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4X-Spiele sind nicht dafür bekannt, leicht zugänglich zu sein. Merkmale dieser epischen Spiele sind komplexe Regelwerke und Spiellängen, die mehr als abendfüllend sind. Ascending Empires von Strohmann Games bedient sich der 4X-Grundelemente; Explore, Expand, Exploit und Exterminate (Entdecken, Erweitern, Ernten, Eliminieren). Es ist trotzdem ein ungewöhnlicher Vertreter dieses Genres.

Mit dem Begriff 4X verbindet man epische Titel wie Twilight Imperium oder Voidfall. In langen, taktisch tiefen Partien liefern sich die Spielenden bei der Eroberung des Weltraums Schlachten, entdecken und erforschen neue Technologien oder bauen Rohstoffe ab. Diese Spiele eröffnen häufig eine große Bandbreite an spielerischen Möglichkeiten. Genau das macht dieses Genre für viele, vor allem Vielspielende, so spannend.

Das 2011 zum ersten Mal erschienene 4X-Spiel Ascending Empires wurde 2025 in der Zenith Edition von Strohmann Games auf Deutsch veröffentlicht. Dieser uns vorliegende Genrevertreter kann als äußerst ungewöhnlich bezeichnet werden, da er eine Komponente beinhaltet, die es von anderen 4X-Titeln stark unterscheidet. Während bei Twilight Imperium und Co. die Raumschiffe einfach bewegt werden, müssen diese hier geschnippt werden.

Ob diese Spielidee frischen Wind in ein etabliertes Genre bringt und wer die Zielgruppe von Ascending Empires ist, möchten wir euch mit diesem Artikel näherbringen.

Triggerwarnungen

keine typischen Trigger

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Spielablauf

4X-Spiele assoziiert man häufig mit verschiedenen Aspekten. Zum einen haben die meisten Spiele dieses Genres eine sehr lange Spielzeit, viel unterschiedliches Spielmaterial und eine immense taktische Tiefe. Mit seiner durchschnittlichen Spieldauer von 60 bis 90 Minuten ist die Spielzeit von Ascending Empires überschaubar. Dennoch ist es ein klarer, wenn auch ungewöhnlicher, Vertreter des 4X-Genres.

Spielaufbau für vier Spielende
Spielaufbau für vier Spielende

Schon der Aufbau wird den Spielenden, aufgrund der hervorragenden Sortiereinsätze, leicht gemacht. Es werden zwei Spielmatten ausgelegt, die die vier Sektoren des Weltraums darstellen. In Vertiefungen werden dann verdeckt Holzscheiben platziert, die Planeten symbolisieren. Jeder Planet erhält zudem verdeckt einen Reliktmarker.

Auf den sehr schönen vertieften Tableaus werden Truppen, Raumstationen und Gebäude gelagert, die im Laufe des Spiels eingesetzt werden können.

Alle erhalten in einem Sektor einen Startpunkt, das Warpgate, an dem zwei Spielsteine, die ersten Raumschiffe, platziert werden. Dazu hat es, wie jeder andere Planet, einen Orbit eingezeichnet. Berühren Raumschiffe diesen Kreis oder befinden sich zwischen Kreisbahn und Planet, sind sie im Orbit.

Ein Tableau und ein Behälter
Ein Tableau und ein Behälter

Während ihres Spielzugs können sich die Spielenden für eine von vier verschiedenen Aktionsmöglichkeiten entscheiden. Die für ein 4X-Spiel wohl ungewöhnlichste Aktion ist das Bewegen der Raumschiffe. Wer sich entscheidet, diese Aktion zu nutzen, darf zweimal schnippen. Das kann entweder mit einem Schiff geschehen oder auf zwei aufgeteilt werden. Gelingt es nun, den Orbit eines anderen Planeten zu erreichen, umkreist es diesen. Wenn dieser noch nicht aufgedeckt ist, wird er entdeckt. Entdecker*innen erhalten dann als Belohnung das darauf liegende verdeckte Relikt.

Im Rahmen von Bewegungen kann auch vor und nach dem Schnippen manövriert werden. Schiffe dürfen im eigenen Orbit verschoben werden, um den nächsten Schnipser zu erleichtern. Sie können landen und Truppen ausladen, um so den Planeten zu beanspruchen. Ebenso ist es möglich, Truppen mittels eines Raumschiffs wieder in die Kreisbahn des Planeten zu schicken.

Raumschiffe im Orbit um das Warpgate
Raumschiffe im Orbit um das Warpgate

Außerdem ist es möglich, auf eigenen besetzten Planeten neue Truppen einzusetzen oder Schiffe in den Orbit des eigenen Warpgates zu platzieren.

Von Spielenden kontrollierte Systeme können bebaut werden. Dazu stehen Stützpunkte, Städte, Sternenbasen und Forschungszentren zur Verfügung. Forschungszentren sind besonders, denn abhängig von der Farbe des bebauten Planeten werden in den Forschungsbäumen neue Technologien freigeschaltet. Die Anzahl der mit Forschungsstationen versehenen Planeten einer Farbe bestimmen das jeweilige Forschungslevel. Wer zuerst eine neue Forschungsstufe erreicht, erhält zusätzlich Siegpunkte.

Eine Besonderheit sind die blauen Reliktplaneten, bei denen die Forschungsstationen diese durch Terraforming umwandeln. Sie erhalten so eine andere Farbe. Werden Reliktplaneten bis zum Ende des Spiels nicht verändert, sind sie zwei Siegpunkte wert.

Ein bebauter Planet
Ein bebauter Planet

Spannende neue Mechaniken werden durch das Forschen zum Spiel hinzugefügt, beispielsweise die Gravitationsschlinge. Mit ihrer Hilfe können Schiffe auch dann im Orbit landen, wenn sie von Planeten abprallen.

Da die Forschungsbäume doppelseitig bedruckt sind, können diese von Spiel zu Spiel anders kombiniert werden, was für einen hohen Wiederspielwert sorgt.

Durch die Aktion Interagieren können Relikte genutzt werden, die den Spielenden besondere Aktionen ermöglichen. Da jedem Spielenden maximal drei Relikte zur Verfügung stehen, müssen überzählige auf das Reliktarchiv gelegt werden und stehen dort allen zur Verfügung. Zudem liegen offene Missionskarten aus, bei deren Erfüllung Siegpunkte erzielt werden.

Mittels Energie können alle Aktionen, außer das Bauen von Gebäuden, verstärkt werden. Das heißt, sie können pro ausgegebener Energieeinheit erneut ausgelöst werden.

Die Forschungsbäume
Die Forschungsbäume

Am Ende der Runde kann gekämpft werden. Verschiedene Einheiten und Gebäude haben Angriffs- beziehungsweise Verteidigungswerte. Ein Angriff kann immer dann stattfinden, wenn die Angriffsstärke den Verteidigungswert übersteigt. Der Kampf endet dann immer mit dem Sieg des Angreifenden. Das gibt zusätzlich Siegpunkte, abhängig davon, wie viel zerstört wurde.

Die Partie endet entweder, nachdem alle Planeten entdeckt und kontrolliert wurden, oder alle Siegpunktmarker des Vorrats verteilt sind. Am Ende gibt es zusätzlich Punkte für eingesetzte Truppen, errichtete Gebäude, erfüllte Missionen und kontrollierte Planeten. Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt die Partie. Bei Gleichstand entscheidet die Anzahl der errungenen Siegpunktplättchen und die höchste Summe aus Technologiestufen.

Beispiele für Kampf
Beispiele für Kampf

Das Spiel ist ein äußerst ungewöhnlicher Mix aus einem Geschicklichkeits- und 4X-Spiel. Während man bei den üblichen 4X-Titeln Downtime hinnehmen muss, ist bei Ascending Empires der gesamte Spielablauf äußerst flüssig und angenehm.

Natürlich muss man anmerken, dass die Spieltiefe nicht so hoch ist wie bei anderen Genrevertretern. Das Spiel ist ein leichtes Kennerspiel, das durch seine gute Zugänglichkeit als Gateway-Spiel dienen kann. Denn die grundlegenden Spielelemente sind die eines 4X-Spiels, das durch das Schnippen und die relativ kurze Spieldauer sehr einsteigerfreundlich gehalten ist. Wenigspielende können auf diese Weise an die Materie herangeführt werden, ohne von komplexen Regeln und überlangen Spielzeiten eingeschüchtert zu werden. Nichtsdestotrotz liefert das Spiel viele interessante strategische Entscheidungsmöglichkeiten und wird auch Vielspielende ansprechen, vor allem jene, die ungewöhnliche Spiele zu schätzen wissen.

Verschiedene Zusatzmodule
Verschiedene Zusatzmodule

Das Spiel ist sehr gut ausbalanciert. So werden in jedem Sektor dieselbe Anzahl an farbigen Planeten und Relikten ausgelegt, sodass niemand aufgrund der Startposition benachteiligt wird. Auch der Spielaufbau ist abhängig von der Personenzahl, unterschiedlich. So wird beispielsweise die Automa-Fraktion der Roboter genutzt, um mehr Konflikte ins Spiel zu bringen und die Spielzeit zu begrenzen. Wir empfehlen jedoch das Spiel mit vier Spielenden, da so mehr Interaktion aufkommt.

Ascending Empires ist aus unserer Sicht ein rundum gelungenes Spiel, das ein breites Spektrum an Spielenden anspricht und uns bereits auf der Spiel Essen 2024 überzeugen konnte.

Ausstattung

Die Materialausstattung ist hervorragend. Die Spielsteine für die Raumschiffe sind aus glatt lackiertem Holz und rutschen wie geölt über die schön gestalteten Spielmatten. Die aus Kunststoff gefertigten Gebäude und Truppen sind sehr schön gestaltet. Die Holzscheiben für die Planeten sind bedruckt und dick genug, dass sie nicht bei jeder Berührung durch die Gegend geschossen werden.

Bei Spielen mit viel Material ist uns die Aufbewahrung besonders wichtig. Die separaten Behälter für das Spielmaterial der Spielenden sowie der gesamte Sortiereinsatz sind absolut vorbildlich und vereinfachen den Spielaufbau deutlich.

Zu dem oben beschriebenen Grundspiel umfasst Ascending Empires auch diverse Erweiterungsmodule. Durch das Draften von Imperiumkarten starten alle mit einer Fraktion und erhalten so Sonderfähigkeiten. Megastrukturen können gebaut und Alienbibliotheken entdeckt werden. Die Spielenden haben sogar die Möglichkeit, Minenfelder in den Weltraum zu legen, um so Wege zu versperren. Hier wird das Spiel, ähnlich wie Drop Drive, zu einem kleinen Sandkasten. Das erhöht, neben den doppelseitigen Forschungsplättchen, den Wiederspielwert enorm.

Wer die Version des Spiels aus dem Jahr 2011 ausprobieren möchte, kann dies mit den klassischen Regeln, die sich im Regelwerk befinden. Das Regelheft ist gut und übersichtlich geschrieben. Das einzige Manko ist die anfangs etwas unübersichtliche Ikonografie.

Die harten Fakten:

  • Verlag: Strohmann Games
  • Autor*in(nen): Ian Cooper
  • Illustrator*in(nen): Sergi Marcet
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 60 – 90 Minuten
  • Spieler*innen-Anzahl: 1 bis 4 Personen (am besten zu viert)
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Preis: circa 130 EUR
  • Bezugsquelle: Fachhandel

 

Bonus/Downloadcontent

Das Regelwerk kann hier heruntergeladen werden.

Fazit

Ascending Empires liefert einen hervorragenden Einblick in die Mechanismen von 4X – Spielen und kann daher als gutes Gateway-Game für dieses Genre dienen. Wer Wenigspielende für 4X begeistern möchte, findet hier einen perfekten Einstieg. Vor allem der innovative Ansatz, die Raumschiffe zu schnippen, bereitet viel Spaß.

Durch die verschiedenen Forschungsbäume werden neue Mechanismen in das Spiel gebracht, die sogar das Schnippen erleichtern. So gibt es verschiedene Möglichkeiten, auch mit weniger Geschick siegreich zu sein. Außerdem gibt es für Vielspielende interessante strategische Möglichkeiten, die das Spiel auch für diese Zielgruppe attraktiv gestalten.

Die materielle Ausstattung ist zudem hervorragend. Über die mitgelieferten Spielmatten gleiten die sehr gut gearbeiteten Spielsteine wie geölt. Die vertieften Tableaus sorgen dafür, dass das umfangreiche Spielmaterial an Truppen, Gebäuden und Raumschiffen sicher abgelegt werden kann. Die zusätzlich enthaltenen Erweiterungsmodule zum Grundspiel und die variablen Forschungsbäume erhöhen außerdem den Wiederspielwert, was angesichts des Preises von circa 130 Euro wichtig ist.

Liebhaber*innen ungewöhnlicher Spiele und Spielende, die in die Welt von 4X-Spielen eintauchen wollen, können wir Ascending Empires bedenkenlos empfehlen.

Wir vergeben 5 von 5 Gravitationsschlingen.

  • Innovativer Spielmix
  • Hoher Wiederspielwert
  • Hervorragendes Material
 

  • Sehr hoher Preis
  • Ikonografie anfänglich unübersichtlich

Artikelbilder: © Strohmann Games
Layout und Satz: Mika Eisenstern

Lektorat: Nina Horbelt
Fotografien: Andreas Memmert
Dieses Produkt wurde vergünstigt zur Verfügung gestellt.

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