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Mystique gehört zu den beliebtesten X-Men-Feind*innen. Sie war oft als Spionin, Antiheldin und Verräterin aktiv. In einem neuen Einzelband legt sie sich mit S.H.I.E.L.D. an und spielt ein Katz-und-Maus-Spiel mit Nick Fury Jr. Hier zeigt sich, wer am längeren Hebel sitzt und in der Lage ist, den*die andere*n auszutricksen.

Heute kommt es bei den großen amerikanischen Verlagen selten vor, dass ein Comic von vorne bis hinten von einer Person gestaltet wurde. Der Comic Mystique – Auf der Jagd ist so ein seltenes Exemplar. Autor und Zeichner Declan Shalvey hat diesen Einzelband sowohl geschrieben als auch gezeichnet. Dabei wählte er mit Mystique eine Protagonistin, die keinen Hehl daraus macht, dass sie eine eiskalte Killerin ist und stets ihre eigene Agenda verfolgt. Durch die Fähigkeit, ihre Gestalt nach Belieben zu verändern, ist sie eine Meisterin der Tarnung und liebt es, die Leute nur zum Spaß in die Irre zu führen. Hier macht sie Jagd auf ein geheimes Programm namens Protozoa. Was es damit auf sich hat, soll noch nicht verraten werden. Wir klären aber die Frage, ob dieser Comic einen Blick wert ist, und ob ihr euch auf den Agent*innen-Thriller einlassen solltet.

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Mystique – Auf der Jagd

In Frankfurt am Main ist ein Black-Ops-Team rund um Maverick aktiv, um einen gefährlichen Mutanten auszuschalten. Sie denken, dass es sich um Sabretooth handelt, doch plötzlich stehen sie sich Mystique gegenüber, welche die Mission schon längst manipuliert hat. Sie will etwas über Protozoa erfahren und geht dafür über Leichen. In den USA ist Nick Fury Jr. dagegen an einen einfachen Schreibtisch-Job gebunden. Nur zu froh ist er, als sein Vater Nick Fury Sr. auftaucht und ihm eine Akte zu Mystique, aka Raven Darkholme, zuspielt. Er beginnt daraufhin, den Vorfall in Frankfurt zu untersuchen, und trifft schnell auf Ravens Frau Destiny alias Irine Adler. Nun wird die Sache persönlich: Fury will Destiny einsetzen, um zu erfahren, wie er Mystique ausschalten kann, und Mystique will ihre Frau befreien. Beide spielen mit verdeckten Karten, und auch die Lesenden erfahren das ein oder andere Detail erst später.

Der Thriller tut gut daran, Mystique nicht als Protagonistin, sondern als Furys Antagonistin auftreten zu lassen. So bleibt ihr Spiel stets undurchsichtig. Fury dagegen tut einiges dafür, mehr Spannung in seinen Job zu bekommen, und muss sich auch mit seiner Chefin Maria Hill auseinandersetzen. Wir folgen beiden auf ihren Pfaden und treffen dabei auf Nebenfiguren wie Maverick, Avalanche oder Fabian Cortez, die man teilweise schon lange nicht mehr gesehen hat und die stets eine neue Dimension in das Spiel bringen. Jeder Charakter ist gut ausgewählt, und auch wenn ein paar der Wendungen etwas forciert wirken, macht es doch Spaß, jeder Windung dieser Geschichte zu folgen.

Ein Werk aus einem Guss

Dass Declan Shalvey ebenfalls für die optische Gestaltung des Comics verantwortlich ist, schafft es, dass die Geschichte wie aus einem Guss wirkt. Er liebt das Spiel mit Mystiques Verwandlungen. So kann er viele Charaktere einbauen, die eigentlich nicht in diese Geschichte gehören. Sein Stil ist recht rau und einfach, hat aber seinen ganz eigenen Charme. Seine Gesichter sehen etwas flach aus, wodurch Emotionen nicht gut transportiert werden. Die sind in dieser Geschichte aber auch nicht so präsent, auch wenn es teilweise sehr persönlich wird. Die Kolorierung ist nicht besonders gelungen, da sie eher kalt und ausgewaschen wirkt. Trotz allem gefällt mir aber, dass dieser Comic einmal nicht aussieht wie die inzwischen üblichen Superheld*innen-Illustrationen und optisch in eine andere Kerbe einschlägt. Man sollte den Stil aber mögen.

Declan Shalvey war bisher hauptsächlich als Illustrator tätig – unter anderem für Moon Knight und Wolverine. Geschrieben hat er bisher Civil War II: Choosing Sides, Deadpool vs. Old Man Logan und Alien: Thaw. Gerade in seinem Moon Knight-Comic war sein Stil besser gelungen als hier, da er sich dort mehr getraut hat. Er ist auf jeden Fall ein Künstler, den man stärker verfolgen sollte, da er sowohl als Zeichner, wie auch als Autor das Talent hat, etwas Ungewöhnliches und Besonderes zu schaffen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Panini Comics
  • Autor*in: Declan Shalvey
  • Zeichner*in: Declan Shalvey
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Format: Softcover
  • Seitenanzahl: 128
  • Preis: 17 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, Panini

 

 

Fazit

Ein Comic über Mystique ist eine Seltenheit, ein Comic, der dazu von vorne bis hinten von nur einem Künstler geschaffen wurde, ebenso. Hier haben wir eines dieser seltenen Exemplare vorliegen, das in Erinnerung bleiben wird. Mystique – Auf der Jagd ist ein Comic, der mit seinen Hauptfiguren wie mit den Lesenden spielt und nie alles auf einmal erzählt. Ein klassischer Spionage-Thriller mit einer Figur, die jede Erscheinung annehmen kann und so versucht, an ihre Liebste zu kommen. Dennoch wird die Handlung zu großen Teilen aus der Sicht des Jägers Nick Fury erzählt, was dem ganzen zusätzliche Spannung verleiht. Das Wechselspiel dieser beiden Agenten passt wunderbar zusammen und schafft ein immersives Katz-und-Maus-Spiel, bei dem man sich nie sicher sein kann, wer nun wirklich jagt und wer gejagt wird.

Der Band ist Fans von Agent*innengeschichten zu empfehlen, die etwas mit dem ungewöhnlichen Zeichenstil von Declan Shalvey anfangen können. Durch die Zeichnungen sticht er aus dem üblichen Einheitsbrei heraus. Und auch wenn nicht jede Wendung in der Handlung verständlich ist, ergibt sich am Ende ein zusammenhängendes Bild, bei dem man sich fragen muss, ob die Figuren nicht zu weit gegangen sind. Dieses Spiel mit Moral gibt dem ganzen eine zusätzliche Ebene, welcher den Comic zu einer echten Empfehlung macht.

  • Täuschungen und Verwirrspiele
  • Fragen der Moral
  • Einzelband ohne Vorkenntnisse
 

  • Flache Zeichnungen

 

 

Artikelbilder: © Panini Comics
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Rick Davids

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