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Alpharius: einer von zwei Herren der Alpha-Legion. Vermutlich der Verschlagenste unter all den Söhnen des Imperators. In der Primarchen-Reihe widmet sich Mike Brooks vieler seiner Geheimnisse und seines Weges vom Schatten ins Licht. Wir begleiten den Kopf der Hydra und berichten, ob sich das lohnt.

Die Reihe The Horus Heresy: Primarchs erzählt nach und nach die Geschichte von 18 der 20 Primarchen der Space Marine-Legionen aus Warhammer 40.000. Die Geschichten spielen alle deutlich vor dem 40sten Jahrtausend und weisen im Wesentlichen die Merkmale eine Origin-Story auf. Die Romane stehen dabei immer für sich und die Qualität kann man bestenfalls als durchwachsen bezeichnen. Fulgrim ist unfassbar langweilig, während Konrad Curze zu den besten Romanen der Black Library gehören dürfte. Dementsprechend ist die Vorfreude auf neue Primarchen-Romane, zumindest inhaltlich, eher ambivalent.

Story

Jede Legion hat mehr oder weniger eine herausragende Eigenschaft: Ultramarines schaffen effiziente Verwaltungen, Emperor‘s Children sind für ihre strategische, taktisch und operative Perfektion bekannt und die Night Lords für ihre unerreichte Fähigkeit Terror zu verbreiten. Die Alpha-Legion hingegen ist geschaffen Geheimnisse herauszufinden und zu bewahren – quasi Mission Impossible in Space. Verdeckte Operationen, Attentate, Entführungen, das ist die Welt dieser Legion, verkörpert durch ihre Primarchen Alpharius und Omegon. Zwillinge die es gar nicht geben dürfte.

Der Prolog startet auf Alpharius‘ Flaggschiff während eines Hinterhaltes auf den abtrünnigen Kriegsherren Horus. Dabei bleibt man als Leser*in im Dunkeln über die Absichten von Alpharius; was einen spannenden Einstieg bietet. Die eigentliche Handlung beginnt auf irgendeinem von Menschen bewohnten Planeten, auf dem ein orientierungsloser Alpharius in einer abgestürzten Kapsel zu sich kommt. Er weiß weder wer er ist, wo er ist oder was er ist. Er weiß jedoch, dass ihm etwas fehlt. Instinktiv findet er dennoch zu seinen übermenschlichen Fähigkeiten zurück und erwehrt sich allerlei Gefahren, bis er vom Imperator entdeckt und nach Hause gebracht wird.

Angeblich als Erster der verlorenen Söhne kehrt er nach Terra zurück und wird dort vorerst vom Imperator versteckt. Tarnung, Täuschung und Geheimnisse werden fortan zu seinen treuen und einzigen Begleitern. Zwar ist auch Malcador, der Sigilit und engste Berater des Herren der Menschheit eingeweiht, aber Malcador ist mehr Lehrer als echter Mentor oder gar Freund. Das Gefühl allein zu sein, ändert sich als Alpharius seine Legion bekommt. Obwohl nach und nach andere Söhne auftauchten und mit ihren neuen Legionen in Kriege ziehen, sollen Alpharius und seine Legion weiter im Schatten weilen. So führen ihre Aufträge sie immer an viele Orte der Galaxie, um Eroberungen ihrer Brüder im Geheimen vorzubereiten. Eine dieser Missionen führt Alpharius schließlich nach Tigris III, wo er sein Schicksal finden wird.

Schreibstil

Der Roman ist als Erzählung aus Sicht von Alpharius geschrieben. So nimmt man sowohl an seinen Gedanken als auch seiner Wahrnehmung der Geschehnisse teil. Oftmals wendet er sich direkt an die Leser*innen und stellt rhetorische Fragen. Allerdings ist Alpharius, trotz seines Intellektes, kein begnadeter Erzähler. Zwar passt die nüchterne Art, beinahe einem Tagebuch ähnlich, zu Alpharius, aber grade actionreiche Teile der Geschichte leiden darunter durchaus. Zudem überspitzt Brooks vollkommen die Selbstverliebtheit von Alpharius. Kaum eine Seite vergeht, in der er sich oder seine Legion nicht über alle Maßen lobt und über andere Legionen und sogar das Adeptus Custodes stellt. Zwar ist Hybris eine Eigenschaft vieler Primarchen und Space Marines und mitunter in Romanen nervig, aber hier wurde es unpassend übertrieben. Stellenweise kam es mir vor, als würde Fulgrim erzählen. Bei ihm hätte es absolut gepasst. Bei Alpharius nervt es. Ansonsten plätschert die Geschichte vor sich hin und weist echte Spannung erst im letzten Viertel auf. Nebencharaktere bleiben allesamt blass und sind furchtbar austauschbar.

Übersetzt wurde der Roman von Mark Schüpstuhl, der auch zahlreiche andere Romane der Primarchen-Reihe übersetzt hat. Wie auch bei Curze ist die deutsche Übersetzung tadellos.

Der Autor

Mike Brooks ist ein junger Fantasy-Autor aus Nottingham. Für die Black Library schrieb er 2018 seinen ersten Roman Wanted: Dead und 2019 dann den großartigen Roman Das Auge des Navigators.

Erscheinungsbild

Das Cover zeigt Alpharius mit seinem legendären Speer in Front einiger Legionäre, die ihm wie aus dem Gesicht geschnitten scheinen. Damit folgt das grundlegende Design den anderen Primarchen-Romanen, die stets ein Artwork des Primarchen in den Fokus stellen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Black Library
  • Autor: Mike Brooks
  • Erscheinungsdatum: Juni 2021
  • Sprache: Deutsch/Englisch (Aus dem Englischen übersetzt von Mark Schüpstuhl)
  • Format: eBook/Softcover
  • Seitenanzahl: 246
  • ISBN: 978-1-781935-6-20
  • Preis: 17,99 EUR (Print) /11,99 EUR (eBook)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, idealo

 

Fazit

Alpharius: Der Kopf der Hydra beginnt vielversprechend, es wird die Neugier geweckt was Alpharius mit dem Angriff auf Horus bezweckt, bei dem er scheinbar leichtsinnig sein Leben riskiert. Doch die folgende Origin-Story bleibt belanglos, obwohl die Alpha-Legion und die beiden Brüder-Primarchen so viel zu bieten hätten. Omegon spielt quasi gar keine Rolle, außer dem diffusen Gefühl nicht komplett zu sein. Das ist nett, aber wird schnell repetitiv. Zudem wirkt Alpharius in seinem Verhalten manchmal eher wie ein Teenager, der sich gegenüber den Erwachsenen beweisen will, denn eine hochintellektuelle Tötungsmaschine. Kombiniert mit der nervigen Selbstbeweihräucherung entsteht ein Roman, der nicht im Gedächtnis bleibt.

Das mag nach einem schlechten Roman klingen, aber das ist er nicht einmal. Ab und an gewährt er interessante Einblicke in das Leben eines Primarchen unter der Fuchtel seines Vaters und im Imperialen Palast. Erst im letzten Viertel entfaltet der Roman echtes Potential, das ist jedoch viel zu spät. Erneut ein Warhammer-Roman mit verschenkten Chancen. Für Fans der Alpha-Legion oder Primarchen-Reihe ist er sicher lesenswert, für Neu-Einsteiger*innen zu speziell.

  • Tiefe Einblicke in Alpharius‘ Leben
 

  • Langweilige Story
  • Nerviger Protagonist
  • Blasse Nebencharaktere

Artikelbilder: © Black Library

Layout und Satz: Roger Lewin

Lektorat: Sabrina Plote

Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.

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