine blaue Box?

Houlihan: Als ich The Trellborg Monstrosities geschrieben habe, war die Hauptfigur eigentlich ein britischer Offizier, aber dann stellte sich heraus, dass die interessanteste Figur dieser mysteriöse zivile Berater war. Seraph ist so etwas wie der ewige Champion der Menschheit gegen die Mächte des Mythos. Ich habe eine Entstehungsgeschichte für ihn geschrieben, die in der späten Bronzezeit spielt und wahrscheinlich irgendwann in einer Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht wird. Der typische lovecraftsche Held ist ja eher ein Akademiker, der etwas über den Mythos herausfindet und dadurch in den Wahnsinn getrieben wird. Wie gesagt, ich komme eher aus der Robert-E.-Howard-Ecke, wo Conan die außerweltlichen Monstrositäten einfach mit seinem Schwert in Stücke hackt. Seraph ist keines dieser Extreme. Er ist eher so etwas wie ein intellektueller Zauberer.

Major Seraph ist ein mysteriöser Charakter. Klar ist nur, er erscheint in dunklen Zeiten, wenn er am dringendsten gebraucht wird.
Major Seraph ist ein mysteriöser Charakter. Klar ist nur, er erscheint in dunklen Zeiten, wenn er am dringendsten gebraucht wird.

Teilzeithelden: Und er liebt Katzen, das ist ein großes Plus.

Houlihan: Ja, ich bin selbst großer Katzenliebhaber.

Teilzeithelden: Wäre es also möglich, dass wir ihn auch in Cohors Cthulhu antreffen?

Houlihan: Möglich ist es, aber derzeit ist nichts Konkretes geplant. Ich habe ein paar Geschichten für Cohors Cthulhu geschrieben, die in der kommenden Anthologie Legends of Laurium veröffentlicht werden. Doug(las Seacat), Matt (Gaetz) und ich haben je etwa vier bis fünf Hintergrundgeschichten über Charaktere geschrieben, die in und um Laurium leben, einer kleinen Stadt in Germanien, in der das Schnellstart-Abenteuer von Cohors Cthulhu spielt. Das hat viel Spaß gemacht. Aber nein, es gibt momentan keine Pläne für Seraph in der Römerzeit. Sag niemals nie?

Teilzeithelden: Es gibt derzeit drei Dubois-Romane und ein vierter ist in Vorbereitung. Planst du noch weitere Dubois-Eskapaden, oder wirst du dich bald anderen Figuren und Epochen zuwenden?

Houlihan: Oh, ich habe noch einiges für Dubois geplant. Shadow of the Serpent ist der erste Teil einer voraussichtlich fünf- oder sechsbändigen Reihe über all das, was in der Welt von Cthulhu zur Zeit Napoleons passiert – eine epische Geschichte, die im Prolog von Shadow of the Serpent beginnt und erklärt, was insbesondere die Ophidianer in der napoleonischen Ära vorhaben. Das wird auch die Grundlage für das Rollenspiel.

Aber es gibt definitiv noch andere Epochen, die ich gerne erkunden würde. Ich finde die Idee von Cthulhu im Kalten Krieg gut, etwas Moderneres, das in den 1960er- und 1970er-Jahren spielt. Ich war Anfang des Jahres in Vietnam – auch der Vietnamkrieg ist als Setting interessant.

Vor ein paar Jahren habe ich einen Beitrag zu einer Anthologie namens When Shadows Creep geschrieben, in der ein zeitgenössischer Londoner Detektiv vorkommt. Das würde ich auch gerne irgendwann einmal etwas weiter ausarbeiten.

Cthulhu im Wandel der Zeiten

Teilzeithelden: Es gibt noch viele andere Kriege und interessante Zeitabschnitte in der Geschichte. Bei Modiphius heißt die Reihe Against the Elder Gods, richtig? Wird es darin noch andere Rollenspiele geben?

Houlihan: Ja, das ist sozusagen der Oberbegriff für die Reihe. Sie beginnt mit Cohors Cthulhu, da dies die bisher früheste veröffentlichte Epoche ist. Wir werden wohl auch das Mon Dieu Cthulhu-Rollenspiel bei Modiphius veröffentlichen, das dann ebenfalls Teil der Reihe ist, und dann gibt es natürlich noch Achtung!Cthulhu. Und ab jetzt muss ich vorsichtig sein, denn ich weiß Dinge, über die ich noch nicht sprechen darf. Sagen wir einfach, ich habe einen Blick auf streng geheime Dokumente geworfen.

Den Kampf gegen die Mächte des Mythos gab es schon in der Antike...
Den Kampf gegen die Mächte des Mythos gab es schon in der Antike…

Teilzeithelden: Dieser Krieg gegen die Älteren Götter – den gibt es schon seit Ewigkeiten, oder? Kannst du mir mehr über das Metakonzept erzählen?

Houlihan: Gerne! In der Römerzeit nennen wir es „Verborgener Krieg”, im Zweiten Weltkrieg „Geheimer Krieg”, aber es geht immer um diesen ewigen Konflikt. Es ist die Vorstellung, dass es immer Kräfte des Lichts und der Dunkelheit gibt, die um die Erde kämpfen. Konflikte sind fast unverzichtbar für das Geschichtenerzählen. Die meisten Geschichten wären ziemlich langweilig, wenn sie gar keine Konflikte hätten. Der Metaplot ist also, dass es seit jeher diesen Kampf zwischen den Mächten des Mythos und der Menschheit gibt. Dieser Kampf dauert von der Vorgeschichte bis in die Moderne und sogar bis in die Zukunft an. Zum Beispiel spielt Before the Flood, das vierte Seraph-Buch, in einer postapokalyptischen nahen Zukunft.

Teilzeithelden: Es scheint, als würden diese Kämpfe immer dann ans Licht kommen, wenn die Menschheit bereits damit beschäftigt ist, sich selbst zu bekämpfen. Ist das Absicht?

Houlihan: Ja. Krieg ist eine tolle Kulisse für epische Geschichten, seien es die Napoleonischen Kriege, der Zweite Weltkrieg oder die Expansion des Römischen Reiches. Vor diesem Hintergrund kann man erforschen, was sich unter der Oberfläche der Ereignisse abspielt, die man als aufgezeichnete Geschichte kennt. Narrativ ergibt das Sinn, denn in Zeiten großer Unruhen nutzen die Mythoswesen ihre Chance, aufzutauchen, und Kultisten sagen: „Oh! Die Behörden sind alle mit dem Krieg beschäftigt, jetzt ist unsere Zeit gekommen, die Macht zu ergreifen!“ Das Setting funktioniert also in zweierlei Hinsicht, da es sowohl interessant als auch narrativ authentisch ist.

... und er ist auch im 20. Jahrhundert noch nicht abgeschlossen.
… und er ist auch im 20. Jahrhundert noch nicht abgeschlossen.

Über das Spiel mit der Geschichte

Teilzeithelden: Es erscheinen immer wieder neue Abenteuer und Quellenbücher für Achtung!Cthulhu 2d20. Nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne sind nun auch die beiden Grundregelwerke für Cohors Cthulhu erschienen (Der Ersteindruck erscheint im Dezember, Anm. d. Red.). Was, glaubst du, gefällt dem Publikum an diesem besonderen Mix aus kosmischem Horror, Geschichte und Pulp-Rollenspiel?

Houlihan: Es ist etwas Besonderes, im Spiel die echte Menschheitsgeschichte zu erkunden anstatt nur erfundener Geschichte. Das fasziniert zumindest Menschen, die sich allgemein für Geschichte interessieren. Und der Reiz von kosmischem Horror liegt immer in der Angst vor dem Unbekannten, wie H. P. Lovecraft selbst sagte. Wir wollen Nervenkitzel, aber in einer ungefährlichen Umgebung. Rollenspiele bieten einen Safe Space, um diesen Nervenkitzel zu erleben.

Und Pulp ist eines meiner Lieblingsgenres. Als wir Achtung! Cthulhu vom alten Savage Worlds System auf 2D20 umgestellt haben, haben wir es bewusst so actiongeladen, pulpig und unterhaltsam wie möglich gemacht. Ich liebe Pulp-Abenteuer und andere scheinbar auch. Das Achtung! Cthulhu Starter Set, das letztes Jahr veröffentlicht wurde, ist derzeit in Europa ausverkauft und in Nordamerika sind nur noch wenige Exemplare verfügbar. Wir planen schon eine Neuauflage. Außerdem haben wir derzeit ein Bundle of Holding-Angebot, um neue Leute ins Boot zu holen. Ich freue mich, dass das System so gut ankommt.

Teilzeithelden: Letzte Frage: Was würdest du Leuten sagen, die finden, dass der Zweite Weltkrieg eine „zu düstere“ Zeit in der Geschichte ist, um sie für ein Pulp-Rollenspiel zu adaptieren?

 Houlihan: Man muss sensibel mit der realen Geschichte umgehen. Ein positiver Aspekt des Rollenspiels heutzutage ist, dass wir Werkzeuge wie Session 0 und die X-Card zur Verfügung haben, um sicherzustellen, dass sich niemand am Spieltisch unwohl fühlt. In Achtung! Cthulhu versuchen wir immer, unsere Plots ein kleines Stück vom tatsächlichen Krieg weg zu platzieren. Dennoch ist es eine schwierige Zeit in der Geschichte, und ich kann verstehen, dass das als Setting nicht jedermanns Sache ist.

Aber ich würde sagen, dass es eine faszinierende Epoche ist, mit der man sich beschäftigen sollte, selbst durch die Linse eines pulpigen Rollenspiels, das nicht vorgibt, wahre Geschichte darzustellen. Damit sollen die realen Schrecken nicht verharmlost werden. Ich glaube, für ein zeitgenössisches Publikum gibt es viel aus dieser Zeit zu lernen, wenn man sich ansieht, was derzeit in Europa und den USA los ist. Das alte Sprichwort „Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ könnte hier relevant sein. Mein Rat ist also: Scheut euch nicht, euch damit auseinanderzusetzen, aber geht dabei sensibel vor.

 

Artikelbilder: © John Houlihan, Modiphius
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Nina Horbelt

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