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Irgendwann kann es jeden Charakter am Spieltisch treffen. Die Lebenspunkte gehen gen Null und der Sensenmann sagt „Guten Tag“. Was nun? Ist es das Ende einer mehr oder weniger ruhmreichen Karriere oder wird der Charakter noch einmal aus den Fängen Gevatter Tod gerissen und wiederbelebt?

Der eigene Charaktertod ist meist kein schöner Augenblick. Doch nicht immer ist der Tod auch das Ende. In einigen Rollenspielsystemen haben die Spielenden noch ein kurzes Zeitfenster, ihre*n Mitstreiter*in zu retten und in manchen Systemen bestimmen die Spielenden, ob der Charakter tot oder nur außer Gefecht gesetzt ist. Wiederum andere Systeme rechnen damit, dass Charaktere sterben und haben direkt einige Zauber zur Wiederbelebung in petto. In manchen Regelwerken rechnet man damit, dass der Charakter nur eine kurze Verweildauer am Spieltisch hat und hat dementsprechend schon einen weiteren (oder mehr) in Reserve.

Triggerwarnungen

Tod

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Das Ende einer heldenhaften Karriere!?

Der letzte Hieb hat gesessen. Die Lebenspunkte des Charakters sind verbraucht, es geht zu Ende. Wirklich? Beim Pen-and-Paper-Rollenspiel muss der Tod nicht endgültig sein. Je nach System können Charaktere dem Tod noch im letzten Augenblick von der Schippe springen oder aber aus dem Totenreich zurückkehren. Dies funktioniert bei einer Mehrzahl an phantastischen Rollenspielen, weniger bei halbwegs historischen Systemen.

Gerade bei längeren Kampagnen kann man im Vorfeld mit der Spielleitung darüber sprechen, was im Falle eines Charaktertods passieren könnte. Können Charaktere überhaupt sterben und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Sind solche Eventualitäten geklärt, gibt es keine unschönen Überraschungen, wenn ein Charakter mit dem Tod konfrontiert wird.

Viele Spielende wünschen sich für ihren oftmals liebgewonnenen und lange bespielten Charakter ein filmreifes Ende. Der Tod sollte heldenhaft sein, einem größeren Zweck dienen und/oder andere Charaktere oder NSCs retten. Weniger schön sind Tode, die lediglich durch Würfelpech verursacht werden. Man erinnert sich lieber an die tapfere Schildmaid, die ihr Leben im Kampf gegen einen boshaften Nekromanten verlor und selbigen mit in den Tod nahm, als an den Barbaren, der eine Falle übersah, in ein bodenloses Loch fiel und nie wieder gesehen wurde. Hier kann man allerdings an eine verantwortungsvolle Spielleitung appellieren, die solche Situation zwar brenzlich, aber nicht unbedingt tödlich gestalten sollte.

Der letzte Kampf. © stasia04
Der letzte Kampf. © stasia04

Eine weitere Möglichkeit, einen Charakter umzubringen, ist Unvernunft oder Selbstüberschätzung. Meistens gehen solchen Situationen diverse Warnungen und Hinweise voraus, die von Spielenden gerne ignoriert werden. Ein klassisches Beispiel ist hier der Magier, der einen Feuerball in einem engen Raum spricht.

Meistens weist die Spielleitung darauf hin, dass solch ein Vorhaben eher suboptimal ist und auch die Mitspielenden intervenieren, besonders wenn ihre Charaktere sich gerade in diesem Raum befinden. So wurden schon ganze Spielgruppen an den Rand des Todes gebracht oder darüber hinaus.

So liegt der Charakter also leblos da, ein eventuell heilkundiger Charakter untersucht diesen noch einmal, zuckt mit den Schultern und verkündet: „Das war’s, der ist hin“. Ein Szenario, welches so natürlich eher selten stattfinden wird, doch kann es sein, dass ein Charakter sich nicht mehr vom Lebenspunktverlust erholt. Was einen im ersten Moment furchtbar frustrierend, traurig oder auch wütend werden lassen kann, mag sich aber zu einem weiteren Spielangebot entwickeln.

 

Der letzte Weg

Die erste Variante, mit dem Tod eines Charakters zu spielen, wäre es, für diesen ein angemessenes Begräbnis abzuhalten. Dazu sollte der Leichnam geborgen, eventuell vorhandene Angehörige informiert und eine passende Feier ausgerichtet werden. Die Spielenden könnten heldenhafte Anekdoten über den verblichenen Charakter erzählen, jemand vom Klerus könnte einige Worte an die Teilnehmenden richten (eventuell könnte diese Rolle der*die Spieler*in des abgetretenen Charakters übernehmen, damit für diese Person keine Langeweile am Spieltisch aufkommt).

Der Tod gehört zum Leben dazu. © lenschanger
Der Tod gehört zum Leben dazu. © lenschanger

Die Leiche kann der Ewigkeit übergeben werden, sei es durch ein Begräbnis, eine Einäscherung oder was auch immer sich der Charakter zu Lebzeiten gewünscht hat (zum Beispiel ins Meer geworfen, von Tieren aufgefressen oder auch in den Weltraum geschossen zu werden).

Um für den*die Spielende*n des abgetretenen Charakters einen runden Abschluss zu finden, könnte es sich anbieten, die Ankunft seiner Seele (oder dem entsprechenden Pendant) im Jenseits zu spielen. Eine fromme Geweihte der Rondra, wie es sie in der Welt des Schwarzen Auges gibt, könnte nach ihrem derischen Tode vor den Toren zu Rondras Hallen stehen, eintreten und an der Tafel alte Weggefährt*innen wiedersehen, während sie gemeinsam auf die letzte Schlacht warten.

 

Wenn sich eine Tür schließt

Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine neue, so das Sprichwort. In manchen Pen-and-Paper-Rollenspielsystemen kann man aber auch die geschlossene Tür wieder öffnen und ein weiteres Mal hindurchschreiten. Oder ganz einfach gesagt: Der Charakter wird wiederbelebt.

Es gibt Systeme, in denen kann ein toter Charakter binnen einer Frist wiederbelebt werden. Beim bekannten Rollenspiel Dungeon & Dragons erfolgt dies durch eine*n hochstufige*n Kleriker*in, Bard*in oder Paladin. Der benötigte Zauber Tote erwecken dauert eine Stunde zum Wirken, als Komponente wird ein Diamant im Wert von fünfhundert Goldmünzen verbraucht, allerdings kehrt der*die Verstorbene dann wieder ins Diesseits zurück, wenn auch schwerst verletzt. Einen Haken hat es allerdings: Fehlen lebenswichtige Körperteile oder Organe schlägt der Zauber fehl.

Eine Wiederbelebung kann auf vielerlei Art dargestellt werden. © Leks
Eine Wiederbelebung kann auf vielerlei Art dargestellt werden. © Leks

Auch in futuristischen Rollenspielen wie Warhammer 40.000 Schattenjäger kann ein Charakter wiederbelebt werden, was ihn allerdings einen großen Teil seiner Menschlichkeit kostet. Der Charakter wird hier zu einem Hybriden aus Mensch und Maschine umgebaut und kann so weiter gegen die Häresie ankämpfen.

Generell hat man beim Pen-and-Paper die Möglichkeit, solche Szenen besonders schön auszugestalten. Nur weil es in den Regeln heißen mag, dass es kein Ritual ist, heißt es noch längst nicht, dass man nicht eines daraus machen kann. Man könnte die Stimmung eines solchen Ereignisses versuchen einzufangen, indem man passende Hintergrundmusik abspielt und die Szenerie ausgiebig beschreibt. Hier könnte man an mehrere Sinne der Mitspielenden appellieren.

Sie könnten die melancholischen Klänge einer Geige hören oder Trommeln, die den Herzschlag symbolisieren. Die Leiche ist auf einem Altar aufgebahrt in einer Haltung, die eher nach Schlaf und nicht nach Tod aussieht. Dazu wird Weihrauch verbrannt, dessen schwerer Geruch in die Nasen steigt. Wirkt der Zauber, mag man die Rückkehr der Seele wie einen Windhauch spüren, der kurz an den Beteiligten vorbeizieht.

Dennoch sollte eine Wiederbelebung immer etwas Besonderes sein und in keiner Weise selbstverständlich, da es sonst passieren könnte, dass Charaktere zu sorglos mit ihrem höchsten Gut umgehen: Ihrem Leben.

 

Auch Schimmel hat Kultur

Neben dem Tod und der Wiederbelebung gibt es noch eine dritte Option, wie es nach dem Tod weiter gehen könnte, nämlich untot. In Terry Pratchett‘s Discworld RPG: Adventures of Ankh-Morpork (zu Deutsch: Abenteuer in Ankh-Morpork) kann es sein, dass Gevatter Tod selbst meint, die Zeit eines Charakters sei noch nicht gekommen. Passiert etwas, was das Leben einer Person beenden würde, obwohl deren Zeit noch nicht abgelaufen ist, so existiert diese Person dennoch auf der Scheibenwelt weiter. Bloß eben als Zombie. Der Körper beginnt also zu vergehen, doch tot ist er noch lange nicht. So kann es also sein, dass einem in den Straßen von Ankh-Morpork der ein oder andere Untote entgegenkommt. Untote sind dort in der Gesellschaft akzeptiert, denn alles passiert aus einem Grund.

Nicht immer endet die Pflicht mit dem Tod. © prometeus
Nicht immer endet die Pflicht mit dem Tod. © prometeus

Auch in dem Klassiker Vampire: The Masquerade spielt man, wie der Name schon sagt, Untote, nämlich Vampire. Ebenso wie bei dem neuen System Eat the Reich. Allerdings startet man dort in den meisten Fällen schon nach dem eigenen Ableben und der Umwandlung in ein vampirisches Wesen.

Bei andere Pen-and-Paper-Systemen werden Untote allerdings eher ungern gesehen. Dort handelt es sich meist um Verstorbene, welche sich durch (oft verbotene) Magie wieder erheben. Oftmals sind sie ohne freien Willen, gelenkt durch eine zauberkundige Person, besser bekannt als Nekromant*in. Von der Spielleitung werden daher Untote sehr gerne als Antagonisten eingesetzt.

Ist die gesamte Spieler*innenschaft damit einverstanden, kann man das „untot sein“ auch in Spielsystemen einsetzen, in denen es eher ungewöhnlich ist, dass Untote nicht nur Gegner sind. Zudem könnte man auch Untote als Auftraggeber einsetzen. Die Spielgruppe könnte zum Beispiel darum gebeten werden, etwas zu tun, damit der Untote friedlich zum ganz Toten wird (seinen Mörder finden, oder Angehörige ausfindig machen, um etwas zu klären.)

 

Es ist nicht immer das Ende

Der Tod des Charakters bietet auf jeden Fall viel Spielpotential, sei es durch seinen Tod oder seine Wiederbelebung. Es kann mit vielerlei Emotionen gespielt werden, wie zum Beispiel Trauer, Wut, Schmerz, aber auch Hoffnung und Freude.

Eventuell können die Spielenden im Vorfeld schon einmal darüber sprechen, was im Falle des Charakterablebens passieren könnte. Eventuell will der Charakter ja auch nicht wieder ins Leben zurückkehren. Sollte es dann irgendwann soweit sein, dass der Sensenmann vorbeischaut, so sollte es immer angemessen sein. Dem Charakter sollte ein würdiges Ableben beschert werden. Schließlich kann es auch sein, dass die Geschichte eines Charakters zu Ende erzählt ist und sein heroischer Tod ist der Beginn einer neuen Reise für einen vollkommen anderen Nachfolgecharakter.

 

Artikelbilder: © depositphotos.com
Layout und Satz: Norbert Schlüter
Lektorat: Nina Horbelt

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