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Tales of Symphonia – Shattered heißt das neue Stück der Showgruppe All Stars aus Braunschweig. Was uns dabei erwarten wird, weiß Nicole Heinke am besten. Im Interview hat sie einen Blick hinter die Kulissen gewährt und uns verraten, wie ein neues Stück der All Stars zustande kommt.

@cygnusnikkz ist seit der Gründung dabei und spielt nun bei ToS Zelos Wilder.

Showgruppen sind ein besonderes Phänomen in der deutschen Cosplayszene. Mit viel Elan und Mühe bringen sie neue Stücke zu bekannten Fandoms auf die Conventionbühnen, und das meist in jährlichem Rhythmus. So auch die Showgruppe All Stars. Nicole Heinke ist dabei nicht wegzudenken. Passioniert leitet sie die Gruppe seit ihrer Gründung und steht auch stets selbst mit auf der Bühne – wie ein echter „All-Star“ eben.

Nicole schauspielert schon seit dem Kindergartenalter. Über die Jahre hinweg hat die mittlerweile 24-Jährige an zahlreichen Produktionen mitgewirkt, unter anderem mit dem Ensemble des Staatstheaters Braunschweig. Seit 2008 ist sie in der Showgruppenszene unterwegs: Bevor es zu den All Stars kam, half sie unter anderem bei den Gruppen Omoshiro, Replay und Otakus Live. In Tales of Symphonia – Shattered wird sie die Rolle des Zelos Wilder übernehmen.

Im Gespräch

Teilzeithelden: Magst du euch uns kurz vorstellen? Wer sind denn die All Stars?

Nicole: All Stars haben sich im Juni 2014 gegründet und feiern dieses Jahr ihr 5-jähriges Jubiläum. Des Weiteren setzt sich die Gruppe aus 21 Mitgliedern zusammen. Geprobt wird immer in Braunschweig in Niedersachsen, wo auch der Ursprung der Gruppe ist. Jedoch verteilt sich die gesamte Gruppe auf ganz Deutschland und die Schweiz. So haben wir z. B. Mitglieder aus Braunschweig, Hannover, Wolfenbüttel, Hamburg, Berlin, Frankfurt (Main), Düsseldorf, Bonn, Wuppertal, Leipzig und der Schweiz. Solange sich die Person die Fahrten nach Braunschweig einmal im Monat für ein Wochenende leisten kann, kann jede Person aktiv bei uns teilnehmen.

@tigere38116 spielte bei LiS Mark Jefferson. Nun übernimmt er Lloyd Irving.

Teilzeithelden: Im letzten Jahr habt ihr ein Stück zu Life is Strange aufgeführt, dieses Jahr wird es Tales of Symphonia. Wie kommt eure Auswahl der Stücke zustande?

Nicole: Im Zeitraum zwischen März und Juni eines Jahres hat jedes Mitglied die Möglichkeit jeweils zwei Themen vorzuschlagen, die wir als potentielles neues Stück umsetzen könnten. Kriterien hierbei sind, dass es etwas mit Anime, Manga, Game oder Fiktion zu tun haben sollte, da dies die primären Bereiche sind, mit welchen wir auf den Conventions angenommen werden können. Dabei haben wir schon Stücke wie Harry Potter und Life is Strange aufgeführt, aber auch den Anime Blue Exorcist umgesetzt.

Teilzeithelden: Was muss dabei denn sonst noch beachtet werden?

Nicole: Zum Beispiel muss sich bewusst gemacht werden, was die Vor- und Nachteile sind, dieses Thema aufzuführen und inwieweit die Dramatik umsetzbar ist. Das gesamte Team stimmt am Ende ab, und sobald eine Entscheidung getroffen wurde, muss sich jeder mit der Thematik auseinandersetzen. Ungefähr im Oktober trifft sich das Team dann und entwickelt eine Story, wobei wir hierbei Szene für Szene erarbeiten und auch bereits die Choreografien einsetzen.

@white__cinnamon übernimmt bei ToS Raine Sage.

Sobald das Skript fertig ist, beginnen ab Februar die Proben. Ab Juli beschäftigen wir uns dann intensiv mit den Szenen und entwerfen hierbei alles nach und nach. Der Text muss bis zu diesem Zeitpunkt gelernt sein. Meistens findet dann im Dezember die Generalprobe vor Familienangehörigen und Freunden statt, damit wir das Feedback im Januar noch einmal umsetzen können. Die Kostüme müssen bis zur Juli-Probe fertig sein, da wir meistens danach mit diesen proben und im Oktober den Trailer drehen, welcher für die Bewerbungen auf den Conventions notwendig ist.

Teilzeithelden: Apropos Kostüme. Ihr macht die Bühnenkostüme ja auch selbst. Welche Hürden gilt es dabei zu meistern?

Nicole: Viele Mitglieder aus unserer Gruppe können nicht nähen. Das stellt die größte Hürde da. Wir haben ca. 5 Personen, die schon seit einigen Jahren Cosplayer sind und dementsprechend viel Erfahrung im Nähen, Stylen und Schminken haben. Aber der Großteil muss dort erst herangeführt werden. Das erfordert viel Disziplin und Geduld und hat das ein oder andere Mal die erfahrenen Cosplayer im Stress untergehen lassen.

@_d4sh_ ist seit Dezember 2017 dabei und spielte auf dem Anime Marathon und der NiCon Chloe Price, das Poolgirl und eine Depression.

Teilzeithelden: Vor euren Auftritten zu Life is Strange – Take the Shot habt ihr zu Beginn eine Inhaltswarnung gezeigt, denn im Stück ging es auch um Depressionen und Drogenkonsum. Gab es dazu im Vorfeld Bedenken?

Nicole: Nachdem wir uns für Life is Strange entschieden hatten, war uns eigentlich schon bewusst gewesen, dass wir um diese Themen nicht herumkommen würden. Wir wollten dem Stil des Spiels treu bleiben und gleichzeitig den Zuschauern eine Nachricht übermitteln. Unsere Stücke sagen immer etwas aus, und unser größtes Ziel ist es, das Publikum zu bewegen, zu berühren und sie mitzureißen.

Wir wussten aber auch, dass wir möglicherweise mit harter Kritik rechnen mussten, und dass viele Conventions uns eher ablehnen würden. Bedenken kamen dann erst, als es wirklich ernst wurde und das erste Mal die ‚harten‘ Szenen gespielt wurden. Rachel und ich* mussten nach der Todesszene jedes Mal für 30 Minuten die Probe verlassen und für uns sein, damit wir damit zurechtkamen. Das wurde dann im Laufe der Monate besser, aber es nahm einen persönlich auch sehr mit. Allerdings wurden unsere Auftritte tatsächlich aufgrund von diesen Themen bei manchen Veranstaltungen auf sehr spät abends gelegt oder gar nicht erst angenommen.

(*Anm. der Redaktion: Nicole hat für Life is Strange – Take the Shot die Rolle des Nathan Prescott gespielt, der im Stück die Figur Rachel mit Drogen unabsichtlich tötet.)

Teilzeithelden: Was erwartet uns denn im Gegenzug bei eurem neuen Stück?

@_lenbanana spielt noch eine weitere Rolle neben dem Patriarchen – den zweiten Eiselementar von Celsius.

Nicole: Unser neues Stück unterscheidet sich sehr zu Life is Strange. Wo wir vorher noch sehr alltagsnahe Themen behandelt haben, entführen wir die Zuschauer nun in eine phantastische Welt, welche Magie beinhaltet. Dennoch greifen wir auch hier Themen auf, welche mit dem Alltag zu tun haben. Tales of Symphonia handelt von Freundschaft, Liebe und Verrat. Ein Mann, der seine Freunde und seine Liebe zum Eigennutz aufgibt, um endlich frei zu sein.

Teilzeithelden: Und wann kann man euch das nächste Mal dabei zuschauen?

Nicole: Als nächstes sind wir auf der DeDeCo in Dresden am 2. März 2019 und auf der Animuc in Fürstenfeldbruck am 27. April 2019 anzutreffen. Weitere Termine sind bisher noch offen.

Teilzeithelden: Theater ist hinter der Bühne ja oftmals sehr ritualisiert. Habt ihr auch bestimmte Auftrittsrituale? Was darf vor oder nach einem Auftritt nicht fehlen?

Nicole: Wir treffen uns immer vor dem Soundcheck und sammeln uns noch einmal. Außerdem wärmen wir uns stimmlich und körperlich sowohl vor dem Soundcheck als auch vor dem Auftritt auf. Bevor es dann auf die Bühne geht, legen wir immer die Hände zusammen und rufen laut „All Stars“.

@fynniboy21 übernimmt neben Sebastian und einem Eiselementar auch einen Engel.

Nach dem Auftritt kommen wir immer noch einmal zusammen und haben eine Feedbackrunde. Wir sprechen also darüber, was gut und schlecht bei dem Auftritt lief und wie man es verbessern könnte. Wenn wir zudem an einem Samstag auftreten, gehen wir danach immer noch gemeinsam essen. Treten wir an einem Sonntag auf, gehen wir den Samstag davor gemeinsam essen.

Teilzeithelden: Gibt es eine besondere Anekdote oder ein Erlebnis mit der Showgruppe, die du an dieser Stelle mit uns teilen magst?

Nicole: Die Standing Ovations bei Harry Potter und Life is Strange waren ein Highlight. Damit hatten wir absolut nicht gerechnet und waren dementsprechend erstaunt und glücklich darüber.

@klebezettelphotography übernimmt erneut eine Powerfrau und wird als Sheena Fujibayashi auf der Bühne stehen.

Ein Erlebnis war die Connichi 2016, als unsere Lily-Darstellerin in einer Kampfchoreografie ihre Hand verletzte und dann blutend hinter der Bühne stand, sodass die Sanitäter kommen mussten. Obwohl diese sagten, sie solle sofort ins Krankenhaus, hat sie den Auftritt bis zum Ende durchgezogen, was sie natürlich nicht hätte machen brauchen.

Teilzeithelden: Die deutsche Showgruppenszene ist ja mittlerweile relativ groß. Wie sieht es aus zum Thema Konkurrenzgedanken?

Nicole: Ich denke, dass es ein Konkurrenzverhalten zwischen bestimmten Showgruppen gibt, und ich wage zu behaupten, dass manche Gruppen uns als Konkurrenz sehen. Allerdings gehen wir an das Thema sehr entspannt heran. Wir wissen, was unsere Fähigkeiten sind und erkennen viele andere Fähigkeiten von anderen Gruppen genauso an. Gerne setzen wir uns in unbekanntere Gruppen oder Gruppen von Freunden, um sie anzufeuern. Wir unterstützen uns untereinander. Zum Beispiel ist ein Mitglied von uns zeitgleich bei Para Para Connection. Ein ehemaliges Mitglied ist noch bei Kira Kira Hikaru.

Teilzeithelden: Holt ihr euch denn auch gerne mal Inspiration von den anderen Gruppen?

@totenbuddler ist seit den Anfängen von AS dabei, spielte aber erst bei LiS eine Rolle – Frank Bowers. Davor war sie für die Kampfchoreografien zuständig.

Nicole: Ja, wir holen uns Inspiration bei anderen Gruppen. Primär in Bezug auf Tanzchoreografien und das Bühnenbild, da viele Showgruppen wahnsinnige Sachen auf die Beine stellen! Zum Beispiel Tsuki no Senshi beim Bühnenbild, und Kira Kira Hikaru bei den Tanzchoreografien.

Teilzeithelden: Zu guter Letzt – was macht an der Arbeit mit einer Showgruppe besonders Spaß, was ist besonders anstrengend?

Nicole: Besonders Spaß macht es, mit den Leuten einfach zu proben. Zu sehen, wie sich das Stück entwickelt, wie sich Szenen und Choreografien zusammensetzen, die Mitglieder das erste Mal in den Kostümen spielen zu sehen oder einfach nur zu lachen, wenn mal etwas schief läuft. Generell denke ich, dass die Proben und Auftritte beide gleichermaßen sehr viel Spaß machen.

Wiederum sind beide Aspekte auch wahnsinnig anstrengend. Unsere Proben gehen immer sehr lange, da wir nur ein Wochenende im Monat zur Verfügung haben. Vor kurzem hatten wir zum Beispiel die Generalprobe an einem Tag, an dem wir vorher zweimal das Stück durchgegangen sind und am Sonntag dann noch eine neue Choreografie als Zugabe gelernt haben. Die Auftritte sind ebenfalls anstrengend, weil wir bereits sehr früh aufgrund des Soundchecks da sein müssen und meistens erst nachmittags unseren Auftritt haben. Aber dennoch macht es auch alles sehr viel Spaß!

Weitere Informationen

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Nicole für die Auskunft und sagen „toi, toi, toi“ – natürlich nur über die linke Schulter! – für die anstehende Premiere zu Tales of Symphonia – Shattered.

Wer noch mehr über die All Stars erfahren möchte, findet sie auf ihren Social-Media-Kanälen (Facebook, Instagram sowie Twitter) oder kann sich per E-Mail bei ihnen melden.

Artikelbilder: © Vanessa Mittmann, © Dominic di Giulio, Darsteller: © All Stars, Bearbeitung: Melanie Maria Mazur

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