Ox hat kein leichtes Leben als Kind eines alkoholkranken Vaters und einer überarbeiteten Mutter. Als er jedoch auf Joe trifft, das jüngste Kind der im Nachbarhaus eingezogenen Bennett-Familie, verändert sich seine Welt für immer. Langsam wird er immer tiefer in das Dasein der Werwölfe, ihre Fehden und ihrer Kämpfe hineingezogen.
Oxnard „Ox“ Matheson ist erst zwölf Jahre alt, als sein alkoholkranker Vater seine Mutter und ihn verlässt. Er tut schwer damit, diesen Verlust zu verarbeiten und muss viel zu früh anfangen, in der örtlichen Autowerkstatt zu arbeiten, um gemeinsam mit seiner Mutter ihr Haus halten zu können. Bis auf Gordos Werkstatt scheint sein Leben trostlos zu sein, als er plötzlich auf Joe, das jüngste Kind der Familie Bennett trifft. Diese Begegnung verändert ihrer beider Leben für immer und Ox wird von Joe immer tiefer in die Familienbande der Bennetts hineingezogen.
- Gewalt
- Entführungen
- Tod
- Explizite Darstellung sexueller Handlungen
Inhaltsverzeichnis
Story
Das Lied des Wolfes erzählt die Geschichte Oxnards, der gemeinsam mit seiner Mutter in einem kleinen abgelegenen Haus in der Kleinstadt Green Creek lebt. Sie halten sich über Wasser durch Ox’ Verdienst in Gordos Werkstatt und das Einkommen seiner Mutter als Kellnerin. Viel Geld ist es nicht, das sie haben, aber es reicht für ein einfaches Leben. Überhaupt ist das Leben für Ox einfach, denn er mag es ruhig, in geordneten Bahnen und tut sich mit zu viel Kommunikation schwer. Ox ist 16 Jahre alt, als plötzlich der zehnjährige Joe auf seinem Weg nach Hause auftaucht. Der kleine Wirbelwind Joe ist Vorbote der Bennett-Familie, die in ihr Anwesen, das bislang leerstehende Haus am Ende des Weges, zurückgekehrt ist. Joe schenkt Ox seinen Wolf, eine kleine Steinfigur. Das Verschenken dieses unscheinbaren Kleinods stellt eine Geste dar, deren Bedeutung sich Ox erst viele Jahre später erschließen soll. Schnell nimmt Joe Ox für sich ein und aus der erstmaligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die tägliche Treffen auf dem Nachhauseweg und allsonntägliches gemeinsames Essen mit der Familie Bennett beinhaltet.
Nur langsam bemerkt Ox, dass hinter den vielen kleinen Besonderheiten der Familie ein größeres Geheimnis steckt. Sie sind Werwölfe. Und Ox wird nicht nur angeboten, dass er mit dem 18. Lebensjahr gebissen werden kann, um auch ein Werwolf zu werden, sondern entwickelt auch als Mensch Fähigkeiten, die über das Normale hinausgehen. Er ist in der Lage, Bande zu Joe und seiner Familie zu knüpfen und über diese sowohl deren Stimmungen und Gefühle als auch Standorte wahrzunehmen. Nach und nach werden Ox und seine Mutter Teil der Familie und somit Teil das Rudels, auch ohne sich selbst in große Wölfe verwandeln zu können. Ihr Leben, das nun aus tiefen Freundschaften und einer neu gefundenen Familie besteht, scheint perfekt zu sein. Da tritt ein Todfeind der Familie, Richard Collin, auf den Plan tritt und das Idyll zerstört.
Kämpfe und verheerende Verluste sind die Folge, doch den größten Schmerz verursacht Ox ausgerechnet sein engster Freund Joe, der beschließt, die Heimat gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern des Rudels zu verlassen und den Feind zu jagen. Joe reißt Ox das Herz heraus, als er ihn mit der Begründung, sein wertvollster Besitz zu sein, zurücklässt. So verbleibt ein geschwächtes und trauerndes Rudel in Green Greek.
Die Geschichte begleitet Ox und die weiteren Familien- wie Rudelmitglieder auch in der Folgezeit und erzählt ihre Erfolge, Misserfolge, wie sie um ihren Zusammenhalt kämpfen und letzten Endes fortbestehen können. Zwar gibt es ein größeres Finale gegen Ende des Buches, doch grundsätzlich ist es in einem langsamen Erzähltempo ohne überbordende Spannung geschrieben. Die Erzählung erstreckt sich über viele Jahre und endet mit einem letzten Aufeinandertreffen von Ox, Joe und dem Todfeind der Familie.
Die Erzählung begleitet Ox von der ersten Minute an in einem angenehm langsamen Tempo, sodass Lesende mit Ox gemeinsam seine Geschichte erleben und in die Welt der Wölfe hineingesogen werden können. Das Gesamtgebilde erschließt sich erst nach und nach in einer diffusen Art und Weise. Teilweise werden Geschehnisse und Beweggründe nicht konkret benannt, sondern nur in Gedankenfragmenten oder ihren Auswirkungen angedeutet. Das passt zu Ox’ Charakter, der nicht alles hinterfragt und vieles in seinem Leben und Umfeld einfach hinnimmt. Auffällig ist, gerade gegen Ende des Buches, die Vielzahl verschiedener Charaktere. Durch das entspannte Kennenlernen der Welt der Bennetts eröffnet sich den Lesenden die Möglichkeit, diese Charaktere in ihren jeweiligen Facetten wahrzunehmen und sich einzuprägen. So kann der Autor ein Gebilde vieler Individuen in die Geschichte einflechten, ohne dass diese blass oder eindimensional wirken würden. Gerade der Facettenreichtum der verschiedensten Charaktere, egal ob Wolf oder Mensch, ist ein Pluspunkt dieser Erzählung.
Auch die Sexualität Ox’ wird in der Geschichte behandelt. Dieser interessiert sich zwar anfänglich für Frauen, findet jedoch schnell Gefallen an Männern. Diese Komponente seines Charakters wird passend dargestellt und erfährt in seinem Umfeld Akzeptanz. Die jedoch sehr expliziten Beschreibungen seiner sexuellen Handlungen wirken in Anbetracht des ansonsten ruhigen und auf Beziehungen fokussierten Erzählstils fehl am Platz. Diese sind für Lesende unter 16 Jahren ungeeignet.
Schreibstil
Wer ein ähnliches Werk wie Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte erwartet, wird vom Schreibstil Klunes enttäuscht oder mindestens irritiert sein. Denn angepasst an den Charakter von Ox und den der Werwölfe, lebt dieser von kurzen bis hin zu Ein-Wort-Sätzen sowie vielen Aufzählungen mit dem Wort „und“.
„Es war Anerkennung. Es war Leichtigkeit. Es war Schönheit. Ich fragte mich, ob das bedeutete, dass ich endlich atmen konnte. Ob ich jetzt meinen Platz in einer Welt gefunden hatte, die ich nicht verstand. Es war bestickt. Rot und weiß und blau. Zwei Buchstaben. Ox, stand auf dem Hemd.“
Auch die Sprache der Werwölfe ist mit diesen kurzen Sätzen und einzelnen Worten dargestellt. Eine Trennung von der menschlichen Sprache ist gut ersichtlich.
„wo ist mein
wo ist mein
wo ist mein mein mein
sing für ihn
ich muss singen
laut damit er mich hören kann
ich singe“
Diese Art des Stils zieht sich durch das ganze Buch, das die Geschehnisse stets aus Ox’ Ich-Perspektive erzählt. Er ist durch den Autor absichtlich gewählt und wirkt grundsätzlich für den Hauptcharakter passend. Gleichzeitig ist er jedoch derart ungewöhnlich, dass er das Lesen sehr anstrengend machen kann. Dieser Umstand gilt für das gesamte Buch, sodass das Leseerlebnis insgesamt beeinträchtigt ist.
Die Welt von Green Creek ist ebenso aus Ox’ Sichtweise beschrieben, sodass der Fokus mehr auf der Interaktion der Charaktere denn dem Drumherum liegt. Dinge, die Ox nicht weiter hinterfragt aus der Welt der Magie oder Werwölfe, werden entsprechend nicht beschrieben, sodass auch die Lesenden hier weiter im Dunklen tappen.
Der Autor
Travis John Klune, geboren im Mai 1982 in Roseburg in Oregon ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Seine Romane im Bereich der Fantasy und Romance zeichnen sich durch die Repräsentanz von LGBTQ+ Charakteren aus.
Sein Werk Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte (englisch The House in the Cerulean Sea) ist ein New York Times Bestseller und wurde 2021 mit dem Alex (Bücher mit besonderem Anreiz für Jugendliche) sowie dem Mythopoeic Award (herausragende Werke in den Feldern der Mythen und der Fantasy) ausgezeichnet.
T. J. Klune bloggt aktiv auf seiner Homepage und ist in den Sozialen Medien aktiv auf Facebook und Instagram.
Erscheinungsbild
Das Cover der deutschen Ausgabe wurde durch die Firma Das Illustrat aus München bearbeitet und beinhaltet die originale Illustration der amerikanischen Ausgabe von Chris Sickels der Red Nose Studios. Der Stil, der bereits Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte zierte, beinhaltet dreidimensionale handgefertigte und bemalte Puppen, die Sickels im Stile der Stop-Motion-Animation fotografiert. Der Stil ist einzigartig, gleichzeitig für phantastische Werke jedoch sehr untypisch. Über das Cover dürften sich die Geister scheiden.

Die harten Fakten:
- Verlag: Heyne Verlag
- Autor: T. J. Klune
- Erscheinungsdatum: 14. Mai 2025
- Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Michael Pfingstl)
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 688
- ISBN: 978-3453323605
- Preis: 18,00 EUR (Print) + 10,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon
Fazit
Das Lied des Wolfes erzählt eindrucksvoll von Oxnards schwieriger Kindheit und der wachsenden Zugehörigkeit zu den Bennetts. Die langsam fortschreitende Handlung verstärkt die emotionale Tiefe der Familienthematik.
Klune hat sich für einen Schreibstil entschieden, der aus kurzen, oft fragmentarischen Sätzen besteht. Dieser passt zur Charakterisierung Ox’. Gleichzeitig ist der Stil jedoch derart ungewöhnlich, dass das Lesen als anstrengend wahrgenommen werden kann. Da sich der Stil im gesamten Buch wiederfindet, kann somit das komplette Leseerlebnis negativ beeinträchtigt werden.
Die Figurenvielfalt, die Ox im Verlaufe der Handlung in Form der Bennetts und des Rudels begleitete, verleiht der Erzählung vielschichtige Beziehungen und Konflikte. Der fokussierte Erzählrhythmus kann stellenweise langsam wirken, dient aber gleichzeitig der emotionalen Entwicklung. Konkrete, klar benannte Details fehlen teils, da sie dem Hauptcharakter und somit den Lesenden nicht offengelegt werden. Dadurch bleibt manches, insbesondere magische Hintergründe und die weitere Welt um Green Creek herum, nur angedeutet. Insgesamt bietet das Werk eine eindrückliche Mischung aus Familienbanden, Gefühlsspiel und einer stillen, gefühlsbetonten Coming-of-Age-Geschichte.

- Tiefgehende Emotionen
- Vielfältige Charaktere
- Langsamer Erzählrhythmus
- Wenig Kontext
- Fragmentarischer Schreibstil
Artikelbilder: © Heyne Verlag
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Maximilian Düngen
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