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Mit Der Entsetzliche Ambull erscheint die erste Erweiterung für Warhammer Quest: Blackstone Fortress. Wir haben uns für euch erneut in die Tiefen hinab gewagt und uns angeschaut, ob sich ein erneuter Besuch in den uralten Gängen lohnt oder ob einen das seltsame Ungetüm nicht in seinen Bann ziehen kann.

Games Workshop (GW) legt im Augenblick ein ordentliches Tempo vor. Über alle Systeme verteilt erscheinen konstant neue Inhalte, und Warhammer Quest: Blackstone Fortress, das selbst erst im letzten November erschien und uns gut gefallen hat, bekommt mit Der entsetzliche Ambull schon eine Erweiterung. Diese möchte nun nicht nur erfahrenen Erforscherinnen und Erforschern neue Inhalte bieten, sondern auch als eigenständiges Abenteuer funktionieren.

Obendrauf gibt es dann noch Regeln für den Einsatz der Miniaturen in gewöhnlichen 40k-Spielen. Wir werden hier beide Einsatzmöglichkeiten beleuchten und überlegen, für wen sich die Anschaffung der Erweiterung lohnt.

Da ist was Großes auf dem Auspex, Sir! – Die Erweiterung im Spiel

Die Erweiterung bricht nicht mit dem bisherigen Spielprinzip, sondern fügt sich nahtlos in den bestehenden Ablauf von Warhammer Quest: Blackstone Fortress ein. Mit dem Ambull, einer Mischung aus Gorilla auf Steroiden und Käfer aus der Hölle, und den Borewyrm Infestations, einer Art kleinerer Würmer, die der Nachwuchs des Ambulls sind, gibt es neue Monstrositäten in den verwinkelten Gängen zu entdecken.

Grundsätzlich kann die Ambull-Erweiterung auf zwei verschiedene Arten genutzt werden.

Zum einen ist es möglich, dass die Erforscherinnen und Erforscher sich auf eine spezielle Mission begeben, um die Eier der Bestie aus ihrem Nest zu rauben.

Hierbei wird ein eigener Kartenstapel gemischt, dessen Zusammenstellung das Begleitheft beschreibt. Dabei läuft die Suche nach dem Nest ähnlich wie der Angriff auf eine Festung ab. In diesem Fall sucht man jedoch Fährten der Bestie im Schiff, um sich schließlich dem Ambull in seiner heimischen Umgebung zu stellen.

Im Gegensatz zur Suche nach dem Tresor muss man bei der Rückkehr zur Basis jedoch keinen Vermächtnisschritt durchführen, hat also nicht wie bei der Hauptquest ein begrenztes Zeitlimit. Eine vernünftige Regelung, würde dies die meisten wohl ansonsten abschrecken sich der Herausforderung der Jagd nach der Bestie zu stellen.

Wenn man die Eier aus dem Nest schließlich gestohlen hat, kann man den beigefügten geheimen Umschlag öffnen, der ähnlich gestaltet ist wie der für den geheimen Tresorraum. Wir möchten euch hier wiederum die Überraschung nicht verderben, können aber verraten, dass er etwas mit der Bioeinschlussanlage Sett VII zu tun hat, einem neuen Fahrzeug, das an der Blackstone Fortress angedockt hat.

Alternativ ist es auch möglich, den Ambull und seinen ekligen Nachwuchs in eine bestehende Suche nach dem Tresorraum einzubinden, ohne gezielt nach dem Nest der Bestie zu forschen. Dann kann es sein, dass man ohne Vorwarnung bei einer normalen Erkundung über die enorme Monstrosität stolpert, die einem ans Leder will. Wirklich eine der schlimmeren Entdeckungen, die man in der Festung machen kann.

Gut gestaltet ist bei beiden Möglichkeiten die Karteneinbindung. Die Karten für die Varianten unterscheiden sich durch ein aufgedrucktes Zeichen, können also bei falscher Verwendung schnell aus dem Stapel sortiert werden.

Beide Möglichkeiten machen Spaß und ergänzen das bestehende Spiel sinnvoll, ohne die eigentliche Jagd nach dem Tresor zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Genau so eben, wie eine Erweiterung sein soll.

Was beim Imperator ist ein Ambull? Der Hintergrund

Der Ambull ist eigentlich keine neue Erscheinung im 40k-Universum, sondern gehört schon seit Ewigkeiten zum Hintergrund. Es gab sogar 1988 schon einmal ein Modell.

Gleichgeblieben ist, dass der Ambull eigentlich vom Bergbauplaneten Luther McIntyre IX stammt. Dort lebt dieses Wesen schon seit Ewigkeiten und gräbt unentwegt lange Tunnel ins feste Gestein. Im alten Hintergrund wurde dieser Planet noch von Squats, dem Zwergenäquivalent, bevölkert.

Der Hintergrund ist kompakt, aber spannend geschrieben

In der aktuellen Ausformung wird schlicht von einer imperialen Bergbauwelt gesprochen. Es seien immer wieder Versuche unternommen worden Ambulls zu domestizieren, im aktuellen Hintergrund mit sehr mäßigem Erfolg. Die riesigen Kreaturen sind streitlustig und graben sich durch beliebige Materialien, was selbst den Transport auf Raumschiffen nahezu unmöglich macht. Wegen hoher Gewinnspannen, auch für ihr Fleisch, gibt es aber wohl immer wieder Mutige oder Wahnsinnige, die sich der Kreaturen annehmen und dabei oft ein furchtbares Ende finden.

Dementsprechend war der Rat von Abgrund, der Versorgungsstation an der Blackstone Fortress, wenig begeistert als ein Schiff, das angeblich einen Ambull an Bord haben sollte, andockte. Die entsprechende Freihändlerin, die Graue Herzogin, wurde, da die Lage als zu gefährlich eingeschätzt wurde, ins Exil geschickt. Der Ambull und seine scheinbare Besitzerin galten als verschollen, bis das Biest wiederaufgetaucht ist. Jetzt streift die Bestie durch die verlassenen Gänge und kann allem und jedem gefährlich werden, sei es Erforschern oder chaotischen Besatzern.

Der neue Hintergrund ist schön gestaltet und findet genau die richtige Mischung aus Teaser und sinnvollen Informationen. Der Squat-Hintergrund ist beispielsweise seit Jahren tot, hat aber durch ein entsprechendes Necromunda-Modell frischen Aufschwung bekommen.

Für das eigenständige Brettspiel Combat Arena sind gerade neue Miniaturen angekündigt worden, von denen eine zufällig eine weibliche Freihändlerin ist, die aussieht, als hätte sie schon eine ganze Menge erlebt. Sollte das etwa die Graue Herzogin sein?

Man darf gespannt sein, was sich GW dazu ausdenkt und wie die Verknüpfungen hier weiter vonstattengehen.

Wenn es blutet kann man es töten! – Taktische Einschätzung

Der entsetzliche Ambull kommt mit verschiedenen Datenkarten daher, je nachdem, ob man der Bestie in ihrem Bau oder irgendwo in der Station begegnet. Zu Hause ist sie, wenig überraschend, noch gefährlicher, aber auch in der Station selbst ist mit ihr nicht gut Kirschen essen.

Mit mindestens Sechsen Wunden und zwei violetten Würfeln im Nahkampf kann der Ambull jedem Erforscher gefährlich werden. Seine Sonderregeln ermöglichen ihm unter Anderem sich durch Tunnel erschreckend schnell zu bewegen oder Wunden zu regenerieren. Mehr als nur unangenehm, auch für gut ausgerüstete Trupps.

Interessant ist seine Regel, dass er nicht nur für die von den Spielerinnen und Spieler gesteuerten Figuren eine Bedrohung darstellt, sondern auch für alle anderen Modelle. Diese behandeln den Ambull wie einen Erforscher und werden ihn daher gegebenenfalls auch angreifen. Wer will schon mit einem tonnenschweren Riesenkäfer in einem Raum sein? In gleicher Weise greift der Ambull alles an, was sich bewegt, sei es Erforscher oder Chaos Space Marine.

Neben den genannten Karten finden sich auch die Regeln für den Einsatz in normalen 40k-Spielen im beigefügten Heft. Diese sind aber höchstens in Ordnung, eine ernste Einbindung in irgendwelche Armeen wird schon allein auf Grund des fehlenden Fraktionswortes nicht erfolgen. Schade eigentlich, hat die Bestie selbst doch die interessante Fähigkeit sich einzugraben, um am Ende des darauffolgenden Spielzuges wieder an anderer Stelle zu erscheinen, eine Variation der aktuellen Reserveregel, die neue taktische Möglichkeiten bietet.

So werden die Miniaturen bei 40k wohl nur ihren Einsatz in abgesprochen Szenarien finden, wo beispielsweise ein kleiner Jagdtrupp einen ausgebrochen Ambull sucht.

Alles in einer Box – Die Ausstattung

Der entsetzliche Ambull kommt in einer recht kleinen Box daher. Diese ist in ihrer Stabilität zwischen den Hartboxen des Hauptspiels und den normalen Truppenboxen einzuordnen. Eine dauerhafte Lagerung wird darin aber kaum jemand anstreben. Das Material kommt in gewohnter hoher Qualität daher und besteht aus den nachfolgenden Gegenständen:

  • Ein 16-seitiges Begleitheft mit Regeln und Hintergrund
  • 18 Entdeckungskarten
  • 10 Erforschungskarten
  • 3 Bewegungskarten
  • 3 Referenzkarten für die Kreaturen
  • Ein Unterschlupf-der-Bestie-Umschlag
  • Ein Bogen mit Markern aus festem Karton
  • Ein Bogen mit den Regeln des Szenarios „Unterschlupf der Bestie“
  • Ein Gussrahmen mit den Miniaturen
  • Bauanleitung mit den Regeln und Punktwerten für Warhammer 40k

Das Begleitheft macht einen angenehmen Eindruck und ist fehlerfrei, die Mischung aus Regeln und Hintergrundtexten ist gut gelungen.

Die Gussrahmen beinhalten, wie schon bei Warhammer Quest: Blackstone Fortress, zusammensteckbare Miniaturen, für die an sich kein Kleber benötigt wird. Für bessere Ergebnisse ist es aber durchaus empfehlenswert, die Steckverbindungen etwas zu kürzen und dafür dann Plastikkleber zu verwenden. Das verhindert vor allem unangenehme schmale Lücken in den Miniaturen.

Die Qualität des Gusses ist gewohnt gut und kommt in gräulichem Plastik daher. Bei einer solch großen Miniatur ist die Begrenzung auf eine einzige Ausrichtung natürlich etwas schade, macht das Spiel aber weiterhin auch für unerfahrene Bastler zugänglicher. Wer die Miniatur jedoch umbauen möchte, wird sich mehr anstrengen müssen.

Der Preis von 45€ für das Set geht somit in Ordnung, ist aber natürlich kein Schnäppchen. Schließlich legt man hier etwas mehr als ein Drittel des Grundpreises wieder auf den Tisch.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Games Workshop
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Sprache: Deutsch/Englisch
  • Spieleranzahl: 1-5
  • Alter: 12+
  • Preis: OVP 45 EUR
  • Bezugsquelle: Games Workshop

 

In der Leere hört niemand den Käfer – Ein Fazit

Mit Der entsetzliche Ambull ist Games Workshop eine vernünftige Erweiterung gelungen. Die Modelle sind hübsch, die Einbindung in die bisherige Konzeption sinnvoll. Schön ist vor allem, dass man keine Zeit für die normale Tresorjagd verschwendet, ein netter Designkniff, um Balancierungsprobleme zu umgehen.

Der Hintergrund ist überraschend aufschlussreich auf seinen wenigen Seiten und macht Hoffnung auf weitere Inhalte. Ob man nun zwangsweise 45€ ausgeben muss, um das eigene Spielerlebnis zu erweitern, muss am Ende jede Spielgruppe selbst entscheiden. Wir können, so man noch Spaß an Warhammer Quest: Blackstone Fortress hat, aber eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Lasst die Jagd auf den Käfer beginnen!

Artikelbilder: Games Workshop
Fotografien: Markus Kastell
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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