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Gothic Horror, Märchen, Familiendrama, Fantasy: In ihrem genreübergreifenden Roman The Book Eaters springt Sunyi Dean nicht nur zwischen den Gattungen, sondern kommt mit einem wahren Konglomerat an Motiven daher. Gelingt es bei diesen Ausgangsbedingungen, ein spannendes und immersives Leseerlebnis zu schaffen?

Protagonistin Devon Fairweather entstammt einer geheimnisvollen Gemeinschaft von Familien, die abgeschieden in der düsteren Umgebung Yorkshires lebt, den sogenannten Book Eaters. Diese Wesen stillen ihren Hunger nicht mit Nahrung, sondern mit Büchern. Dies hat den vorteilhaften Effekt, dass das Wissen und die Geschichten aus diesen auf sie übergehen.

Die Gesellschaft der Book Eaters ist streng patriarchalisch organisiert. Sie leben in Familienclans, die durch arrangierte Ehen ihren Fortbestand sichern. Frauen sind rar und werden vor allem für die Reproduktion gebraucht. Devon, selbst in romantischen Vorstellungen von Ritterlichkeit und Heldentum aufgewachsen, beginnt zu erkennen, wie sehr ihr Leben fremdbestimmt ist. Ihrer Rebellion wird durch Lügen und Manipulation Rechnung getragen.

Als ihr Sohn Cai zur Welt kommt, verändert sich alles. Unfähig, seinen Hunger durch das wortwörtliche Verschlingen von Büchern zu stillen, verlangt es ihn nach Gehirnen von Menschen. Diese Abart der Spezies wird Gedankenesser genannt, und normalerweise gibt es einen Weg, diesem Verlangen zu begegnen. Doch dieser Weg ist für ihn versperrt. Gemeinsam mit ihm flieht Devon vor ihrer Familie und den gesellschaftlichen Fesseln, die das System der Buchesser Frauen auferlegt. Verzweifelt sucht sie nach einem Weg, Cai ein Überleben und vielleicht sogar eine Zukunft in Freiheit zu ermöglichen.

Triggerwarnungen

Bodyhorror, Anlehnung an dissoziative Persönlichkeitsstörung, Vergewaltigung

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Handlung & Charaktere

Die große Stärke von The Book Eaters ist die sehr gute Ausgestaltung aller Charaktere. Sie sind durch die Bank moralisch ambivalent, sowie erfreulich divers. Besonders Devon ist hier hervorzuheben, zerrissen zwischen den patriarchalen Traditionen, mit denen sie aufwuchs, und ihrem eigenen Gewissen und einer Gefühlswelt, die sich zum einen durch Selbstbestimmung und zum anderen durch die Bindung einer Mutter zu ihrem Kind auszeichnet.

Devons Sohn Cai ist ebenfalls nicht nur das wehrlose Kind, das mittellos ist und aufgrund seiner Fragilität besonders beschützt werden muss. Dies charakterisiert den Fünfjährigen, doch gleichzeitig ist er ein Monster, das in der Lage ist, Menschen ihre Seelen auszusaugen. Die Gefühlswelten, die mit dieser Gemengelage zwischen Mutter und Kind einhergehen, sind von Sunyi Dean sehr nachvollziehbar gestaltet.

Dieser Grundkonflikt treibt die Handlung voran, die beständig zwischen verschiedenen Elementen wie beispielsweise Horror und Beziehungserzählung, Spannung und Märchen variiert. Somit plätschert sie niemals vor sich hin. Allerdings sind manche der Horror-Elemente nichts für schwache Nerven.

Schreibstil

Die Entscheidung, die Handlung in zwei Erzählebenen aufzuteilen, erweist sich ob der Fülle an Themen, die The Book Eaters behandelt, als goldrichtig: Während der in Rückblicken erzählte Werdegang Devons sich zentral mit Themen wie feministischer Selbstbestimmung, Freiheit und Patriarchat auseinandersetzt, behandelt der Part, der in der Gegenwart spielt, die Themen Mutterschaft, Autonomie und das Eingehen von Wagnissen für selbstgesetzte Ziele. Beide Erzählstränge finden am Ende zusammen, wobei der Kontrast, angesiedelt zwischen der märchenhaften Umgebung der jungen Devon und der harten Wirklichkeit der Mittdreißigerin, besonders eindrucksvoll wirkt. Einzig das allzu hoffnungsvolle, vielleicht auch klischeehafte, Ende passt nicht ganz zur durchweg düsteren Welt der Book Eaters.

Allgemeines zum Buch

Der Sunday Times-Bestseller The Book Eaters ist der Debütroman der in Texas geborenen und in England lebenden Autorin Sunyi Dean. Die deutsche Ausgabe ist an die englische angelehnt und besticht durch ein ins Auge fallendes Cover und in der Erstauflage mit passendem Farbschnitt.

Die harten Fakten:BookEaters Titelbild

  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Autorin: Sunyi Deam
  • Erscheinungsdatum: 25.07.2025
  • Sprache: Deutsch (Aus dem Englischen übersetzt von Axel Franken)
  • Format: Paperback
  • Seitenanzahl: 496
  • ISBN: 978-3-7577-0128-4
  • Preis: 18,00 EUR (Print) + 12,99 EUR (E-Book)
  • Bezugsquelle: Fachhandel, Amazon

Fazit

Der Debütroman The Book Eaters überzeugt auf zwei Ebenen: Zum einen erzählt er eine packende Geschichte um weibliche Selbstbestimmung in einer patriarchalen Welt und zum anderen von der Mutterliebe und wie weit eine Frau bereit ist, für ihre Kinder in einer feindlich gesinnten Welt zu gehen. Der Genremix, der anfangs etwas wild anmutet, erweist sich als richtig, um tief in diese düstere, moralisch ambivalente Welt rund um die bücheressenden Familien einzutauchen.

  • Stark ausgearbeitete Charaktere
  • Zwei spannende Handlungsebenen
 

  • Etwas zu hoffnungsvolles Ende

Artikelbilder: © Bastei Lübbe
Layout und Satz: Kai Frederic Engelmann
Lektorat: Rick Davids

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