Vor langer Zeit, in einer Galaxis weit, weit entfernt ringen die helle und die dunkle Seite der Macht unaufhörlich miteinander. Nicht selten entscheiden einzelne Personen hier über das Schicksal des Universums. Solche kritischen Ereignisse werden Shatterpoints genannt und geben dem Skirmisher Star Wars: Shatterpoint seinen Namen.
Mit Star Wars: Legion gibt es schon seit längerem ein Tabletop-System auf dem Markt, welches größere Schlachten zwischen den verschiedenen Fraktionen des Star Wars-Universums behandelt. Star Wars: Shatterpoint konzentriert sich mehr auf Individuen, und so werden nur kleine Gruppen von Kämpfenden in Konflikte geführt. Atomic Mass Games versprechen schicksalshafte Begegnungen, bei denen alle Entscheidungen der Spieler*innen wesentlichen Einfluss auf den Spielverlauf haben. Ob sie damit recht behalten oder zu dick auftragen, haben wir überprüft.
Keine typischen Trigger
Inhaltsverzeichnis
Grundlegendes
Star Wars: Shatterpoint ist ein Science-Fiction-Skirmisher und wird mit Kunststoff-Miniaturen im 40mm-Maßstab auf einem 36×36 Zoll messenden Spielfeld gespielt. Spieler*innen kontrollieren ein Strike Team, welches aus zwei Squads besteht. Jedes Squad wiederum besteht aus drei Auswahlen, wobei manche Auswahlen aus mehreren Modellen bestehen können. In der Regel stehen pro Seite sechs bis zehn Modelle auf dem Tisch. Der Fokus liegt hier auf dem Erobern von Missionspunkten, welche im Spielverlauf zufällig per Kartenzug wechseln.

Die Grundregeln können auf Englisch und auf Deutsch kostenlos heruntergeladen werden und in dieser Rezension beziehen wir uns auf das deutsche Regelwerk. Die Grundbox für Star Wars: Shatterpoint liefert einiges an Spielmaterial, das meiste davon ist aber auch einzeln erhältlich. Wenn man bei den Markern und der Konfliktleiste improvisiert, ist man also nicht auf dieses Set angewiesen. Allerdings sind die Modelle und die Mission aus der Grundbox nur in diesem Set erhältlich und die Preisersparnis gegenüber dem Kauf einzelner Squad-Boxen ist enorm. Grundsätzlich ist die Box also als Grundlage empfehlenswert. Einheiten sind nur in Squad-Boxen erhältlich. Will man eine bestimmte Einheit seiner Sammlung hinzufügen, ist man also gezwungen, ein ganzes Set zu kaufen.
Die Regeln
Das Regelwerk liegt wie erwähnt der Grundbox als Druckversion bei oder kann kostenlos heruntergeladen werden. Direkt bei Atomic Mass Games gibt es die englische Variante. Im Community-Hub von Asmodee Deutschland erhält man das deutsche Regelwerk. Dieses ist zum Zeitpunkt dieser Rezension auf dem gleichen Stand wie das Original.
Die Regeln liefern viele Beispielbilder und Ahsoka führt mit hilfreichen Kommentaren durch das Heft. Leider ist die Struktur nicht wirklich gelungen und so wird man zumindest beim ersten Lesen immer wieder vor Fragen gestellt, die sich erst durch das Weiterlesen klären lassen. Auch die Übersetzung ist teils etwas sperrig, wenn versucht wurde, passende deutsche Begriffe für die Regeltexte zu finden. Grobe Fehler sind uns aber nicht aufgefallen.
Messen
Distanzen und Bewegungen werden mit speziellen Schablonen gemessen. Für Reichweiten gibt es vier Messstäbe in unterschiedlichen Längen, welche als „Range 2–5“ bezeichnet werden. Hinzu kommt „Range 1“, welche mit der Breite eines Messstabes ermittelt wird. Für Bewegungen werden zwei Schablonen mit einem Gelenk in der Mitte verwendet, ähnlich wie bei Star Wars: Legion. Für Stoß-Effekte gibt es eine weitere spezielle Schablone.

Würfel
Bei Star Wars: Shatterpoint unterscheidet man zwischen Angriffs- und Verteidigungs-Würfeln. Angriffs-Würfel haben acht Seiten. Diese sind einmal Kritischer Treffer, dreimal Treffer, zweimal Angriffskompetenz und zweimal Fehlschlag.
Verteidigungs-Würfel haben sechs Seiten, welche zweimal Abwehr, zweimal Verteidigungskompetenz und zweimal Fehlschlag sind.

Profile
Es gibt keine klassischen Profile mit verschiedenen Werten, auch wenn die Profilkarten in der deutschen Übersetzung als Wertekarten bezeichnet werden. Neben den Squadpunkten (SP) oder Punktekosten (PK) finden sich hier die Anzahl der zur Verfügung gestellten Macht-Punkte, der Einheitentyp, die Ära, aus der die Einheit stammt, Robustheit und Lebenskraft, und die Fähigkeiten der Einheit. Außerdem verfügt jede Einheit über verschiedene Schlüsselwörter, die für die Wirksamkeit von manchen Fähigkeiten wichtig sind.
Zusätzlich verfügt jede Einheit über eine Kampfstilkarte. Diese gibt vor, wie viele Angriffs- und Verteidigungswürfel genutzt werden können, was Kompetenz-Ergebnisse auslösen und wie der Kampfbaum aussieht, der die Effekte erfolgreicher Angriffe vorgibt. Einige Kampfstilkarten haben zwei Seiten mit jeweils einem Kampfstil. Der Kampfstil kann einmal pro Aktivierung geändert werden.
Ein Einsatzteam zusammenstellen
Ein Einsatzteam besteht aus zwei Squads. Um ein Squad zusammenzustellen, muss zunächst eine Einheit der Kategorie Primäre Einheit gewählt werden. Sie gibt die Ära vor, aus welcher das Squad stammt. Im Spiel gibt es den Untergang der Jedi, die Herrschaft des Imperiums, das Zeitalter der Rebellion und die Neue Republik. Manche Einheiten sind mehreren Ären zugeteilt. In diesem Fall muss eine Ära gewählt werden. Die Primär-Einheit gibt auch die Squadpunkte vor, die aufgewendet werden dürfen. Danach wird jeweils eine Sekundär-Einheit und eine Support-Einheit gewählt, welche aus der gleichen Ära stammen und zusammen innerhalb des Squadpunktelimits liegen müssen. Beim Zusammenstellen von Teams wird nicht zwischen verschiedenen Fraktionen unterschieden. Solange die Einheiten aus der richtigen Ära stammen, ist der Rest unerheblich. Es dürfen nur keine namentlichen Charaktere doppelt gewählt werden, beispielsweise eine Version von Ahsoka Tano als Primär-Einheit und eine Version als Sekundär-Einheit. Bunte Mischungen sind also möglich. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass all zu fremde Mischungen Einschränkungen durch nicht aufeinander anwendbare Fähigkeiten haben können.
Auf die gleiche Weise wird ein zweites Squad gebildet. Dieses muss nicht aus derselben Ära sein wie das erste. Doppelungen von namentlichen Charakteren aus dem ersten Squad sind nicht erlaubt.
Macht
Einige Einheiten verleihen ihrem Einsatzteam Machtpunkte. Diese bilden einen Pool, der sich jede Runde wieder auffrischt. Für das Durchführen mancher Fähigkeiten muss Macht ausgegeben werden. Hierbei spielt es weder für das Generieren der Punkte noch für die Fähigkeiten eine Rolle, ob die Einheit tatsächlich die Macht nutzt. Allerdings verleihen nur Primär-Einheiten Machtpunkte.
Ist eine Einheit angeschlagen und/oder verletzt, muss sie für aktive und reaktive Fähigkeiten pro Angeschlagen- und Verletzt-Marker einen Macht-Punkt mehr ausgeben. Dies gilt auch für ansonsten kostenlose Fähigkeiten.

Aktivierung
Jede Einheit verfügt über eine Befehlskarte. Zusammen mit einer Shatterpoint-Karte bilden sie den Befehlsstapel. Dieser wird vor jeder Runde gemischt und die Spieler*innen ziehen dann abwechselnd eine Karte und aktivieren die gezogene Einheit. Die Shatterpoint-Karte ermöglicht die Aktivierung einer beliebigen Einheit, auch wenn diese bereits aktiviert wurde.
Während einer Aktivierung kann eine Einheit bis zu zwei Aktionen durchführen, aber nie die gleiche Aktion mehrmals. Fähigkeiten und andere Spieleffekte können zusätzliche Aktionen bewirken, die nicht gegen das Limit zählen. Mögliche Aktionen sind eine Bewegung, Fokus, Kampf, die Nutzung einer Fähigkeit, Ausruhen und Ducken.
Manche Einheiten bestehen aus mehreren Modellen. Sie werden gemeinsam aktiviert und müssen die gleichen Aktionen durchführen.
Bewegung
Bewegungen können auf verschiedene Arten erfolgen. Einheiten können laufen, klettern, spurten oder springen. Für eine Bewegung wird einfach die Laufen- oder die Spurtschablone am Modell angelegt, gegebenenfalls am Gelenk eingeknickt und das Modell wird irgendwo platziert, so dass es die Schablone noch berühren kann. Dies muss nicht genau auf der Schablone geschehen, sondern kann auch daneben sein. Essenziell ist das Bewegen auf andere Ebenen, da das Spiel sehr dreidimensional gespielt wird. Viel Gelände ist also ratsam.

Fokus
Fokus erhöht die Anzahl der zu werfenden Angriffswürfel jedes Charakters der Einheit für diese Aktivierung um eins.
Kampf
Angriffe können auf Distanz oder im Nahkampf durchgeführt werden, vorausgesetzt, die Einheit verfügt auf ihrer Kampfstilkarte über Angriffswürfel für die entsprechende Art des Angriffs. Die maximale Reichweite für Fernkämpfe ist auf der Kampfstilkarte vermerkt. Nahkämpfe erfordern eine feindliche Einheit in Reichweite 2.
Für einen Angriff werden für die angreifende Einheit die angegebene Zahl von Angriffswürfeln geworfen. Das verteidigende Modell wirft entsprechend Verteidigungswürfel und die Ergebnisse werden verglichen. Kritische Treffer können nicht geblockt werden. Jedes Blocksymbol negiert ein Treffersymbol. Außerdem können Kompetenzsymbole auf Angriffs- und Verteidigungswürfeln gemäß der Kompetenztabelle für zusätzliche Effekte eingetauscht werden. Für jeden nicht negierten Treffer wird dann ein Schritt auf dem Kampfbaum abgearbeitet, wobei die so auftretenden Schadenspunkte und Effekte kommutativ sind. Das Ziel erleidet eine entsprechende Summe an Schadenspunkten und es werden gegebenenfalls weitere Effekte abgehandelt. Erleidet eine Einheit eine Schadenssumme, die ihre Robustheit erreicht oder übersteigt, gilt sie als Angeschlagen. Eine angeschlagene Einheit wird zu Beginn ihrer nächsten Aktivierung verletzt. Hat eine Einheit bei ihrer Aktivierung so viele Verletzt-Marker wie Lebenskraft, ist sie besiegt und wird aus dem Spiel entfernt.

Ausruhen
Mit der Aktion Ausruhen kann eine Einheit einen Schadenspunkt oder einen Zustand von sich oder einer verbündeten Einheit in Reichweite 2 entfernen.
Ducken
Mit dieser Aktion darf die nutzende Einheit um Reichweite 1 geschoben werden und sie erhält einen Ducken-Marker. Dieser Marker verleiht der Einheit Deckung und sie erhält einen zusätzlichen Verteidigungswürfel gegen Fernangriffe.
Ein Spiel gewinnen
Bei Star Wars: Shatterpoint geht es nicht nur darum, Gegner*innen auszuschalten, auch wenn dies durchaus hilfreich sein kann. Zu Beginn des Spiels wird eines der Missions-Sets gewählt und die zugehörigen Karten gemischt. Jede Mission hat einen Stapel Konfliktkarten für eine der drei Phasen. Aus jeder Phase wird nun verdeckt jeweils eine Karte gezogen und sie werden in aufsteigender Reihenfolge neben das Spielfeld gelegt. In der ersten Runde wird nun die Karte der Phase I gezogen und die Aufgabenmarker entsprechend der Vorgabe auf aktiv oder inaktiv gedreht. Aktive Marker können nun im Spielverlauf kontrolliert werden, indem sich mehr Einheiten als von der Gegenseite in Reichweite 2 und auf der gleichen Höhenebene befinden. Am Ende jedes Zuges wird abgerechnet und der Konfliktmarker für jeden kontrollierten Marker um ein Feld auf der Konfliktleiste verschoben. Gleichzeitig werden für bestimmte Ereignisse Fortschrittsmarker auf der Konfliktleiste platziert. Der Konfliktmarker wandert von der Mitte aus, die Fortschrittsmarker kommen von außen. Sobald die Fortschrittmarker einer Seite den Konfliktmarker auf der Leiste treffen, gewinnt der*die Spieler*in den Konflikt. Die Konfliktleiste wird dann wieder genullt und die Konfliktkarte für die nächste Phase aufgedeckt. Wer zuerst zwei Konflikte gewonnen hat, gewinnt das Spiel. Tatsächlich kommt es hier oft zu einem wilden Hin und Her, was das Spiel spannend macht.

Die harten Fakten:
- Verlag: Atomic Mass Games, Asmodee Deutschland
- Autor*in(nen): Will Shick, Michael Plummer
- Erscheinungsjahr: 2023
- Sprache: Deutsch
- Spieldauer: 90+ Minuten
- Spieler*innen-Anzahl: 2
- Alter: 14+ Jahre
- Preis: Regeln kostenlos
- Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon, KuTaMi
Fazit
Star Wars Shatterpoint ist ein schneller Skirmisher: Besonders die Bewegungen über mehrere Ebenen durch dichtes Gelände machen das Spiel interessant. Verschiedene Fähigkeiten und Synergien ermöglichen Ketten von Aktivierungen und Ereignissen, wodurch sich das Blatt schnell wenden kann. Das Spiel trägt seinen Namen also nicht zu Unrecht. Einsatzteams für Shatterpoint müssen nur aus der gleichen Ära stammen, wodurch wilde Mischungen geliebter Charaktere möglich sind. Es muss aber berücksichtigt werden, dass zum Teil Einheiten aus dem gleichen Bereich sich gegenseitig besser unterstützen können.
Die Regeln an sich sind nicht sehr kompliziert, jedoch ist das Regelwerk vom Aufbau beim Lernen etwas hinderlich. Viele Beispiele unterstützen aber den Lernprozess. Die deutsche Übersetzung wirkt an manchen Stellen etwas holperig, ist aber dennoch verständlich. Einheiten sind nur in ganzen Squads erhältlich und das Spiel benötigt viel Gelände mit mehreren Ebenen, um sein volles Potential zu entfalten. Somit kann eine Erweiterung der Sammlung schnell ins Geld gehen. Das Anschaffen der Grundbox ist aufgrund des Inhalts und der Kostenersparnis empfehlenswert, zumal die enthaltenen Einheiten und die Mission nicht separat erhältlich sind. Spielmaterial und zusätzliche Missionen können mit wenigen Ausnahmen aber auch außerhalb der Box gekauft werden.
Wer ein einzigartiges Spielsystem im Star Wars-Universum mit großen Miniaturen spielen möchte und vor zukünftigen Investitionen nicht zurückschreckt, kann hier nichts falsch machen.

- Dynamisches Missionssystem mit wechselnden Kontrollpunkten
- Sehr hochwertige 40mm-Miniaturen
- Spannende Wechselwirkung durch Synergien und Machteinsatz
- Hohe Kosten nach der Grundbox für Squads und Gelände
- Holprige deutsche Übersetzung mit mäßig strukturierter Regelvermittlung
- Modelle und Inhalte der Grundbox nicht einzeln erhältlich
Artikelbilder: © Atomic Mass Games, Lucasfilm Ltd.
Layout und Satz: Dominic Niederhoff
Lektorat: Alexa Kasparek
Fotografien: Dennis Rexin
Dieses Produkt wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.


















