Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Endlich wird Peter V. Bretts Dämonensaga fortgesetzt. Die Menschen glaubten, die Dämonen besiegt zu haben, doch die Horclinge kehrten zurück. Olive, Tochter des legendären Ahmann Jardir, soll die Pforten öffnen und die Menschen in den Kampf führen und steht vor schwierigen Entscheidungen.

Mit Die Fürstin der Schatten, im Original veröffentlicht unter dem Titel The Hidden Queen, setzt Peter V. Brett seine Dämonensaga fort. Das Werk schließt direkt an die Handlungen aus Der Prinz der Wüste an.

Nach der gewaltsamen Entführung in die Wüstenstadt Fort Krasia entdeckt Olive ganz neue Seiten an sich. Nicht nur als Prinzessin des Tals, sondern nun auch als Prinz unter den Sharum entwickelt Olive Fähigkeiten, die für den anstehenden Kampf gegen den Prinzen der Dämonen von Nutzen sein können. Denn dass nach den Jahren des Friedens nun ein Sturm aufziehen wird, ist nicht mehr nur dem engsten Kreis um Olive bekannt. Begleitet wird Olive insbesondere auch von Darin, Sohn des Arlen Strohballen. Dieser kämpft mit seinen eigenen Dämonen, prasseln ob seiner sensiblen Wahrnehmung der Umgebung doch stets zu viele Informationen auf ihn ein. Er muss lernen, mit seinen Fähigkeiten umzugehen, um im kommenden Kampf gegen die Horclinge gerüstet zu sein. Gemeinsam mit ihren Freund*innen steuern die beiden auf den alles entscheidenden Kampf gegen den Prinzen der Dämonen zu, der unausweichlich zum nächsten Neumond ansteht.

Triggerwarnungen

– Gewalt

– Body Horror (Blut)

– Tod

[Einklappen]

Story

Die Fürstin der Schatten begleitet die beiden jungen Protagonist*innen Olive und Darin. Die Kapitel werden abwechselnd aus ihren jeweiligen Perspektiven erzählt. Da beide ihre Rollen erst noch finden müssen, ehe sie diese zur Gänze einnehmen können, beschäftigen sich viele Gespräche und Gedanken mit inneren Konflikten. Entsprechend angenehm langsam ist das erste Drittel das Buches, das Olives Konflikt zwischen seiner*ihrer bisherigen Rolle als Prinzessin des Tals und der neu gewonnenen mit Macht verbundenen Rolle als Prinz und Krieger darstellt. Dieser Konflikt Olives, sowohl mit dem eigene Geschlecht als auch den sozialen Strukturen und Anforderungen, die mit den jeweiligen Geschlechterrollen verbunden sind, nehmen in Bezug auf Olive einen Großteil der ersten Buchhälfte ein. Darin hingegen hat eher mit sich selbst zu kämpfen. Als in den Tiefen der Erde in Magie geborener Mensch sind seine Sinne überaus fein, sodass ihm große Menschenmengen zu schaffen machen. Da er jedoch der Sohn des berühmte Arlen Strohballen ist, sind öffentliche Auftritte für ihn unerlässlich. Er hadert jedoch nicht nur mit seinen zahlreichen Sinneseindrücken, sondern auch dem Zutrauen in seine eigenen Fähigkeiten.

Der Schwerpunkt des Werkes liegt ganz klar auf der Charakterentwicklung. An spannender Handlung soll es der Geschichte jedoch nicht mangeln. Ab der Hälfte des Buches wird den Lesenden klar, dass sich die Hinweise auf die Austragung des Konflikts mit dem Alagai Ka, dem Prinz der Dämonen, verdichten und ein Kampf unausweichlich ist. Die Erzählgeschwindigkeit zieht an und mit alten wie neuen Verbündeten ist es nun an den jungen Held*innen, den Dämonen die Stirn zu bieten und einen letzten großen Kampf sowohl um die Zukunft ihrer Länder als auch die Freiheit ihrer eigenen Eltern zu führen.

Im Gegensatz zum ersten Band der Reihe geht Die Fürstin der Schatten mehr Risiken ein. Erstmals werden nicht nur bekannte Schauplätze und Protagonist*innen gezeigt, sondern auch neue Personen sowie mehr Hintergründe. Auch neue Handlungsstränge führen erstmals wieder zu komplexen und erwartbaren wie unerwarteten Konflikten. Das Tempo der Geschichte ist am Anfang angenehm langsam, steigert sich jedoch nach und nach, sodass es gegen Ende mit hoher Spannung einhergehend recht schnell ist. Durch die Nutzung von weissagenden Priesterinnen schafft es Peter V. Brett, einzelne Handlungsstränge bereits anzudeuten, ohne zu viel zu verraten. Das Ende ist somit handwerklich gut erarbeitet, jedoch nicht zu vorhersehbar.

Die Charakterarbeit in Die Fürstin der Schatten ist sehr gut. Insbesondere Darin machte eine enorme Persönlichkeitsentwicklung durch. Er wurde mit großer Macht geboren, zweifelt jedoch stets an sich selbst. Gepaart mit einer gewissen Sozialphobie, geboren aus seinen sehr feinen Sinnen und der Aufnahme zu vieler anstrengender Eindrücke, kann Darin sich stark entwickeln. Gleichwohl lernt er nicht nur, auf sich selbst zu vertrauen, sondern dass er genauso in bestimmten Situationen die Hilfe anderer annehmen kann und darf. Brett verarbeitet so eine Thematik in seinem Buch, die viele Menschen betreffen kann: Die Angst vor dem Versagen und der Umgang mit großen Menschenmengen. Mit Olive, einem Charakter, der zwischen den beiden Geschlechtern schwankt und als intersexuell bezeichnet werden könnte, hält Brett nicht nur innerhalb der Geschichte der Gesellschaft den Spiegel vor, sondern greift aktuelle und wichtige Themen der heutigen gesellschaftlichen Debatte auf.

Schreibstil

Mit Die Fürstin der Schatten erwartet Lesende die langersehnte Fortsetzung des Werkes Der Prinz der Wüste. Im aus dem Vorgängerwerk bereits bekannten Präsenz erzählt Brett in seinem gewohnt flüssigen Erzählstil auf gut 900 Seiten die Geschichte Olives und Darins. Dass das Buch derart viele Seiten hat, merken Lesende kaum, denn es ist schneller gelesen als gedacht.

Peter V. Brett legt den Fokus seiner Erzählung auf Charakterentwicklung, vergisst hierbei jedoch weder die Beschreibung der Welt noch spannende und aktionsreiche Kampfszenen. Insbesondere im letzten Drittel zeigt er hier, was sein Repertoire bereithält. Den Gedankengängen der jungen Protagonist*innen im Alter von circa 16 Jahren ist leicht zu folgen. Besonders lobend ist die Übersetzung von Ingrid Herrmann-Nytko aus dem amerikanischen Englisch Bretts zu erwähnen. Diese schließt passend an die vorangegangenen Werke an und lässt sich flüssig und leicht lesen.

Der Autor

Peter V. Brett ist ein amerikanischer Autor, Jahrgang 1973, mit Wohnsitz in Brooklyn, New York. Auch wenn er sich schon immer für Fantasy und das Schreiben interessierte, veröffentlichte er erst 2008 mit The Painted Man, zu Deutsch Das Lied der Dunkelheit, seinen ersten Roman. Mit diesem Buch wurde er schnell erfolgreich, sodass in der Welt von Das Lied der Dunkelheit als erstem Band der Dämonensaga bald viele weitere Werke folgen sollten. Die Dämonensaga umfasst im Original insgesamt fünf Bücher sowie vier Novellen. An diese schließt die Nightfall Saga mit Die Fürstin der Schatten als nunmehr zweiten Band direkt an.

Peter V. Brett führt eine stets aktuell gehaltene Homepage und ist auf Instagram sowie Facebook vertreten.

Erscheinungsbild

Das Cover des Romans Die Fürstin der Schatten schließt nahtlos an die deutschen Veröffentlichungen an. Die Illustrationen aus der Feder Lauren K. Cannons ergeben gemeinsam mit der Umschlaggestaltung durch Nele Schlitz‘ Design ein stimmiges Äußeres, das Fans der Phantastik anspricht. Mit einer Gestalt in dunkler Kleidung, gehüllt in Schatten, wissen die Künstler*innen mit dem Titel des Werkes zu spielen. Schriftart und Hintergrund des Titels entsprechen wieder den ersten Werken des Dämonenzyklus, sodass einzig das Cover des Werkes Der Prinz der Wüste etwas aus der Reihe fällt. Sammler*innen der Reihe dürften sich somit über die Gestaltung von Die Fürstin der Schatten freuen.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Heyne
  • Autor: Peter V. Brett
  • Erscheinungsdatum: 13. November 2024
  • Sprache: Deutsch (Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Ingrid Herrmann-Nytko)
  • Format: Paperback
  • Seitenanzahl: 896
  • ISBN: 978-3453320284
  • Preis: 22,00 EUR (Print) + 14,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle Fachhandel, Amazon

 

Bonus/Downloadcontent

Peter V. Brett ließ sich für die Dämonensaga magische Symbole (englisch „wards“) von der Grafikerin Lauren K. Cannon designen. Diese finden sich sowohl zu Beginn jedes Kapitels als auch im Grimoire am Ende des Buches samt Erklärung ihrer Bedeutung. Auch ein „Krasianisches Lexikon“ findet sich dort, das auf diverse Begriffe wie auch Namen eingeht und so Lesenden den Einstieg in die Welt Bretts erleichtert. Ein abgedruckter Stammbaum erklärt die Familienzusammenhänge der Protagonist*innen zusätzlich zu den Erklärungen, die subtil in die Geschichte eingebaut wurden. Zwei jeweils zweiseitige Karten lassen die Herzen jener höher schlagen, die sich Reisen gerne auf Landkarten verbildlichen.

Fazit

In Die Fürstin der Schatten setzt Peter V. Brett seine Dämonensaga auf packende Weise fort und knüpft nahtlos an die Ereignisse aus Der Prinz der Wüste an. Die Geschichte folgt den jungen Protagonist*innen Olive und Darin, die sich inmitten eines wieder aufkeimenden Konflikts mit den Horclingen und dem Prinzen der Dämonen behaupten müssen. Während Olive zwischen seiner*ihrer Rolle als Prinzessin des Tals und der neu entdeckten Identität als Krieger hin- und hergerissen ist, kämpft Darin mit seinen eigenen inneren Dämonen, die durch seine überempfindlichen Sinne verstärkt werden.

Brett legt einen starken Fokus auf die Charakterentwicklung, was das Buch besonders macht. Die langsame Erzählweise zu Beginn ermöglicht es den Lesenden, tief in die inneren Konflikte der Protagonist*innen einzutauchen. Olives Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und seine*ihre intersexuelle Identität bieten eine frische Perspektive auf gesellschaftliche Themen, während Darins Entwicklung von Selbstzweifeln hin zu einem selbstbewussteren Menschen mehr intrinsische Probleme aufgreift. Die Handlung gewinnt im Verlauf an Tempo und Spannung, insbesondere als sich die Vorzeichen für den unvermeidlichen Kampf gegen den Alagai Ka verdichten. Der Schreibstil bleibt flüssig und fesselnd, was das umfangreiche Werk von fast 900 Seiten schnell lesbar macht.

Insgesamt ist Die Fürstin der Schatten nicht nur eine gelungene Fortsetzung der Dämonensaga, sondern auch ein tiefgründiges Werk, das aktuelle gesellschaftliche Themen anspricht und gleichzeitig spannende Abenteuer bietet.

  • Nachvollziehbare Charakterentwicklung
  • Spannende Handlung
  • Reflexion wichtiger Themen

 

  • Langsamer Beginn

 

Artikelbilder: © Heyne
Layout und Satz: Mika Eisenstern
Lektorat: Maximilian Düngen
Dieses Produkt wurde privat finanziert.
Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Durch einen Einkauf unterstützt ihr Teilzeithelden, euer Preis steigt dadurch nicht.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein