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Nachdem auf Ghyre eine kleine Ehrengarde der Imperial Fists bestialisch abgeschlachtet wird, entsendet der Orden eine Kompanie zu Vergeltung. Doch auf Ghyre geraten die Imperial Fists in einen Strudel aus Politik, Verrat und Intrigen, für den sie nicht geschaffen wurden. Als dann noch ungebetene Unterstützung auftaucht, droht alles zu eskalieren.

Mit der Reihe Space Marine Conquest widmet sich die Black Library den absoluten Lieblingen des Warhammer-Universums: den Space Marines und ihren verschiedenen Orden. Zeitlich spielen die Romane alle nach dem großen Riss und der Rückkehr von Roboute Guilliman. Faust des Imperiums rückt die stoischen Imperial Fists in den Fokus. Die Söhne Dorns gelten als bemerkenswerte Spezialisten für Belagerungen. Die Jagd nach Kulten und besonders Politik zählen hingegen nicht zu ihren größten Stärken. Das Buch klingt also nach ein paar spannenden Stunden.

Handlung & Charaktere

Der Planet Ghyre im Segmentum Solar pflegt eine lange Verbundenheit zu den Imperial Fists. Kein Wunder also, dass eine kleine Ehrengarde ständig auf dem Planeten stationiert ist, der aus Sicht eines Space Marines vor allem Eines ist: Unfassbar langweilig. Nun wäre dieser Orden nicht der der Söhne Dorns, wenn sie nicht auch dies mit stoischem Gleichmut ertragen würden. Doch als plötzliche Aufstände außer Kontrolle zu geraten drohen, sehen sich die Übermenschen gezwungen, einzugreifen und ihren Orden um Unterstützung zu bitten, ganz entgegen der Meinung der lokalen Streitkräfte. Die Sicherung eines wichtigen Punktes gerät allerdings für die Ehrengarde zum Desaster, das niemand überlebt.

Einem Wunder gleich schaffen sie jedoch einen Hilferuf abzusetzen, der herrlich warhammer-skurril erst weit über ein Jahr später zur gewünschten Reaktion führt: Dem Eintreffen einer ganzen Kompanie der Imperial Fists unter ihrem Captain Torr und seinem Primaris Scriptor Aster Lydorran. Bereits kurz nach der Landung gerät nach einem Anschlag alles aus den Fugen und Aster Lydorran muss sich nicht nur mit Politik herumärgern, sondern auch mit skeptischen Nicht-Primaris-Brüdern, einem psionischen, extrem starken Feind und ungebetener Hilfe.

Es beginnt ein hektischer Kampf gegen die Zeit, bei dem sich erst drei Fraktionen aneinander reiben und fast schon selbst bekämpfen, um letztendlich doch gemeinsam die Bedrohung für den Planeten und den ganzen Sektor zu bekämpfen. Dabei wird ordentlich Munition in Körper gejagt und kaum mehr als 10 Seiten des Romans kommen ohne umfassende Kämpfe aus, bei denen die Imperial Fists geradezu planlos in eine Falle nach der nächsten rennen.

Im Zentrum der Erzählung stehen Aster Lydorran und seine durchaus charismatische Gegenspielerin Phoenicia Jai, die beide interessant geschrieben sind und in sich stimmig wirken. Leider bleibt Andy Clark recht oberflächlich. Immer wieder teasert er zum Beispiel bei Lydorran an, wie dieser damit umgeht, ein Primaris unter alten Marines zu sein, aber kaum droht charakterliche Tiefe, geht irgendwo ein Bolter los.

Schreibstil

Die Perspektive wechselt zwischen beiden Hauptfiguren und sorgt dafür, dass man das ganze Gemetzel von beiden Seiten verfolgen kann. Andy Clark hat einen sehr flüssigen Schreibstil, was sicher auch an der wirklich guten Übersetzung meiner geschätzten Mit-Teilzeitheldin Marie Mönkemeyer liegt. Spannungsbögen konstruiert Clark dabei solide. Seine Beschreibungen der Szenerien und Kämpfe sind zwar keine literarischen Highlights, aber gut vorstellbar.

Allgemeines zum Buch

Andy Clark ist einer der Verantwortlichen für die Hintergrundgeschichten von Warhammer und hat diverse Space Marine-Romane geschrieben. Wenn er nicht grade Bolter durch die Gegend feuern lässt, schreibt er zudem für DC grafische Novellen und Comics. Das Buch selbst gehört zur Reihe Space Marine Conquest, die klar auf actionlastige Abenteuer der titelgebenden Space Marines fokussiert ist. Dabei steht meist ein Orden im Mittelpunkt der mit Unterstützung einen ikonischen Feind des Imperiums bekämpfen muss.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Black Library
  • Autor: Andy Clark
  • Erscheinungsdatum: 2020
  • Sprache: Deutsch/Englisch (Aus dem Englischen übersetzt von Marie Mönkemeyer)
  • Format: Taschenbuch, Ebook
  • Seitenanzahl: 320
  • ISBN: 978-1-78193-456-2
  • Preis: 12,99 EUR (Taschenbuch), 9,99 (Ebook)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Fazit

Andy Clark schreibt vorrangig Space Marine-Romane und das merkt man. Die Story folgt einem bekannten und vorhersehbaren Ablauf, und wenn mal ein paar Seiten lang kein Bolter abgefeuert wird, ist man beinahe verwundert. Die Charaktere bieten an sich viel Spannung, besonders durch den Konflikt zwischen alten Marines und Primaris. Dieser bleibt aber deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück, und auch die Antagonistin wird erst gegen Ende wirklich tiefer betrachtet. Bei einem Space Marine-Roman darf man das aber wohl so erwarten.

Erstaunlich ist jedoch, wie ein Hintergrundschreiber, der zudem noch auf Space Marines spezialisiert scheint, den Geist eines Ordens so verkennen kann. Stoisch heißt eigentlich nicht stumpf und flexibel heißt nicht planlos. Die Imperial Fists gelten mitunter als die besten Militärtechniker mit hoher Präzision und Geduld. Hier erleben wir Heißsporne, die den Hulk bedacht wirken lassen, und in eine offensichtliche Falle nach der anderen tapsen.

An Space Marine-Romanen sollte man sicher keine hohen literarischen Erwartungen stellen, aber zumindest die Idee des jeweiligen Ordens sollte eingefangen werden. Lässt man dies jedoch außer Acht, erhält man sehr soliden Bolterporn, der auch ganz nebenbei konsumiert werden kann.

Artikelbilder: ©Black Library
Layout und Satz: Roger Lewin
Lektorat: Susanne Stark
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

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