Was wäre, wenn es Videospiele nicht gäbe? Wenn Computer nur zur Datenverarbeitung benutzt würden und Konsolen nie erfunden worden wären? Mit genau dieser Frage beschäftigt sich der Roman Godmode und damit, was geschieht, wenn eine Person sich aber noch an eine Welt mit Videospielen erinnern kann.
Die Videospiel-Branche ist eine der größten der Welt. Sie prägt ganze Generationen von Menschen, bringt sie zusammen und eSports haben mittlerweile eine ähnliche Wettbewerbsstruktur wie andere Sportarten. In der heutigen Zeit sind Videospiele kaum wegzudenken und vermutlich niemand stellt in Frage, dass man auf einem Computer auch Spiele spielen kann.
Eine Welt ohne Videospiele erscheint langweilig, trostlos, geradezu unmöglich. Keine Streams, kein eSport, kein Sofa Gaming, niemand, der eine Freundschaft nach einer Runde Mario Party beendet. Doch genau das hat Manuel Schmitt, der Autor von Godmode, sich ausgemalt. In dieser Welt existieren sie nicht – Brett- und Rollenspiele dagegen schon, sind aber vielmehr Nischenprodukte, als sie in unserer Welt sind. Doch beginnen wir von vorn.
Keine Trigger.
Story
Neil Desmond, der Protagonist, ist im Jahr 2029 einer der erfolgreichsten eSportler des fiktiven Spiels PentaGods. Er hat Millionen Fans und Abonnenten, wird im Internet gefeiert und steht kurz davor, die Meisterschaft zu gewinnen.
Hinter sich vereint er ein Team von drei Personen: sein bester Freund Trevor, seine Social-Media-Managerin Martha und sein Manager Gregory. Gemeinsam brechen sie am Silvester-Abend des Jahres 2029 auf, damit Neil in Los Angeles bei der World Championship antreten kann. Eines der größten Events des Jahres, tausende Besuchende sind im Stadion und Millionen sehen im Internet zu. Es kommt zu einem Zusammentreffen der Giganten: Orkus666 (Neils Streamer-Pseudonym) gegen KiraNightingale, seine größte Rivalin. Durch geschickte Züge von KiraNightingale verliert Neil diese Konfrontation jedoch und damit die Chance auf den Titel.
Vor lauter Wut über sein eigenes Versagen und darüber, dass KiraNightingale ihn ausgespielt hat, legt er einen regelrechten Rage-Quit hin: Er fegt seinen Monitor vom Tisch und stürmt von der Bühne. Zu allem Überfluss hat er dann auch noch Streit mit seinem ganzen Team und verbringt den Rest dieses Silvesterabends allein in seinem geliebten Penthouse in Los Angeles. Und er wünscht sich, dass es keine Videospiele gäbe …
Am nächsten Morgen erwacht Neil – und stellt fest, dass sein Wunsch der letzten Nacht in Erfüllung gegangen ist. Er findet sich in einer Welt wieder, in der sich niemand außer ihm an Videospiele erinnern kann. Er ist als Putzmann angestellt, bei einem der größten Daten-Unternehmen dieser Zeit: ATRIA Data Alliance. Seine vorigen Freunde umgeben ihn noch immer – Gregory ist sein Arbeitskollege und Vorgesetzter, Martha Programmiererin bei ATRIA und Trevor immer noch sein bester Freund. Auch KiraNightingale ist nach wie vor Teil seines Lebens, doch anders als er zunächst denkt.
Schnell fasst Neil einen Plan: Er muss der Menschheit zeigen, welches Potenzial Videospiele mit sich bringen. Doch er selbst kann nicht programmieren und Computer sind in dieser Welt viel zu teuer. Er braucht also Menschen, mit denen er zusammenarbeiten kann, denen er seine Ideen (oder vielmehr Erinnerungen) vorstellen kann, um Videospiele in diese Welt zu bringen.
Wie das Ganze sich gestaltet, wird hier nicht weiter beleuchtet, jedoch soll ein kurzer Blick auf einen Aspekt der Geschichte geworfen werden. Da im folgenden leichte Spoiler zu finden sind, können geneigte Leser*innen, die keine Details erfahren möchten, im Absatz „Schreibstil“ fortfahren.

In rasanter Geschwindigkeit baut Neil sich ein Team auf und beginnt, Videospiele aus seinen Erinnerungen zu reproduzieren. Dabei startet es mit einfachen Spielen wie Pong oder Pacman, doch schnell kommen Super Mario, Mario Kart und schließlich sogar Doom hinzu. Zeitlich spannt sich die Erzählung über ein Jahr, in dem Neil eine unglaubliche Bandbreite von Videospielen entwickelt oder entwickeln lässt, inklusive deren Grafik und teils eigenen Engines (im Falle von Doom). Auch wenn die Technik im Jahr 2030 deutlich weiter ist als zu Zeiten der ersten Videospiele, erscheint dies doch eher unglaubwürdig und unrealistisch. Trotzdem wird mit diesem scheinbaren Erfindungsreichtum auch die ursprüngliche Entwicklung dieser Spiele beleuchtet und wieso zum Beispiel die Doom-Engine ein wichtiger Meilenstein der Videospiel-Geschichte war, sodass diese Entwicklung durchaus interessant zu verfolgen ist.
Schreibstil
Godmode ist aus der Sicht von Neil Desmond in der dritten Person geschrieben. Der Schreibstil ist gut zu lesen, hält sich nicht mit übermäßigen Beschreibungen der Umwelt auf und ist fokussiert auf das Geschehen. Immerhin muss ein ganzes Jahr in gerade einmal 336 Seiten vergehen und dabei geschieht eine ganze Menge. Dass so viel geschieht, macht die Geschichte rasant, als Leser*in kommt schnell das Gefühl auf, dass es Schlag auf Schlag geht und das Geschehen sich von Seite zu Seite schnell weiterentwickelt.
Die Charaktere bleiben dabei nicht auf der Strecke und sowohl der Protagonist als auch die wichtigsten Nebencharaktere werden ausreichend vorgestellt und deren Entwicklung gezeigt. Dabei kommt möglicherweise der Wunsch auf, dass Neil sich hier oder da anders entscheidet, die aus mancher Sicht „bessere“ Entscheidung trifft, doch sein Vorgehen passt zu seinem bisherigen Verhalten.
Der*die Autor*in
Manuel Schmitt ist manchen vielleicht eher als SgtRumpel bekannt. Als solcher hat er auf Youtube viele Let’s Plays hochgeladen und sich damit einen Namen gemacht. Mittlerweile ist er in vielfältigen Feldern tätig: als Regisseur, Drehbuchautor, Programmierer und vieles mehr. Er lebt und arbeitet in Köln.
Erscheinungsbild
Das Cover von Godmode ist einfach, jedoch effektiv gestaltet. Es sieht aus wie ein Gameboy erster Generation, auf dessen Bildschirm drei Sterne und der Titel des Romans sichtbar sind. Es ist klar sichtbar, dass hier versucht wurde, schon auf manche Retro-Aspekte des Buches anzuspielen. Auch auf der Rückseite des Buches, wo vier Pixel-Figürchen zu sehen sind, setzt sich dieser Stil fort. Von hinten sieht der Roman wie die Rückseite einer Konsole aus.
Das äußerliche Erscheinungsbild ist also gut und passend gemacht. Außerdem fällt positiv auf, dass das Buch ohne Folien-Verschweißung daherkommt, die ja ohnehin nur im Müll landet.
Das Hardcover an sich ist nicht so fest wie man es von den meisten Büchern dieser Art kennt, sondern leicht biegbar, wodurch aber auch weniger Sorge bei den ein oder anderen Lesenden aufkommen dürfte, den Rücken beim Lesen zu knicken. Das Schriftbild ist klar und die Seiten angenehm befüllt – nicht zu viel Text oder zu wenig mit zu viel Zeilenabstand. Mit knapp 340 Seiten lässt sich der Roman auch recht schnell lesen. Dadurch ist er entsprechend kurzweilig und eignet sich auch gut für eine längere Bahnfahrt oder dergleichen.

Die harten Fakten:
- Verlag: Knaur
- Autor: Manuel Schmitt
- Erscheinungsdatum: 01. August 2023
- Sprache: Deutsch
- Format: Hardcover
- Seitenanzahl: 336
- ISBN: 978-3426227947
- Preis: 16,99 EUR (Print), 12,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus/Downloadcontent
Am Ende des Romans stehen ein Nachwort und eine Danksagung des Autors. Hier geht er noch einmal auf die Entstehungsgeschichte dieses Werkes ein und erläutert einige der Easter-Eggs, wie zum Beispiel diverse große Spielestudios, die teils unter abgewandeltem Namen vorkommen. Mit von der Partie ist dabei auch Blizzard, was jedoch bei manchem nicht unbedingt Begeisterung hervorrufen dürfte. Falls den Lesenden also ein paar davon nicht aufgefallen sind, wird noch einmal alles erklärt und auch ein Licht auf die Videospiel-Szene geworfen, die das Leben von Manuel Schmitt prägte und zu diesem Buch führte.
Fazit
Insgesamt weiß Godmode zu unterhalten. Der Roman von Manuel Schmitt, der vielen als Streamer SgtRumpel bekannt sein könnte, greift einige schöne Details der Videospiel-Szene auf, beleuchtet sie und hat einige Easter-Eggs für begeisterte Gamer*innen zwischen den Seiten versteckt.
So bekommen sowohl Blizzard als auch EA einen kleinen Auftritt, wobei ersteres vielleicht bei manchen Personen negativ auffallen könnte. Außerdem wird auf die Entstehungsgeschichte des ein oder anderen Spieles eingegangen, was durchaus interessant ist und aus zweierlei Perspektiven geschieht: Wie es ursprünglich entstand und wie es aus einer heutigen Sicht mit dem heutigen Stand der Technik laufen könnte.
Letzteres ist jedoch an manchen Stellen etwas unglaubwürdig. So wird Mario Kart im Roman von einem Team aus 4 Personen innerhalb weniger Wochen entwickelt. Auch wenn der Roman im Jahr 2030 mit anderen Voraussetzungen als zu Zeiten der Veröffentlichung des ersten Mario Kart spielt, so ist es doch nicht wirklich vorstellbar, dass dies mit so wenigen Personen so schnell gehen könnte.
Dennoch ist der Rest des Romans gut geschrieben, auch wenn man sich für Neil vielleicht eine etwas andere Charakterentwicklung und „bessere“ Entscheidungen wünscht, sind sie dennoch nachvollziehbar und ergeben am Ende eine stimmige Geschichte.

- Unterhaltsam
- Kurzweilig
- Interessanter Blickwinkel auf Videospiel-Geschichte
- Manche Handlungsstränge logisch schwer vorstellbar
Artikelbilder: © Knaur, © TripleMedia
Layout und Satz: Melanie Maria Mazur
Lektorat: Maximilian Düngen
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