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Was als Adventskalender für Spiele-Fans begann, ist inzwischen ein Verlag, der sich auf gleich zwei Nischen konzentriert: „Playing History“ („Erspielte Geschichte“) und Spiele speziell für einen oder zwei Spieler. Thekla hat sich mit Matthias Nagy von Frosted Games unterhalten.

Matthias Nagy von Frosted Games im Gespräch mit Teilzeithelden

Frosted Games wurde vor vier Jahren gegründet, um Brettspiel-Adventskalender zu veröffentlichen. Dabei konnten die Nutzer jeden Tag eine Brettspiel-Erweiterung aus dem Türchen ziehen. Daraus ist inzwischen ein Verlag geworden, der sich auf Spiele für ein und zwei Spieler spezialisiert hat.

Der Verlag legt Wert darauf, dass er nicht Spiele herausbringt, die auch für 2 Spieler funktionieren. Stattdessen fokussiert man sich auf Spiele, bei denen mit wenigen Spielern tatsächlich das beste Spielerlebnis erreicht wird.

Matthias Nagy von Frosted Games
Matthias Nagy von Frosted Games

Mit Lux Aeterna hat Frosted Games dieses Jahr ein Echtzeit-Solospiel herausgebracht. Ein beschädigtes Raumschiff wird von einem schwarzen Loch angezogen, und der Spieler hat zehn Minuten Zeit, um ihm zu entkommen. Dazu muss der Kartenstapel innerhalb der Zeit komplett durchgespielt werden.  „Wir ziehen Karten, wir gucken nach, welche Karte macht uns Schaden …, welche Karte können wir für eine Aktion nutzen, welche Karte bestimmt, wie weit wir dem schwarzen Loch entgegenstreben, solange, bis der Stapel durch ist oder die zehn Minuten um sind.“

Es gibt eine Webseite, die Soundtracks zum Spiel bietet, wahlweise auch mit acht oder zwölf Minuten Laufzeit. Durch viele optionale Regeln ergibt sich ein steigerbarer Schwierigkeitsgrad und damit ein hoher Wiederspielwert.

 „Man verliert normalerweise die erste Runde, dann spielt man noch ‘ne zweite, dritte, vierte Runde, und irgendwann hat man dann den Dreh raus und kann es sich schwerer machen, man kann mehr Störfälle reintun, man kann die Zeit runtersetzen, man kann näher am schwarzen Loch starten, all solche Sachen.“

Dawn of the Zeds kommt in einer wuchtigen Box mit viel Material. Es handelt sich um ein Castle-Defence-Spiel: Eine kleine Stadt wird von allen Seiten von Zombies bedroht, die es abzuhalten gilt. Daneben muss man in der Stadt Munition sammeln, Wälle bauen, die Geschichte aufdecken oder Zivilisten von der Gefahr überzeugen. Auch hier gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade, die aufeinander aufbauen.

Ebenfalls am Stand zu sehen, ist die zweite Grundbox zu Der Unterhändler mit neuen Geiselnehmern, neuen Verhandlungskarten und neuen Eskalationskarten. Man kann hier mit jeder Grundbox einsteigen oder diese mischen. Nächstes Jahr kommen dann noch einmal neue, skurrile Geiselnehmer hinzu: „Wir haben da zum Beispiel eine Sekte, wo die Geiselnehmer auch die Geiseln sind, die halten sich alle gegenseitig in Schach. Oder wir haben eine ehemalige Unterhändlerin, die ist durchgedreht, und sie weiß genau, was wir machen werden, das macht es schwieriger.“

Ungewöhnlich sind Lizenz-Spiele mit starkem politischem Hintergrund. Beispielsweise 13 Tage, welches die Ereignisse der Kuba-Krise nachstellt und dabei die Stimmung der Zeit einfängt. Dieses Jahr kam Watergate dazu, ebenfalls ein Lizenzspiel, welches sich um die Affäre um Präsident Nixon dreht. Die Journalisten versuchen, Informationen über Nixon zu sammeln, während Nixon versucht, bis zum Ende seiner Amtszeit durchzuhalten und dem Impeachment zu entgehen. Frosted Games hat die zehn Seiten Anleitung mit vierzehn Seiten historischem Hintergrund angereichert.

Generell versucht Frosted Games, unter dem Logo „Playing History“ Geschichte wiederzuerzählen. Beispielsweise erzählt Hochverrat den Verlauf eines kanadischen Schauprozesses nach.  „Und auch da geht es darum, zu vermitteln, wie ist das damals geschichtlich passiert. Da gibt’s Leute, die sagen, da ist ja ein Druckfehler drauf! Das ist doch eine Karte, die wurde von der Anklage angerufen, warum sind denn da gute Effekte für die Verteidigung drauf? Weil das damals so war! Die Anklage hat aufgerufen, und der hat einfach nur Sachen geredet, die der Verteidigung geholfen haben.“

Dazu kommen Spiele wie Revolution von 1828, „die erste mediale Schlammschlacht um eine Präsidentschaftswahl.“ Weitere Spiele werden folgen.

Für 2020 ist neben den Unterhändler-Erweiterungen Nemos War geplant, welches Captain Nemo in die Welt von Jules Verne folgt.  „Man legt vor dem Spiel fest: Was bin ich eigentlich für ein Captain Nemo? … Bin ich in diesem Spiel mal der Entdecker, möchte ich möglichst viel erforschen? Bin ich vielleicht der kriegerische?“ Man spielt die gesamte Crew der Nautilus und steuert das Schiff durch ein Geschichten-Deck, welches die Ereignisse aus dem Buch aufgreift und ausbaut.

Im Mai kommt dann noch March Of Progress. Dort werden verschiedene Schlachten nacherzählt, allerdings aus politischer Sicht.

Fotografien: Thekla Barck

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