Middangard, ein Land voll uralter Magie, ist schon lange nicht mehr sicher. Als ein Mörder umherzieht und Hexenzirkel tötet, wird die Wilde Jagd unter Söldnerführer Gent beauftragt, ihn zu finden. Die Hexe Smilla schließt sich ihnen an, um Rache zu nehmen, ohne zu ahnen, welches dunkle Geheimnis Gent verbirgt.
Smilla, eine junge Hexe, hat alles verloren. Ein erbarmungsloser Mörder, der durch das Land zieht und Magiebegabte tötet, nahm ihr jeglichen Lebensmut. Nun ist sie auf Rache aus und würde alles tun, um diese zu bekommen. Eine Weissagerin prophezeite ihr, dass sie auf den Mörder ihrer Familie treffen würde, wenn sie sich der Söldnertruppe Wilde Jagd anschlösse. Unter einem Vorwand schafft sie es, die Söldner*innen zu finden, und versucht, sich ihr Vertrauen zu erschleichen. Ohne es zu wollen, wird Smilla langsam Teil der Gruppe und knüpft erste freundschaftliche Bande. Gent jedoch, der Anführer, macht sie nervös. Nach und nach kommt sie ihm näher, ohne zu ahnen, was er vor ihr und den Söldner*innen verbirgt.
– Psychische Krankheit (PTSD, Persönlichkeitsstörung)
– Gewalt
– Tod, Tod durch Feuer
– Blut
Inhaltsverzeichnis
Story
Die Geschichte spielt in Middangard, einem Land voll uralter Mächte, Heimat vieler magischer Wesen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wird das Land jedoch von Trollen, Walküren und weiteren gefährlichen magischen Wesen heimgesucht, ohne dass jemand die tatsächlichen Gründe dafür kennt.
Die junge Hexe Smilla lebt ein beschauliches, glückliches Leben in einer Hexengemeinschaft in einem der großen Wälder. Bis eines Nachts ein Schlächter auftaucht und die Bewohnenden niedermetzelt. Smilla überlebt nur dank eines Zufalls und schwört fortan Rache. Sie setzt alles daran, den Mörder ihrer Familie aufzuspüren. Eine Wahrsagerin führt sie auf den richtigen Weg, denn wenn sie sich der Wilden Jagd anschlösse, würde diese sie auf die Spur des Hexenschlächters führen.
Smilla als intelligente, gewitzte und wunderschöne Hexe, die, auch wenn sie ihre magischen Fertigkeiten versteckt, als starke Kämpferin mit Schwert und Stab heraussticht, weiß bald schon nicht nur die Lesenden, sondern auch die Mehrheit der Söldner*innen für sich einzunehmen. Ohne dies geplant zu haben, bilden sich zwischen Smilla und ihren Kamerad*innen erste freundschaftliche Bande. Mit Gent, dem Anführer, entwickelt sich sogar etwas, das man als mehr bezeichnen könnte als nur Freundschaft. Wenn die beiden es denn nur wollten. Ihre dunklen Vergangenheiten, Traumata und gefährlichen Geheimnisse hindern beide daran, ehrlich zueinander sein zu können. Auch jeden Schritt aufeinander zu lassen sie nur misstrauisch zu. Die Lesenden erfahren dieses Aufeinanderzugehen aus den Perspektiven dieser beiden Protagonist*innen. Die Perspektiven wechseln sich mit jedem neuen Kapitel ab.
Als die Wilde Jagd schließlich den Auftrag bekommt, den Hexentöter aufzuspüren, weiß Smilla, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Die Wilde Jagd scheint dem Mörder immer näher zu kommen, quer durchs Land folgen sie seiner Spur. Immer wieder stolpern sie über die von ihm hinterlassenen Leichen unschuldiger Menschen, schnell und unerwartet mittels eines Kehlenschnitts umgebracht. Diese Bilder der Toten, ausgeblutet in ihren Waldhütten, auf Lichtungen oder in ihren Zimmern, verfolgen die Wilde Jagd bis in ihre Träume. Doch die Suche der Wilden Jagd bleibt nicht unbemerkt von politischen Mächten, sodass sie Gefahr von einer weiteren Front fürchten müssen.
Die Geschichte lebt von den Perspektiven Smillas und Gents. Durch die Tiefe der Charaktere fiebern die Lesenden mit, mehr von ihnen zu erfahren und mit ihnen zu erleben. Doch auch die weiteren Protagonist*innen des Romans kommen nicht zu kurz. Alle haben etwas zu erzählen, sind vielschichtig und glaubhaft. Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich es die Autorin schafft, Minderheiten in ihrem Roman zu repräsentieren. Behinderungen und Religion werden ebenso wie gleichgeschlechtliche Partnerschaften in die Geschichte gekonnt eingeflochten. Mitglieder der Wilden Jagd können Teil einer Minderheit sein, ohne dass dieser Fakt den beschriebenen Charakter definiert, vielmehr ist es nicht mehr als eine einfache Tatsache über einen komplex beschriebenen Menschen.
Das Ende, auf das die gesamte Geschichte hinarbeitet, reißt Protagonist*innen wie Lesende emotional mit sich. Logisch erarbeitet und dennoch überraschend weiß die Autorin mit einem hervorragenden Abschluss für die Geschichte aufzuwarten, sodass das Buch nur mit Bedauern zur Seite gelegt werden kann. Schade ist, dass die Autorin einen Widerstreit, den sie aufgebaut hat, durch das Ende recht schnell beseitigt. Eine ausführliche Auseinandersetzung der Protagonistin Smilla mit dieser Thematik wäre interessant geworden.
Schreibstil
Carina Schnell beschreibt die von ihr erdachte Welt in einem angenehmen, flüssigen Stil. Bildhaft können sich Lesende die Wälder und Felder vorstellen, auch wenn das Augenmerk eindeutig auf den Charakteren der Wilden Jagd liegt. Die beiden Protagonist*innen Smilla und Gent nehmen hierbei den meisten Raum ein, insbesondere da die Kapitel auch aus ihren Perspektiven die Geschichte erzählen.
Die Welt mit ihren an nordische Mythologie erinnernden Wesen, Riten und Religionen wirkt anziehend und faszinierend. Fans von The Witcher dürften sich in diesem Weltenbau wohlfühlen, tun doch die Protagonist*innen auch nichts anderes als Monster, die Menschen gefährlich werden können, gegen Entlohnung zu jagen. Auch die Welt mit all ihren verschiedenen, geheimnisvollen bis hin zu gefährlichen nichtmenschlichen Bewohner*innen übt einen ganz eigenen Reiz aus. Indem die Wilde Jagd durch das Land zieht, können Lesende sowohl die Größe als auch Faszination des Landes miterleben. Mitunter wird beschrieben, dass zwischen den Städten und kleineren Dörfern weite Strecken zurückzulegen sind, die von Wildnis vereinnahmt wurden.
Die Autorin
Die deutsche Autorin Carina Schnell stammt aus dem nordhessischen Kaufungen. Sie studierte Übersetzungswissenschaften in Heidelberg sowie Fachübersetzen im Master in Genf. Ihre Sommer in Kanada-Reihe verschaffte ihr den Titel Spiegel-Bestseller-Autorin. Mit A Breath of Winter veröffentlicht sie den ersten Teil einer Dilogie, der den SERAPH-Literaturpreis für das Beste Buch 2024 gewann . Der zweite Teil erscheint unter dem Titel A Whisper of Wings am 1. Oktober 2024 ebenfalls im Knaur Verlag.
Erscheinungsbild
Das Cover wurde von dem bekannten Illustrator Alexander Kopainski gestaltet, der bereits eine Vielzahl bekannter phantastischer Werke verschönern durfte, darunter auch A Song of Wraiths and Ruin. Die Buchgestaltung ist mit ihren dreidimensionalen Elementen sehr gelungen, zwei gekreuzte Schwerter passen zum Roman. Denn Smilla hebt sich dadurch ab, dass sie stets zwei Schwerter auf dem Rücken trägt. Schwertgriffe, Titel sowie schwarze Ranken sind leicht hervorstehend und wurden mit Glanzdruck veredelt. Insgesamt ist das Cover als gelungen und passend zu bewerten, gleichwohl es zwischen vielen anderen Buchgestaltungen der Phantastik etwas untergeht.
Die harten Fakten:
- Verlag: Knaur
- Autorin: Carina Schnell
- Erscheinungsdatum: November 2023
- Sprache: Deutsch
- Format: Paperback
- Seitenanzahl: 512
- ISBN: 978-3426528754
- Preis: 16,99 EUR (Print) + 12,99 EUR (E-Book)
- Bezugsquelle Fachhandel, Amazon, idealo
Bonus
Im Inneren des Paperbacks verstecken sich zwei besondere Seiten. Illustrationen der Protagonist*innen Smilla und Gent finden sich auf halbdurchsichtigen Seiten innerhalb des Buches. Diese unterteilen das Buch in drei Teile und bereichern die Geschichte durch die Darstellung ihrer beiden Hauptpersonen. Gleichzeitig geben sie den beiden Hauptpersonen der Geschichte ein Gesicht.
Fazit
In Middangard, einem Land voller uralter Magie, zieht ein Mörder umher und tötet Hexenzirkel. Die Wilde Jagd unter Söldnerführer Gent wird beauftragt, ihn zu finden. Die junge Hexe Smilla schließt sich der Gruppe an, um Rache zu nehmen, ahnt jedoch nicht, welches dunkle Geheimnis Gent verbirgt.
Der Schreibstil von Carina Schnell ist flüssig, bildhaft und fesselnd. Durch ihre detaillierten Beschreibungen können die Lesenden sich lebhaft in die Welt von Middangard hineinversetzen, angefangen bei den mystischen Wäldern bis hin zu den gefährlichen Kreaturen, die darin lauern. Der Weltenbau ist beeindruckend und erinnert an nordische Mythologie, was der Geschichte eine faszinierende und authentische Atmosphäre verleiht und an The Witcher erinnert. Die Darstellung der magischen Wesen, Riten und Religionen in Middangard ist ansprechend und zieht die Lesenden tief in die Welt der magisch Begabten, Seher*innen und Söldner*innen hinein. Insgesamt schafft Carina Schnell mit ihrem Schreibstil und Weltenbau eine packende phantastische Welt, die Lesende in ihren Bann zieht. Zwei Illustrationen der Protagonist*innen im Inneren des Buches sind eine zusätzliche Bereicherung für das Buch.

- Fesselnde Handlung
- Vielschichtige Charaktere
- Gelungener Weltenbau
- Umgehen eines interessanten Konflikts
Artikelbilder: © Knaur, depositphotos ©Rustic Witch
Layout und Satz: Annika Lewin
Lektorat: Maximilian Düngen
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